Wieviel Maurer noch bei den Freimaurern logieren

Am Morgen stehe ich an der Bushaltestelle, gegenüber der Reitstiefel-Schuhmacherei. Der üblicheste Verkehr wie an jedem Freitagmorgen. Es kommen sich auf den gegenüberliegenden Spuren ein roter und ein grüner Betonmischlaster entgegen — sofort die Idee, dass die beiden Fahrer sich eigentlich grüßen sollten, da sehe ich auch schon, wie der eine mit einem speziellen Handzeichen den anderen erkennt. War das jetzt ein geheimer Freimaurergruß? Betonmischlasterfahrer stehen den Maurern ja nicht weit entfernt, wobei die Frage bleibt, wieviel Maurer noch bei den Freimaurern logieren, in dieser Zeit der Fertighäuser. Vorerst war es also ein Betonmischlasterfahrergruß.

 

Eine Woche fast lag der Brief nun bei mir herum, insbesondere aufgrund eines Wortes, dessen ich mir nicht so recht sicher war und das mir also quer in den Gedanken herumging, sodass ich die Kopie zunächst auf das Telefon übertragen musste, um den Brief dann, am Donnerstag, auf dem Weg zur Arbeit, nochmals zu lesen und dann am heutigen Freitag (morgens) letztenendes einzuwerfen.

Der Getränkemarkt, vor dessen Schaufenster der Briefkasten steht, hat eben dieses von innen fast vollständig mit Plakaten verklebt, die sich um Aufführungen des hiesigen Schauspielhauses, Kinder-Musicals, Atelierrundgänge, Literarischer Salon und sonstige kulturelle Angelegenheiten drehen.

Als ich, an der Rückwand des Toilettenhäuschens vorbei und über die Fußgängerampel, wieder an der Haltestelle stehe, fährt ein in diesem Ostblock-Himmelblau lackierter Trabant Kombi mit dem trabbitypischen Geräusch vor mir die Podbielskistraße quer herunter, von links nach rechts.

Die Uhr blieb stehen, nicht die Zeit

Heute Nacht kam dann endlich der ersehnte Regen, wobei es wohl auch blitzte und krachte, dass es gut war die Ohrenstopsen zu tragen. In der letzten Woche hatte ich R. ja welche dsvon geschickt, in einem Brief, nun weiß ich nicht ob die ankamen denn ich hörte nichts. Sie hatte diese zum Mitbringen in Auftrag gegeben aus einer Stadt im hohen Norden, die ich kürzlich besuchte und in der es angenehm warm war, zu dieser Zeit bereits. Am morgen lag dann noch der Dampf des Gewitters auf den Feldern und die luft war aber angenehm kühl, verglichen mir der Hitze der vergangenen Tage. Würzig roch sie. All diese vergessenen Gedanken sie hinterlassen Leerstellen, winzige, die aufzufüllen sehr schwer sein kann, und in der letzten Zeit kamen einige hinzu.

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Aufpassen müssen wir, dass die Zahnpasta nicht explodiert wenn wir vorher Kindercola getrunken haben. Alle Erwachsenen essen Kirschen bevor sie Schwimmen gehen.

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Bei Rewe gibt es keine Sammelbilder mehr, eine Woche vor dem Turnier. Die Kinder sind enttäuscht, mir ist es egal wie nichts. Draußen auf dem Parkplatz, beim Hähnchengrill, fragt eine Frau den Grillhähnchenverkäufer, wie spät es jetzt wohl wäre, erzählt dann, als Begründung oder Entschuldigung, aber vielleicht nur um etwas zu erzählen, dass ihre eigene Uhr nämlich stehengeblieben wäre.

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Ich weiß wirklich nicht mehr, wann all dies gewesen sein könnte, irgendwann in letzter Zeit jedenfalls.

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Beim Blick in den Kochtopf fragte ich mich, ob die Löcher, die sich im Reis während des Kochens bilden, die durch die aufsteigenden Luftbläschen entstehen und kleine Tunnel sein dürften, auch so gleichmäßig verteilt wären, würde der Top etwa auf einem offenen Feuer stehen oder an einer Kette über einer Feuerstelle hin- und herpendeln.

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Nebenbei (wie so alles nebenbei gemacht wird) drucke ich die gesammelten Rezepte neu aus, denn sie wurden vielfach gekocht und das sieht man den Blättern jetzt an. Recherchiere sie noch einmal, wenn es noch keine Druckvorlage gibt und sortiere sie dann in Klarsichtfolien

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Am Morgen bespricht eine Frau, die auf dem Einzelsitz schräg rechts hinter dem Busfahrer sitzt, die Rathausaffäre mit diesem. Sie sind sehr wohl einer Meinung.

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Das Lied der Amsel dauert den Frühling, Sommer und den Herbst.

