La Ola einarmig

Ich kann mich nicht erinnern, wie in Peine die Busstopps aussehen. Es war dunkel und vielleicht war es auch Salzgitter. Die Winkekatzen machen La Ola einarmig zum Geisterspiel, noch laufen die Wetten auf das Jahr der Ratte in Metall. Die großen Elephanten trinken an der Wasserstelle. Manchmal aber spielt auch das alte Europa ein Lied mit Akkordeon auf den Transistoren, in der Pfanne sind dann die Puffer, immerhin. Das Licht im September, die Wolken und die Erinnerung an alle Sommer, an alle Geister.

Mit Delphinen schwimmen

Jetzt nachgeschlagen, wer ungefähr Podbielski gewesen ist. Ein weiterer preussischer Generalleutnant, 1870/71 usw., nach denen man in diesem Land nicht müde wird, Straßen zu benennen. Auch immer wieder Hindenburg. Beim willkürlichen Einkategorisieren des Geschriebenen darüber gewundert, dass es zwar eine Kategorie Marcel Proust gibt, in dieser aber bis dato offenbar keine Einträge. Nun also immerhin einmal ein singulärer Eintrag, und dabei wird es wohl bleiben, zähle ich mich doch zu den an Marcel Proust gescheiterten. Also zu den von Marcel Proust sehr gelangweilten. Immer positiv formulieren. Die Mohrenstrasse müsste man ja in Möhrenstrasse umbenennen, das würde auch nicht viel Geld kosten, einen Edding und eine Leiter. Das auf Sleep gestellte Radio ging jedoch soeben aus, während »If you were a sailboat« von Katie Melua läuft, von der ja auch das Lied mit den neun Millionen Fahrrädern in Peking stammt. Ein Schiff wurde ebenfalls nach Podbielski benannt, sie verlegte bspw. ein Unterwasserkabel von Qingdao nach Shanghai. Hanno Podbielski, ohne von und aber, war hingegen Radrennfahrer, was auf der allgemein nur Podbi genannten Podbielskistraße schlecht möglich ist. Sie ist hingegen vielmehr ein glänzendes Beispiel für die von Autofahrenden ausgedachte gefährliche Radverkehrsstrategie in dieser Stadt, die daraus besteht, aschenbahnrote Streifen auf die Straßen zu malen und dann zu erwarten, dass sich alle daran halten werden. Sie halten hingegen darauf oder darauf zu, etwa auf mich und mein Fahrrad.

Da ist sie wieder, die Wut, sie glüht immer noch so schön, dass man die ganze Zeit in das rote Funkeln des knisternden Herzens schauen möchte.

Dann aber, wenn es nach dem frischen Heu riecht, auf der Wiese neben der Autobahn, den ganzen Sommer mit einem einzigen Atemzug ein- (Pause) und wieder ausatmen, während die Enden sich verjüngen, vor Allem, was ihnen widerstrebt. Aber alles fliegt vorbei oder vielmehr sind Gedanken und Ideen, die vorbeitreiben, bei denen gerade eine ausgeblichenes Stück Holz zu greifen ist, auf dem jemand mit einem Messer Kerben und Zeichen eingeschnitten hat, Hebräisch, Runen, Emojis und ein paar Hieroglyphen, vorgestern oder vor einer ½ bis ¾ Ewigkeit. Das sind die Aufzeichnungen, die bleiben, ich lege sie in eine Kiste, wo Deine Kassetten und CDs drin sind, alle in einer falschen Hülle, die steht unter dem Schreibtisch und bleibt auch dort, ich lege sie nebeneinander in ein Regalfach, daneben steht ein Fotoalbum, in das hat jemand lauter Fotos von Kakteen geklebt, mit Fotoecken, vor über zehn Jahren oder sogar zwanzig. Das Fotoalbum ist mit Stoff bezogen. An eine schiffbrüchige Europalette geklammert, sehe ich den nur kurz haltbaren Gedanken bei der Drift durch den Malstrøm of consciousness zu, sie sind dann aufgehende Sonne und aufgehender Mond zur gleichen Zeit. Sie werden hinfortgerissen vom Strudeln der Zeit. Kopftodgeburten, Hirngespinster auf Ginsterwegen und was wenn all diese Dinge mehr als nur ein kurzes Aufflackern wären, das irre Blitzen im Augenwinkel, kein Zwar ohne Aber immer nur weil wer das Wort Systemrelevanz in den Raum spricht, muß sich Fragen nach dem System anhören. Die müssen unanfechtbar sein für das vor Wut wie eine Discokugel glitzernde Herz. Die Zeit — sie ist im Getriebe des Uhrwerks bereits versandet. Alles ist verloren und was bleibt, ist, dem Silberstreifen am Horizont beim verlöschen zuzusehen in 7 Staffeln à 24 Folgen auf Amazon Prime. But that’s fake news und wer an Wunder glaubt, vermag leichter zu schweigen. Frage mich gerade, wieviel 5 Mio Lire 1959 in DM gewesen wären und dazu, wieviel 1959 z. B. ein Bier, ein Pfund Pfifferlinge oder ein Dutzend Austern gekostet haben. Zum Geburtstag, immerhin, an einem Ort der Hoffnung gewesen.

