[Neues aus dem Frisiersalon]

Am Ostermontag habe ich Königsberger Klopse gekocht. Dazu gab es Reis und Rote Beete, kalt, mit einer Vinaigrette aus Essig, Öl und Senf.

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Es war sonnig heute, das erste mal wirklich etwas wärmer. Ich war beim Friseur und bin dann die schöne Straße heruntergelaufen, wie ich es eigentlich immer dann mache, weil der Weg zu der einen Station nicht bedeutend länger ist, ich aber meist in der Laune, noch ein paar wenige Schritte mehr zu gehen.

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Die Kollegin der Friseurin die kurz hereinkam, um zu schauen ob ihr Paket inzwischen endlich angekommen ist, erzählte, die Bekannte C. wäre mit Frau von der Verteidigungsministein befreundet und das C. und die immer mit so Wirtschaftstypen abhängen würden, aber C. hätte sich übelst gefreut (über was wurde nicht gesagt) und neulich, als sie dort waren, da wäre die gerade vorher da gewesen und sie hätten sie noch weggehen gesehen, ihrem Freund wäre der Name zuerst nicht eingefallen als er fragte, ob das wirklich gewesen wäre.

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Neulich beruflich etwas in der StVO recherchieren müssen und sehr schnell zu ärgern begonnen. Es ist durchaus möglich, dass diese Ordnung umfangreich gegen das Grundgesetz verstößt, da sie bestimmte Menschen systematisch benachteiligt. Aber das sind nur meine fünf Pfennig und vielleicht irre ich mich auch.

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Im Radio wurden derweil Ausfälle im Schiffsverkehr angesagt, auf der Strecke nach Norderney gab es Niedrigwasser und irgendwo im Norden wurde noch einmal Schnee erwartet, kurz vor Ostern.

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Diese Tür war nur für Dich bestimmt

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Stellenanzeige der Faschistischen Partei: Es wird ein Referent für Menschenrechte gesucht. Vorzugsweise Studium der Politik oder Geschichte.

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An manchen Tagen ist der Kopf noch am Abend voller Worte und ich nehme mir fest vor, sie bei der nächsten Gelegenheit aufzuschreiben, doch dann können sie schon wieder verschwunden sein, wenn ich einmal die Zeit gefunden habe. Die Woche nach der Umstellung der Uhren war eigentlich gut überstanden, obschon, wie immer, die Müdigkeit, besonders an den ersten drei Werktagen, eine stete Begleiterin war. Dann kam die Osterpause und die innere Uhr sprang beinah augenblich wieder zurück auf die Winterzeit. Jetzt geht also wieder alles von vorne los, trotz Tanzverbot.

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Auf dem Weg heute kamen mir dann zwei Menschen entgegen, ein Mann, der in einem leichten elektrischen Rollstuhl fuhr und seine Begleiterin, beide noch in den dicken Winterjacken, auch sie überrascht von der plötzlichen Wärme, die sich erst am frühen Nachmittag entwickelt hatte. Der Mann hatte eine Tasche dabei, die an einer Seite ein wenig über eines der Knie hing, auf der in großen Buchstaben die Worte „Fun“ und „Team“ standen.

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Im Radio läuft jetzt Happy Nation und auch dieser Tag ist vorrüber gegangen, beinahe spurlos, jedenfalls ohne großen Lärm zu machen, auf meiner Seite der Medaille.

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[Fastgeister]

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Heute, also 11 Monate und einen Tag vor dem nächsten Weihnachtsfest, war dann zu bemerken, welchen Geruch das neue, noch ganz frische Jahr mit sich bringt, es ist noch gänzlich unbeschadet, aber nun kann es auch nicht mehr zurück in den KArton gelegt werden. Es war als ich an der Haltestelle Spannhagengarten stand, aber wie soll ich denn den Geruch des neuen Jahres beschreiben? Vielleicht wie nasses Papier, dass an einer Straße steht und wie der Wind, der vom Meer kommt und wie der Regen am Abend, ein Bus, noch mit Dieselmotor, der gegenüber auf der anderen Straßenseite noch anhält, es gibt sie ja schon garnicht mehr, ein wenig wie das Thema dieser Musik noch dazu, die gelöscht sein wird, vielleicht, das nächste Mal wenn Du auf den Verweis klickst und wie der kühle Morgen in der Stadt am Mittelmeer, wenn der Blumenladen noch seine bemalte Rollade heruntergelassen hat, hör mir gut zu Du grüner Vogel. Das Alles ereignete sich plötzlich und so stand ich nun dort, mit all diesen Erinnerungen, die keinen genauen Ort mehr haben und deshalb fast schon selber Geister sind.

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Beweismittel einer oder mehrerer Existenzen

Heute auf dem Weg nachhause in der Bahn T. getroffen, den ich von einer vergangenen Arbeit für eine Bande von Hampelmännern kenne. Er arbeitet im Spiegelpalast, dort wo die Bahn die Biege macht und ich erwartete eigentlich schon die ganze Zeit über, dass wir uns, sei es am Morgen oder am Abend, einmal in der Straßenbahn treffen. Berichtete mir von Wäschekörben voller Anträge, die, noch auf Papier geschrieben, aus eine ausgeklügelt merkwürdige Weise dortselbst verarbeitet würden, so das gewisse Systemtheoretiker ihre allerhellste Freude daran hätten. Wir schreiben uns hier und da kurze Nachrichten in unsere Telefone hinein. Zu diesem hermetischen Gebäude, welches eine gewisse Faszination auf mich ausübt, gibt es bereits einen Textentwurf hier in den unfertigen Texten, die auf der Festplatte im Rechenzentrum schlummern, dort also, wo auch der ganze Rest der Dateien liegt, die hier als Beweismittel einer oder mehrerer Existenzen, die sich teilweise überlappen und teilweise widersprechen, aufgeführt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt, wenn ich Zeit gefunden habe, die ganzen Notizen zu diesem Buch, welches ich in dieser Zeit, als der unfertige Text entstand, las und um welches es dort eigentlich sich doch handelt, zu verarbeiten und in einen größer gedachten Zusammenhang zu stellen, wird sich vielleicht noch genauer zeigen, worum es mir dabei geht.

