Seattle Hot Girls

Wir mussten einen Al·go·rith·mus berechnen, wobei mir auffiel, dass wir ja ohne Mund-und-Nasen-Maske viel zu dicht zusammen in der Klasse saßen, woraufhin ich mich bei meinem Sitznachbarn, ich glaube T.W., entschuldigte und sagte ich würde gleich die Maske aufsetzen. Dann fiel mir auf, dass ich die Aufgabe nicht würde lösen können, was mir aber egal war, denn die Zeit der unlösbaren abstrakt-mathematischen Probleme war, soviel wusste ich immerhin noch, endgültig Vergangenheit. Dann sollten wir in einem Eishockeyspiel gegen eine andere Schulauswahl antreten. Schon auf dem Eis mussten wir alle zunächst ausprobieren, ob das mit dem Bremsen noch klappte und nahmen kurzen Anlauf, um dann durch Schrägstellung der Kufen zu bremsen, dass das Eis nur so stob. Das gegnerische Team, stellte sich dann heraus, war aber kurzfristig ausgefallen, deshalb sollten wir gegen ein professionelles Juniorteam aus den U.S.A. antreten, nämlich die Seattle Hot Girls. Die waren auch schon auf dem Eis, sie hatten alle Haarsprayfrisuren, jedenfalls die zwei Frauen, die ich sah, und begannen, sich aufzuwärmen. Ich musste noch die Schlittschuhe anziehen

Natürlich gab es Schwierigkeiten mit den Schnürsenkeln. Die Seattle Hot Girls waren zwischenzeitlich zu einem reinen Männerteam metamorphosiert, und um die Gegner ein wenig in Verlegenheit zu bringen, sangen wir den Refrain des Liedes „Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk“. Dann stakste ich auf dem Kufenschutz am Spielfeldrand herum, und als das Spiel endlich losgeht, habe ich wieder garkeine Schlittschuhe an. [aufgew.].

Schiffnamen (4)

2.11., morgens: Eider, Tara, Bizon-82, Mississippi
3.11., morgens: Charon, Bienenbüttel(?)
5.11., morgens: Lijia(?), Saturnus, Arcturus, Meggy
6.11., Nachmittag: Stadt Lindenfels

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Es ist jetzt dunkel abends, die Namen sind nicht zu erkennen. Viele Schiffe haben Licht auf Deck. Am Kanal gibt es keine Straßenlaternen. Viele dieser neuen Radbeleuchtungen sind zu hell.
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11.11., morgens: Lagda(?), Polaris, abends: Tara, angetäut am Listholze.
12.11., morgens: Ikaros (überholt), Tom Burmester (von Ost nach West), Laura am Listholze. Abends: Athena (am Listholze festgemacht).

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Fahrradfahren am Morgen und am Abend. Dann riecht es von den Schrebergärten auch nach Feuer im Ofen, am Abend vom Wagenplatz nach Möbellack im Feuer, oder Spanplatte, vielleicht, vom kalten Wind die Tränen.
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Heute am Abend die Gänse auf dem Feld mit der Wintersaat, die gerade aufkeimt. Athena liegt vor der Brücke am Listholze, aus der tschechischen Republik, in der Kombüse steht ein Topf mit Erbsensuppe auf dem Herd, der Duft von Erbsensuppe und Speck liegt in der Abenddämmerung. Überall sind die anderen Leben.
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13.11., morgens: Amber

19.11.: BM-5241, Heinrich
20.11.: Pollux, Stanley

26.11., morgens: Labe 15, Annegret. Abends Oberon (angetäut am Listholze)
27.11., morgens: Oberon (angetäut am Listholze). Abends: Fossa (von West nach Ost), Oliwia (angetäut am Listholze)

30.11., Muflon-65

Hunde und ihre Besitzer

Die Idee gehabt, sich in die Fußgängerzone zu setzen, mit einer Zeitung mit Kucklöchern, um bspw. unauffällig Hunde und ihre Besitzer beobachten zu können.

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Am Montag sehe ich auf der Kreisstraße einen Laubhäcksler, der als Anhänger hinterhergezogen wird. Gleich die Szene aus „Fargo“ präsent.

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Ich sage zum Koch, dass ich heute mal zwei Scheiben Käse nehme statt Käse & Marmelade, er sagt Leben am Limit, und sofort muss ich mich an den Käse-Sketch erinnern, den mein Klassen- und Englischlehrer Chris L. zusammen mit meinem Mathelehrer Peter B. bei einer Fasching-Feier aufgeführt hat. Der Käse-Sketch ging ungefähr so, das einer der beiden, kostümiert mit einer abgewetzten Jeansjacke und einem aufgepunkteten Stoppelbart, einen Käse-Abhängigen mimte, der einem Interviewer (das war mein Klassenlehrer) erzählte, wie er erst mit dem harmlosen Zeug, wie Gouda und Butterkäse, angefangen hat, bis er schließlich und konsequent bei Roquefort und Ziegenkäse gelandet ist.
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Spatzen sitzen nicht auf Dächern, aber in Hecken, am Morgen zwitschern sie alle gemeinsam an verschiedenen Stellen, so am Hundeweg und hinten an der Mühle, aber auch dazwischen noch bei anderen Gelegenheiten.

