Zwischen zeitlich

war ich auf Inseln, im Mittelmeer, an großen Straßen stand vor salzigen Bergen. Hier war es ruhig, hier war verschwunden. Jetzt, leider, ist dort verschwunden. Ich besitze eine schöne Sammlung von Trugbildern, die sich täglich vermehrt und größer wird, an Wahrheitsgehalt zunimmt wie auch die Meere immer salziger werden mit all ihren Jahren.

Jede neue Umschichtung all dieser Texte in all diesen Dateien in all diesen vielen, vielen Ordnern fördert vergessene Fragmente meines Schreibens zutage, ich werde zusehends zu einem Archäologen der eigenen Selbst-Konstruktionen, der eigenen Schichtung und Geschichtung. Das Schreiben ist oft so impulsgetrieben, es ist so selbstverständlich geworden, dass ich beim besten Willem den Überblick verloren habe und nur so dahintreibe zwischen all diesen Zetteln, Notizbüchern, .txt-Dateien und dahingeworfenen Apokalypsen, die in sich selbst verschwinden.

Ich besitze eine schöne Sammlung von Trugbildern, die keine sind, weil ich beim Fotografieren keine Filter benutze und beim Schreiben nur durchschaubare Chiffren. Einen Teil davon trage ich tagtäglich in einem kleinen Kasten mit mir herum, in der Hosentasche, in der Jackentasche, in der vorderen (linken oder rechten) Rucksacktasche. Meine Trugbilder sind  Beweisfotos, die mir bezeugen sollen, dass Orte existieren, an denen ich einmal (ja, an denen wir einmal) gewesen sind, auf deren Existenz außerhalb der Zeiten, zu denen wir uns dort aufhielten, aber nichts weiter hindeutet, von massenhaften Zeugnissen fragwürdiger Glaubhaftigkeit einmal abgesehen.

Verloren in den Beweisen der eigenen Existenz, eine Welt aus Zetteln, eine selbst erschaffene Welt aus Papier, Kreuz- und Querverweisen, die in den blauen Himmel hineinwuchern und mir über den Kopf wachsen. Trotzdem ist alles so, wie es sein soll, schön an seinem Ort und hat genau seinen Platz in der bekannten Welt.

War ich auf Inseln, im Mittelmeer, an großen Straßen stand vor salzigen Bergen.

Vielleicht waren die Blätter aber auch größer in den Zeitschriften

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Vorgestern habe ich mich erinnert, wie wir früher Briefumschläge gefaltet haben und konnte das auch — mit ein wenig Hilfe aus dem Netz — wieder nachvollziehen. Wir haben dafür Seiten aus Illustrierten genommen, wie etwa den Stern oder die Tempo und haben sie so geknickt, dass sie mit nur einem Tesafilm-Streifen zugeklebt werden konnten. Entweder wir hatten ein helles Motiv, dann konnte man mit einem dicken Filzschreiber (wie einem Edding) die Adresse der Empängers draufschreiben, oder es musste noch ein Zettel mit der Adresse draufgeklebt werden. Ich habe dann mal nachgesehen, nachdem ich den Umschlag fertig hatte, mit dem Blatt aus der Spex hat er nicht die Mindestmaße, die die Post gerne hätte. Vielleicht waren die Blätter aber auch größer in den Zeitschriften, die wir benutzt haben, jedenfalls sind wohl alle Briefe immer angekommen. Wir haben viele Briefe geschrieben. Mit dieser Methode, Briefumschläge zu knicken, musste man einerseits nie einen Umschlag kaufen und daher eigentlich nur eine Briefmarke, weil das Blatt Papier zum Schreiben war natürlich auch immer greifbar. Die zweite gute Sache daran war, dass es immer einen einzigartigen Umschlag gab, erstaunlicherweise entstanden aus einem Massenprodukt. Das fanden wir toll, auch wenn wir es noch nicht alle wirklich verstanden hatten. Durch die besondere Knickweise entstand aus fast jedem Motiv — gewissermaßen in der Dekonstruktion — eine interessante neue Sache oder zumindest ein neuer Blick. Wir haben viele Briefe geschrieben, ich jedenfalls, es hat mir immer Spaß gemacht. Vielleicht suche ich aus dem Schuhkarton, der hier rumsteht, demnächst mal ein paar dieser Umschläge heraus …

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14 Jahre Internet umsonst!

War heute ostersamstag.

