Insgesamt 20.000

Gestern auf dem Balkon in der Dämmerung und der etwas leiseren Hitze des Abends, als die Fledermäuse schon flogen und es erst in der einen Ecke des Hinterhofs und dann in der anderen Ecke des Hinterhofs und dann, nach ungefähr einer halben Minute, noch in der Mitte des Hinterhofs drei oder fünf Tropfen regnete, vielleicht insgesamt 20.000. Es war ein leichtes Schweben in all dem, es vermischte und verwischte sich alles ein wenig mehr als gewöhnlich, im Rückblick.

Hannah Arendt allerdings …

… ist auf eine Wand gepinselt im Hinterhof eines Hauses an der Ecke Lindener Marktplatz, wie ich an diesem Morgen gesehen hatte, im Vorbeigehen und ohne zu wissen, dass es ihr Geburtshaus ist.

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Ich lese von Rainald Goetz „Klage“, das Buch hatte ich, ohne zu wissen, worum es sich handelt (nicht wovon es handelt) in einem Antiquariat gekauft. Dachte gleich nach den ersten zwei Seiten es ist wie ein Blog ohne Links und ausgedruckt und erfuhr dann doch, dass es genau dies ist. Welch dumme Idee von Suhrkamp. Ich werde zusehen, dass ich es schnell wieder loswerde. Ich weiß nicht, ob Goetz das drucken lassen musste, ob er oder der Verlag Geld brauchten, was auch immer, aber es ist tote Literatur, weil es aus seinem ureigenen Ökosystem herausgedruckt wurde.

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Da hilft auch das vorangestellte Luhmann-Zitat nicht weiter, welches ich gleich als ein Zeichen deutete, mich doch jetzt endlich einmal wirklich umfänglicher, als dies an der Akademie möglich war, mit Luhmann zu befassen. P. hatte ja bereits an Jan. 12 auf meine Frage ein paar Hinweise gegeben und in der vorherigen Woche hatte ich zuletzt daran gedacht, aber das Gehirn ist ja sowieso ein ewiges Wiederholen unerledigter Sachen. Diese explorative Annäherung (wie auch sonst) gefällt mir aber, sich immer mit dem zu befassen, was einem gerade vor die Assoziationsfüße fällt durch den Nebel der eigenen Ignoranz. Das war jetzt so eine Metapher.

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An diesem Morgen gute out-of-city-experience an der schönen Brücke, Paris oder etwas ähnliches.

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Ein Mann mit langen, recht fettigen Haaren sitzt auf einem der Vierer-Plätze auf der anderen Gang-Seite in der Straßenbahn und fächelt sich mit einem Groschenroman Luft zu. Ich meine, ihn aus einem dieser untergegangenen Zusammenhänge zu kennen, vom Sehen. Steigt am Friedhof Lahe aus.

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Ständig muss man zum Friseur, zum Zahnarzt oder die Drachen füttern.

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Überschrift im Fahrgastfernsehen:

Eierlikör: Igel haben Kater

(Foto von einem Igel, Text nicht gelesen).

und direkt danach:

Großer Fun
105 kg Drogen

(Foto von irgendwelchen Stoffsäcken, die angeblich wohl Drogen enthalten sollten)

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(Es stand dort allerdings Fund, das „d“ wurde nur von einer der Halteschlaufen verdeckt, aus meinem Blickwinkel).

Die Uhr blieb stehen, nicht die Zeit

Heute Nacht kam dann endlich der ersehnte Regen, wobei es wohl auch blitzte und krachte, dass es gut war die Ohrenstopsen zu tragen. In der letzten Woche hatte ich R. ja welche dsvon geschickt, in einem Brief, nun weiß ich nicht ob die ankamen denn ich hörte nichts. Sie hatte diese zum Mitbringen in Auftrag gegeben aus einer Stadt im hohen Norden, die ich kürzlich besuchte und in der es angenehm warm war, zu dieser Zeit bereits. Am morgen lag dann noch der Dampf des Gewitters auf den Feldern und die luft war aber angenehm kühl, verglichen mir der Hitze der vergangenen Tage. Würzig roch sie. All diese vergessenen Gedanken sie hinterlassen Leerstellen, winzige, die aufzufüllen sehr schwer sein kann, und in der letzten Zeit kamen einige hinzu.

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Aufpassen müssen wir, dass die Zahnpasta nicht explodiert wenn wir vorher Kindercola getrunken haben. Alle Erwachsenen essen Kirschen bevor sie Schwimmen gehen.

