Aus den Briefen – 11 –

Jetzt liegt Schnee und wir müssen die Vögel füttern, so gut es geht! Das Jahr der Ratte neigt sich dem Ende und der Ochse steht schon bereit.

Als wir heute um kurz nach 11 die Wohnung verließen, um durch den schönen Schnee zu Marktkauf zu stapfen, hatte sich das orangene Müllauto noch nicht zu uns durchringen können. Schlimme Musik im Supermarkt, aber auch Glühbirnen und Teesieb.

Auf dem Marktplatz

Auf dem Marktplatz, da bei dem Kiosk- und Toilettenhäuschen, sitzt einer, vom Nieselregen geschützt, und spielt Gitarre. Hallelujah — kein Weihnachtslied. Alle stehen beim Fischstand an. Später in die Nordstadt, auf dem Fahrrad. Vorbei an einer der letzten Fabriken in der Innenstadt, weißer Dampf steigt über einem der Gebäude auf, wie eine improvisierte Wolke, es riecht nach Gummi. Die Straße weiter, um die Ecke, all die Dönerläden, der schöne Niesel, weiterhin.

Ein größeres Wunder als das Internet

Heute froh über das Radio. Die Vorstellung, dass die Magnetfelder ständig da sind, sie sind nur unsichtbar. Ein größeres Wunder als das Internet — auch viel verlässlicher. Traurig über die Mittelwelle, weil es immer weniger Sender gibt, und sie hier nicht mehr wirklich empfangen werden kann — vermute das die einfältigen Nachbarn einen Rechner im Dauerbetrieb haben, der den Empfang stört.

Dies ist ein kleines Stück Geräusch, welches sich mit dem Radio beschäftigt.

Schalttag

Ein Zaudern, und die Blumen, im Schaufenster
der Änderungsschneiderei. Verständnis für
die goldene Zukunft : Die Gänseblume

weht im warmen Februarwind, ein Fetzen
Wirklichkeit, herangeschlichen aus fernen,
uralten, traurigen Tagen. Bild könnte

enthalten Himmel, Baum und im Freien, ein
leises Verweilen zwischen Signal und Rauschen,
Schwebstoffe, die nicht in Lösung gehen.

Miniaturen (1): just another word

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Im Eingangsbereich des Supermarkts an der großen Straße sitzt ein Einbeiniger im Rollstuhl. Er hält ein Telefon in der Hand, auf welchem eine Mariacchi-Kapelle eine bekannte Nummer spielt.

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Der Straßenbahnfahrer hatte auf einer kleinen Ablage in der Fahrerkabine eine Tasse stehen, darauf waren konsequenterweise die Worte „Wild and Free“ aufgedruckt sowie die Silhouetten von Nadelbäumen, wie z. B. Kiefern.

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An einem Abend ging ich noch Einkaufen auf dem Heimweg. Da bemerkte ich eine Frau mit einem Rollator, die leise vor sich hin sang, es war kaum zu vernehmen.

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Am Morgen des 10. Mai

In der U. shuffelt die Musik ausgerechnet Uberlin auf die Kopfhörer, als wenn das in diesem Moment Irgendjemand gebrauchen könnte. Ich lese unverdrossen eine Geschichte über Käfer und eine über Nachtigallen in Berliner Hinterhöfen. Gleich denke ich auch noch an Shakespeare, „die Nachtigall, die Lärche“, und die Vögel hier im Hinterhof.

Juliet: Wilt thou be gone? it is not yet near day:
It was the nightingale, and not the lark,
That pierced the fearful hollow of thine ear;
Nightly she sings on yon pomegranate-tree:
Believe me, love, it was the nightingale.

Eine kleine Frau reibt sich unentwegt die Hände als würde Sie sie eincremen, hört etwas auf den Kopfhörern, dabei lächelt sie ganz entrückt, immer wieder. Die Schuhe glänzen  schwarz wie Melasse. Am Endpunkt treffen sich, wie an jedem Morgen, die Kollegen, die in derselben Bahn  saßen. Heute ist gestern der britische Kollege – Waliser aus Schottland oder Schotte aus Wales, ich merke es mir nicht mehr – eingebürgert worden. Wir gratulieren und machen einen Witz über irgendetwas Deutsches, beim Einsteigen pfeifft der eine, seinem Gesangstouretteimpuls folgend, die ersten drei Takte von Rule, Britannia!. Er hört es aber nicht. Im Bus reden wir darüber, ob es bei dem Hof, der die Eier verkauft und jetzt auch Erdbeeren anbietet, Spargel gibt.

Vor mir auf dem Schreibtisch liegen vier dieser Klammern, mit denen man Büchersendungen zuklippst

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Damit sie der Kontrolle halber und damit sich ja kein Untertan eine Leistung erschleicht von der Post geöffnet werden können.

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Sortiere Dinge aus, diese Bilder, die auf dem Desktop im Ordner „Upload“ lagen, sind jetzt noch durchgekommen, diverse andere gelöscht weil war dann auch egal.

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Höre alte Tapes bzw. digitalisierte alte Tapes. Der Zauber lässt sich ins Digitale übertragen.

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Der Vater wünscht sich jetzt ganz viel von Reinhard Mey, den er imnmer schon gehört hat und der auch eine meiner ersten Pop-Erinnerungen ist. Wenn man bei Reinhard Mey überhaupt von Pop sprechen kann. Als wir gestern zu Weihnachten zu Besuch waren, erzählte ich, dass ich die alte Kassette, die er aufgenommen hatte und die ich sehr oft gehört habe, digitalisiert habe, wenn auch mit Reibungsverlusten. Jetzt möchte er eine Kopie der Kopie haben.

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