elektroheizung

gesichterleuchten flackernde schirme,
klamme nässe zwischen gedeih und verderb.

grünschimmern ringe im halben dunkel des
morgens kriecht sanftmütig strom von rändern:
summt niedervoltig verzweiflung.

hauchfein sediert im gut geheizten bus im späten
winter durchs viertel der erfüllten Träume.

satellitenschüsseln auf den dächern
schöpfen neue hoffnung von den sternen.
 
 
 

 

Wie es wäre, einfach wieder alles ins Blog zu schreiben anstatt in die Timelines im Nirgendwo,

fragte ich mich. Auf dem Heimweg mit der U-Bahn gestern am Abend, zurück vom Stadtrand, wo wir im Garten saßen, auf einem Plakat in der Station Hauptbahnhof gesehen, dass Mirko Bonné, von dem ich immer die Gedichte im Goldenen Fisch lese, etwa morgens im Bus auf dem Handy, für eine Lesung in der Stadt gewesen ist, am 31.

Das also auch erfolgreich verpasst, seisdrum.

Autopapaya

Die Vögel wissen nicht, sie sind jetzt Tropen~,
manchertage Steppenvögel. Ringeltauben,
kopfüber in noch unreifen Kirschen 🍒;

Schwarzweiße Papageien, die wie Elstern singen,
die Autos duften nach Papaya, dieses Jahr.

In Nachtschatten ziehen Fledermäuse Kreise,
die Stunde hat schon längst geschlagen. Nur
Blaulicht geistert straßenabwärts, Sehnsucht
an den Zipfeln gepackt und aufgeschüttelt,

die Federn fliegen.

 

Stiller Schnee

Kürzlich, mit langem Riss, zersprang
die Zeit: Versuche sie wieder zu fügen
mit Sekundenkleber. Es sind kleine

Splitter, die an den Kuppen der
Finger kleben bleiben, dann alle
Blicke, von Finsternis umrandet.
Ein Rinnsal aus Sand, unumwundene
Stunde, ein (ganz leise nur, als
gelte es, das zu vermeiden) im
Takt der Eieruhr gesummtes Lied
eine Katze wird, in der Plastiktüte,
zum Bahnhof getragen, durch
stillen Schnee im späten Februar.

 

 

Lesung „Es gibt kein abstraktes Schweigen“ | 15. Oktober (mit Nils Schumacher und mir)

 

Alle 15 Jahre ungefähr wage ich es und lese in der Öffentlichkeit. Jetzt bald in einem Atelier in einem Lindener Hinterhof.

Die beiden Autoren Fabian Kösters und Nils Schumacher beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit dem Schreiben an der Grenze zum Unsichtbaren. Kösters versucht seit 20 Jahren in seinem Blog coderwelsh.de mit seinen Alltagsbeobachtungen das Internet voll zu schreiben und hat es auch bald geschafft. Schumacher dagegen wird seinen neuen Gedichtband „Blinklichter“ vorstellen, in dem er nach wie vor der Gegenwart auf der Spur ist, die ihm aber im Strudel der Zeit stets entwischt. Kurzum: für Unterhaltung ist gesorgt.

Das komplette Programm gibt es hier:
www.wortlaut-hannover.com

Ein Tatsachenbericht

aus dem Mai des Jahres,
herbeitelegraphiert mit
dem Telefon aus Blech
dose und Bindfaden:

Sternschnuppen, Satelliten,
nur am Abend Katharsis
maschine, Lack und Blumen
draht. Taschen voller Zellstoff,
Murmeln die Knochenaugen
Schwarz auf Weiß ins Ohr.

Sitze am Schreibtisch und
sieh den Fingernägeln beim
Wachsen zu. Entschuldigung
das ich Ihnen auf den Gold
zahn fühlen musste.

dies ist eine liegewiese

im kreuzworträtsel schöne worte gefunden.

AlePPo – ePikuR – eRholt
FeRneR – PePitA – RetouR

auch die wäsche muss drinnen trocknen in diesen tagen. sie steht neben dem schreibtisch.