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Bei Rewe gibt es keine Sammelbilder mehr, eine Woche vor dem Turnier. Die Kinder sind enttäuscht, mir ist es egal wie nichts. Draußen auf dem Parkplatz, beim Hähnchengrill, fragt eine Frau den Grillhähnchenverkäufer, wie spät es jetzt wohl wäre, erzählt dann, als Begründung oder Entschuldigung, aber vielleicht nur um etwas zu erzählen, dass ihre eigene Uhr nämlich stehengeblieben wäre.

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Ich weiß wirklich nicht mehr, wann all dies gewesen sein könnte, irgendwann in letzter Zeit jedenfalls.

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Beim Blick in den Kochtopf fragte ich mich, ob die Löcher, die sich im Reis während des Kochens bilden, die durch die aufsteigenden Luftbläschen entstehen und kleine Tunnel sein dürften, auch so gleichmäßig verteilt wären, würde der Top etwa auf einem offenen Feuer stehen oder an einer Kette über einer Feuerstelle hin- und herpendeln.

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Nebenbei (wie so alles nebenbei gemacht wird) drucke ich die gesammelten Rezepte neu aus, denn sie wurden vielfach gekocht und das sieht man den Blättern jetzt an. Recherchiere sie noch einmal, wenn es noch keine Druckvorlage gibt und sortiere sie dann in Klarsichtfolien

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Am Morgen bespricht eine Frau, die auf dem Einzelsitz schräg rechts hinter dem Busfahrer sitzt, die Rathausaffäre mit diesem. Sie sind sehr wohl einer Meinung.

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Das Lied der Amsel dauert den Frühling, Sommer und den Herbst.

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Auf der Arbeit nachgeschaut, wie die Abkürzung von „Unter Umständen“ richtig geschrieben wird: u. U.

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Als ich durch den schönen grauen Morgen am Kanal entlangfahre, liegen die Schiffe Annabelle und Alina hintereinander am Ufer. Kanalschiffe haben oft Namen, die an Frauengestalten im Schlager erinnern.

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Das jedenfalls notierte ich am letzten Freitag

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Am Nachmittag scheint die Sonne. Es sind jetzt die Bäume und die Büsche , das Gras usw., in schönstem Grün aufgeschrieben.

[Nur eine Busfahrt]

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In den luftleeren Raum

Der erste Absatz wurde gelöscht, da ohne Belang.

Heute mochte ich lieber etwa die Audiodateien von der Speicherkarte übertragen. Ich misstraue den Zeitstempeln meines Audiorecorders. Ich glaube nicht, dass ich am 31.12.2010 umd 23:09h auf dem Balkon stand, um Regengeräusche aufzunehmen. Das Gegenteil zu beweisen wird schwer.

Mit leeren Händen komme ich und mit leeren Händen werde ich auch gehen. Was soll die ganze Eitelkeit und all das. Wir ändern die Welt ja auch nicht mehr, die Welt. der sind wir so egal wie nur irgendwas. Da können wir auch mitmachen und versuchen, das Beste daraus.

Eigentlich könnte ich z. B. auch Briefe schreiben an die verstreuten Freunde, nun sitze ich halt hier stattdessen und die Aufzeichnuingen zur letzten Reise liegen auch noch in Gedanken vor. So sind die Tage, an denen wir oft, ich sage 2 oder 3 Mal in der letzten vergangenen Woche. auf dem Balkon im Hinterhof saßen, bis die Fledermäuse kamen in der Dämmerung.

Da die ersten Dateien auf der Speicherkarte sehr klar zuzuordnen sind, es handelt sich nämlich um Aufnahmen aus dem letzten Winter, um die Mittagszeit herum, in Groningen, liegt die Vermutung nahe, dass die folgenden Aufnahmen irgendwann zwischen dann und heute entstanden. Beweisen lässt sich auch das nicht.

Hier stapelt sich alles in die Höhe und in die Breite, manchmal auch zu beiden Teilen gleichermaßen, dass die Freude eine wahre ist. Erledigt wird kaum etwas. zum Thema Radio verlege ich mich darauf, jetzt den Heimatsender zu hören, weil das Programm tatsächlich am ehesten zu ertragen ist, sofern es darum geht, nur Musik zu hören und dabei einzuschlafen. Schlafen ist sehr schön und am Wochenende, wenn ich dann einmal die notwendige Zeit dafür habe, schlafe ich sehr gerne auch einmal auf der zu zwei Dritteln ausgezogenen Schlafcouch, die in meinem ungefähr neun qm großen Arbeitszimmer steht. Das da alles aus den Nähten platzt versteht sich eigentlich von selbst, wenn man einmal bedenkt, wie sehr ich immer alles aufheben möchte. Der FC Liverpool hat also nicht gewonnen, so sagt es mir gerade das Radio. Die Nähte, dass sind Regalfächer und der Schreibtisch und das alles, die Festplatten und überhaupt und warum das so ist liegt daran, dass es den Kapitalismus gibt. Ohne den es jedoch das Arbeitsgerät und das Radio und so weiter nicht geben würde. Eine Zwickmühle sondergleichen.