Dieses Blog sagte „hello world“, auf seine Weise. Hat seitdem die Sachen immer auf seine Weise gesagt. War nie etwas anderes und hat sich nie verkauft. Nicht an Google und nicht an’s Geld. Ist ein paar Metamorphosen durchgangen, was die äußere Gestalt betrifft, hat sich der Mode ein wenig angepasst. Fing damals auf blogger.com an, ohne Kommentarfunktion und tatsächlich mit Gästebuch, wenn ich mich recht entsinne, wohin von jedem Artikel aus verwiesen wurde, wenn ich mich recht entsinne. War selbst gehostet, auf coderwelsh.de, wie auch heute noch — damals im Unterverzeichnis /blog. Von der Blogplattform aus wurde die ebd. generierte Datei via ftp-Zugang zum Webspace transferiert. Hat manchmal ganz schön gedauert, insbesondere in der Zeit, in der ich zur Zwischenmiete im damals noch internetlosen Haus meiner Eltern wohnte und ebd. eine alte AOL-Test-CD („50 Stunden Internet Gratis!„) mit meinem alten 14.4er Modem runterspielte bis keine Minute mehr übrig blieb.

Nudeln oder Tee

„Ich habe einen riesen Berg Wasser gekocht“ wäre so ein Satz, den die Mutter benutzt hätte, wenn sie aus der Küche heraus uns etwa mitteilen wollte, es gäbe demnächst dann Nudeln oder Tee. Daran musste ich denken, als ich zusätzlich zu Herd und Waschmaschine auch noch den Wasserkocher in Betrieb setzte. Der Herd ist zwar Gold wert, inzwischen, täglich unterschiedlich viel, jedoch nicht gerade leise, wenn er sich selbst mit Umluft auf 275° C hochschaukelt. Er erinnert mich  regelmäßig an das Geräusch, welches etwa auf einer der Nordseefähren, oder einer x-beliebigen anderen Fähre irgendwo auf einem der sieben Weltmeere, bspw. im Passagierraum oder dort, wo die Koffer der Touristen in den großen Regalen liegen, zu hören ist. Ich dachte an diesen oft gesagten, merkwürdigen Satz der Mutter und daran, wie der in ihm enthaltene Widerspruch zugleich faszinierte und verstörte. Die Waschmaschine stampfte und kam langsam in Fahrt, wie auch das Jahr langsam Fahrt aufgenommen hatte, jetzt im Februar, mitsamt der nassen Fracht. Dazu noch der Geschirrspüler und wie gesagt, der Wasserkocher. Mir war, als schwankte der Boden tatsächlich ein wenig und ich, inmitten meiner Küche, befünde mich auf großer Fahrt. Im Küchenradio lief ein japanischer Sender, der alle fünf Minuten einen science-fiction-mäßigen Jingle abließ. Ich verstand kein einziges Wort. Das gefiel mir gut. So fuhren ich und der dampfende Wasserkocher hinaus auf die offene See, wo nur die Möwen um den Schornstein kreisen würden, im süßen Schiffsdiesel-Rauch, mit ihrem Gelächter und ihrem Hunger nach Fisch. Warum stehen an den Stränden keine Schilder, dass die Möwen nicht zu füttern seien? Weil es jeder höchstens einmal probiert. Den Backofen könnte ich auch mal wieder sauber machen mit dem Pommes-Fett. Ich holte schon die Kapern aus dem Kühlschrank und das Glas mit den Sardellen, nun wurde ich ganz und vollends zum Smutje auf Kapernfahrt und die Küche ist die Kombüse.

