Aus den Briefen – 13 –

Der Zustand der Welt wird immer schlimmer und macht mir Sorgen. Die anhaltende Pandemie ist dabei eigentlich das kleinste Übel. Das geht vorbei, da bin ich mir ziemlich sicher. Davon abgesehen ist es weiter viel Aufräumen und Putzen, aber an den Wochenenden gibt es Wein und Musik in der Küche. Habe zwar den Türbeschlag noch nicht gefunden, aber es geht voran, klein und klein. Gleich fahren wir mit den Rädern an den Kanal und nächste Woche sieht es damit auch gut aus, erstmal keine Stürme.

Weißer Staub

Ganz hinten im Bus sitzt einer und »Nur weißer Staub, seit 50 Jahren nehme ich das, ich fahr nach Amsterdam dafür …. Celle da komm ich her, die Afrikaner sind meine Freunde da, seit 30 Jahren. Nur reines Zeug. Das macht garnichts! Ich veredel das und rauche es, Geld war nie eine Frage, da kannste mit leben, in der Polizeikontrolle mit dem Auto sollte ich pusten, natürlich zeigt das nichts an, ich werd jetzt 88 äh 66 Jahre, ich muss hier raus, könn Sie einfach hier anhalten ich steig dann aus«.

Torte mit Armen und Beinen

Als ich am Montagmorgen zur Straßenbahn gehe, an der Fußgängerampel zur in der Straßenmitte gelegenen Haltestelle, kreuzt der Linienbus 175 nach Rotterdam Centraal meinen Weg. Die dunklen Scheiben lassen niemanden der Reisenden erkennen, ich denke daran, wie dennoch Menschen aus dem Fenster schauen werden, in Gedanken, gerade sind sie ein paar Kilometer weiter die Straße hinunter Stadteinwärts erst eingestiegen, am ZOB. Die meisten, so ist es ja mittlerweile, werden auf ihre Telefone schauen und sich mit der Fernanwesenheit der Anderen ablenken von diesem sonnigen Morgen und von dem, woran sie eigentlich jetzt denken sollten. Bremen Oldenburg Groningen sind die nächsten Stationen, dann weiter über Amsterdam nach Rotterdam Centraal.

Sofortiges Fernweh stellt sich ein und ergibt mit der Müdigkeit, denn bereits um ungefähr ½ fünf war ich erwacht, eine merkwürdige, leichte Euphorie, vielleicht. Vor allem das gedachte lange a in Centraal bewirkt dieses. Am Abend bestelle ich einen Reiseführer bei der Buchhandlung, der aber stand so wie so bereits auf der Liste. Dazu benutze ich einen Gutschein, den mir die Kolleginnen und en zum Geburtstag überreichten und den ich natürlich zuvorderst ½ Stunde lang suchen musste, denn in der kleinen Dokumentensammlung zwischen Monitor und Drucker, in dem der Umschlag hochkant sich befand, direkt neben dem Zackenbarsch, übersah ich den Umschlag zwei mal, ich vermutete das Stück Papier nicht mehr in einem Umschlag.

Darin war auch die Geburtstagskarte, auf der eine Torte mit Armen, Beinen und Mund abgebildet ist. Aus der Torte wurde bereits ein Stück herausgeschnitten, welches sie gerade in den Händen hält, offensichtlich um es zu essen. Sachen gibt’s.

Unschlüssig darüber,

was die nächsten Schritte sein könnten. Welche der herumspukenden Ideen sollte näher betrachtet und vielleicht zu einem dieser auf lange Zeit nicht fertiggestellten Projekte werden? Für welches Hirngespinst lohnt es sich, die Geisterfalle aufzustellen? Vielleicht besser, ersteinmal ein paar Sachen, die zu 95% durch sind, abzuschlie0en oder für beendet zu denken? Vielleicht ist es so, weil mir dann immer noch einfällt, wie es besser sein könnte, dabei kann ich das ja alles noch bei der Version 2 machen. Langen Brief von K. erhalten, vielleicht schreibe ich ihm noch zurück, gleich, ich könnte auch eine schnelle Postkarte schreiben, die zumindest werden aus der Lamäng erstellt und verschicken sich dann auch stetig. Nicht wie etwa diese Disketten, die fertig sind und eigentlich nur an den nächstbesten Maschendrahtzaun gehängt werden müssten.

Ich dachte etwa, ich müsste es erklären und doch noch einen Link verstecken an irgendeiner Stelle, aber wozu denn. Ich schrieb bereits hier und da dazun etwas, dass kann genügen, bitteschön. Vielleicht dass ich es noch einmal in einen kurzen Text zusammenfasse, wenn die Dinger aufgehängt sind und das war es dann damit. Es sind aber auch Schnurchelfallen, einmal ausgelegt ist es sehr schwierig, sie jemals wieder zu bekommen.

Das sehr dumme Wort „Fahrradautobahn“

Während ich heute dies und das in der Küche und in der Wohnung erledigte, die ganze Zeit über Radio gehört, eine schöne Sendung, in der eine französische Journalistin eingeladen war, etwas über die Wahl am kommenden Sonntag zu erzählen, außerdem erfuhr ich etwas über diese Sache mit den Gedankenlesehelmen, die der Zuckerberg herausposaunt entwickeln zu wollen. Der Professor sagte es käme wenn dann in 10 oder 20 Jahren, aber es wäre noch lange nicht klar, ob es überhaupt so einfach gemacht werden könne, ohne Verkabelung usw, und dies würde ja ansatzweise jetzt bereits funktionieren. Schöne Spitzen gesetzt gegen den Geheimdienst und das Nicht-Verhalten großer Teile der deutschen Politik zu der Massenbespitzelung durch die NSA, usw. Es wurden auch neue Platten vorgestellt, eine CD nur mit Trauermusik, etwa. Dann im Länderreport ausführliche Berichterstattung zur nachhaltig und ganzheitlich danebengegangenen Wohnungsbaupolitik in Hamburg, wobei ich mich zwischendrin durchaus über das sehr dumme Wort „Fahrradautobahn“ aufregte, tief im Innern. Während ich also mit Kartoffeln usw. beschäftigt gewesen bin habe ich nebenbei sehr viel und umfassend erfahren über verschiedene Dinge, was ich sehr gut fand. Dann noch Bärlauch-Petersilien-Pesto gemacht, mit dem Mörser sowie Meersalz, Sonnenblumenkernen und Parmesan. Verhältnis Bärlauch zu Petersilie war vielleicht so 3 zu 1, Parmesan und Sonnenblumenkerne vielleicht auch jeweils 1, im Mörser kleinstampfen natürlich. Die Mengen muss man aus dem Handgelenk machen, kann ich nicht viel zu sagen. Gestern Quartalsbericht in der Kneipe.

Diverse

Baustelle am Busdepot, vorgestern

 

 

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Früher dachte ich, Bauarbeiter fahren mit dem Bagger zur Arbeit.

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Bei Wilke auf dem Markt panierte Scholle mit Speckkartoffelsalat gekauft.

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Einen Brief an eine Adresse in einer Wilhelm-Busch-Straße geschickt.

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Bisher nur einmal mit dem 133er Bus gefahren und nicht mal zum Vergnügen, wie es eigentlich seit längerem der Plan ist.

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Manchmal, wenn die Dämmerstunde fast schon an ihrem Ende angelangt ist, gehe ich absichtlich ohne das Licht anzumachen durch das Treppenhaus.

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