Andeutung und Zwischenahnung

Ein Exemplar der Tageszeitung »Dagblad van het Noorden«, genauer die Samstagsausgabe vom 22. Dezember .2018, die ich an diesem Tag in einer nördlichen Stadt kaufte, wärmte mir seitdem immer, wenn ich den Rucksack trug, vergessenerweise meinen Rücken. Sie befand sich im für Zeitungen oder tragbare Schreibmaschinen gedachten Fach meines Rucksacks und bewahrte zugleich die Einkäufe, etwa wie heute tiefgefrorene Erdbeeren sowie Blattspinat, vor durch die dicke Winterjacke doch heraussickernder Körperwärme.

Bei Fotos ist ja das Unscharfe, Unsichtbare, die Zwischenräume — besonders auch das Unvermögen, ein gutes Foto anzufertigen — das Wahre, Gute und Schöne. Das was man nicht sehen kann und das Langweilige, der Papierkorb, die Verkehrsampel, die tägliche Wiederkehr. Die Aufnahme vom Supermarkt-Parkplatz. Die verwackelten Bilder, die ich unterwegs mache, immer nur auf dem Weg zur Arbeit, immer in der Einflugschneise, noch eins noch eins und noch eins, aus dem fahrenden Bus, während die Regentropfen doch an der Fensterscheibe herunterlaufen ud all das. Das Unscheinbare, Unsichtbare, nur eine Andeutung bleibende ist interessanter als ein Rennwagen, dessen Karosserie große Rohre schmücken, die Schlangen mit explosivem Atem gleichen, ist schöner als die Nike von Samothrake. Andeutung und Zwischenahnung — und alles, was dazu gehört.

Heute auf der Lister Meile zwei rote Matjes gekauft in dem Fischladen.

[Einmal für drei Monate]

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In dieser Stadt liegt noch eine ganz andere, große Stadt, von der ich wirklich nur etwas geahnt habe und die ich nur durchquerte, bis jetzt, bis ich jetzt, beim erneuten und sozusagen fast täglichen Wiederholen der Durchquerung bemerke, das diese Quartiere eine ungeahnte Ausdehnung besitzen und das die Stadt in Gänze viel größer ist, als immer angenommen. Ich glaube, dass sich noch viel mehr überraschende Urbanitäten in allen Himmelsrichtungen finden könnten. Heute auf dem Weg nachhause die Idee gehabt, dass es wirklich ganz schön wäre, einmal für drei Monate in einem anderen Stadteil wohnen zu können, und dann wieder für drei oder vier Monate in noch einer ganz neuen Gegend. Das wird jetzt so eine Idee sein, die mich jahrelang verfolgen wird, das weiß ich jetzt schon. So legt man sich eine fixe Idee nach der nächsten in das Kästchen hinein, bis endgültig angebaut werden muss. Ende der Durchsage.

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Die Fotos passen nun noch nicht wirklich, da ich mich noch nicht getraut habe, einfach die Kamera oder das Telefon im vorrübergehen zu gebrauchen, beiläufig und verwackelt, um das Zittern zu kaschieren, im Dämmerlicht.

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Vielleicht das ich die Fotos dann einfach gegen andere austausche, es wird ja eh niemand bemerken.

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Denn was gegen alle Gegenden jenseitz der Bödeker bzw. Ferdinand-Wallbrecht spricht ist doch: Sie sind einfach zu weit entfernt von der Calenberger Neustadt, der Nordstadt und Linden. Aber für jeweils drei Monate, das könnte gehen. Man müsste natürlich die Wohnung behalten können.

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Und einmal hier drin kommst Du nie wieder raus, es sei denn Du bist Snake Plisken

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Karteikarten

Am Vormittag die Mappe, in welche die Beraterin beim Bildungsträger die Werbung usw. hineingetan hatte, zu Karteikarten zerschnitten, wie ich sie zur Ordnung der Fotoabzüge brauche. So wird alles wieder verwendet und geht von einem Ordnungssystem in ein anderes über, zu dem es wohlmöglich sogar in Opposiotion steht, aber das würde jetzt zu weit führen.

 

Die Kartoffeln, die ich schälte, hatte ich auf dem Markt gekauft am letzten Mittwoch. Sie sind allesamt etwas nierenförmig gewachsen, so dass das Schälen der nach innen gewölbten Seite recht schwierig war.

