Verschollene Freunde und amerikanische Präsidenten

Eine längere Strecke mit einer der neuen Bahnen gefahren, am gestrigen Tag. Lektüre: „Das Schloß“, Kafka, traumhaftes Erzählen, unklare Verhältnisse, aus der Situation heraus entsteht die Handlung, Bier und Wirtshäuser und Schnee. Auch hier hat der Wetterbericht für heute nacht Schneefall angekündigt.

Pfarrstraße Stammestraße, wo ich lange Zeit nicht gewesen bin und auch garnicht mehr weiß, warum ich das letzte Mal dort war. Wenige Häuserreihen vor dem Deich zur Leinemasch. An einem Haus ein Schild, das den Wasserstand 1946 anzeigt, knapp auf Kopfhöhe. Ein paar verregnete Fotos gemacht, die hier nicht gezeigt werden. Eine schöne, bescheidene Gegend die sich nichts weiter einbildet. Kurz bevor die Stammestraße in den alten Dorfkern mündet, muss ich dann abbiegen zu K. und L.

Wolkenhimmel im Küchenfenster, immer wieder Regen. Katzen und Spinnen, die Spinnen haben keinen Hunger, die Katzen haben immer Hunger. Die Katzen essen auch das Spinnenfutter, aber die Spinnen essen kein Katzenfutter. Reden über all die Umstände, die privaten und die weltpolitischen. Verschollene Freunde und amerikanische Präsidenten. Haken in der Decke und wie ich jetzt endlich das alles einmal zu erledigen beginnen kann. Was als nächstes kommt, Käsebrötchen Kartoffeln mit Spinat und Spiegelei. K. „Rauten001“ nachträglich zum Geburtstag geschenkt.

Später hören wir Radio Niedersachsen im Küchenradio, noch später dann Albert Ayler, wie er so etwas wie „Oh Tannenbaum“ spielt auf Free Jazz. K. erzählt, er wurde 34-jährig tot aus dem East River gefischt, die genauen Umstände wären nicht weiter ermittelt worden, er war ja nur ein schwarzer, drogensüchtiger Jazzmusiker. Wunderschöne Musik. Dann noch The Fugs: Nothing. Jetzt ist es auch schon dunkel.

Ich hatte ja noch keinen Kalender

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und also entsprechende Orientierungslosigkeiten in den ersten Tagen des neuen, hoffnungsvollen Jahres. Heute nach der Mittagspause (endlich einmal wieder auf dem Engelbosteller Damm) zu Woolworth an der Ecke Kopernikus, dort auch fündig geworden. Außerdem gekauft: einen Ordner für alle amtlichen Schreiben, Fensterbriefumschläge, Versandtaschen C5 und C4, zwei schwarze Pappmappen zu 29 Cent sowie einen Quarzwecker zu 2,99 €. „In dem Gang hinterm Karneval links“ sagt die Verkäuferin, als ich nach den Kalendern frage. Beim Karneval setzen sich gerade drei Bürofachkräfte Hexenhüte auf und amüsieren sich köstlich inmitten all der Ramschigkeit, die diesen Laden auszeichnet. Die Büroartikel sind aber gut sortiert. An der Kasse gibt es Zink-Kohle-Batterien.

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Am späteren Nachmittag dann auf Jungfernfahrt mit dem Fahrradanhänger zum Wertstoffhof am Mengendamm. Voll mit drei Teilen Elektrokleingeräte (kaputtes Radio, kaputte Stereoanlage, verrostete Doppelkochplatte), ungewöhnliches Fahren, die Kupplung ist bei jeder kleinen Unebenheit zu hören und es ist nicht besonders gut bestellt um die Fahrradwege in der Stadt, sie sind oftmals nur ein weißer Streifen Farbe auf dem Gehweg. Auch könnte es passieren, dass ich plötzlich einen Anorak trage und einen Schnauzbart habe, eine kleine Flasche Korn in der Jacketinnentasche und eine Kapitänsmütze auf dem Kopf, leise vor mich hinfluche, weil der Wind meine Zigarette im Mundwinkel zum erlöschen brachte, während ich langsam mit meinem Fahrradanhänger voller Elektroschrott durch diesen recht vergessenen Teil der Stadt radle. Zwischen Podbie und Mittellandkanal befinden sich kleinere Gewerbegebiete, hier ist alles recht uneingebildet und es gibt einen Imbiß mit dem Namen „Lister Grill-Oase“.

Diese ganzen Journal-Einträge sollen aber nicht darüber täuschen, dass es eigentlich nun darum ginge, sich der schweren Aufgabe des Verfassens von Gedichten zu widmen, die im Kopfe herumspuken, da bin ich mir ziemlich sicher. Dazu komme ich später. Die Tage sind erstaunlich gefüllt, was mir aber wirklich gut gefällt. Auch habe ich neulich begonnen, die kaputten Bilder zu reparieren, die sich hier in Mengen finden, weil ich mich unbedachterweise auf einen Dienstleister verlassen habe, zu der Zeit. Um Speicherplatz zu sparen, als Speicherplatz noch viel teurer war. Das hat zur Folge, weil ich hier und da lese, was geschrieben worden ist, dass ich mich viel mit den Identitätsentwürfen der Vergangenheit beschäftige, obschon viele Beiträge nur ein Foto zeigen. Die natürlich wiederum Rückschlüsse zulassen. U.sw. usf.