Der Regen steht diagonal zwischen Meer und Himmel und das Bullauge ist unter Wasser, der Tag ist stürmisch zwischen all den großen Wünschen, die in den Herzen herumgetragen werden. Mit Volldampf geht es Richtung Schalttag, um den Kurs um 0,2425 zu korrigieren, um die sich Papst Gregor XIII oder einer seiner Vasallen verrechnet hatte, Jahre bevor einem seiner Stellvertreter-Nachfolger Kurzwellensender zur Verkündung seiner sog. frohen Botschaft an die ganze Welt und das Universum zur Verfügung standen. Die Verkündung der einigermaßen korrekten Uhrzeit circa alle Stunde einmal ist von großer Bedeutung, ob im Radio oder per Glockenschlag vom Turme herab. Denn wer die endliche Zeit der Menschen kontrolliert, der kann auch das Wesen der Unendlichkeit deuten. Auch für die Schifffahrt, denn nach ihr berechnen wir unseren Standort und unsere Standpunkte, für alle die mit uns auf Kapernfahrt fahren. Einen Bart habe ich bereits und das Holzbein lasse ich mir auch noch wachsen, damit es Wurzeln schlägt wo keine Bäume stehen. Die Passagiere sind missmutige Engländer, die alle naselang it’s teatime rufen und mir ihre Tassen vor die Tülle halten, während ich meine Runde durch’s Kasino mache. Sie lesen in mitgebrachten, Jahre alten Illustrierten, in denen bereits jedes Kreuzworträtsel gelöst ist. Einige handeln noch von Lady Di oder einer gewissen Fergie, den Titelblättern nach. Nudeln mit Kapern-Sardellensauce muss man sich auch erstmal trauen, denen zu servieren. Sie arbeiten im Umspannwerk für den Offshore-Windpark, weit draußen vor den Inseln, der einem englischen Konzern gehört. Hier gibt es kein Internet und die sonstige Unterhaltungsmöglichkeit auf der vierstündigen Überfahrt besteht aus alten Bud Spencer Videotapes, die deutsche Synchronfassung. Die oft besser gelaunten Rückfahrts-Passagiere legen hier und da einen dieser Filme ein und machen sich dann ausführlich über die deutsche Sprache lustig. Glücklicherweise sind diese Meisterwerke der Filmkunst nicht sehr dialoglastig.

Vorgestern Nacht träumte ich, wir wären in Stockholm gewesen und hätten eine Fähre zum Flughafen nehmen sollen. Wir waren auf das falsche Schiff geraten, eine große Passagierfähre mit dem Ziel Kopenhagen, die in einem irrwitzigen Tempo ablegte und haarschaf um die Kaimauern bog, zur Hafenausfahrt hin und dann hinaus auf die See, der Scherengarten war der Einfachheit halber nicht vorhanden und wir alle sehr schnell in Kopenhagen, an der Landungsbrücke stand ein großes Tor, worauf ein Schild befestigt war, auf dem stand KØPENHAGEN geschrieben, genau wie es die Dänen schreiben. Ich wollte ein Foto machen und wir fanden es ganz wunderbar, durch den Zufall mit dem falschen Schiff hier gelandet zu sein. Zwei Wale schwammen im Hafenwasser, es waren nur ihre dunklen Rücken an der Oberfläche zu sehen. Am Morgen fiel mir dann dieser schöne Traum wieder ein, den Kafka in einem der Tagebücher aufgezeichnet hatte und dann später in seinem Roman „Amerika“ verwandte. Damit musste ich diesen Engländern wahrscheinlich nicht kommen.

Ich träume oft von Schiffen, Wasser und so.

Entlang der Strecke habe ich mich organisiert

Den ganzen Tag über heute ein paar Flocken Februarschnee, hier und da. Constant Flux. Sang der Vogel wieder an der Endhaltestelle. Klingt nach einem traurigen Frühlingsanfang, der Amselgesang. Singt den Frühling herbei sitzt im Graupel im blätterlosen Busch. Hochspannung Lebensgefahr schreibt das Schild vor, welches an der Oberleitung hängt ebd.

Heute hier gewesen

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Steige hier aus, steige dort aus, Erledigungen

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In der Straßenbahn, auf dem Weg nachhause dann den mir schon in Bruchstücken seit Tagen im Kopf herumschwirrenden Text für .txt angefangen zu schreiben und ein gutes Stück geschafft, auch endlich einmal wieder ins Notizbuch.

Aus den Briefen – 6 –

mir ist das zu klein, diese Briefmarkengröße, da kann man überhaupt nichts erkennen ehrlich gesagt. Ich habe trotzdem vorgespult bis zu der stelle, an der das capitol-hochhaus ins bild gerückt wurde, aber ich würde mir eigentlich wünschen diesen film zb einmal in akzeptabler größe schauen zu können.

das ist immer noch eine sache, die ich für ein weitaus größeres wunder halte als das internet in gänze: das ich hier einen sender aus schleswig-holstein empfangen kann, aus wales, aus frankreich, den niederlanden usw. usf.,

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ich werde einmal zusehen mir den termin für eure treppenhauskunstaktion frei zu machen, versprechen kann ich wie immer nichts leider, aber ich nehms mir feste vor.

so ich habe heute meinen schönen freitagabend und meine schreiberei für heute auch bereits erledigt. deshalb habe ich zeit mails zu schreiben und mich den schönen dingen zu widmen. höre steve reichs music for 18 musicians, nachdem bereits pierre favre und sun-ra hier liefen. […] auf die mittelwelle geht es heute wohl nicht mehr. der neue pc stört den empfang leider oder auch zum glück sehr. zum glück deshalb, weil dies dann schon öfter der grund war, die kiste auszuschalten und radio zu hören.