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Auf der Arbeit nachgeschaut, wie die Abkürzung von „Unter Umständen“ richtig geschrieben wird: u. U.

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Als ich durch den schönen grauen Morgen am Kanal entlangfahre, liegen die Schiffe Annabelle und Alina hintereinander am Ufer. Kanalschiffe haben oft Namen, die an Frauengestalten im Schlager erinnern.

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Das jedenfalls notierte ich am letzten Freitag

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Am Nachmittag scheint die Sonne. Es sind jetzt die Bäume und die Büsche , das Gras usw., in schönstem Grün aufgeschrieben.

Menschen in der Stadt

Der Kiosk hat ein Verkaufsfenster für die Vorbeieilenden und einen Laden, in dem ich stehe. Am Fenster der Einarmige in der Jeansweste, der einen anderen Akzent hat als der Mensch im Kiosk, möchte ein „Chindeler“, der Kioskmann versteht aber nur „Krombacher“. Ich hole ein „Lindener“ aus dem Kühlschrank, halte es dem Einarmigen hin und frage, ob er das möchte. Der nickt. Kioskmann und Einarmiger zufrieden.

Die Bahn, mit der ich jetzt fahre, fährt zu einer Haltestelle, an der sowohl die ‚Swiss Life‘ als auch die ‚HDI‘ große Niederlassungen haben. Gestern saß mir schräg gegenüber eine Frau im schwarzen Kleid, die hatte eine Tasche dabei, auf welcher, über die ganze Tasche verteilt, die Buchstaben „MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK MK“ geschrieben standen. Auch hatte sie kürzlich einen teuren Friseur besucht und las in der Zeitschrift „Glanour“. Ein Mann im Jeanshemd, ausgetretenen Schuhen und mit halber Glatze, der hinter ihr Stand, las unbemerkt und interessiert mit. Mir direkt gegenüber eine Dame, die eine ganz ähnliche Mode trug wie die Glamour-Frau, nur in der Ausführung nicht ganz so glatt. Aus der Tragetasche neben ihr ragten Blumenköpfe.

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Am Abend stieg ich an der Noltemeyerbrücke aus, gleich steht dort auch ein Mann mit einem knallblauen Turban auf dem Kopf, mir gegenüber an der Fußgängerampel, außerdem Holzfällerhemd, Stone-Washed-Jeans, Turnschuhe und ein grauer Bart. Das war am 28. August diesen Jahres.

Wir saßen dann evakuiert im Elternhaus

Gestern und heute waren wärmere Tage, aber ansonsten war es ungewöhnlich kühl arschkalt in der letzten Zeit. Die Heizung musste immer wieder laufen. Habe die Vermutung, dass der Golfstrom jetzt doch die Richtung wechselt oder kälter wird und aber niemand es für nötig befunden hat, dies einmal zu thematisieren, geschweigedenn. Heute wieder einmal in der Gegend Lister Damm / Pelikanviertel usw. gewesen. Am Immengarten (und das ist wirklich einmal ein sehr schöner Straßenname) sind, von mir bisher unbemerkt, neue Häuser entstanden, wie sie jetzt überall gleichförmig gebaut werden, mit herausragenden kubischen Balkonen und einer Struktur verschobener Quadern. Tetris-Moderne. In Bremen und Hamburg und wo auch immer bereits ähnliches gesehen. Es sind jedenfalls weitere Beweise dafür, dass die Stadt immer dichter bebaut wird und die Lücken sich schließen.

Immer, wenn ich solche Zäune sehe, die an Brachen oder Baustellen angrenzen, dann muss ich daran denken, ob dies ein guter Ort für die Diskettenkunst „a.a.O. (1)“ wäre, die eben leider doch nicht an den nächstbesten Maschendrahtzaun gehängt werden kann.

Das hier jedenfalls ist noch ganz neu und mit Sicherheit werden sich die schönen, glatten Menschen hier wohlfühlen, für die diese Bauwerke errichtet wurden, während sie im Internet nach Achtsamkeitsseminaren googlen, weil sie so eine Leere im Innern verspüren. Zwischen Podbielskistraße und Mittellandkanal aber, mehr in Richtung Mittellandkanal, gibt es sehr viele Kleingärten, in die ich auf dem Rückweg von meinem Termin kurz reingerate, in der Radellaune, in der ich mich befinde. Ein Wegweiser zeigt „Zum Zahlengarten“ an, den ich aber leider nicht entdecken kann. Auch kann ich mir darunter nichts vorstellen. Erinnere mich gerade an das Déja Vu, dass ich hatte, als ich das letzte Mal in genau dieser Straße gewesen bin, bzw. wiederholte sich dieses gerade oder setzte sich fort. Sie kennen das.

