Einem Streifen Regen

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dann nicht ausweichen gekonnt und recht aufgeweicht an der Noltemeyerbrücke, auf ca. einem Drittel der Strecke also dann, in den Bus gestiegen. Das Letzte, was noch zu erledigen wäre ist zu zählen, wieviele Birken zwischen Kirchhorster See und dem Kreisel am Ortseingangauf der linken Seite der K112 stehen. Auf dem Kreisel heute wieder ein Theodolit, mit dem zur kürzlich gemähten Wiese hinter dem Bushaltestellenhäuschen des 900/630 Richtung Burgdorf bzw. Großburgwedel gepeilt wird. Dort abgesteckt quadratische Claims, mit schmalen Latten, die am oberen Ende orange angemalt sind. Am Rande der Wiese steht ein kleiner gelber Bagger, Teil eines Ensembles, das aus einem Bauwagen, einem Kastenwagen und einem Lieferwagen besteht, alle in dem schönen Parkbankgrün angemalt. Auf einem Schild an einem der Wagen der Schriftzug Schollenberger Kampfmittelbergung. Im trockenen Graben brummt ein Stromgenerator. Auf dem gemähten Kraut steht jemand und hört den Boden ab, ein anderer steht daneben. Gefunden wurde am Ende ein Findling, der vermutlich seit tausenden Jahren hier in der Erde lag.

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Vor ein paar Tagen stakste ein  Storch über das trockene Heu auf der Wiese. Von dem Storch kein Foto.

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Das Gewerbegebiet wird also dann weiter wuchern an Stelle von Kraut und Wiese, die Stadt wächst auch in den sie umgebenden Dörfern aus sich hinaus und wächst in sich in die Brachen hinein. Die kleinen Wildnisse verschwinden. Später werden einige behaupten, das man Geld doch essen kann und sie werden es im Chor in die Netze schreiben, dass ihnen mehr und mehr Glauben schenken.

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An dem Holzschuppen stand der Schachtelhalm und die Wände waren im Schwarz einer Holzschutzfarbe gestrichen. Es war ein mehrere Meter langes Gebäude, welches neben dem Fußweg (Radfahrer frei) in Richtung des einen Supermarktes stand. In manchen Sommern wuchsen bereits ein paar Gräser in der Rinne.

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Von dem Schachtelhalm kein Foto.

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Wo alles am Ende hinwächst, kann nur nach oben in den Himmel sein und da, so hört man, ist auch schon alles voll mit Dingen, die dort nicht hingehören, und kein Platz mehr.#

An diesem Morgen des 14.4. wurde auf den ersten Seiten des Kalenders, also im bereits abgelaufenen Jahr, notiert:

Was es für ein besonderer Morgen gewesen ist, ich weiß nicht aus welchem Grund, die Luft war warm, aber es hatte gerade aufgehört zu regnen. Das helle grün, noch licht, an Sträuchern und Bäumen, aber der Himmel grau, wolkenverhangen. Der Holzschuppen am Busdepot ist nun auch abgerissen, vermutlich für neue Wohnhäuser. Ich fahre den Pastor-Jäckel-Weg heute, denn der Strecke am Kanal ist nach so einem Regen nicht zu trauen, es werden nur Hose und Rad dreckig. Zwischen Günther-Wagner-Allee, Klopstockstraße, also am Tintenturm, wird ebenfalls eine weitere Brache zugebaut, ein verwuchertes Schotterstück, das doch Luft und Licht und Abkühlung im Sommer war, und wo die Vögel natürlich leben konnten und bestimmt auch anderes Getier. Der kleine Markt am Eingang zum Dichterviertel.

In der vorletzten Woche am Donnerstagnachmittag

einen kurzen Weg von der Bushaltestelle durch den Stadtwald zu einem Termin gegangen. Aus einer in der Mittagspause befindlichen Gruppe Menschen, die etwa über Datentabellen plauderten, schnell wieder abgesondert. Aber auf der einen Bank, beim großen Spielplatz saßen dann zwei, der eine hatte eine wohl halbvolle Flasche Rotwein neben sich stehen, der andere ein Bier und es war auch nicht das erste. Aber der eine sagte zu dem anderen in der Sommersonne „Ganz recht hast Du auch nicht, eigentlich solltest Du alle Hunde die barfuß gehen grüßen!“.

Safe harbour of unconsiousness

 

Nimm die benutzten Spritzen und zieh sie neu auf mit bunter Tinte. Lass Farbe einsickern in braunes Papier, in Wellpappe, Karton und in weißes Papier, nur in Gedanken aber, die Kanülen sind zu schmal für die Tinte, nehmen nur das dünne Wasser auf. Schwing Dich auf, der blaue Vogel ich war es nicht. Jetzt fällt der Regen und alle Vögel freuen sich. Schneide die Fußnägel, bevor die Tinte trocken ist, hör den Gedanken der Anderen zu, das Raunen und Rauschen, das Knistern. Öfter nur als Du denkst und nie genug.