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Revisionen

fabe vor 1 Minute (28. August 2020, 19:39:30)
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fabe vor 19 Minuten (28. August 2020, 19:20:03)
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fabe vor 2 Monaten (9. Juli 2020, 19:02:50)

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Die Möglichkeit, durch ein Maisfeld zu laufen, noch gibt es sie. Jetzt aber taumeln schon die letzten Wespen durch die Luft. Das Ausatmen hat bereits begonnen. Gesprächsmomente in der Kantine, da zeigt die Eine der Anderen auf dem Telephon einen kurzen Film und sagt „ich möchte auch mal mit Delphinen schwimmen“. Später unterhalten sich zwei über die Trockenheit und die leeren Talsperren. Das Wasser würde einfach verdunsten, sagt der Eine, man könne daher vielleicht das Wasser einfrieren, „aber vielleicht kostet das ja auch wieder zu viel Energie“ – der Andere: „glaub ich nicht“. Neben den zwei Mikrowellengeräten, die beide dieselbe falsche Uhrzeit anzeigen, seit einem halben Jahr oder seit dem letzten Stromausfall, liegt die aktuelle Tageszeitung. Im Regionalteil der Kleinstadt, durch die der Bus auch fährt, steht, dass die Firma Exxon das Erdöl-Bohrloch auf dem Feld wieder in Betrieb genommen hat. Die Feuerwehr war ausgerückt, weil Anwohner dachten, dass es brennt. Dabei wurde doch nur, so die Zeitung, „überschüssiges Erdgas“ abgefackelt. Alles CO2, das in den jetzt zu Erdöl gewordenen Dinosauriern gespeichert war und ist, muss wieder an die Luft, bis sie so schön sauerstoffarm ist wie in der Zeit vor dem letzten Meteoriteneinschlag, und wozu den Umweg nehmen und die Brennstoffe für die Heizung verwenden, wenn wir sie einfach so abfackeln können und den Himmel schön hell erleuchten mit einer Feuerkugel in der Nacht.

Der Koch stellt jeden Tag, in einiger Entfernung von der Tür, die von der Kantine aus nach draußen führt, einen Teller mit aufgeschnittenen Früchten raus, die er nicht mehr verwenden kann. So fliegen die Wespen dorthin und bleiben der Küche fern. Auch die Grillen werden nun leiser und hören langsam auf zu fiedeln. Auf dem Schotterweg hinter der Lagerhalle haben Ameisen eine Straße angelegt, die an einen winzigen Canyon erinnert. In der Nacht die Idee, dass sie, einem höheren Plan folgend, das Erdreich unter der Halle langsam, langsam, sehr langsam abtragen, um sie letztenendes im Boden versinken zu lassen. Jedes einzelne Sandkorn verteilen sie großflächig über die umliegenden Felder. Niemand bemerkt irgendetwas und dann ist es zu spät.

Tags drauf nochmal genauer hingeschaut. Es sind insgesamt 11 derartige Transportwege vorhanden. Was ich gesehen habe.

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Vor drei Tagen der erste Sturm.