Sie haben vielleicht von der Bombenentschärfung vor ca. einer Woche gehört. Auch dort, wo das nun verkleinerte Busdepot war und davor noch ein Straßenbahn-Betriebshof, Wohnungsbau. Dagegen ist jedoch eigentlich nichts zu sagen, die Menschen müssen wohnen und jedenfalls ich möchte hier keine Hamburger Verhältnisse haben. Wir saßen dann evakuiert im Elternhaus am Stadtrand und lasen in regelmäßigen Abständen auf den Handies, wie es um die Dinge stand. Sobald es etwas Neues gab, erzählten wir uns davon, sprachen auch sonst darüber, wieviele Bomben es wohl noch gäbe in der Erde, wie die Oma einmal ein neues, weißes Kleid anhatte und dann in den Luftschutzkeller musste, usw. Ich habe aber auch, zumindest teilweise, den Wikipedia-Artikel über Amseln gelesen und erzählte auch davon. Am Morgen nämlich eine Amsel gehört, wie sie vor dem Fenster sang, natürlich ein ganz anderes Lied als der Vogel in unserem Baum. Eine Zweite antwortete jedenfalls, ein ganzes Stück entfernt, mit eigentlich garnicht zu unterscheidenden Wiederholungen des jeweils vorangegangen Melodiestückes. Das nennt sich Kontergesang und der jeweilige Vogel möchte damit zeigen, dass ihm der Baum gehört.

Dies ist ein Film von dem Busdepot, aufgenommen am 17. November 2011. Sehr vieles, was dort zu sehen ist, ist nun verschwunden: Die Bahnschienen, die immer noch im Kopfsteinpflaster lagen, die Häuser, das Kopfsteinpflaster selber und das gelbe Licht der Laternen. Die Laternen selber. Tunken wir doch den Kupferdraht tiefer in den Äther ein vergewissern uns, dass es einmal eine Vergangenheit gab.

Ein Rudel Löwen

Letzte Nacht gegen Morgen einen dieser wunderbar bunten Träume gehabt, in denen ich mir immer so interessante Landschaften (vielmehr Orte) ausdenke. Dieses mal war in Hamburg in einer Art von Vulkankrater eine Parklandschaft entstanden. Ein Fluss floss hindurch und fast ringsum ragten Klippen empor, an deren Rändern sich Terrassen von neu gebauten, teuren Wohnhäusern befanden. Gartenstühle und Liegen standen also kurz vor dem steilen Hang. Sie waren weiß gestrichen. Ich glaube tatsächlich, das alles war künstlich erbaut worden. Ich sagte zu dem Menschen, der mit mir dort entlangging (ich meine, wir suchten das Auto, mit dem wir gekommen waren), dass wir in Hannover schon seit längerem etwas ähnliches hätten, aber das würde natürlich wieder einmal niemand beachten.

Dann, ich glaube es war aber jetzt woanders, wurde eine Art Versteckspiel gespielt. Wie so oft in Träumen, fing die Sache als Spiel an, es war aber schnell nicht mehr so ganz klar, was passieren würde, würde man entdeckt. Es begann an einem Bahndamm in einer Schrebergartenkolonie o.ä.. Zu Beginn lief ich, so schnell es ging, einen langen Feldweg herunter und versteckte mich dann, allerdings mit ein paar anderen noch, hinter einem Stapel gefällter Bäume, die am Wegesrand lagen. Ich wollte mich jedoch nicht gemeinsam mit anderen Menschen verstecken, weil ich es für ungefährlicher hielt, mich alleine zu bewegen. Ich lief also, jetzt nicht mehr ganz so schnell, rechts in einen weiteren Weg, der zwischen Wiesen entlangführte. Auf einer eingezäunten Weide (das Gatter stand aber weit offen) lag ein Rudel Löwen, ganz nah am Wegesrand. Anstatt mich zu fürchten fand ich es schön, dass mitten in der Stadt solche Tiere lebten und man sie einfach so ansehen konnte. Sie waren auch ganz unaufgeregt und lagen einfach nur so rum. Ein oder zwei Wiesen weiter dann Elefanten, auch hier ohne besondere Sicherheitsvorkehrungen. Es kann sein, dass es auch noch Affen und Giraffen gab, aber das kann ich mir auch im Halbschlaf noch dazu ausgedacht haben.

Auf einem waren Sonnenblumen abgebildet

Gegenüber auf der Straße sehe ich Sperrmüll, als ich am sehr späten Nachmittag zum Bäcker gehe, um Kuchen zu kaufen. Der Versuchung widerstanden, die drei Bilder in bunten Holzrahmen (oder wenigstens eines davon) mitzunehmen und ein eigenes dort hinein zu tun. Sie sind auch nicht besonders schön gewesen, Bilder wie Rahmen, ich nehme an, sie wurden, so wie sie sind, im Supermarkt gekauft. Auf einem waren Sonnenblumen abgebildet. Auch kein Foto gemacht. Den ganzen Tag noch keine Musik.