Was im Essen ist

Heute bei einem anderen Bäcker 20 oder 30 Minuten in der Schlange gestanden, dabei Gedichte und Blogeinträge gelesen. An der großen Straße war das. Hinter mir ruft irgendwann jemand jemand anders an und fragt nach einem Rührei, er möchte eins haben oder schlägt vor, schon einmal eines zu essen, weil es länger dauere, da höre ich nicht so genau hin.

Auf dem Fahrrad die ganze bisherige Woche hindurch, auch schon in der letzten Woche wohl, Fragmente des Lieds von den Elchen im Kopf herummschwirren gehabt, ich kenne die Melodie noch, aber der Text ist Bruchstückhaft.

Schutzmaske auf, in die Bäckerei gehen, versuchen möglichst schnell zu sein, damit die anderen nicht noch länger warten müssen. Das obere Ende der Maske auf dem Nasenrücken, der neu hinzugekommene, schwankende, baumwollweiße Horizont, auch wenn es sich heute um Polyester handelt, am unteren Rand des Blickfeldes, die Lesebrille beschlägt, wenn sie gleichzeitig getragen wird, etwa im Supermarkt, um herauszufinden, was im Essen ist. Das alles ist nicht weiter schlimm.

Schmetterling und Gürteltier

Seitdem die Verkehrsbetriebe ihren Sonderfahrplan fahren, fahre ich nicht mehr mit ihnen, sondern an den Tagen, an denen ich nicht zu Hause arbeite, mit dem Rad. Die Lektüre der Blogbeiträge, die die Zeiten so anspülen, ist dadurch sehr ins Stocken, da diese gerne in der Straßenbahn vollzogen wurde.

 
Die kreisende Erzählweise der Partikel, in etwa, flüstert mir ein, Du wirst die­se Stadt spa­zie­ren, ohne sie zu berüh­ren mit Dei­nen Hän­den, kei­nen Men­schen berüh­ren, kei­ne Stra­ßen­bahn, kei­ne Häu­ser­wand, Dann kommen die Gespenster. Zu mir auch wieder, letzte Nacht. Aber keine Erinnerung daran. Letztes Jahr um diese Zeit hast Du noch gelebt, so mehr oder weniger, oder? Hast gehört, wie die Amseln verstummen, aber die Amseln , immerhin, sind wieder viele, und sie singen lauter als je a«±èôºj&§9µ›Y, und auch die jungen Stare. Muss immer wieder an die Band Banque Allemande und ihr Album „„Willst du Chinese sein musst du die ekligen Sachen essen„ denken. Gürteltier und Schmetterling.

 

Heute ein Bild gemalt auf dem Tisch im Schreibzimmer, vielleicht war es notwendig, um den Schreibtisch wieder aus der Wertschöpfungslogik der Telearbeit zu befreien. Das, jedenfalls, ist gelungen.

 

Aus den Briefen – 7 –

Als ich gestern zur Arbeit ging, verließ ich das Haus und ging durch den Park zum Bäcker an der Ecke. Ich ließ einen Müllmann vor, der für sich und seine Kollegen Kaffee holen wollte, und wartete, draußen vor der Tür, in der schönen Frühlingssonne, während die Tür ab und zu wieder aufging, um Milch/Zucker-Wünsche abzustimmen. Die Standard-Besatzung eines Müllwagens besteht aus drei Leuten. Einer fährt, und zwei fahren hinten mit und kümmern sich – in diesem Fall um die gelben Säcke. Eigentlich wollten wir, ich sprach davon, Anfang Mai die Schwester besuchen in Dublin. KLM hat die Flüge jetzt storniert. Die Eltern werde ich auch nicht sehen, außer dass wir uns zur Videotelefonie verabredet haben. Nachdem ich die Brötchen gekauft hatte, ging ich wieder nachhause, zur Arbeit.

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Die Zombie-Apokalypse findet weiterhin nur im Fernsehen statt.

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Gerade sind die Nachrichten um null Uhr vorbei, im Radio läuft der Nachtclub mit Paul Baskerville, als ich das Fenster öffne, um eine Flasche Bier von der Fensterbank zu nehmen, mischen sich die Glockenschläge zur Mitternacht mit dem Sound aus dem Radio. Gerade spielte er Mark E. Smith. Wir sind eingeschneit im April, und auch das wird vorübergehen. Nach der Pandemie um 6 im Kelch?

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[Kein Rauchgeruch in dieser Nacht. Bedeutet nicht, dass da kein Feuer wäre.]

 

1.000 Seifen

Nach 1.000 Seifen riechen raue Hände:
ganz von Lipiden umhüllte Gestalten

kommen Dir näher, als du denkst, und welches

Gebein Dir auch entgegen kriecht,
universeller eindeutiger Bezeichner:

Nimm alle Uhrzeigersinne beisammen,

(hör auf, das Schweigen, an unverhofftem Ort,)
geht die Ratte in Metall frohgemut ans Werk!