Donnerstag gratis

Ich bin noch nicht angekommen im neuen Jahr, die Zahl, wenn ich sie aufschreibe, fühlt sich noch fremd und abstrakt an, als wäre es noch nicht wirklich so. Die Neun schreibe ich nicht besonders gut, wenn ich sie handschriftlich notiere, etwa auf dem Freigabeformular einer Korrekturfahne. Es ist ein allerschönster Regen hier seit Jahresbeginn, der tatsächlich bereits in der Silvesternacht begann und sich seitdem, mit größeren oder kleineren Unterbrechungen, fortsetzt. Die Himmel tragen ein grau und die Wolken beginnen bisweilen direkt über dem Erdboden, sodass man gewissermaßen durch den feinen Niesel der Regenwolke selber läuft, etwa auf dem Weg zu einer Bushaltestelle. Das alles wird noch wahrer werden.

Ambitionierte Projekte liegen vor mir in diesem Jahr. Die kaputte Glühbirne im Flur austauschen. Das Bügeleisen immer ausmachen. Weniger Wut.

 
Immer wieder Regen, auch am gestrigen Sonntag, der fast durchgehend, auch heute wieder, dann weht der Wind über die Brache gegenüber von meinem Büro draußen in der Einflugschneise. In der Mittagspause zwei größere Wasservögel in der Luft.

In der Nacht geträumt, dass zwei meiner Gedichte auf der Gedichteseite der Fernsehzeitung veröffentlicht werden sollen, die den Tageszeitungen am Donnerstag gratis beiliegt. Ich halte ein gedrucktes Exemplar in der Hand, das erste Gedicht kenne ich nicht, dann merke ich erst, es ist garnicht von mir. Meine beiden Werke stehen zweispaltig nebeneinander, das eine ist streng rechteckig gesetzt und enthält, daran zumindest erinner ich mich, eine Zeile unverständlicher Zeichen, etwa so:

a«±èôºj&§9µ›Y

auch das zweite Gedicht ist besonders, vor den Buchstaben ragt ein kleiner metallener Käfig aus der Seite heraus, ungefähr 1½ cm erheben sich die feinen Stäbe vor der Seite. Leider kann ich mich nicht an den Inhalt erinnern.

In einem Supermarkt liegen dann neben der Eingangstür mehrere Exemplare der letzten Ausgabe. Ich wusste bis dahin nicht, dass diese Fernsehzeitschrift eine Gedichteseite hat und nehme eine Zeitschrift. Jemand hat hier ein Gedicht veröffentlicht, welches auch mit einer winzigen Skulptur einhergeht, die auf erstaunliche Weise in den zugeklappten Zeitschriften verschwindet — ein an einen an der Wand anzubringenden Kleiderhaken erinnernder Stab aus Metall, der am oberen Ende eine Auskerbung hat, an welche der Kleiderbügel gehängt werden könnte, der allerdings in diesem Fall nur wenige cm, vielleicht 5, breit sein dürfte. Dahinter verbirgt sich ein Scharnier, denn das obere Ende lässt sich hochklappen und sodann ertönt ein Geräusch wie von einem elektrischen Türöffner in einem Mietshaus [aufgew.].

//zu spät, schon tot//

Am Morgen an der Bushalte, auf dem Parkplatz von Lidl
da schreien ein paar Schulkinder (also ganz in der Ferne
) dem vorbeirasenden Tatütata des Notarztwagens ihr
fröhliches //zu spät, schon tot// hintendran, dass es eine
wahre Freude ist und beim Bäcker bestellt der dann auch
noch //das Kammbär Brötchen da// und lässt die Platte leise
knistern, obendrein, während das maßgeschneiderte Herz
nur für den Kontakt mit mit intakter Haut bestimmt ist.


Unterm Strich

 

Unterm Strich

Ein halbes Dutzend Pixel bleibt über unterm
Strich, Schimmern, das Dich von den Andern unter
scheidet, sanft, dank der Technologie der Körper

teile dies mit deinen Freunden, sei die erste
der das gefällt. Sodann schneide dem Tier die
überzähligen Haare ab und leg sie in die

Schatulle aus Ebenholz, sieb zigprozentige
Seide und dreissig prozentiger Stahl, Teil
eines verborgenen privaten Projekts.

neueste erkenntnisse

iss das ei mit doppeldotter
ungerührt & ohne mit der
wimper zu zucken obschon es
unglück bringt derweil verbreiten
periodika sekundenschlafwandelnd
neueste erkenntnisse zu deinem

stern das schweigen der mehrheit
allerorten jedoch das getöse in
den drähten steigt empor gen
himmel du nimmst es dir nicht
zu herzen, die anmut, das alles.

 

Holzschutzfarbe

Sogar liegt eine Katze auf dem Verbundpflaster vor der Garage
der Carport riecht nach Holzschutzfarbe und auch die Grillen
neben dem Splitweg sie singen das Abschiedslied  (als wenn
es morgen niemals geben würde und immerzu) sogar auf
dem  Fahrrad auf dem Weg nachhause ziehen alle Sommer
vorrüber

Es müssen Gräser stehen am Rande der Straßenbahschienen
viel mehr leuchten und leise summen es könnte doch könnte
doch eine Essenz von Regenwasser

destilliert werden, mit den Gießkannen, es müssten Gräser stehen.
Am Feuerlöschteich, sogar am Zaun und das trockene, gemähte,
neben dem leeren Messeparkplatz riecht, leise, zum Feierabend,

müsste dann das Katzenauge verloren gehen, am Wegesrand,

20160902_141039