Nachmittags nach Linden gefahren und wieder zurück. Die Stadt brummt und es ist warm. Wie üblich fahren alle auf die Kreuzungen, sobald es grün ist, was im Endeffekt noch viel größere Staus verursacht. Sobald jedoch ein Mensch im Auto am Steuer sitzt, besteht nunmehr nur noch die eingeschränkte Fähigkeit, die Mitmenschen wahrzunehmen oder das kleine Einmaleins anzuwenden.

Als ich zurückkam, fing wieder der Regen an. Habe jetzt mithilfe von Ventilatoren die Wohnung um 0,5 Grad herunterkühlen können. Auf dem Dachfirst gegenüber eine Dohle. [30.5.2017]

In den Bildern

Der Rossmann-Fotodienst hat jetzt den dritten Film überbelichtet entwickelt. Einerseits mag ich den Effekt, der sich dadurch ergibt, die Fotos sehen aus wie aus einer anderen Zeit. Andererseits lasse ich wiederum keine Abzüge machen, um schlechte Fotos zu haben, aus denen ich dann mit Scanner und Nachjustierung wieder etwas mache, was der gesehenen Wirklichkeit näher kommt. Aber wenigstens ist es keiner dieser unsäglichen Patina-Filter, mit denen häufig versucht wird, den Bildern (und also dem eigenen Dasein?) mehr Bedeutung einzuhauchen, was in den meißten Fällen leider das Gegenteil bewirkt, für Bild wie auch für Dasein.

Booterstown Train Station, Co. Dublin

Ligne de Métro n°9

Ein schöner Zufallsfund, der sich neulich bei einer Recherche für etwas ganz anderes ergab, sind die Fotos, die Thonon ins Netz stellt. Stille, schwarz-weiße Aufnahmen von unterwegs. Besonders die Serie Ligne de Métro n°9 fand ich sehr schön. Es werden Aufnahmen der hannoverschen Stadtbahn Linie 9 gezeigt, die vom Fasanenkrug nach Empelde fährt. Zu meiner Schulzeit bin ich sehr oft mit dieser Linie gefahren, als Teil des Schulwegs zwischen Kröpcke und Lindener Hafen. Sie fuhr damals noch von der Alten Heide ab und hieß eine Zeit lang auch noch Linie 19. Es sind sehr schöne, filmische Aufnahmen, die mir meine wohlbekannte Stadt mit einem anderen, vielleicht fremderen, Blick zeigen, den ich nicht haben kann und mir manchmal wünschen würde. Selten ist es, dass ich mich in einer fremden Stadt fühle, ich habe auch noch nicht ganz herausgefunden, woran es dann liegt.

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Das zweite Fundstück habe ich beim Rekonstruieren der alten Blogeinträge gemacht, was immer noch im Gange ist. Es sind Aufnahmen aus dem Jahr 2008, die ich selber gemacht habe und die den Küchengartenplatz zeigen, kurz bevor die Fußgängerbrücke zum Ihmezentrum abgerissen wurde. Jetzt sind die Fotos eine Erinnerung daran, wie der Küchengarten einmal ausgesehen hat und natürlich den beginnenden Verfall des Ihmezentrums. Wie ich vorhin erst gesehen habe, ist an einem der Brückenpfeiler ein Plakat zu sehen, auf dem ein Freund abgebildet ist und das für ein Konzert mit ihm warb.

Heute die Gedichte durchgelesen

Höre gerade Release #37 von Crónica, während ich das hier schreibe. Das ist wirklich sehr schöne Musik und ich muss jetzt in den nächsten Tagen noch einmal mehr von diesem protugiesischen Label hören. Mittlerweile verkaufen sie ihre Veröffentlichungen nur noch, wenn ich es richtig sehe, früher gab es die Musik auch als Download. Aber das ist auch eine Haltung, die man verstehen kann, vom alles immerzu wegverschenken kann man nicht leben. Vom Verkaufen wahrscheinlich auch nicht.

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Gestern in die Südstadt gefahren, mit dem Rad. Auf dem Hin- und auch auf dem Rückweg die meiste Zeit Gegenwind, frisch und nass. Eisfabrik und dort Galerie für Fotografie, wo ich einen Ausstellungskatalog des Festivals für jungen Fotojournalismus gekauft habe und wieder keine Zeit hatte, mir die Ausstellung vor Ort anzuschauen.