Aus den Briefen – 7 –

Als ich gestern zur Arbeit ging, verließ ich das Haus und ging durch den Park zum Bäcker an der Ecke. Ich ließ einen Müllmann vor, der für sich und seine Kollegen Kaffee holen wollte, und wartete, draußen vor der Tür, in der schönen Frühlingssonne, während die Tür ab und zu wieder aufging, um Milch/Zucker-Wünsche abzustimmen. Die Standard-Besatzung eines Müllwagens besteht aus drei Leuten. Einer fährt, und zwei fahren hinten mit und kümmern sich – in diesem Fall um die gelben Säcke. Eigentlich wollten wir, ich sprach davon, Anfang Mai die Schwester besuchen in Dublin. KLM hat die Flüge jetzt storniert. Die Eltern werde ich auch nicht sehen, außer dass wir uns zur Videotelefonie verabredet haben. Nachdem ich die Brötchen gekauft hatte, ging ich wieder nachhause, zur Arbeit.

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Die Zombie-Apokalypse findet weiterhin nur im Fernsehen statt.

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Gerade sind die Nachrichten um null Uhr vorbei, im Radio läuft der Nachtclub mit Paul Baskerville, als ich das Fenster öffne, um eine Flasche Bier von der Fensterbank zu nehmen, mischen sich die Glockenschläge zur Mitternacht mit dem Sound aus dem Radio. Gerade spielte er Mark E. Smith. Wir sind eingeschneit im April, und auch das wird vorübergehen. Nach der Pandemie um 6 im Kelch?

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[Kein Rauchgeruch in dieser Nacht. Bedeutet nicht, dass da kein Feuer wäre.]

 

[Neues aus dem Frisiersalon]

Am Ostermontag habe ich Königsberger Klopse gekocht. Dazu gab es Reis und Rote Beete, kalt, mit einer Vinaigrette aus Essig, Öl und Senf.

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Es war sonnig heute, das erste mal wirklich etwas wärmer. Ich war beim Friseur und bin dann die schöne Straße heruntergelaufen, wie ich es eigentlich immer dann mache, weil der Weg zu der einen Station nicht bedeutend länger ist, ich aber meist in der Laune, noch ein paar wenige Schritte mehr zu gehen.

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Die Kollegin der Friseurin die kurz hereinkam, um zu schauen ob ihr Paket inzwischen endlich angekommen ist, erzählte, die Bekannte C. wäre mit Frau von der Verteidigungsministerin befreundet und das C. und die immer mit so Wirtschaftstypen abhängen würden, aber C. hätte sich übelst gefreut (über was wurde nicht gesagt) und neulich, als sie dort waren, da wäre die gerade vorher da gewesen und sie hätten sie noch weggehen gesehen, ihrem Freund wäre der Name zuerst nicht eingefallen als er fragte, ob das wirklich gewesen wäre.

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Neulich beruflich etwas in der StVO recherchieren müssen und sehr schnell zu ärgern begonnen. Es ist durchaus möglich, dass diese Ordnung umfangreich gegen das Grundgesetz verstößt, da sie bestimmte Menschen systematisch benachteiligt. Aber das sind nur meine fünf Pfennig und vielleicht irre ich mich auch.

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Im Radio wurden derweil Ausfälle im Schiffsverkehr angesagt, auf der Strecke nach Norderney gab es Niedrigwasser und irgendwo im Norden wurde noch einmal Schnee erwartet, kurz vor Ostern.

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Diese Tür war nur für Dich bestimmt

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Stellenanzeige der Faschistischen Partei: Es wird ein Referent für Menschenrechte gesucht. Vorzugsweise Studium der Politik oder Geschichte.

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An manchen Tagen ist der Kopf noch am Abend voller Worte und ich nehme mir fest vor, sie bei der nächsten Gelegenheit aufzuschreiben, doch dann können sie schon wieder verschwunden sein, wenn ich einmal die Zeit gefunden habe. Die Woche nach der Umstellung der Uhren war eigentlich gut überstanden, obschon, wie immer, die Müdigkeit, besonders an den ersten drei Werktagen, eine stete Begleiterin war. Dann kam die Osterpause und die innere Uhr sprang beinah augenblich wieder zurück auf die Winterzeit. Jetzt geht also wieder alles von vorne los, trotz Tanzverbot.

