Im Niemandsland zwischen Porno und Schlachthof

Wie aber soll ich jetzt noch erzählen, wie es an diesem Abend war, im Nachhinein,

neben dem Wertstoffhof Sandstraße 3 wurde jetzt eine Stichstraße zur Rückseite des Paketpostamts im ehemaligen Hauptgüterbahnhof gebaut. Noch führt die Straße durch eine Brache, wie es so genannt wird, aufgeschüttete Erd- bzw. Sandhügel an der Seite Richtung Weidendamm. Hier komme ich ganz nah an die Conti-Fabrik ran, das singende Haus, was vorher nur möglich war, indem der Bauzaun vor dem Hauptgüterbahnhof ignoriert wurde. Ich meine, ich hätte dort auch einmal Fotos gemacht, die ich nie wieder finden werde.

Ein von F (@fabeblau) gepostetes Video am

Noch ist dort nichts entschieden, bald wird alles besiegelt sein.

Unverhofft, ungeplant und ahnungslos schneite ich dann in die endende Ausstellung

Menschliche Formen im Keller III

 

Weil ich dort nur einmal durch den Raum streifte und kaum etwas darüber wusste und auch es einfach so hinnahm wie es war, schreibe ich nicht so viel. Wie ich jetzt weiß, wurde die Ausstellung von Jan Orbonik, Enrico Mercaldi, Anna Stepper, Caroline Momma und aNNa Denger veranstaltet, in der Erinnerung hängen blieben lange, dicke Zungen, die aus den Mauern herauslecken — auch Anderes erinnerte an Körperteile, irgendwo im Niemandsland zwischen Porno und Schlachthof. Recht zentral hing, an durchsichtigen Fäden, eine weiße Skulptur eines Frauenkörpers von der Decke herab, in die hinein- bzw. heraus Kabel führten, die ziellos in der Luft endeten. Fotografien an den Wänden, an die ich mich jedoch kaum erinnere, was nicht an den Aufnahmen, sondern an mir und meinem auf Kürze ausgerichteten Besuch, auch an der Aufbruchstimmung in dem Raum lag, denn es war der Abend der Finnisage und die Musik war noch ganz leise, außer mir, der dort keinen und den dort keine kannte, war noch kein weiterer Besuch a.a.O..

Über dem Ausstellungsraum im Untergeschoss, den man durch eine kurze, steile Treppe erreicht, befindet sich ein Tango-Club, aus dem die altmodische Musik laut herauskam und auf den Hinterhof sickerte, zusammen mit dem roten Licht, welches die Tanzfläche beschien. Ich habe auch davon kein Foto gemacht. Der Weidendamm ist eine Straße, die ein wenig unbestimmt ist, was sie gerade interessant macht. Gegenüber in der Nummer 27 hat S. mal gewohnt, ganz am Anfang der Studienzeit, es ist eine andere Stadt gewesen und auch die Zeit wurde mit anderem Maß gemessen.

Connoisseurs of Disease

 

Auf’s Fahrrad und weiter in den nächsten Keller, wo neben anderen Menschen Freund K. in seiner Brummkistenkünstler-Identität auftrat. Hier daher ein kurzer Eindruck davon.

Es ist mit dem Handy gefilmt und der Ton war, aber das ist ja ganz klar, viel gewaltiger. Der Klang füllte den ganzen Raum und vibrierte aus den Ecken und an den Wänden entlang, über den Boden und von der niedrigen Betondecke herab. K. drehte sehr schön an den Knöpfen und verfolgte diese Strategie bis zum Schluss weiter.

Irgendwoanders im Netz wird es ggf. noch einen weiteren Video- oder Tonbeitrag dazu geben, in nicht allzu ferner Zukunft. Merkwürdig Riechnerv fand ich auch sehr großartig, weil vollkommen präsent trotz dem der Gesang von Tom Smith zu leise eingepegelt war. Sudden Infant, letzten Endes, waren dann tatsächlich die Gruppe mit den erkennbarsten Songstrukturen an diesem Abend und verwandelten den Raum eindrucksvoll in eine post-industrielle Klangmauer, die in hochfrequenten Abständen emporwuchs und wieder eingerissen wurde. Schlagzeug / niedrige Decke / nackter Beton.