Wenn es den Mond nicht geben würde

Durch eine direkt über dem Boden beginnende Regenwolke zur Arbeit gefahren mit dem Rad, am Morgen. Feinster Niesel. Die Schafe hat es nicht interressiert. In der Mittagspause die folgenden Sätze von einem der Nachbartische in der Kantine (es geht in dem Gespräch um den Sinn des Lebens, was Leben eigentlich ist (als Beispiel für einen Grenzbereich werden Ameisen genannt), Astrophysik, wie alles zusammenhängt und so weiter): denn „Alleine wenn es den Mond nicht geben würde, was dann mit der Erde wäre“ und „wir auf der Erde haben ja das Problem, dass wir die Lichtgeschwindigkeit haben“.

Allerdings.

Schiffnamen (3)

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21.9., morgens: Arcturus, Alinda am Abend
24.9. morgens: Tom Burmester (Ost nach West)

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30.9. morgens: Leonore (Ost nach West)
1.10., morgens: Sanjia, Dettmer-Tank-126 (Ost nach West)
abends: Nawatrans 23(?) und Labe 3, festgemacht vor der Brücke am Listholze.
2.10., morgens: Bonata (Ost nach West), Catharina, Nawatrans 1, Elistha (West nach Ost, überh.)

Labe 3 liegt vor den Wohnhäusern, die direkt am Kanal stehen, und das tuckernde Rußherz schickt einige kleine Rauchwölkchen zum Gruße auf die Balkone in der Oktobersonne.

Die Mädchen tanzen zu ihrer Musik auf dem Weg zur Schule. Sie sind in der Dämmerung, die Luft ist kalt und der Herbst hängt den Blättern an.

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5.10. am Abend: Kronos (westwärts) und Ares (ostwärts) — der Kriegsgott und der Hüter der Zeiten ziehen aneinander vorbei, kurz bevor ich Kronos überhole (also Lichtgeschwindigkeit erlange auf dem) scheppernden Rad, gebaut in einem untergegangenen Land. (Auch das andere Land ist untergegangen — aber als Sieger.)

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12.10. am Morgen: Desafio (von Ost nach West), Kim und Bizon-O-167 ostwärts, beide überholt.
15.10. am Abend Allessandro (westwärts) überholt, Ostmark liegt vertäut östlich vor der Brücke zwischen Am Listholze und Holzwiesen.
16.10. am Morgen liegt Ostmark weiter angetäut. Am Abend dann Bizon-O-167 (Richtung Westen) überholt.

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19.10. am Morgen: Lisa R. Am Abend: Luckau, Tara und Laura festgemacht vor der Brücke am Listholze
20.10. am Morgen: Tara legt ab, als ich vorbeifahre. Abends: Devanto, Stadt Lindenfels.
22.10. morgens: Cetera (Ost nach West), abends dann Polestar und Taurus von West nach Ost
23.10.: Mercator, morgens, Ost nach West

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26.10.: Jacoba, Tramp sowie C.H. (auf dem Rad) (von Ost nach West am Morgen), Undine von West nach Ost am Abend (überh.)
27.10.: Ambulant, Ost nach West am Morgen
28.10.: am Morgen: Veronia (West nach Ost, überholt) und Luv, Lyda (Ost nach West)

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Ich hörte nur meinen Namen und hielt gleich an, um mich umzuschauen, wer mich da gerade gegrüßt hatte. Konnte ich nicht erkennen, aber er drehte auch gerade das Rad, um die paar Meter zurück zu fahren. Es war kurz hinter der Noltemeyer. Schnelles gegenseitiges Nachzählen der Tassen im Schrank, ob sie noch alle vorhanden wären, trotz Pandemie. C.H. hat mit mir im Studentinwohnheim gewohnt — von den Sprüngen in den Schüsseln des anderen haben wir beide eine gewisse Ahnung, deshalb. Vielleicht auch nicht. Das letzte Mal haben wir uns gesehen im März des letzten Jahres, bei einem wundervollen Wohnzimmerkonzert der Gruppe Faya, auf welches K. uns mitgenommen hatte.

Das ist alles unglaublich lange her.

Der 2. Fiebertag

nun schon in diesem Herbst, diesen 2. November, 20 Grad heute, den Weg zur Arbeit in Hemd und T-Shirt, auf dem Fahrrad, und zwar zwischen 7 Uhr und 8 Uhr am Morgen — als würde ich noch unter einer zu warmen Decke schlafen, der Wind kommt aus irgendeiner weit entfernten Wüste wohl, die Luft fällt schwer zu atmen. Am Mittag der Wirtschaftsweg in das Wäldchen hinter der Lagerhalle, Traktorspuren, ein Portal nach wohin genau, jedenfalls Weg von hier, das vorletzte Laub an den Bäumen im grellen, warmen Licht. Abends steht stürmischer Wind schräg in der Luft, dennoch am See das Tuch vom Hals genommen und das Hemd ausgezogen, fieberndes Wetter, Blätter fliegen entgegen, ein Vogel, eine Fledermaus und auf einer Parkbank flüstern Jemande leise in die Schatten hinein. Regen am Kanal, leichtes Sprühen nur, der warme Wind bleibt und die Schiffe sind im Dunkeln, ich kann ihre Namen jetzt nicht lesen.