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Auf dem Weg heute kamen mir dann zwei Menschen entgegen, ein Mann, der in einem leichten elektrischen Rollstuhl fuhr und seine Begleiterin, beide noch in den dicken Winterjacken, auch sie überrascht von der plötzlichen Wärme, die sich erst am frühen Nachmittag entwickelt hatte. Der Mann hatte eine Tasche dabei, die an einer Seite ein wenig über eines der Knie hing, auf der in großen Buchstaben die Worte „Fun“ und „Team“ standen.

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Im Radio läuft jetzt Happy Nation und auch dieser Tag ist vorrüber gegangen, beinahe spurlos, jedenfalls ohne großen Lärm zu machen, auf meiner Seite der Medaille.

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Gleich kopfüber

Wie bereits gestern trinke ich den Rest des Kaffees aus, der übrig ist, heute jedoch mache ich nicht den Fehler, die ‚Apollo‘ von Eno / Lanois / Eno zu hören, die ich mir nach dem Hören einer sehr langen Radiosendung spontan beim Onlineauktionshaus kaufte, und darüber die Zeit zu vergessen. Auch werde ich (zunächst) keine Gedicht|e lesen, sondern mich gleich kopfüber. Gestern Rückmeldung von S. zu den eigenen Gedichten, er hat ja mit allem recht was er schreibt.

Gegen Morgen wild geträumt, verschlungene Pfade, mit Ranken fast überwuchert, bemooste Steine, eine ratternde, achterbahnähnliche Bergbahn (die Schienen jedoch ausschließlich auf dem Boden). Dann in einer Art Gartenwirtschaft, jemand stellt Bier auf den Tisch, es ist eine Leinwand aufgebaut, auf der ein apokalyptischer FIlm läuft, in einer Steppe spielt sich eine Szene ab, in der Autowracks o.ä. am Rande einer Straße stehen und diese tw. blockieren. Ein Mensch, der mit mir am Tisch sitzt, stürzt sich in die Leinwand hinein, ist dann in dem Film, wir sehen ihn, wie er beginnt, die Trümmer zur Seite zu schieben. Dann bin ich selber in dem Film und helfe dabei.

Dann laufe ich außen auf einem geländerlosen Balkon im obersten Stockwerk eines Hauses entlang, an einer Ecke befindet sich jedoch eine Sicherung, die sich jedoch als viel zu wackelig herausstellt. Hier geht es nicht weiter. Der Rückweg kann nur durch ein Fenster gehen, welches in ein Zimmer führt, der Bewohner ist da und ich kenne ihn wohl auch, jedenfalls darf ich durch das Fenster hinein. Es laufen drei Fernseher, einer steht auf einem kleinen, runden Tisch, zwie auf dem Boden. Es sind alte Röhrenfernseher, auf denen unterschiedliche Szenen aus einer Kinderserie gezeigt werden, in der es um die Erlebnisse anthropomorpher Lokomotiven geht. Auf dem Boden sind mindestens zwei kleine, voneinander unabhängige Spielzeugeisenbahnen aufgebaut, legobunt, die beständig im Kreis fahren und eine Lichterkette mit bunten Lämpchen verstärkt meinen Eindruck, hier hat sich jemand eine kleine Wunderwelt erschaffen. Ich finde es unangenehm, hier so einzudringen, aber es besteht ja keine andere Möglichkeit.

 

Ohne Beladen (jedoch inkl. Abladen)

Heute wieder mit dem Fahrradanhänger zum Wertstoffhof. Aufgrund des fragwürdigen Zustands der Radwege in Hannover haben sich jetzt Schrauben gelöst, muss repariert werden, wird aber nicht schwierig. Wieder weniger Schrott. Eine Tour hin/rück ohne Beladen (jedoch inkl. Abladen) dauert ½h. Auf dem Wertstoffhof reges Treiben, es wurden sogar Dinge abgeholt, nämlich von Antiquitätenhändlern. Viele DVB-T-Receiver in der Kleingerätebox, so kann man auch für Nachfrage sorgen, indem nämlich aus reiner Digitalisierungshysterie gerade mal 10 Jahre alte Standards entsorgt werden. Wofür? Für noch mehr Sender, nämlich Shoppingkanäle, Christenkanäle, Unterschiede nur bei genauem Hinsehen erkennbar.