20180110_173059 — dieses Foto habe ich gestern abend aufgenommen. Es zeigt den Funkturm dieser Stadt und hat nichts und sehr viel mit diesem Text zu tun und allem.

Wie es sich zugetragen hat

Mindestens seit dem 24. Dezember laufe ich mit einer ziemlich ausgeprägten Zeitirritation in den Tagen umher sowie einem Knistern im Ohr, bisweilen ein Knacken in den Rohren.

2017 (Symbolbild)

So geht das Jahr unentschlossen zu Ende, wie es sich zugetragen hat. Mit das Beste, was zwischen den Jahren gemacht werden kann (außer z.B. Wäsche waschen) ist doch, mitten in der Nacht, und unbedingt auf der Mittelwelle, BBC Radio Scotland zu hören. Zu drei Gelegenheiten getan, darüber eingeschlafen.

Abb. 2

Hier die Höhepunkte des Jahres 2017

 

Im Januar war ich mit dem Fahrradanhänger beim Wertstoffhof.

Im Februar war ich in Oldenburg in Oldenburg.

Im März von einem Rudel Löwen geträumt.

Im April liefen wir (u.a.) die Booterstown Avenue hinunter.

Im Mai wurde eine Bombe entschärft.

Ein geklauter Dienstag im Juni

 
Im Juli schreibe ich einen Text über Inkontinenz-Unterwäsche.

August: Das Geräusch metallener Rechen auf dem Kies der Parkanlage.

Im September bin ich Bus gefahren.

Am 2. Oktober mache ich ggn. 8 uhr 35 ein kurzes Video über das Erinnern.

Im November gab es verschiedene Formen von Schwindel.

Anfang Dezember viel über Melatonin nachgedacht.

Das war’s.

Vor mir auf dem Schreibtisch liegen vier dieser Klammern, mit denen man Büchersendungen zuklippst

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Damit sie der Kontrolle halber und damit sich ja kein Untertan eine Leistung erschleicht von der Post geöffnet werden können.

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Sortiere Dinge aus, diese Bilder, die auf dem Desktop im Ordner „Upload“ lagen, sind jetzt noch durchgekommen, diverse andere gelöscht weil war dann auch egal.

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Höre alte Tapes bzw. digitalisierte alte Tapes. Der Zauber lässt sich ins Digitale übertragen.

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Der Vater wünscht sich jetzt ganz viel von Reinhard Mey, den er imnmer schon gehört hat und der auch eine meiner ersten Pop-Erinnerungen ist. Wenn man bei Reinhard Mey überhaupt von Pop sprechen kann. Als wir gestern zu Weihnachten zu Besuch waren, erzählte ich, dass ich die alte Kassette, die er aufgenommen hatte und die ich sehr oft gehört habe, digitalisiert habe, wenn auch mit Reibungsverlusten. Jetzt möchte er eine Kopie der Kopie haben.

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Heubüschel vom Himmel

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Heute auf der Arbeit schwebten minutenlang Heubüschel vom Himmel hinab, ich konnte garnicht aufhören, mir dieses merkwürdige Schauspiel anzuschauen und zu denken solang es keine Frösche sind. Die Stellfläche des Logistik-Unternehmens gegenüber war gesprenkelt von diesen unverhofften Schwebeteilchen.

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Die Mutter schickt per Textnachricht die Meldung hinüber, sie habe Bolognese und Huhn eingekocht.

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Einer dieser Tage also, an denen der Himmel so hell erleuchtet ist, dass sich das müde Herz überlegt, vielleicht doch gleich zu sterben, weil es besser nicht mehr werden kann. Wie in jedem Sommer mehrmals, je nach Sommer.

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Der Bussard, der noch nicht vertrieben ist im neu entstehenden Gewerbegebiet, umkreist die langsam abwärts gleitenden Fremdkörper.

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Am Abend endlich an der Noltemeyerbrücke gewesen; Das der Friseur mich nicht mehr vorlassen wollte, war nicht weiter schlimm, die Gegend war wie eine andere Stadt und der Mittellandkanal. Eine neue Filiale eines Pizza-Franchise feiert sich noch selbst mit bunten Ballonen und einem schönen Fettgeruch, der das Gefühl der Fremdheit nur verstärkt, dass ich hier habe und gut finde. Unverhoffterweise ergeben sich neue Zusammenhänge und Knotenpunkte allerorten.

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Fast wie Blasen im Raum erscheinen Déja-vus, als könnte ich mich innerhalb der wenigen Meter, die sie beinhalten, bewegen wie in einer anderen Welt, würde ich es nur wagen.

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Aus der Mieterzeitung habe ich einen Artikel ausgeschnitten, in welchem über ein 19-stöckiges Gebäude in einer dieser vollkommen unbekannten chinesischen Millionenstädte berichtet wird, in welchem im sechsten bis achten Stockwerk eine S-Bahn-Station eingebaut wurde.

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Ich glaube das war das letzte Fragment, nach dem ich noch suchte, bevor dies hier veröffentlicht werden konnte. Falls ich mich geirrt haben sollte, wird mir dies sicher im Morgengrauen einfallen. Dann wird es auch gut sein.

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