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Gestern verschlungenes Unterwegssein mit verschiedenen Zielen. Sitze in der U-Bahn auf dem Weg von der Friseurin nachhause und lese in meinem Buch, „Herkunft“ von Saša Stanišic. Ein Mann steht auf und sagt, während er auf dem Weg zur Tür ist, „das ist ein sehr guter Autor“. Bin erstaunt, dass jemand etwas sagt, einmal, und kann nur kurz zustimmen, was ihn freut. [23.1.26]

alles was ist ist manisches texteschreiben

 auf dem handy im bus. zwei unterhalten sich weil einer den einfall hat sich ein tattoo stechen zu lassen, er wird von seinem freund irgendwie da reingequatscht und hat auch keine rechte idee für ein motiv, dann mach doch so das geburtsdatum von deiner mutter und dann noch was mit familie und christentum oder so, das sieht dann richtig fett aus. der freund ruft dann direkt im studio beim tatöwierer an. wie lange dauert es einen schriftzug, zum beispiel family, zu machen, auf dem oberarm, so in schreibschrift. so schön geschwungen. im briefkasten liegt dann ein jämmerlicher werbebrief von der bank, die adresse angeblich mit der hand geschrieben. du also ich bekomme ja schon fernweh nur weil die haltestelle gorch-fock-straße heißt. der schnee der kommenden nacht hängt schon im schweren himmel, der kanal führt eis, so sagt man wohl. [4.2.26/5.2.26]

Morgenstund

Aufgrund Abendverabredung heute zur Arbeit mit dem Bus. Vor dem Bahnhof muss der Regenbogen mal geputzt werden. Ein Mensch ohne Hemd hat Probleme mit der Schulter, offensichtlich, und dann ist da noch die Sache mit dem fehlenden Hemd. Ein anderer möchte Geld, er hat bei niemandem Erfolg. Ein wenig eine Jesusgestalt, aber mit Drogen. An anderer Stelle, aber nicht weit entfernt, kreist schon oder noch der Tetrapack mit dem Weißwein, die große Packung (1,5 l). Ich glaube der Hemdlose gehört dazu. [15.7.25]

Aus den Briefen – 23.2 –

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Mit großer Freude habe ich Springweg brennt gelesen, insbesondere auch deshalb, weil wir erst kurz davor in U. waren, wie Du ja weißt. An das Hotel wo früher das Duitse Huis war und den Mariaplaats kann ich mich sehr gut erinnern. Ich hatte aber auch das Gefühl, die Menschen, die Du beschreibst, ein wenig zu kennen, von früher, aus einem anderen Leben, vielleicht. Die Art von Menschen. Diese Leute, die einfach in keine Schublade passen. Beim Bürgerradio hier in meiner Stadt habe ich ein paar davon kennengelernt, aber auch anderswo, auf dem Weg. Auch die Sache mit den Gespenstern kann ich gut verstehen. Hier auf meinem Arbeitsweg wurde ja kürzlich ein gruseliges Haus im Moor neben der Müllkippe von Punks bezogen, da musste ich auch an alte und neue Dämonen denklen. ich schrieb einen kurzen Text darüber. Ich glaube aber, sie sind nicht mehr dort, obschon der Bauwagen immer noch auf dem Grundstück steht.

[Markus Pfeifer (besser bekannt als mequito): Springweg brennt — edition schelf, 2025]

Nachts leuchten die grellen Lichter der Verbrennungsanlage herüber

Im gruseligen Haus, im Moor neben der Müllkippe, wohnen jetzt die Punks. Die alten Dämonen sind noch da und jedes bringt ein oder zwei Neue mit in den gemeinsamen Haushalt. Derweil verwandelt sich das Grundstück langsam in einen Außenposten der Kippe, zwischen dem sich ansammelnden Schrott und Müll stehen ein oder zwei Bauwagen. In die Zweige eines Baumes haben sie Schuhe gehängt und Sonntags reiten sie mit ihren Pferden aus. Am Zaun zur Straße hin noch ein Schild mit einem Hinweis auf Videoüberwachung.

Wo hatte ich den Gedanken verloren?

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Über den Bahnhofsvorplatz wehen Nebelschwaden. Von Laternenpfählen aus schielen Faschisten hohläugig auf die Macht. Die Feinde der Menschheit bündeln ihre Kräfte. David Lynch ist gestorben. Hat er’s auch hinter sich, bevor alles noch viel schlimmer wird. Das Wetter ist ganz nett, von der Witterung her gesehen. [17.1.25, ca.]

Später lesen

Neulich im Bus, als ich wieder auf dem Telefon die Blogs las, von hier aus ausgehend u. A. hierhin gelangt und dort auch die Links zumindest gemerkt und in „später lesen“ gespeichert, wo sie dann vergessen werden können.

Während ich den Text lese, bellt der kleine Aberaber-Hund immer mal wieder aus Impulsreflex. Als ich den Link zu ARTS OF THE WORKING CLASS sehe, fällt mir der eine Abend anfang Dezember wieder ein. Auf dem Weg nachhause lief ich noch kurz über den Weihnachtsmarkt vor dem Hauptbahnhof, wo mir jemand eine Ausgabe dieser Zeitschrift, die ich immer noch nicht kenne, verkaufte. Während ich nach passendem Geld suchte, kam gleich jemand angelaufen und belehrte den Verkäufer und mich, in Hannover dürfe nur das eine offizielle Straßenmagazin namens Asphalt verkauft werden. Wir sahen unseren Fehler sofort ein und ließen vom Handel ab. Ich nehme mir jetzt ganz fest vor, die Zeitung mal zu lesen.

Der Bus bremst

, weil ein vorausfahrender Wagen nach rechts abbiegt. An der Haltestelle Vier Grenzen steht der Bus Linie 122 nach Langenhagen Im Gehäge. Die Busfahrerin im 122 winkt ihrem Kollegen kurz, schaut dann auf ihr Handy und lacht. Eine Bahn hält zusätzlich. Eine Frau geht den Bahnsteig entlang, mit ihr geht ein Windhund in einem blassblauen Pluderhosenanzug.