Diese Woche außerdem mit dem neuen Teppichklopfer die Flickenteppiche ausgeklopft. Staub. Eine Auswahl von Gedichten zu einem kleinen Band zusammengestellt, zunächst nur für den Gebrauch im Freundeskreis. Im Keller auch gesehen, dass immer noch Restauflage des VersSchwoerer vorhanden ist. Die wird demnächst auf kleinen Touren im Stadtgebiet verteilt, vielleicht dass ich auch einmal die Geschichtswerkstatt Achim anschreibe, um die Ausgaben im Archiv zu ergänzen. Wir haben uns nie geeinigt, ob es „Die VersSchwoerer“ (plural) oder „Der VersSchwoerer“ (sing., mask.) heißt. Ich hab immer „der“ gesagt, aber „die“ fände ich jetzt besser und heute würde ich eine Zeitschrift dieser Art auch nicht mehr so archaisch-sturm-und-drang-romantisch betiteln. Aber so war das halt, wenn man mit den Flausen und dem ganzen Kafka im Kopf vom Gymnasium kommt und dann ausgerechnet die brotlose Kunst studieren muss, dass auch noch ausgerechnet am Seminar in Hannover, wo man bis auf den heutigen Tag mit den Intrigen mehr beschäftigt ist als mit der vernünftigen Ausbildung der Studierenden. Aber das nur am Rande des Geschehens.

Empfangsbericht (8)

Heute Morgen spontan die Favoriten im Küchenradio aufgeräumt und dabei in die Morningshow von Studio Brussel reingeraten. In den 10 Minuten lief nur Happy House oder wie das auch immer heißen mag und eine extrem angeknippste Moderatorin telefonierte zwischendurch, aber während die Musik natürlich weiterlief, mit den Hörern. Ich fand’s extrem super. Den flandrischen Zungenschlag verstehe ich viel besser als den Dialekt, der in Friesland gesprochen wird. Selber sprechen kann ich’s natürlich nicht. Den Livestream für externe Player findet man z. Zt. aqui [2017-03-17]. Die Geschichte, wie ich einmal als Schüler eine Woche lang zum Austausch im Hause eines deutschen EU-Diplomaten wohnte, dessen Sohn alle naselang das Lied vom alten Kaiser Wilhelm anstimmte, heb ich mir mal für vielleicht später auf. Ich erwähnte es hier auch bereits einmal. Die Suchfunktion ist ja mit das beste an einem fast 15 Jahre lang vollgeschriebenen Blog. Allerdings bin ich manchmal auch ein wenig erschrocken ob der Unerschrockenheit, mit welcher ich dereinst ein paar Dinge formulierte, die ich heute vielleicht garnicht mehr so denken oder gar aufschreiben würde. Aber so ist das. Ist auch OK so.

 

Das schöne Rauschen (Materialien 1)

Gestern in der Nacht gemalt und dabei Radio gehört. Einige der Bilder nähern sich mal wieder der Fertigstellung. Mit einer Luftpolsterfolie mit größeren Noppen einen schönen Druck gemacht, einige andere Sachen weiter gemalt.

Auf der Langwelle etwa einen einen französischen Sender gehört, Europe 1 mit einer Live-Berichterstattung zu einer Sportveranstaltung. Auf der Mittelwelle Radio Uno, sowie BBC Radio Scotland. Ich höre den Aircheck gerade noch an, dann werde ich später noch einen der üblichen Empfangsberichte schreiben, vielleicht zusammen mit den Aufzeichnungen, die ich im Winterurlaub an der Nordsee gemacht habe. Dort auch wieder schöne Sender gehört, niederländisches Radio auf UKW z.B.

Ich existierte dann ganz im Klang des Radios, auch das Malen fand innerhalb der Klänge statt. in diesen schroffen Tönen und dem schönen Rauschen. Seitdem wir aufgebrochen und zurück gekommen sind, Weihnachten war auch noch und der Jahreswechsel, jedenfalls seitdem das erste Mal wieder gemalt. Auch die Fotos sind noch nicht entwickelt, aber das macht alles nichts, es muss nichts schnell gehen.

