Im armseeligen Grün

Als ich am Mittwoch mit dem Fahrrad nachhause fahre: Gegenüber vom REWE-Parkplatz, neben der ARAL-Tankstelle und schräg hinter den Altglas-Sammelbehältern, befindet sich nicht mal ein Park; Ein kleines Stück Grün nur, von einigen Büschen notdürftig vor Blicken geschützt. Hier steht bisweilen eine kleine Wanderschau, etwa ein Kaspertheater und ein Wohnwagen, für den Kasper. Dort hören einige Säufer nun gut vernehmbar ein Stück Musik, das ich sehr gut kenne, »The Sound of Silence« und zwar die Live-Version vom Koncert im Central Park. Soeben ist der Song zuende, Applaus.

Es besteht, über die Entfernung, über die vergangene Zeit hinweg, eine Verbindung zwischen diesen vielleicht fünf Menschen im armseeligen Grün und den mehr als einer halben Million Zuschauern in New York, 1981. Wie ist das möglich? Und wo bin ich dann die Variable in dieser Gleichung, mit meiner Cassette, die ich von der Doppel-LP aufgenommen habe, die bei uns zu Hause in der Plattensammlung steht? Gibt es diese Cassette noch? [20.3.2024]

Die Verbindung vom Stadtrand zum Dorf in der Einflugschneise am anderen Ende der Stadt ist schlechter geworden und ich mache kein Foto am nebeligen Morgen.

Auf dem Rückweg gesehen, dass schräg gegenüber des Opernhauses ein Motel One aufgemacht hat. Schwarzer Bär. Dämmerung und der Fluss immerhin ist fast wieder vollständig zurück in seinem Bett am Ihmezentrum. Denke an diesen und jene der Freunde, bei denen ich mich melden sollte, endlich einmal wieder. Schöne Schriften an der Mauer von denen die es sich trauen ihre Kunst auf fremden Wänden zu lassen in großen blassrosa Buchstaben. Später einmal können sie vielleicht Referent:innen werden für Stadtentwicklung und manchmal springt eine Erinnerung in den Kopf, etwa an K., und wie er das ganze Roskilde Festival 1997 über mit einer pinken Plüschmütze und einem Bier in der Hand herumlief. Ich kannte ihn da ja noch nicht und habe ihn in den folgenden Jahren auch immer nur auf dem Festival getroffen, aber da waren wir dann befreundet. Was er wohl macht. Was wohl R. macht, den ich eigentlich kannte, von den Rude boys are back in town, mit den neongelben Aufklebern, die auch immer dort waren, aber nie mit uns verabredet dort hin fuhren.

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Jetzt schon nächster Morgen. Gestern noch eine Lesebrille repariert im Büro, mit dem kleinen Schraubendreher, der mit dem Telefon kam und den ich noch nie für das Telefon brauchte, auf dem ich jetzt gerade diesen Text schreibe, während ich im Bus sitze und der Bus bspw. gerade an der Opel-Straße hält. Ob es in 50 Jahren Initiativen geben wird, Opel-Straße, Daimler-Straße und so weiter alle umzubenennen und die CDU wird dagegen sein? Ob es die CDU dann noch geben wird? An der Noltemeyerbrücke, im 3. Stock über dem Sonnenstudio, hängen seit mehreren Monaten jetzt bereits eine aufgeblasene, silberfarbene 2 und eine 9 im Fenster, sie bilden die Zahl 29. Möglich, dass hier von der Jugend besessene Kolleginnen eine von der Jugend besessene Kollegin, die 30 wurde, aufmuntern wollten.Bis auf die Straße hinunter wirken diese Büros etwas heruntergekommen. In meinem Schreibtischcontainer bewahre ich weitere Ersatz-Bügel für Lesebrillen auf. Es sind drei rechte und ein linker. Einige passende Schrauben sollten sich dort auch finden. So konnte ich schon manche Brille wieder reparieren, sie sind ja von eher billiger Machart und kommen vermutlich in großen Containern über das große Meer zu uns, wie fast alles andere auch. Bis auf Blumen und Schokolade.

Am Abend schon wieder auf den Bus warten. Auf der anderen Seite der K 112 kommt eine Frau auf einem Hollandrad gefahren, stellt es ab und kümmert sich dann um die Rosen unter dem Ortsschild. [4. + 5.3.2024]

nun wird bald hellichter loher frühling

 
nun wird bald hellichter loher frühling

die uhr tickt die sekunde stellt eine neue frage mit jeder
zeit die antwort lässt auf sich warten. der hohle stein
singt ein lied mit dem wind, die leeren flaschen in
den kästen auf den balkonen, ringsum im hinterhof,
befreien die meisen den kuckuck aus seiner uhr.

 

 

elektroheizung

gesichterleuchten flackernde schirme,
klamme nässe zwischen gedeih und verderb.

grünschimmern ringe im halben dunkel des
morgens kriecht sanftmütig strom von rändern:
summt niedervoltig verzweiflung.

hauchfein sediert im gut geheizten bus im späten
winter durchs viertel der erfüllten Träume.

satellitenschüsseln auf den dächern
schöpfen neue hoffnung von den sternen.
 
 
 

 

Später lesen

Neulich im Bus, als ich wieder auf dem Telefon die Blogs las, von hier aus ausgehend u. A. hierhin gelangt und dort auch die Links zumindest gemerkt und in „später lesen“ gespeichert, wo sie dann vergessen werden können.

Während ich den Text lese, bellt der kleine Aberaber-Hund immer mal wieder aus Impulsreflex. Als ich den Link zu ARTS OF THE WORKING CLASS sehe, fällt mir der eine Abend anfang Dezember wieder ein. Auf dem Weg nachhause lief ich noch kurz über den Weihnachtsmarkt vor dem Hauptbahnhof, wo mir jemand eine Ausgabe dieser Zeitschrift, die ich immer noch nicht kenne, verkaufte. Während ich nach passendem Geld suchte, kam gleich jemand angelaufen und belehrte den Verkäufer und mich, in Hannover dürfe nur das eine offizielle Straßenmagazin namens Asphalt verkauft werden. Wir sahen unseren Fehler sofort ein und ließen vom Handel ab. Ich nehme mir jetzt ganz fest vor, die Zeitung mal zu lesen.

Hier entsteht der Skulpturenpark Kirchhorst

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Mit feuchter Kälte vollgesogener Morgen. Ein Schwarm irgendwelcher Vögel am Himmel über dem Caravan Center. Von der ehemaligen Wiese riecht es nach Mörtel. Wie sehr wäre es zu wünschen, die subversive Dorfjugend würde hier ein Schild aufstellen »Hier entsteht der Skulpturenpark Kirchhorst«. [18.1.24]