Vielleicht bedeutet Schreiben

 nicht den Versuch, Schönheit zu erschaffen, sondern sie zu verstehen. Vielleicht ist Schönheit das falsche Wort und es müsste Erstaunen heißen, oder Verwunderung, in diesem Zusammenhang mit einer ganz anderen Bedeutung. Oft auch: Entsetzen.

Was wollen die Wolken am Himmel uns sagen? Garnichts, sie sind einfach nur dort, wobei Wolken eigentlich keinen Ort haben, an dem sie sind, immer in Bewegung. [4.1.24]

10 vor Acht aus dem Haus.

Wieder Regen, an der Ampel an der Kreuzung steht der Flixbus nach Rotterdam, wie ein unsicheres Versprechen. Zusätzlich niederländisches Radio, als ich selbst im Bus sitze, allerdings nach Kirchhorst. Bericht zu einem Anschlag auf einen Politiker in Korea, Bericht zu Robotertaxis in Amsterdam (noch zu unsicher).

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Am Abend an der Noltemeyerbrücke schiebe ich mich an einer Frau und drei Kindern in Gummistiefeln vorbei, um die Bahn noch zu bekommen. Es ist die Linie 13 und die Frau sagt „da kommt die böse 13“. Das erste Mal mit der Linie 13 gefahren.

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Im Bus dann telefoniert eine in einer afrikanischen Sprache, vielleicht auch ein englischer Dialekt, den ich nicht verstehe. Ich höre die Worte Doctor, 8’o’clock und Kofi Annan. Worum ging es in diesem Telefonat?

An einem Donnerstagabend gegen halb sechs

An Vier Grenzen hat vor einer Weile ein sog. Wucherpfennig Deli aufgemacht, ein kleiner Supermarkt mit gekühlten einzelnen Flaschen Bier und einem Bäckerladen mit ein paar Tischen unter Sonnenschirmen vor der Tür. Es war vielleicht nicht so geplant, dass sich Monteure in blauen Arbeitshosen und neongelben Jacken ein Bier kaufen und sich dann, zum Schutz vor dem Herbstregen, der in die Abenddämmerung fällt, unter diese Schirme setzen und sich zuprosten, an einem Donnerstagabend gegen halb sechs.

Wenn Nachmittagsunterricht war, sind wir oft zum Wucherpfennig gegangen, um uns eine 5er-Packung Schokoriegel zum Mittagessen zu kaufen, anstatt in der Schulküche zu essen. Das allerdings war kein Deli sondern ein kleiner EDEKA Laden in der Südstadt. Wir saßen dann gegenüber auf einer Vorgartenmauer, was den Hausbewohnern nicht so gut gefiel, erstens, weil wir jung waren und sie alt und zweitens, weil die eine oder andere Schokoriegel-Umverpackung auf ihrem gemähten Rasen landete.

In der vorletzten Woche am Donnerstagnachmittag

einen kurzen Weg von der Bushaltestelle durch den Stadtwald zu einem Termin gegangen. Aus einer in der Mittagspause befindlichen Gruppe Menschen, die etwa über Datentabellen plauderten, schnell wieder abgesondert. Aber auf der einen Bank, beim großen Spielplatz saßen dann zwei, der eine hatte eine wohl halbvolle Flasche Rotwein neben sich stehen, der andere ein Bier und es war auch nicht das erste. Aber der eine sagte zu dem anderen in der Sommersonne „Ganz recht hast Du auch nicht, eigentlich solltest Du alle Hunde die barfuß gehen grüßen!“.

Gestern ein Abend mit gelber Luft, fast schwefelig

Das Licht übersteuert. Heute am Morgen schläft ein Mensch im Wartebereich, vorne im Bahnhof, dort bei den Ausgängen, er hat dabei einen schwarzen Rollkoffer, zwei prall gefüllte Ikeatüten und einen hellen Rucksack, wie ihn die Kinder manchmal verwenden für die Schule. Auf dem Vorplatz, neben dem Pferdedenkmal, steht ein Rettungswagen und die blauen Lichter rotieren. Für das alles keine weitere Zeit. Noch sind die Äste kahl und im Gegensatz jetzt ein bleicher Himmel.

Aus den Briefen – 13 –

Der Zustand der Welt wird immer schlimmer und macht mir Sorgen. Die anhaltende Pandemie ist dabei eigentlich das kleinste Übel. Das geht vorbei, da bin ich mir ziemlich sicher. Davon abgesehen ist es weiter viel Aufräumen und Putzen, aber an den Wochenenden gibt es Wein und Musik in der Küche. Habe zwar den Türbeschlag noch nicht gefunden, aber es geht voran, klein und klein. Gleich fahren wir mit den Rädern an den Kanal und nächste Woche sieht es damit auch gut aus, erstmal keine Stürme.

Und so geht das Jahr nun zuende,

 
es sind vielleicht 13 °C und also zu warm. Windig. Am Vormittag eine Postkarte an K. in den blauen Briefkasten getan, der vor der Änderungsschneiderei steht. Auf der Briefmarke ein bunter Papagei. Der Schneider arbeitet an der Nähmaschine. Noch zwei Pakete weggebracht und eines abgeholt. Darin war eine Glühbirne für die orangene Lampe, sie steht nun auf dem Bücherregal und das Zimmer ist sehr orange. Beim Kiosk an der Ecke drei Bier gekauft. Ein Packen mit zu verteilenden Prospekten ist aufgegangen und sie wurden über die Straße verteilt, dann sind sie nassgeregnet. Dazu neben den Baum am Ende der Straße abgestellter Möbelschrott, so sieht es nun aus. Beim Nachbarn kommen zwei oder drei Gitarrentöne aus dem gekippten Fenster. Ich male nicht an dem Bild weiter, das wird auch heute wieder nichts und das fasst es ganz gut zusammen.