In der Nacht ein merkwürdiger Traum, von dem ich wieder nur ganz wenig erinnere, zum Beispielwar ich in einem Gebäude zu einem Beratungsgespräch, hatte noch etwas Zeit und ging durch einen Gang. Dort fand ich dann dieses schöne Zimmer mit dunkelroten, aber geöffneten Vorhängen vor dem großen Fenster, auf einem Tisch standen zwei Kerzen und ein Strauß Blumen, an dem Tisch zwei Sessel mit rotem Samt bezogen. An der Reception sagte mir die Frau, ich solle noch warten und wo ich dann hingehen müsste, auch, dass ich aufpassen sollte, nicht stattdessen ins Krankenhaus zu gehen, wobei sie nach links oben zeigte, wo sich das Krankenhaus befand, auf einer langen Galerie, die als Verbindung zwischen den Räumen diente, liefen Menschen in weißen Kitteln. Mir fiel ein, dass wir in einem Krankenhaus aus Versehen einmal falsch abgebogen sind und dann im Keller in einem Gang in der Pathologie standen (Das ist wirklich passiert) Ich zögerte, davon zu erzählen, ließ es dann bleiben, weil ich es unpassend fand.

Nudeln oder Tee

„Ich habe einen riesen Berg Wasser gekocht“ wäre so ein Satz, den die Mutter benutzt hätte, wenn sie aus der Küche heraus uns etwa mitteilen wollte, es gäbe demnächst dann Nudeln oder Tee. Daran musste ich denken, als ich zusätzlich zu Herd und Waschmaschine auch noch den Wasserkocher in Betrieb setzte. Der Herd ist zwar Gold wert, inzwischen, täglich unterschiedlich viel, jedoch nicht gerade leise, wenn er sich selbst mit Umluft auf 275° C hochschaukelt. Er erinnert mich  regelmäßig an das Geräusch, welches etwa auf einer der Nordseefähren, oder einer x-beliebigen anderen Fähre irgendwo auf einem der sieben Weltmeere, bspw. im Passagierraum oder dort, wo die Koffer der Touristen in den großen Regalen liegen, zu hören ist. Ich dachte an diesen oft gesagten, merkwürdigen Satz der Mutter und daran, wie der in ihm enthaltene Widerspruch zugleich faszinierte und verstörte. Die Waschmaschine stampfte und kam langsam in Fahrt, wie auch das Jahr langsam Fahrt aufgenommen hatte, jetzt im Februar, mitsamt der nassen Fracht. Dazu noch der Geschirrspüler und wie gesagt, der Wasserkocher. Mir war, als schwankte der Boden tatsächlich ein wenig und ich, inmitten meiner Küche, befünde mich auf großer Fahrt. Im Küchenradio lief ein japanischer Sender, der alle fünf Minuten einen science-fiction-mäßigen Jingle abließ. Ich verstand kein einziges Wort. Das gefiel mir gut. So fuhren ich und der dampfende Wasserkocher hinaus auf die offene See, wo nur die Möwen um den Schornstein kreisen würden, im süßen Schiffsdiesel-Rauch, mit ihrem Gelächter und ihrem Hunger nach Fisch. Warum stehen an den Stränden keine Schilder, dass die Möwen nicht zu füttern seien? Weil es jeder höchstens einmal probiert. Den Backofen könnte ich auch mal wieder sauber machen mit dem Pommes-Fett. Ich holte schon die Kapern aus dem Kühlschrank und das Glas mit den Sardellen, nun wurde ich ganz und vollends zum Smutje auf Kapernfahrt und die Küche ist die Kombüse.