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Einen besseren Anlass wird es nicht geben, das eine Foto hier anzubringen, welches ich für einen Artikel zu eben diesem Festival verwenden wollte, der nie zustande kam und für den es nun wirklich zu spät ist.

Es ist alle zwei Jahre immer wieder eine großartige Bilderschau, die einen alleine auch ein wenig überfordern kann. An einem Tag kann die gesamte Ausstellungsmenge betimmt nicht erfasst werden, konsequenterweise gibt es deshalb nur Festivaltickets, die dann, na klar, als Bändchen am Arm getragen werden und am Morgen dann halt mit unter die Dusche müssen.

Auf eine merkwürdige zufällige Art und Weise besteht eine Verbindung zu dieser Veranstaltung, es gab da dieses unverhoffte Foto von der Oma, 2016 war meine Schwester, die damals das Bild der Großmutter (es gehörte nicht zur Ausstellung) entdeckt hatte, auf dem ersten Bild der Festival-Homepage zu sehen.

Ich verstehe nicht wirklich so viel von Fotos auf einer professionellen Ebene. Das Festival reagiert auf die uns umtosende Flut von wahren und ganz vielen falschen Bildern mit einer gewaltigen Ansammlung sehr guter Fotos. wenn ich einmal die Notizen finde, von welchen Menschen ich mir dort Fotos angesehen habe, liefere ich sie hier nach. Vielleicht.

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An diesem Nachmittag dann bunte Zeichentrick-Träume, als ich nämlich, während ich Spongebob im Fernsehen sah, eingedöst bin und immer wieder kurz aufwachte, weil ich eigentlich garnicht schlafen hatte wollen.

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Heute die Gedichte durchgelesen, die ich gestern aus dem Blog zusammengeklaubt und in ein Dokument reinkopierte. Zweck ist es, sie vielleicht einmal auf Papier zu veröffentlichen, wenn möglich nicht im Eigenverlag oder Fotokopier-Band. Dazu ist ein wenig Vorarbeit notwendig und es sollen auch noch Menschen vorab einmal draufschauen, deren Meinung ich schätze und deren Urteil ich mir gerne anhören möchte. Ich schreibe offenbar viel über Katzen, Krähen, die Stadt und die Natur, Medien und die Hoffnungslosigkeit des Vorkriegs-Spät-Kapitalismus, die einige von uns z. Zt. empfinden.

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Für eine halbe Stunde das Gefühl gehabt, dass alles schon in Ordnung ist. War gut.

„Und plötzlich diese Weite“

Wenn so etwas auf einem Plakat steht, dann muss man sich mal anschauen, um was es dort gehen soll. Vor allem, wenn auf dem Plakatmotiv gar keine „Weite“ (Horizonte, Wüsten, Strände etc. pp. usw.) zu sehen ist, sondern ein Portrait. Es handelt sich um eine Ausstellung, die das Sprengel Museum Hannover, C/O Berlin und das Museum Folkwang Essen zusammengestellt haben. Es geht um eine DIY-avantgardistische Gruppe, die fotografiert hat, die „Werkstatt für Photographie“. 1976 an einer Volkshochschule in Berlin gegründet. Ich lese das erste Mal etwas davon und bin gespannt! Hier ein Artikel im Berliner Stadtmagazin „Zitty“ sowie begleitende Videos:

Teil 1

 

Teil 2

 

Teil 3

 

Teil 4

 

Teil 5

 

Leider sind die Untertitel der Videos in den hellen Filmen weiß und also größtenteils unlesbar. Dass das eine ästhetische Entscheidung ist, glaub ich eher nicht.

Brühlstr Clevertor

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An diesem Morgen zog ein kloakiger Geruch aus dem Fluss empor, gerade als ich an dem postmodernistischen Tempelportal vorbeiging, welches vor dem Arbeitsamt steht. Warum weiß niemand. Dies hier ist ein paar Schritte weiter in Richtung der Goethestraße.

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Dies ist die Goethestraße in Richtung zum Steintor. Der verdrehte Turm ist von Gehry entworfen. Wer sich die anderen Häuser ausgedacht hat weiß ich nicht. Die Straßenlaternen finde ich sehr schön.