Den Gürtel endlich enger schnallen

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Ich war auf der Suche nach kleinen Nägeln, mit denen ich kleine Bilderrahmen, die es für ungefähr drei Euros im Drogeriemarkt gibt, an die Wand hängen kann, denn ich habe festgestellt das es mir gefällt, Dinge in Bilderrahmen an der Wand hängen zu haben anstatt nur so mit der Nadel an die Tapete gepinnt. Ich hatte also schon den Werkzeugkasten durchsucht und den Leinenbeutel, in dem die Sachen zur Radreperatur sind und in verschiedene Schubladen hatte ich auch schon geschaut. Eine der letzten Möglichkeiten war die kleine Steingutschale auf dem Schreibtisch, in der allerlei Wichtiges für die Ewigkeit aufbewahrt wird (ein Türspion, Manschettenknöpfe, ein Fahrradknochen usw.). Auch hier fand ich keine Nägel, dafür aber eine 32MB große Speicherkarte, die in mein Nokia 6230i passt und darauf diese Fotos, allerdings nicht aus der Vorgeschichte der Smartphones, sondern aus dem Jahr 2015. Auch ein Video.

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Das war einer der Abende im Atelier in Linden, an denen wir zusammensitzen, Bier trinken und uns unterhalten. Dabei hören wir Musik, häufig von Kassetten. In letzter Zeit hatte ich oft den Digitalrecorder dabei und wir haben die Demotapes von EX+ digitalisiert. Manchmal reden wir auch ein wenig über Kunst.

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Ich mag die unfertige, nichtperfekte Ästhetik dieser Fotos wirklich sehr. Auch das ist so lange schon vorbei, aber, ich schrieb es bereits irgendwohin und werde es wahrscheinlich auch noch einmal schreiben, es war vorbei, bevor wir auch nur annähernd alles damit ausprobiert hatten, was möglich ist.

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In einer der Schubladen hatte ich am Morgen das Werkzeug gefunden, eine Art Zange, mit der ich ein weiteres Loch in den Gürtel stanzen konnte, anstatt etwa einen Nagel zu benutzen (in dieser größe wären welche vorhanden) und dann ein schlimm ausgeleiertes Gürtelloch hinter all den schön sauber gestanzten, aber für mich nicht gut nutzbaren, Gürtellöchern zu haben. Nun kann ich also den Gürtel endlich enger schnallen, wie es von allerhöchster Stelle verkündet & gefordert wird.

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Süßkartoffel

Im März kauften wir zwei oder drei Süßkartoffeln auf dem Markt, an dem Stand, der nur Kartoffeln verkauft, die mangels Inspiration dann in dieser Kiste in der Küche lagerten. Jedenfalls und wie es Kartoffeln machen, fingen sie dann an auszutreiben. Sieht man hier (das neunte Bild von oben). „Was sowieso wächst und nicht gegessen wird, das soll auch wachsen“ dachte ich und hab sie in den Topf gepflanzt. Nun geht es seinen Gang.

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Pusteblume!

Peter Lustig

Bild: Jano Rohleder © CreativeCommons
CC BY-SA 2.0

Ein Kollege schrieb mir heute auf der Arbeit in der Aktiengesellschaft „Peter Lustig ist tot :-(“ und das fand ich sehr traurig. Wir unterhielten uns eine halbe Minute oder so im Firmenchat, ich schrieb dass ich ihn mal getroffen hätte und ein Autogramm von ihm habe, auf einem Bierdeckel, bzw. ich und meine Schwester haben das Autogramm. Unsere Oma hatte es gewissermaßen organisiert, weil wir uns nicht getraut hatten, ihn anzusprechen. Das muss Mitte der 80er Jahre gewesen sein, es war in Steinhude in einem Aalräucherrestaurant, wo wir essen waren und Peter Lustig auch.

Er hatte eine Latz-Jeanshose an und war sehr nett, wir haben uns dann doch auch noch vorgetraut und ihm die Hand gegeben, nachdem Oma den Anfang gemacht hatte. Für mich war das sehr aufregend und meine erste tatsächliche Begegnung mit jemandem aus dem Fernsehen.

Die Sendung hieß bei uns „Pusteblume“, weil die Eltern, glaube ich, sie so genannt hatten. Eine Weile dachte ich, es wäre eine andere Sendung gemeint, wenn andere Kinder von „Löwenzahn“ sprachen. Für mich waren aber auch, logischerweise, die zwei Blumen unterschiedliche und ich fragte mich ehrlich gesagt eine Zeit lang, warum im Vorspann keine einzige Pusteblume zu sehen wäre. Aber irgendwie passte das auch zum graswurzelanarchischen Charakter dieser Sendung.

Ich habe keines der MINT-Fächer studiert, weil ich Peter Lustig im Fernsehen gesehen habe. Aber ich habe immer alles verstehen können, was dort erzählt wurde und es hat uns immer sehr viel Spaß gemacht. Lustig hat damals etwas gemacht, was mit dem Nachfolger abgeschaft worden ist, er hat nämlich zum Ausschalten aufgefordert am Ende jeder Sendung. Heute würde es niemand mehr machen, glaube ich.

Das ist vielleicht mit das wichtigste gewesen.
Vielen Dank für die Blumen!

Tief unter der Erde

Am Tag nach der feindlichen Übernahme stehe ich morgens in der Station Kröpcke, tief unter der Erde; übers Netz wird mir dieses Gedicht angetragen und während ich lese, erscheint neben mir aus dem Nichts eine der Unsichtbaren, stochert mit einem Spazierstock im Müllkorb, verschwindet dann wieder.

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orte die einen an andere orte erinnern, wie ein geruch vielleicht. eher fragmentarisch auch [aber wiederkehrend, immer an der selben stelle das ähnliche gefühl der erinnerung an einen ganz anderen ort, in einer ganz anderen zeit]

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Briefmarken, Wein und Kuchen kaufen vom letzten Geld, Druckertinte und Schnittblumen vom Markt.

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Fotos aus dem Februar (1):

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„Lass es ein Liebesbrief sein (sagt es zu mir) und blickt aus dem Fenster im Stockwerk der Hochachtungsvöllerei, mit wanstigem Takt die letzte Frisst verstrichen auf dem dünnen Brot. So ist es gut! (sagt es zu mir): „Streich das Fett schön auch in die Ecken rein, dass die Fläche ganz bedeckt sein soll!“ Die Flausen ausgetrieben, dass Durchhaltevermögen angelegt in Betonkatzengold. Konzert im Glasbunker (in der Nacht).  Ich nehme den ersten Stein und werfe ihn. Einer muss den Anfang machen.

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Als es auf Höhe Zuschlagstraße

(und während ich den Herr mit seinem furchtbar aufdringlichen Parfum mit viel Nelke seit 3 Stationen ertrage) endlich anfängt zu regnen, gegenüber die zwei Deutschlandfahnen in der Kleingartenkolonie, die statt des Schwarzrotgoldgelb ein Schwarzrotzitronengelb haben und vermutlich in Bangladesh versäumt worden sind. Ein paar Tropfen fallen immerhin durch das geöffnete Kippfenster der Straßenbahn.