 

Die zwei oder drei Winter der Wäscheklammer, die gegenteiligen Entenfüße und was die Liebe noch übrig lässt: ein Transistor, der orangene und grüne Streifen hat, eine halb vergessene Zeile, ein Kleid aus zerschlissenem Gardinenstoff.

 

Der ungelenke Löffel, dem Kind die dunkle Medizin zu verabreichen, später wird es Rennfahrer und Ufologe (Doppelstudium). Der Zeigefinger, der nach Schwefel riecht, der Versand auf deutsche Inseln ist ausgeschlossen.

 

Die Postkarte, die ich von nun an als Schablone verwende, um die Postkarten zurechtzuschneiden, hatte ich vor Jahren in Groningen gekauft. Sie ist frankiert und auf der Briefmarke steht eine Jahreszahl: 2014. Ich weiß nicht, ob das Porto noch reichen würde — denn ich wollte sie eigentlich einem Freund zum Geburtstag schicken, dazu ist es nie gekommen, ich weiß nicht warum. Das Motiv zeigt ein Bild von H.N. Werkman mit dem Titel „De taal der vogelen“ und ich verstehe genug Niederländisch um zu wissen, das es nicht die Zahl der Vögel ist, sondern die Sprache der Vögel.

Der Bus fährt die kurze Straße durch den Stadtwald, wahnsinnig leuchtendes Grün, da wünsche ich dem Wald alles Gute,

nur vorsichtshalber, weil alles gefährdet ist, nun seit einiger Zeit bereits. Es es fing schon vorher an und hat nichts mit dem Krieg zu tun und nichts mit dem Virus, sehr wohl aber mit dem sonstigen Zustand der Welt. So wie ich dem Eichhörnchen auch alles Gute wünsche, das am Samstagmorgen plötzlich zwischen meinen Füßen und den Füßen der Frau, die in der Schlange vor dem Bäcker vor mir steht, hindurchläuft und dann schnell über die Straße, alles Gute Eichörnchen, lass Dich nicht überfahren, alles Gute, Wald.

Als wäre nichts gewesen

Im letzten Jahr habe ich Texte aus diesem Blog hier mehr oder weniger öffentlich vorgelesen. Bei der Recherche dazu immer weiter zurückgegangen in den Jahren, denn es gibt wenig, das mir geeignet zu diesem Zweck schien. Vieles ist für das Netz geschrieben, an der Grenze zum Unsichtbaren, besteht, weil es einen Rückverweis gibt, ist als Bestandteil des Streams mehr als nur der einzelne Text, als einzelner Text vielleicht nicht von Bedeutung. Ich hatte mich dann mit mir auf eine Auswahl geeinigt.

Auch bin ich weiterhin, Stück für Stück, dabei, die verlorenen Bilder zu rekonstruieren, die an vielen Beiträgen fehlen. Dabei findet sich vieles vergessenes wieder und vieles auch, das ich heute vielleicht nicht mehr ins Netz schreiben würde. Weil sich das geändert hat, was hier vorkommt, weil meine Ansprüche an das eigene Schreiben jetzt andere sind. Beim Zurückblättern jedenfalls, und das mache ich jetzt mit System, ist dort häufig eine große Fremdheit, ist die Frage, wer das eigentlich gewesen ist, der hier diese ganzen Texte geschrieben hat. Ich war es nicht.

 

Im Impressum steht ja seit einigen Jahren bereits – es stand dort nicht immer so – „die Texte auf dieser Seite sind fiktional“, denn hier schreibt jemand, der ich bin und den ich mir aber ausgedacht habe, auch weil es so eine Sache ist mit dem Erinnern. Eine Zeit lang war ich der Annahme, mit diesem ausgedachten Menschen identisch zu sein und in der Zeit muss es also auch so gewesen sein. Hier aber schrieben in der Vergangenheit immer schon verschiedene Versionen dieses Ausgedachten, die jetzt allesamt verschwunden sind, sich in der Zeit zwischen den Zeilen aufgelöst haben als wäre nichts gewesen. Ich erinnere mich an eine große Wut, die in vielen Texten sichtbar wurde und sich nicht mehr zu verstecken brauchte. Die jetzt keine eindeutige Richtung mehr hat, weil ihre Ursachen komplexer sind als gedacht. Die sich jetzt aber also auf eine Wellenlänge jenseits des für Menschen sichtbaren Lichts verlagert hat und subtilere Kristalationsformen findet. Häufig ist sie aber auch einem stoischen Beharren auf der eigenen Kauzigkeit gewichen, wenn man so als Eule getarnt durch die Tage geht, um die Vögel leichter beobachten zu können und Schiffnamen ins Logbuch zu notieren, auf dem Weg zur Arbeit.

Heute sind es 20 Jahre, seitdem der erste Eintrag veröffentlicht wurde. Es war ein Ostersamstag im März 2002.