Wo oben ist

Neujahrsspaziergang durch den Park und dann hinten am Supermarktparkplatz vorbei. Auf eine Bank steht eine geschlossene Dose Rindergulasch. Es ist weiter zu warm, fast könnte man im T-Shirt spazieren gehen. Die Berliner gegessen zu einer Tasse auf nach ostfriesischer Art zubereiteten Tees. Wir hatten sie in der Silvesternacht vergessen. Gestern noch entschieden, wo bei einem fertigen Bild oben ist. Heute gerahmt. Ein anderes Bild ein wenig weitergemalt.

Und so geht das Jahr nun zuende,

 
es sind vielleicht 13 °C und also zu warm. Windig. Am Vormittag eine Postkarte an K. in den blauen Briefkasten getan, der vor der Änderungsschneiderei steht. Auf der Briefmarke ein bunter Papagei. Der Schneider arbeitet an der Nähmaschine. Noch zwei Pakete weggebracht und eines abgeholt. Darin war eine Glühbirne für die orangene Lampe, sie steht nun auf dem Bücherregal und das Zimmer ist sehr orange. Beim Kiosk an der Ecke drei Bier gekauft. Ein Packen mit zu verteilenden Prospekten ist aufgegangen und sie wurden über die Straße verteilt, dann sind sie nassgeregnet. Dazu neben den Baum am Ende der Straße abgestellter Möbelschrott, so sieht es nun aus. Beim Nachbarn kommen zwei oder drei Gitarrentöne aus dem gekippten Fenster. Ich male nicht an dem Bild weiter, das wird auch heute wieder nichts und das fasst es ganz gut zusammen.

Pizzabote der Apokalypse

Den Schafen auf Wiedersehen gesagt, am Montag.

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Dienstag. Als ich am Morgen durch den Bahnhof gehe, wird gerade der 7-uhr-20-Zug nach Norddeich/Mole angesagt. Vor dem Bahnhof eine Tonaufnahme von Dohlen, Krähen, Kehrmaschine gemacht. Wer im Grand Hotel oder Kaiserhof absteigt, für den ist das Spektakel im Zimmerpreis inbegriffen. Die Vögel sammeln sich hier an jedem Morgen vor der Dämmerung. Sie sitzen in den Baumwipfeln und fliegen in kleinen Gruppen über dem Bahnhofsvorplatz, über dem ein Netz aus Kabeln gespannt ist, an welchen Lampen hängen. Auch diese Kabel nutzen sie, um sich darauf niederzulassen, vorzugsweise dort, wo die Kabel dicht an die Baumkronen anschließen.

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Donnerstag. Im Donutladen im Bahnhof kauft der Kunde vor mir ein paar Donuts mehr ein und ich fragte ihn, ob er für die Abteilung einkauft, ja er hätte heute Geburtstag, herzlichen Glückwunsch. Kaufe auch Donuts für die Abteilung und dann gehe ich zur Haltestelle, wieder die Dohlen und Krähen.

Aus dem abfahrenden Bus sehe ich ein Schulkind in einer dünnen Jacke, das vor einer Baustellenabsperrung sitzt und in einem sehr dicken Buch liest, die Maske auf, Paperback.

An der Podbi steht der Bagger auf den Trümmern eines Hauses, das gestern noch stand, die vordere Wand des Erdgeschoss noch da, auf einem vergilbten Schaufenster das Wort Pizzabote.

Aus den Briefen – 12 – „Für Billy“

Ich habe gerade meine Schrauben sortiert. Vor einem Jahr ungefähr hatte ich Nupsies gekauft, die 6 Wochen lang auf einem Containerschiff aus China hierher geschwommen sind. Weil die neuen Billy-Regalböden ein neues Nupsie-System haben. Die sind jetzt in einer Schachtel wo einmal Ohrstöpsel drin waren und ich habe mit Edding „Für Billy“ drauf geschrieben.

Hunde und ihre Besitzer

Die Idee gehabt, sich in die Fußgängerzone zu setzen, mit einer Zeitung mit Kucklöchern, um bspw. unauffällig Hunde und ihre Besitzer beobachten zu können.

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Am Montag sehe ich auf der Kreisstraße einen Laubhäcksler, der als Anhänger hinterhergezogen wird. Gleich die Szene aus „Fargo“ präsent.