Brühlstr Clevertor

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An diesem Morgen zog ein kloakiger Geruch aus dem Fluss empor, gerade als ich an dem postmodernistischen Tempelportal vorbeiging, welches vor dem Arbeitsamt steht. Warum weiß niemand. Dies hier ist ein paar Schritte weiter in Richtung der Goethestraße.

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Dies ist die Goethestraße in Richtung zum Steintor. Der verdrehte Turm ist von Gehry entworfen. Wer sich die anderen Häuser ausgedacht hat weiß ich nicht. Die Straßenlaternen finde ich sehr schön.

Schneeregen

Als ich heute am Vormittag, tatsächlich mit einer lila Krawatte angezogen, aus dem Hause kam war ein Schneeregen im Gange. Es plätscherte und gluckste im Gulli und vor dem Änderungsschneider an der einen Straßenecke, dort wo das der Fußweg unter Säulen entlanggeht, standen zwei und warteten darauf, dass die Ampel grün würde. Ich ging dann aber ein paar Schritte weiter und stellte mich beim Kiosk unter, um sie nicht weiter zu stören. Als ich dann an der Haltestelle stand und eine Fahrkarte aus dem Automaten zog, hielten sie mir die Tür der eingefahrenen Bahn auf und riefen, ob ich denn einsteigen wolle, ich bedankte mich, nein Danke!, ich nahm dann die nächste Bahn. Hier saß mir ein leibhaftiger Nachfolger Dschingis Khans gegenüber und schaute sich die Fleischangebote in einer Discounter-Zeitungsbeilage an.

[Nordsee-Tsunami]

In der letzten Nacht von einem Nordsee-Tsunami geträumt. Wie alle fliehen, weg von der außer sich geratenen See. Versuche über das Telephon meine Familie zu informieren, die eben noch mit mir waren. Die Eltern wetteiferten mit Onkel und Tante, wer den schöneren Schrebergarten zum günstigeren Preis in Aussicht habe, als ich den merkwürdigen Strudel im schwarzgrünen Wasser bemerkte und wie der Boden anfing, sich zu bewegen. Statt eines Anrufes oder einer Textnachricht kann ich nur eine Botschaft verschicken, die aus merkwürdigen Bildern besteht. Das Telephonnetz ist natürlich überlastet, weil alle versuchen, sich zu melden und noch Menschen zu warnen. Ich weiß aber, ich und alle, die mit mir waren, sind in Sicherheit und setze den Weg recht unaufgeregt fort.

Gestern zaghafte Schritte

im mitt- und nachmittäglichen Müßiggang. Limmerstraße, Steet Kitchen, die Linie 10 zum Steintor. „Love & Friendship“ im Hochhaus-Kino, dass wohl umgebaut wird. Jedenfalls waren wir in einem improvisierten Kinosaal plaziert, im Erdgeschoss. Dicht in eine Reihe gestellte kubische Corbusier-Sessel, die erste Reihe dann konsequenterweise die LC4 Chaise Lonque. Wir saßen weiter hinten auf unbequmen Stühlen. Ein schöner Raum mit interessanter Beleuchtung, viele Lampen an den Wänden und eine indirekte Lichtquelle hinter Glas, die wie Tageslicht wirkt. Kein Foto. Der Film (nach einem Roman von Jane Austen) nimmt gemächlich Fahrt auf und ist dann vorbei, als er richtig lustig wird. Schöne Kostüme und gescheite Dialoge. Kann aber gut angeschaut werden, an einem Montagnachmittag im Januar.

Neigt sich dem Ende

& ungefähr so war es dann auch. das krokodil, das dem eine träne nachweint, muss erst noch erfunden werden.

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derweil noch ein letztes mal am meer gewesen, für dieses jahr.

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jetzt aber, vor weihnachten schon, länger also wieder zurück.

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die wildnis, die sich auf dem stillgelegten busdepot gebildet hatte, ist nun wirklich den sandbergen der bagger gewichen. wenn mal etwas schön wird in der stadt, ganz von selbst. das wach- und schließ-gebäude (zur vahrenwalder hin) war erst der anfang. jetzt wird auch diese fläche zugebaut. überall werden gerade häuser gebaut und die freiflächen zugemauert. es ist in diesem jahr enger geworden, überall in der stadt, nicht nur in der u-bahn.

auf dem rückweg von penny beim vorbeifahren an einem dornenstrauch den kleinen finger angeritzt.

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[entgegen]