Sie können sich das vielleicht nicht so gut vorstellen, wie es in meinem Kopf aussieht. Hier ein Schaubild.

 

Das lilane sind die Gedanken und die Ideeen sind grün. Alle anderen Farben bedeuten Quantenphysik. Hedemünden, Drammetal, Rehe laufen auf der Fahrbahn. Wo sollen sie auch laufen, sonst. Ende der Durchsage.

[Neues aus dem Frisiersalon]

Am Ostermontag habe ich Königsberger Klopse gekocht. Dazu gab es Reis und Rote Beete, kalt, mit einer Vinaigrette aus Essig, Öl und Senf.

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Es war sonnig heute, das erste mal wirklich etwas wärmer. Ich war beim Friseur und bin dann die schöne Straße heruntergelaufen, wie ich es eigentlich immer dann mache, weil der Weg zu der einen Station nicht bedeutend länger ist, ich aber meist in der Laune, noch ein paar wenige Schritte mehr zu gehen.

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Die Kollegin der Friseurin die kurz hereinkam, um zu schauen ob ihr Paket inzwischen endlich angekommen ist, erzählte, die Bekannte C. wäre mit Frau von der Verteidigungsministein befreundet und das C. und die immer mit so Wirtschaftstypen abhängen würden, aber C. hätte sich übelst gefreut (über was wurde nicht gesagt) und neulich, als sie dort waren, da wäre die gerade vorher da gewesen und sie hätten sie noch weggehen gesehen, ihrem Freund wäre der Name zuerst nicht eingefallen als er fragte, ob das wirklich gewesen wäre.

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Neulich beruflich etwas in der StVO recherchieren müssen und sehr schnell zu ärgern begonnen. Es ist durchaus möglich, dass diese Ordnung umfangreich gegen das Grundgesetz verstößt, da sie bestimmte Menschen systematisch benachteiligt. Aber das sind nur meine fünf Pfennig und vielleicht irre ich mich auch.

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Im Radio wurden derweil Ausfälle im Schiffsverkehr angesagt, auf der Strecke nach Norderney gab es Niedrigwasser und irgendwo im Norden wurde noch einmal Schnee erwartet, kurz vor Ostern.

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Diese Tür war nur für Dich bestimmt

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Stellenanzeige der Faschistischen Partei: Es wird ein Referent für Menschenrechte gesucht. Vorzugsweise Studium der Politik oder Geschichte.

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An manchen Tagen ist der Kopf noch am Abend voller Worte und ich nehme mir fest vor, sie bei der nächsten Gelegenheit aufzuschreiben, doch dann können sie schon wieder verschwunden sein, wenn ich einmal die Zeit gefunden habe. Die Woche nach der Umstellung der Uhren war eigentlich gut überstanden, obschon, wie immer, die Müdigkeit, besonders an den ersten drei Werktagen, eine stete Begleiterin war. Dann kam die Osterpause und die innere Uhr sprang beinah augenblich wieder zurück auf die Winterzeit. Jetzt geht also wieder alles von vorne los, trotz Tanzverbot.

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Auf dem Weg heute kamen mir dann zwei Menschen entgegen, ein Mann, der in einem leichten elektrischen Rollstuhl fuhr und seine Begleiterin, beide noch in den dicken Winterjacken, auch sie überrascht von der plötzlichen Wärme, die sich erst am frühen Nachmittag entwickelt hatte. Der Mann hatte eine Tasche dabei, die an einer Seite ein wenig über eines der Knie hing, auf der in großen Buchstaben die Worte „Fun“ und „Team“ standen.

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Im Radio läuft jetzt Happy Nation und auch dieser Tag ist vorrüber gegangen, beinahe spurlos, jedenfalls ohne großen Lärm zu machen, auf meiner Seite der Medaille.

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Unterm Strich

 

Unterm Strich

Ein halbes Dutzend Pixel bleibt über unterm
Strich, Schimmern, das Dich von den Andern unter
scheidet, sanft, dank der Technologie der Körper

teile dies mit deinen Freunden, sei die erste
der das gefällt. Sodann schneide dem Tier die
überzähligen Haare ab und leg sie in die

Schatulle aus Ebenholz, sieb zigprozentige
Seide und dreissig prozentiger Stahl, Teil
eines verborgenen privaten Projekts.