Gestern am Morgen Gänse in der Luft. DIe Gedanken sind bei ihnen am Himmel, sie fliegen dann einen Moment mit, ganz froh über den langen Flug, vielleicht aber überwintern sie auch im Norden, wie wir.

Schiffnamen (2)

6.7. Mayera (Ost nach West)
13.7. am Morgen Alina (angebunden), am Abend Pollux (von West nach Ost)
14.7. am Morgen: Mario (Ost nach West), abends dann Mi Viala und Livia (von West nach Ost)
Woche vom 20.7.: Luca
29.7., abends: Labe 25, Bernd Weymann
30.7., morgens: Labe 23, Peter Jaegers

3.8. abends: Andrea-Corinna (überh.)(Ost nach West), Mandy
4.8., morgens: Edo
5.8. am Morgen zwei namenlose Schiffe, auch Polaris und Bizon-O-167
11 8.: Abend: Even Haezer, Wotan
13.8., morgens: Belleza, Cleopas, am Abend Ronata
17.8. Via Nova, Martyna
18.8.: Algarve
20.8.: Island
21.8.: Katja, Nawatrans IX (Ost nach West), Durban, Annette (West nach Ost)

Blackbear, Allegro

[22.9.] Lese die Notizbücher eines Bekannten,

die ein Verlag sich bereiterklärt hat abzudrucken. Die Gefahr, mich darin wiederzufinden, besteht kaum, denn so oft sehen und sahen wir uns nicht und kennen uns also auch nicht wirklich. Ich hatte ihn einmal für eine Radiosendung interviewt und das ist bestimmt mehr als 15 Jahre her. Das dürfte eines der längsten Gespräche gewesen sein, die wir geführt haben. Nun lese ich also in den Notizbüchern eines letztenendes doch recht fremden Menschen, sehr literarische Fragmente durch die Zeit und auf der Strecke zwischen den Orten. Manchmal auch aufgeschriebene Todesdaten von Menschen, bei denen ich nur einen Namen kenne und wieder bemerke, wie wenig ich doch gelesen habe bisher oder vielleicht auch nur wenig aus dem Indie-Kanon der in den 70er Jahren d. l. Jh. Geborenen. Dafür mehr Lustiges Taschenbuch. Die Inspiration, die sich, während ich während einer Zugfahrt auch darin las, aber auch selbst die endlich einmal wieder etwas umfangreicheren Reisenotizen vervollständigte, ergab, führt nun hoffentlich dazu, selber einmal mit der Abschrift sämtlicher Notizbücher zu beginnen, ich habe keine Ahnung, wie viele sich über die Jahre angesammelt haben, aber sie befinden sich immerhin — mehr oder weniger — alle an einem Ort und sind schnell gefunden. Veröffentlichen werde ich sie aber nicht, vielleicht hier und/oder da einen kurzen Text nur.

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Ich hatte den EIndruck, dass Situationen und Augenblicke aufgeschrieben werden, die ohne das Ich auskommen, als ich aber dann weiterlas, mit diesem Gedanken im Kopf, bemerkt, das tatsächlich oft ein Ich gesagt ist. Es sind aber Texte zwischen dem noch persönlichen und dem schon ausgedacht gewordenen, in einem Zustand dazwischen.

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[14.10.] Auf der Seite 112 dann eine bekannte Adresse, zumindest der Name der Straße, in der eine gemeinsame Freundin(?) lebt, die sich zumindest bei mir aber auch nicht meldet, daher das Fragezeichen(?), vielleicht müsste ich dazu auch erst ein  Buch schreiben. Vor sechs Tagen hatte sie Geburtstag, ich habe daran gedacht und nicht gratuliert. Weil es nicht einzusehen ist, dass immer nur ich mir Geburtstage merke. Heute aber mit einer Textnachricht jemandem dann doch alles Gute gewünscht, den ich nun bestimmt auch sehr sehr lange weder gesehen noch gesprochen habe.

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Berlin hat viele meiner Freunde verschwinden lassen mit einem Taschenspielertrick.

Notiz aus dem Sommer noch

Dann riecht das Wasser also mineralisch, viel mehr, oder vielleicht anders als der Geruch nach Eisen jedenfalls, den der Kanal neulich hatte an einem der ersten warmen Morgen. Alle Gerüche der vergangenen Sommer fahren mit auf dem Rad, nur habe ich es nicht notiert, wie es gerochen hat, als wir noch unsterblich waren, in den frühen Sommern der Zeit.