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Ich sage zum Koch, dass ich heute mal zwei Scheiben Käse nehme statt Käse & Marmelade, er sagt Leben am Limit, und sofort muss ich mich an den Käse-Sketch erinnern, den mein Klassen- und Englischlehrer Chris L. zusammen mit meinem Mathelehrer Peter B. bei einer Fasching-Feier aufgeführt hat. Der Käse-Sketch ging ungefähr so, das einer der beiden, kostümiert mit einer abgewetzten Jeansjacke und einem aufgepunkteten Stoppelbart, einen Käse-Abhängigen mimte, der einem Interviewer (das war mein Klassenlehrer) erzählte, wie er erst mit dem harmlosen Zeug, wie Gouda und Butterkäse, angefangen hat, bis er schließlich und konsequent bei Roquefort und Ziegenkäse gelandet ist.
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Spatzen sitzen nicht auf Dächern, aber in Hecken, am Morgen zwitschern sie alle gemeinsam an verschiedenen Stellen, so am Hundeweg und hinten an der Mühle, aber auch dazwischen noch bei anderen Gelegenheiten.

Was kostet mehr Akku Bildschirm oder Musik?

Wir waren alle in der Klasse, weil wir die zwei Stunden noch nachholen mussten, die wir wärend der Abiturkurse versäumt hatten, in einem nicht näher definierten Fach. In der Pause lief ich durch die Gänge, da kam mir mein Mathe-Lehrer entgegen und fragte, was ich denn hier machen würde. Ich erklärte ihm kurz die Lage, er schaute ungläubig aus der Wäsche, ich sagte so etwas wie „ja, ich weiß, manchmal träumt man ja sowas, dass man noch einmal zur Schule muss, was ja immer sehr merkwürdig ist, aber diesmal ist es wirklich so“. Kurz darauf [aufgew.].

 

Manche Texte entstehen dann so, dass sie aus ein paar auf dem Weg zu oder von der Arbeit in das Telephon geschriebenen Sätzen gebildet werden, die zu einem längeren Text geschrieben werden, welcher dann, noch recht unausgegoren, in den Entwürfen liegt, da wieder rausgenommen wird, mit einem Messenger oder über eine txt-Datei aus der Cloud zwischen Telephon und PC hin- und hergeschoben werden, Versionen sind, und ich weiß die ganze Zeit, dass der Text noch nicht fertig ist. Ich bin jetzt gerade gespannt, ob dieser Text so einer wird, oder ob er gleich fertig sein könnte. Was kostet die Welt, was kostet mehr Akku Bildschirm oder Musik? Dann kommt der Moment, an dem alles verworfen wird, und etwas ganz neues aus den Einzelteilen sich zusammensetzt, und am Ende stehste da und wunderst Dich. Wer behauptet, vor einem »und« könne es kein Komma geben, lügt.

 

Morgens im Linienbus, der mich durch die Einflugschneise fährt, sehe ich ein Flugzeug am Himmel und denke daran, wie ich selbst aus dem Kabinenfenster auf die H0-Welt blicke und die Faller-Häuser und die Wiking-Autos und den Linienbus über die Landstraße fahren sehe und mir dann die kleinen Menschen mit ihren Leben vorzustellen versuche, die durch den Blick von oben aus der Zwischenwelt sehr abstrakt und unwirklich aussehen, und dann denke ich daran, wie dort jemand sitzt und aus dem Fenster schaut, im Landeanflug auf HAJ, und sich das vorstellt wie dort jemand jetzt im Bus sitzt und zur Arbeit fährt.

 

In Awb. gibt es tatsächlich viele Häuser, die mich an die Modelle erinnern, die der Vater in der Kindheit zusammengeklebt hat und die bei der Oma in einer Pappschachtel verwahrt wurden, kleine, in einer hellen, weißgelben Farbe verputzte Einfamilienhäuser, in den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts modern, genau so stehen sie in der Nachbarschaft aaO., die kleine, heile, konservierte Welt, der deutsche Mittelstand: Die in der Fachwerk-Bauweise konstruierte Bushaltestelle, die hilflosen Skulpturen auf den Kreiseln an den Ortseinfahrten, dass Schild auf dem steht „Willkommen in Kirchhorst“, „Willkommen in Elend“, „Willkommen in Schlimmerenden“. Die jungen Mädchen beraten sich, welche Fotos sie von ihren Pferden ins Internet veröffentlichen sollen, die niedersächsischen Kartoffelschnuten, die Jungs sagen immerzu „Digger“ zueinander, was kostet mehr Akku Bildschirm oder Musik?

Revisionen

fabe vor 1 Minute (29. Februar 2020, 22:43:54)
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fabe vor 2 Stunden (29. Februar 2020, 20:55:50)
fabe vor 6 Stunden (29. Februar 2020, 16:28:23)

Das Blog steht noch auf Sommerzeit, gleich ist der Schalttag endlich vorbei und dann kommt ja auch bald die Zeitumstellung, dann stimmt es wieder. In vier Jahren denke ich wieder an Dich.

 

Revisionen

fabe vor 1 Minute (1. März 2020, 17:20:04)
fabe vor 3 Minuten (1. März 2020, 17:16:47) [Automatische Speicherung]
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