AFghAne – eRitReA – exPRess
giRlitz – keRAmik – kintoPP

der nachbar kommt nachhause, er ist klempner.

okARinA – hyAzinth – tAkelAge

meine oma hat milchreis unter der bettdecke quellen lassen. sie wohnte im 7. stock.

 

 

Schiffnamen (6) — fette Kette

6.1., am Abend: Christine.

(Mit der neuen Linie 900, die jetzt bis zum Hauptbahnhof fährt, zur Brücke gefahren, dort ausgestiegen. Ungefähr in der Brückenmitte das Schiff gehört und über das Geländer hinweg heruntergeschaut, um den Namen zu lesen).

***

Die Kette gefettet, nachdem sie und der Eintritt der Pedalkurbel zum Lager mit einem übrigen Stück Stoff, ein ehemaliges T-Shirt, auf dem „Electric Bird“ stand und Vögel auf einem Draht abgebildet sind, während einer auf dem Boden und auf dem Rücken liegt, notdürftig getrocknet wurden vom andauernden Schneeregen, dort, wo es gerade ging, mit viel Silikon-Öl, aufgetragen in der Annahme, es würde sich bei den ersten Umdrehungen schon verteilen und gut sein. Der Schnee bleibt nicht liegen, der Weg am Kanal entlang ist wieder ganz aufgeweicht vom vielen Wasser.

8.1., am Abend: Vitalis, Tara (angetäut am Listholze).

***

11.1., morgens Dettmer Tank 136, am Abend Arcturus, Bohemia (angetäut am Listholze).

***

14.1. Retro, abends, liegt Am Listholze.

Niederschlag der als Schnee fällt
Ein Himmel voller Gänserufe

15.1. Am Morgen legt die Retro gerade ab, Tukan liegt Am Listholze.
Am Abend Bernic, (…)

16. 1. Neckar (morgens), Alblasserwaard, Sinéad (überholt) (am frühen Nachmittag gegen 13:30 Uhr, ausnahmsweise an einem Samstag auf dem Weg zurück von der Arbeit. Am Abend des 15. war bereits die Gangschaltung eingefroren, das Radfahren also etwas beschwerlich, auch am nächsten Morgen noch, dem Morgen des 16. also. Ungefähr 2 oder 3 °C minus, der ganze aufgeweichte Weg gefroren, aber nicht glatt, es knistert unter den Reifen. Gute Lebendigkeit durch die Kälte. Nachgeschlagen: Alblasserwaard ist ein Polder in Südholland. Dann nachgeschlagen: Ein Polder ist ein oft unter dem Meeresspiegel gelegenes Gebiet, welches von Deichen umgeben ist. Heute den Weihnachtsbaum zu den anderen Weihnachtsbäumen gebracht, da am Eingang vom Park. Muss Glühbirnen kaufen).

Schiffnamen (5)

1.12.: Dubio

Herbst und Winter

 

Wie jetzt der Herbst riecht, nach Kohle in der Luft, Platanen stehen am Platz, in Gedanken bei einer Gruselgeschichte, in der ein Walkie-Talkie vorkommt.

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Schnall Dir den falschen Buckel um und dann kannst Du tanzen gehen, noch einmal, aber nur heute und in einem verseuchten Kellerclub. Danach lösch die brennende Spieluhr und leg Dich wieder schlafen, unter dem Efeu, unter dem Mond.

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(Dies ist eine Farbfotografie)

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Das Welke abschneiden von der Tomatenpflanze auf dem Balkon. Von den wenigen Handgriffen geht bereits eine große Ruhe und Gelassenheit aus. Auch die letzten grünen Tomaten, für die die Sonne zu schnell verschwand, abnehmen, eine Bastmatte um den Topf legen, dicke Pappe darunter, das es die Tomatenpflanze durch den Winter schafft, vielleicht. Etwas Laub und Dreck zusammenkehren. (12.11.2020)

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Ein Falter, der langsam an einer 60-Watt-Birne verbrennt, besteht ja auch aus nichts anderem als Hoffnung.

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Am Sonntag Kohlsuppe gekocht und dabei lief eine Sendung über die Freiheit im Radio.

Heute noch am Morgen roch das ganze Viertel danach, ich selber fuhr, im Fahrradkorb, noch einen kleinen Topf davon mit zur Arbeit. (19.10.2020)