Gestern ein Abend mit gelber Luft, fast schwefelig

Das Licht übersteuert. Heute am Morgen schläft ein Mensch im Wartebereich, vorne im Bahnhof, dort bei den Ausgängen, er hat dabei einen schwarzen Rollkoffer, zwei prall gefüllte Ikeatüten und einen hellen Rucksack, wie ihn die Kinder manchmal verwenden für die Schule. Auf dem Vorplatz, neben dem Pferdedenkmal, steht ein Rettungswagen und die blauen Lichter rotieren. Für das alles keine weitere Zeit. Noch sind die Äste kahl und im Gegensatz jetzt ein bleicher Himmel.

Stiller Schnee

Kürzlich, mit langem Riss, zersprang
die Zeit: Versuche sie wieder zu fügen
mit Sekundenkleber. Es sind kleine

Splitter, die an den Kuppen der
Finger kleben bleiben, dann alle
Blicke, von Finsternis umrandet.
Ein Rinnsal aus Sand, unumwundene
Stunde, ein (ganz leise nur, als
gelte es, das zu vermeiden) im
Takt der Eieruhr gesummtes Lied
eine Katze wird, in der Plastiktüte,
zum Bahnhof getragen, durch
stillen Schnee im späten Februar.

 

 

Aus den Briefen – 14 –

 

Letzte Nacht habe ich geträumt, neben anderen Dingen, dass ich in einem Dönerladen einen Döner Vladimir gekauft hätte, Special Edition für V. Klitschko. In einem der ersten Träume, in denen die Pandemie eine Rolle spielte, gab es auch einen Döner-außer-Haus-Verkauf. Es sind die letzten kalten Wintermorgen, und auf dem Küchentisch stehen die ersten Tulpen vom Markt.

 

 

 

Aus den Briefen – 13 –

Der Zustand der Welt wird immer schlimmer und macht mir Sorgen. Die anhaltende Pandemie ist dabei eigentlich das kleinste Übel. Das geht vorbei, da bin ich mir ziemlich sicher. Davon abgesehen ist es weiter viel Aufräumen und Putzen, aber an den Wochenenden gibt es Wein und Musik in der Küche. Habe zwar den Türbeschlag noch nicht gefunden, aber es geht voran, klein und klein. Gleich fahren wir mit den Rädern an den Kanal und nächste Woche sieht es damit auch gut aus, erstmal keine Stürme.