Die Nacht war warm und etwas düster, die Bank, die einmal um den Baum herumgeführt ist, ist seit bestimmt 20 Jahren verbeult. Ständig senkt sich eine Arschbacke in eine dieser Kuhlen und alle haben Mühe, wieder aufzustehen mit ihren menschlichen Formen.

Die 0 und die 1 – Basis Zwei

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Sind die zwei Zeichen der Basis Zwei, des binären Zahlensystems. Natürlich könnte man auch α und ω verwenden, Äpfel oder Birnen und Ja und Nein – eben weil die beiden Zeichen nur die Basis bilden, auf der alle weiteren Zeichen im Digitalen aufbauen. „Basis Zwei“ lautet der Titel einer Veranstaltungsreihe, die seit dem Anfang Oktober in Hannover gestartet ist und noch bis zum 24.11. andauern wird. Die drei Gebiete Digitaltechnik – Kunst – Denken stehen im Zentrum der transdisziplinären Veranstaltungsreihe. In Workshops, Ausstellungen, Gesprächen, Vorträgen, Filmvorführungen und Konzerten soll also versucht werden, sich dem Verhältnis dieser Dinge zu nähern. Dies geschieht in der direkten Kommunikation, in der Beschäftigung mit dem digitalen Material (z.B. in einem Instrumentebaukurs und einem Programmierworkshop). Was nicht vorgesehen ist, ist – wenn ich es bei meiner schlampigen Recherche nicht übersehen habe – ein Geschehen im Stream, also im virtuellen Raum. Aber das muss ja auch nicht unbedingt. Das komplette Programm ist hier zu finden. Besonders spannend finde ich „Die Verflüssigung der Archive“, „Doing Live Coding“ und „Bugs Beats Music“

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Link + Info:

Basis Zwei
Digitaltechnik – Kunst – Denken
Eine transdisziplinäre Veranstaltungsreihe

Hannover, 1.10. – 24.11.2016
Verschiedene Orte

basiszwei.tumblr.com

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Entlang der Strecke habe ich mich organisiert

Den ganzen Tag über heute ein paar Flocken Februarschnee, hier und da. Constant Flux. Sang der Vogel wieder an der Endhaltestelle. Klingt nach einem traurigen Frühlingsanfang, der Amselgesang. Singt den Frühling herbei sitzt im Graupel im blätterlosen Busch. Hochspannung Lebensgefahr schreibt das Schild vor, welches an der Oberleitung hängt ebd.

Heute hier gewesen

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Steige hier aus, steige dort aus, Erledigungen

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In der Straßenbahn, auf dem Weg nachhause dann den mir schon in Bruchstücken seit Tagen im Kopf herumschwirrenden Text für .txt angefangen zu schreiben und ein gutes Stück geschafft, auch endlich einmal wieder ins Notizbuch.

Durch den nassen Sonntagabend

Dann am abend nochmal in die Nordstadt geradelt, die schöne Straße hinunter gefahren im schönen Regen, den wir jetzt schon den ganzen Tag über haben. Der Blaue Bahnhof, die Bahngleise im Regendunst. Viele Einträge dazu hier verzeichnet, die meißten haben defekte Bildlinks. Es wäre einmal alles wieder zusammen zu fügen. Sehr viele Bahnstrecken dort an diesem Ort, auch ist da die eine Straße in der ich merkwürdigerweise auch in der Zeit, in der ich dort gewohnt habe (die ersten Zeilen dieses Blogs wurden in der Wohnung geschrieben) nie gewesen bin. Das wird demnächst einmal nachgeholt. Schneiderberg, rechts und links die Häuser. Strangriede, die Brücke über die Bahnstrecke, wecclher Buis fährt hier nochmal über die Brücke (herausfinden!) runter und weiter durch den nassen Sonntagabend.