Das innere Bild einer Orange

Es ist so dass nichts geschrieben werden wird über eventuelle Dinge mit Wäscheklammern oder einem abzugslosen Gasofen der in einem Hinterhofhaus stand und steht (worüber sowieso nichts geschrieben werden sollte, ggf.) oder darüber, sich vorzustellen, dass das Radio auf diesem Foto jetzt in diesem Moment genau dort steht, auf der kleinen Komode unter der Dachschräge, genaugenommen wäre es sogar leichter, eine geschlagene halbe Stunde über das innere Bild einer Orange zu meditieren, als sich dass vorzustellen. (Heute ganz leer).

Ereignet sich auch dies in der Pendelbewegung

des tgl. hin-und wieder zurückfahren von der Stadtmitte an den Stadtrand, das hier ausführlicst beschrieben steht, über das hier Fotos und Filme gezeigt sind und auf manchen von ihnen sind Geister zu sehen, und auf manchen von Ihnen sind Geister zusehen, doch das ist was bleibt vom Tag, oft nur die Menschen die ich in der Bahn sehe, die ich manchmal zulasse und oft ausblende, weißes Rauschen oder die Musik, wenn ich mit dem geheimen Buch, sie müssen denken es wäre geheim, oft ist nur schwer auszumachen sie dächten überhaupt etwas, jemals, es ist eingeschlagen (wie eine Bombe) in Packpapier und ist doch keine Bombenbauanleitung (Ach die schönen Blumen!), jedenfalls habe ich es noch nicht herausgefunden, die Sache mit dem Fahrstuhl, obschon ich erst gestern wieder dort im Krankenhaus war, denn es befindet sich ein Geldautomat der Evangelischen Bank ebd., wobei die Konfession der Bank mir herzlich egal, jedenfalls. Worte Schreibmaschine. In der Besuchertoilette ist UV-Licht gehängt, damit die Substanzenthusiasten es sich dort nicht gemütlich machen für ihren Rückfall von der Methadonpraxis ein paar Häuser weiter. Die kurze Strecke Marienstraße Kreuzung Sallstraße Hamburger Allee hin zum Aegi ist mir sehr bekannt geworden, wieder einmal, die schönen Wohnungsfenster mit den anderen Leben dahinter, veröffentlichen.

Lieber K.

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Auf dem Balkon sprießt schon die neue Zwiebel in den unvernünftigen Himmel und Aller Orten wird der Geburtstag von Big Dada gefeiert, als hätten die Herren eines Morgens in den Spiegel geschaut und gesagt „Heute machen wir’s!“. Das erinnert mich natürlich an die schöne Gelegenheit, einen Video2000-Rekorder in die Akademie zu tragen um einen Film zeigen zu können. Ich setze bald wieder meinen Hut auf und wünsche viel Erholung und was auch immer Du suchst in Panama. Ich hoffe diese Karte erreicht Dich vor der Abreise! Liebe Grüße, F.

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丽芸

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Om Mani Padme Hung, so können das Wohlbefinden zu schützen! Teilen Dharma, gleich zehntausend Mal wurde Verdienst kopiert

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Lai Yun

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,ndo Zurück!

Gerade gestern noch, als ich Gaze-Flicken auf ein paar Bilder leimte mit Tapetenkleister. Wie schön es ist etwas zu machen ohne vorher zu wissen, was das Ergebnis sein wird. Wie frei es das Gerümpel im Kopf neu anstreicht in den schillernden Farben der großen Straße!

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我没有冯小兵面子大,算了,以后绝交,再也不要和我联系。

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Ich habe nicht groß Feng Xiaobing Gesicht, na ja, nach der Pause ein, niemals an mich wenden.