Der Regen steht diagonal zwischen Meer und Himmel und das Bullauge ist unter Wasser, der Tag ist stürmisch zwischen all den großen Wünschen, die in den Herzen herumgetragen werden. Mit Volldampf geht es Richtung Schalttag, um den Kurs um 0,2425 zu korrigieren, um die sich Papst Gregor XIII oder einer seiner Vasallen verrechnet hatte, Jahre bevor einem seiner Stellvertreter-Nachfolger Kurzwellensender zur Verkündung seiner sog. frohen Botschaft an die ganze Welt und das Universum zur Verfügung standen. Die Verkündung der einigermaßen korrekten Uhrzeit circa alle Stunde einmal ist von großer Bedeutung, ob im Radio oder per Glockenschlag vom Turme herab. Denn wer die endliche Zeit der Menschen kontrolliert, der kann auch das Wesen der Unendlichkeit deuten. Auch für die Schifffahrt, denn nach ihr berechnen wir unseren Standort und unsere Standpunkte, für alle die mit uns auf Kapernfahrt fahren. Einen Bart habe ich bereits und das Holzbein lasse ich mir auch noch wachsen, damit es Wurzeln schlägt wo keine Bäume stehen. Die Passagiere sind missmutige Engländer, die alle naselang it’s teatime rufen und mir ihre Tassen vor die Tülle halten, während ich meine Runde durch’s Kasino mache. Sie lesen in mitgebrachten, Jahre alten Illustrierten, in denen bereits jedes Kreuzworträtsel gelöst ist. Einige handeln noch von Lady Di oder einer gewissen Fergie, den Titelblättern nach. Nudeln mit Kapern-Sardellensauce muss man sich auch erstmal trauen, denen zu servieren. Sie arbeiten im Umspannwerk für den Offshore-Windpark, weit draußen vor den Inseln, der einem englischen Konzern gehört. Hier gibt es kein Internet und die sonstige Unterhaltungsmöglichkeit auf der vierstündigen Überfahrt besteht aus alten Bud Spencer Videotapes, die deutsche Synchronfassung. Die oft besser gelaunten Rückfahrts-Passagiere legen hier und da einen dieser Filme ein und machen sich dann ausführlich über die deutsche Sprache lustig. Glücklicherweise sind diese Meisterwerke der Filmkunst nicht sehr dialoglastig.

Vorgestern Nacht träumte ich, wir wären in Stockholm gewesen und hätten eine Fähre zum Flughafen nehmen sollen. Wir waren auf das falsche Schiff geraten, eine große Passagierfähre mit dem Ziel Kopenhagen, die in einem irrwitzigen Tempo ablegte und haarschaf um die Kaimauern bog, zur Hafenausfahrt hin und dann hinaus auf die See, der Scherengarten war der Einfachheit halber nicht vorhanden und wir alle sehr schnell in Kopenhagen, an der Landungsbrücke stand ein großes Tor, worauf ein Schild befestigt war, auf dem stand KØPENHAGEN geschrieben, genau wie es die Dänen schreiben. Ich wollte ein Foto machen und wir fanden es ganz wunderbar, durch den Zufall mit dem falschen Schiff hier gelandet zu sein. Zwei Wale schwammen im Hafenwasser, es waren nur ihre dunklen Rücken an der Oberfläche zu sehen. Am Morgen fiel mir dann dieser schöne Traum wieder ein, den Kafka in einem der Tagebücher aufgezeichnet hatte und dann später in seinem Roman „Amerika“ verwandte. Damit musste ich diesen Engländern wahrscheinlich nicht kommen.

Ich träume oft von Schiffen, Wasser und so.

Aus den Briefen – 6 –

mir ist das zu klein, diese Briefmarkengröße, da kann man überhaupt nichts erkennen ehrlich gesagt. Ich habe trotzdem vorgespult bis zu der stelle, an der das capitol-hochhaus ins bild gerückt wurde, aber ich würde mir eigentlich wünschen diesen film zb einmal in akzeptabler größe schauen zu können.

das ist immer noch eine sache, die ich für ein weitaus größeres wunder halte als das internet in gänze: das ich hier einen sender aus schleswig-holstein empfangen kann, aus wales, aus frankreich, den niederlanden usw. usf.,

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ich werde einmal zusehen mir den termin für eure treppenhauskunstaktion frei zu machen, versprechen kann ich wie immer nichts leider, aber ich nehms mir feste vor.

so ich habe heute meinen schönen freitagabend und meine schreiberei für heute auch bereits erledigt. deshalb habe ich zeit mails zu schreiben und mich den schönen dingen zu widmen. höre steve reichs music for 18 musicians, nachdem bereits pierre favre und sun-ra hier liefen. […] auf die mittelwelle geht es heute wohl nicht mehr. der neue pc stört den empfang leider oder auch zum glück sehr. zum glück deshalb, weil dies dann schon öfter der grund war, die kiste auszuschalten und radio zu hören.