Kein Bernstein weit und breit

Heiße Luft (cont.) Dann auf dem Weg das Plakat gesehen | Pierre Huyghe | Orphan Patterns | Sprengel Museum | Spontan nach dem Frühstück dort reingeraten | Die Durchdringung von Kunst und Leben, die zentral war für Schwitters‘ Merzkunst, findet sich wieder in Huyghes dynamischem Geflecht von heterogenen Elementen, denen man, je nach der Zeit, in der man die Ausstellung besucht, verschieden begegnet. | Nichts dergleichen, Dschungelcamp light für Doctores & Bildungsbürger | Im Vorraum Free-Jazz-Getute, das selbst schon so erwartungsgemäß dort stattfindet, dass es auch Klischée ist | Der Erweiterungsbau des Museums: ein teurer Kunst-Sarkophag, der nur der Konservierung dienlich ist | Kein Bernstein weit und breit | Auch die Fliegen bald alle tot.

Vielleicht, viel leicht, fiel leicht

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käme ich dann auch einmal dazu, die ganzen Sachen diese hingeworfenen Notizen, aus dem Notizbuch aufzuarbeiten und so weiter. Ich hatte sowieso vor, alle einmal abzutippen. Das allerdings wäre ein Stück Arbeit, welches sich nicht an 30 Tagen bewerkstelligen ließe. So. Als ich heute morgen Brötchen holen war: Die Welfen-Torte beim Bäcker an der Ecke war mit einem Union Jack verziert. So macht man es manchmal hier. ALs ich gestern im Handy nach einer Busverbindung zum Küchengarten suchte, schlug es mit „Küchenradio“ vor. Das fand ich schön. „Der Küchengarten im Dorf Linden bei Hannover wurde in der Mitte des 17. Jahrhunderts vom Adelsgeschlecht der Welfen angelegt und ab 1814 von den hannoverschen Königen genutzt.“ Sie holten sich dort Kräuter, um damit zu kochen und später wurde er Beton überzogen. Die Linie 10 quietscht dort um die Kurve, vom Steintor kommend, wo mir am morgen dieses Plakat ins Auge fiel, als ich aus der Bank kam, ebd.

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Ach die schönen Blumen!

[Nachgetragen aus dem Notizbuch][7.10.] Verschiedene Begebenheiten der letzten zwei Tage. Am Morgen hatte ich mich entschlossen, schnell ein Foto zu machen von dem weggeworfenen Blumenstrauß, der also halb in der Öffnung des Mülleimers am Ausgang der Station Expo Plaza steckte, war gerade mit einem kleinen Bogen umgekehrt und hatte auch die Leute an mir vorbeiziehen lassen, um nicht weiter aufzufallen. Dann stand jedoch die Frau dort und sagte zu mir „Die Blumen!“„Ja die hat jmd. weg geschmissen“„…ach die schönen Blumen!“„können Sie mitnehmen!“ (sie freut sich, nimmt den Strauß) „Oh wie schön, die Blumen!“. Am Fuße der Fußgängerbrücke zwei Feuerwehr-Lastautos. Später am Tag wird ein dicker Feuerwehrmann Holzpaletten aus dem Pavillon holen, die in die Laster verladen werden. Auf der Strecke zum Seiteneingasng wird er die leere „Ameise“ als Roller benutzen und mit Schwung über die Plaza rollern.

15:44 Gänse in der Luft. Ich höre sie nur.

[28.10.] Dann am nächsten Morgen [des 8.10.] sitzt eine Krähe auf dem stacheldrahtgeschützten Metallausleger, an welchem zu meiner Sicherheit eine Kamera hängt und auf den Steinplatz mit den 11 Bäumen glotzt. Krächzt den hohen Nebel an, als wär‘ das alles nichts. Der Pavillon wird in großen Bereichen als eine behelfsmäßige Flüchtlingsunterkunft hergerichtet. Am Wochenende wurde die Zeit umgestellt. Am Abend die beiden im Anzug, beim Bäcker im Supermarkt an der Marienstraße, die ganz offensichtlich zu wenig Zeit haben, denn sie müssen flüstern und grinsen und die Hände in die Anzugjackettaschen stecken und zu dem hinüberschauen, der in hellbeigen, ausgebeulten Hosenbeinen und einem hellgrauen Anorak mit seiner Halbglatze und seinem Leinenbeutel an der Käsetheke steht und viele Fragen zu den Käsesorten hat.

Die Plakate an der Hauswand, sie wurden alle entfernt, es hängen jetzt nur noch ein paar Fetzen dort am grauen Putz.

Hatte ich den Nebel erwähnt?