Da hier gerade wieder einmal metabene die Metaebene vermessen wird, vermessenerweise

und das reflexhafte Reflektieren über das eigene Schreiben sich ja notwendigerweise immer nur am fremden Schreiben (wie genau lässt es sich unterscheiden?) orientieren kann. Und weil man keinen Satz mit und beginnt ohne besonderen Grund und ich immer nicht dazu komme, mich einmal dazu zu äußern: sei hier gesagt: Ich lese gerade wieder einmal fast von vorne bis hinten die EDIT 68, wobei mich die schwedischen Übertragungen und das Berliner Journal nicht berühren, was nicht bedeutet, dass sie falsch sind. Letzteres schon deshalb nicht, weil Freund K., den ich übermorgen treffen werde, mit Jan Brandt in derselben Klasse war, wenn ich es richtig verstanden habe, vielleicht nehme ich die Zeitschrift dann einfach mal mit, leg‘ sie in den Rucksack zu den fünf Flaschen Bier und frag mich dann wo war ich stehengeblieben?

Wie so oft war ich bei den Schreibungen zuerst skeptisch und sah mich vorsichtig um. Die Gedichte von Levin Westermann fand ich großartig. Er ist an verschiedenen Stellen im Netz zu finden, also Spiegelpartikel von ihm: Hier das Gedicht [im flur], [let A equal acceleration] und hier ein PDF mit einer Reihe von Gedichten. Alle ungelesen verlinkt, so viel Vertrauen hab ich jetzt schon! Dann zum Thema im Netz zu finden, der Text, bei dem ich mir tatsächlich nicht ganz sicher bin, ob er eine Reportage ist oder eine Fiktion, wahrscheinlich eine Mischung aus beidem und er spielt ja auch ganz bewusst damit — es geht um jemanden, der sich eine falsche Identität erbaut, beruhend auf einem früh verstorbenen Menschen, dessen ungelebtes Leben nun als glaubhafte Grundlage für dieses Experiment herhalten muss. Sehr interessant geschrieben von Andrew O’Hagan, geht es hier um Neben- und Scheinidentitäten. Ich selber bezeichne dieses Blog ja etwa als Fiktion und mich selber auch als erfundenen Menschen. Aber das ist eine harmlose Spielerei und ich bin mir im Klaren darüber, dass wir alle viele sind und es deshalb nichts besonderes ist, wohlmöglich waren wir alle schon immer viele und sind jetzt nur noch mehr geworden, weil sich unsere Wunschvorstellungen im Digitalen leichter verbreiten lassen. Das Lesen des Textes „Die zwei Leben Ronald Pinns“ ist noch nicht beendet. Ich bin auf so merkwürdige Dinge wie Weavrs gestoßen und fand mich auch an die Figur der von Lynn Hershman Leeson zum Leben erweckten Roberta Breitmore erinnert, die ich im Herbst letzten Jahres in einer Ausstellung kennengelernt habe. Schon 1974 ersann die Künstlerin mit Roberta eine fiktive Existenz, die sich jedoch unerkannt in der sog. realen Welt bewegte und hier etwa einen Psychologen besuchte, welcher auch ein Gutachten über ihre Persönlichkeitsstruktur schrieb, ohne das Spiel aufzudecken. Ebenfalls von ihr ersonnen ist die KI Agent Ruby, die sich allerdings von Weavrs so unterscheidet, dass sie zum einen nicht selber das Netz crawlt, um zu lernen und auch keine fremden Inhalte postet bzw. auf sie verweist, um etwas vorzutäuschen. Der Text korrespondiert ganz toll mit „Nach den Spionen“ von Sascha Macht. Überhaupt habe ich wieder einmal den Eindruck, das es sich bei der Ausgabe um eine durchdachte Kompilation von Texten handelt, bei denen der eine zum nächsten in Bezug steht, so etwa die in Marie Gamillschegs „Wenn sie kommen“ beschriebenen jungen Menschen aus der Stadt, die erstaunt auf eine ihnen fremde Welt schauen, mit dem subjektiven Blick, der in den nachfolgenden und wie schon gesagt ganz tollen Gedichten von Levin Westermann beschrieben wird.

Das dialogische zwischen den Texten ist mir bereits in der Ausgabe 66 aufgefallen, dazu liegt auch ein Entwurf hier bereits bereit, der allerdings vermessenerweise mit einer Reisereportage in Verbindung gebracht werden soll, die einfach noch nicht fertig ist. Dies einfach aus dem Grund der subjektiven Wahrnehmung, dass nämlich das auf der Reise Erlebte ganz erstaunlich und synchron zu dem Gelesenen sich hinzufügte. Aber wenn Zeit eine Rolle spielen würde in diesem Blog, gäbe es es nicht mehr.