SEV

Belegen mit Brief & Siegel, Wolkendunst
Zeilen im halben Schlafen verloren im Licht
des grellen Morgentau ziehen die Vögel
fort die Silberstreifen die Wertgeschätzten
————-———————————–
Am Abend Schienenersatzverkehr vom Endpunkt der Linie 6 aus, was auch so ein deutsches Wort ist wie es leider viel zu viele gibt und man sie doch irgendwie gerne haben muss mit Ihrer tölpelhaften preussischen Korrektheit, die Sicherheit und Autorität vermitteln soll aber doch nur ein Gehampel ist. Schienenersatzverkehr (SEV) also, dreisprachig auf der Anzeigetafel angezeigt tatsächlich, am Bahnsteig, die Menschen stehen daher in Trauben oder einzeln im gefrorenen Schnee am Rande des leicht abschüssigen Wendekreises, an dem sonst die Linie 341 sich dreht zur Pause. Unzwar bleiben sie stehen, gehen statt dessen, als der Ersatzbus ankommt, über den gefrorenen Platz und steigen ein. Der Bus fährt sich daraufhin fest, als er die Schleife macht und zwei Schritte vor, einen zurück, als er um den davor stehenden 341er herumzufahren versucht, 10 Minuten geht das so und verschiedene spontane Freundschaften werden geschlossen, unter der dünnen Decke der Zivilisation, neben mir hingegen zückt jemand sein Notizbuch und schreibt mit schwarzem Stift die Worte auf. Ich kontere das elegant mit hundert Jahren Einsamkeit in der Taschenbuchausgabe. Dann fährt der volle Bus doch los und drei Stationen weit (Stockholmer Allee, Krügerskamp, Kronsberg wo alle aussteigen) und wieder in die Bahn hinein die auch gleich kommt und zwar vom Endpunkt der Linie 6.

One thought on “SEV

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.