Schwebende Augenblicke

Die (Chinesen evtl.) stehen mit 3 großen, einem mittelgroßen und einem kleinen Rollkoffer vor der Tür des Nagelstudios, dass sie betreiben, der Laden zwischen dem Tintenpatronenbefüller und der Fahrschule, als ich gegen vier von ein paar Erledigungen zurückkomme. Der kleine Junge sagt einem Freund auf einem Tretroller noch Tschüss, wir fliegen mit dem Flugzeug!. Erst vor kurzem geklebte Plakate an den Säulen fordern auf, leerstehende Wohnungen zu melden und zu besetzen, es wird die Netzadresse für weitere Informationen angegeben. An der nächsten Ecke, etwa, ist ein Ladengeschäft seit mehreren Jahren unvermietet, das eignet sich aber vermutlich nicht so gut für eine stille Besetzung. Zuletzt befand sich die Niederlassung einer Bank in den Räumen, welche nach einem Überfall geschlossen wurde. Ziemliche Räuberpistole, eine der Kassiererinnen erkannte den Täter an der Stimme, ein Freund des Niederlassungsleiters mit extravaganten Hobbies.

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Circa 12, vielleicht 13 °C. Ich mache ein Foto von der Kreuzung, gleich muss ich an den ehemaligen Betreiber des Kiosks an der Ecke denken, der die Ecke fotografieren wollte wie ein bekannter Cornershop-Betreiber in New York, aber das war natürlich noch nicht die ganze Geschichte. Von der Winterreise zurück, wichtige Aufzeichnungen zurückgelassen aus einer Unachtsamkeit. Sonne am Nachmittag, ich fühle mich fremd in diesen warmen Dezembertagen, schwebende Augenblicke, die Stadt hatte ich anders in Erinnerung, zu dieser Zeit. Hat nichts zu bedeuten.

Morgen, vermutlich, kommt der Kalender für das nächste Jahr.

Nach zwei oder drei Tagen mit etwas Frost ist das Wetter nun wieder warm. Das Akkordeon: „Sous le Ciel de Paris“. In Schleiern weht Niesel über den Marktplatz. Als wir in einer Schlange um Gemüse anstehen, erkenne ich zu spät C. vom Theater, winke noch kurz und verzagt, da geht er schon. Ich hatte ja auch die Maske auf. Am Nachmittag einige Bohrlöcher zugegipst, immer ist zu viel Gips angerührt.

Komm gut nachhause

Die Frau die dem Mann in der Bahn erzählt von der Gegend in der es nicht hell wird, sondern immer nur Nacht ist, vielleicht ein wenig Dämmerung. Er erzählt ihr, wo das ist. Dann weiß sie von wem, der wohnt dort und geht zum Eisfischen. Sie kann sich das garnicht vorstellen so zu leben. Der Mann sagt aber das ist ganz normal für die. Dann erzählt sie noch von einer anderen Gegend, in der es nie dunkel wird. Ja aber das ist ja auch dort. Echt das ist auch dort? Ja im Sommer. Im Winter liegt überall Schnee und die fahren mit Motorschlitten. Mit Motorschlitten das möchte ich auch Mal machen. Danke das Du mitgekommen bist! OK komm gut nachhause! Dann steigt sie aus, draußen ist es schon dunkel.

Sieben Rehe

Am Tag, als der Schnee begann zu tauen, in der Mittagspause sieben Rehe gesehen in dem kleinen Wäldchen hinter dem Gewerbegebiet.

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Gestern (24.2.): Die Jugendlichen waren im See.

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Besprechung für die Arbeit zu Hause, das Fenster zum Hinterhof geöffnet: Die Hoffnung, die Energie, die von diesem Ort kommt, könne vielleicht mit den Geräuschen zu den anderen Teilnehmenden gelangen, die gerne über das alles zu reden scheinen, worüber wir jetzt gerade reden müssen, weil es nun einmal unsere Arbeit ist: Die Geräusche aber sind Freiheit und Hingabe an das Jetzt: Wie die Frau gegenüber sich laut mit ihrem Freund oder Mann unterhält, sie im Hof, er wohl in der Wohnung, auch kreischende Kinder, recht leise zu hören, vielleicht die, die immer mit dem Vater diskutieren (und immer Recht behalten): die Vögel natürlich (Rotkehlchen, Meisen, Amseln); die vorbeifahrenden Straßenbahnen — schließlich auch die Sirenen, viele Sirenen, aber die hört ich mittlerweile fast garnicht mehr. Gut möglich jedoch, dass das alles garnicht für diese fremden Ohren bestimmt ist.

Jetzt der traurige Regen

Auf Umwegen zur Arbeit und am Abend zurück. Aus dem Busfenster schauen, die Gegend interessant aber vollkommen hoffnungslos. An einem Laternenpfahl hängt ein Plakat auf dem wird ein vermisster Hund oder eine Katze gesucht, die Fenster sind beschlagen. Verloren gehen Kinder durch den nassen Schnee, in der Schule vielleicht war eine Faschingsfeier mit Abstand. Schöne Namen der Straßen wie Luise-Blume-Straße, Tempelhofweg

Erzählt eine Frau im Pelzmantel einer anderen alles mögliche auf Russisch. Die Kaserne ist in großen Teilen abgerissen, da wird jetzt etwas anderes gebaut. Erinnerung wie ich hier falsch hingefahren bin, den Musterungsbefehl in der Jackentasche, die Wache gefragt habe, die erzählte ich müsste ganz woanders sein, fest davon überzeugt, die Musterung findet in der Kaserne statt und dies war die Kaserne, die ich kannte. Die hätten viel zu tun gehabt mit mir in der Armee

„Was habt ihr mit dem Feuerlöscher!“ der Bahnfahrer öffnet die Tür zum Abteil und die Jungen versuchen noch was „Was mit dem Feuerlöscher ist!“ sagt er jetzt da sind sie raus aus dem Wagen, dann pafft er seinen Dampf aus der zum Bahnsteig geöffneten Kabinentür. Zehlendorfweg, Vahrenheider Markt

dies ist eine liegewiese

im kreuzworträtsel schöne worte gefunden.

AlePPo – ePikuR – eRholt
FeRneR – PePitA – RetouR

auch die wäsche muss drinnen trocknen in diesen tagen. sie steht neben dem schreibtisch.

AFghAne – eRitReA – exPRess
giRlitz – keRAmik – kintoPP

der nachbar kommt nachhause, er ist klempner.

okARinA – hyAzinth – tAkelAge

meine oma hat milchreis unter der bettdecke quellen lassen. sie wohnte im 7. stock.

 

 

Aus den Briefen – 11 –

Jetzt liegt Schnee und wir müssen die Vögel füttern, so gut es geht! Das Jahr der Ratte neigt sich dem Ende und der Ochse steht schon bereit.

Als wir heute um kurz nach 11 die Wohnung verließen, um durch den schönen Schnee zu Marktkauf zu stapfen, hatte sich das orangene Müllauto noch nicht zu uns durchringen können. Schlimme Musik im Supermarkt, aber auch Glühbirnen und Teesieb.

Jahreszeit der Krähen

Es ist endlich die Jahreszeit der Krähen geworden, ein Stück Weg nach der Mühle singen sie ihr Winterlied in die kahlen Äste der Bäume hinein, auf das es keinen Morgen mehr gibt. Sie erwarten die langen Nächte, um das Gefieder wieder dunkler werden zu lassen, das vom schnöden Sommer schon grau geworden war, wie ein Lumpen ausgewaschener Stoff, und auch die kleinen Vogelherzen, die so schnell schlagen müssen, in ihrer schwarzen Freude.