Vielleicht waren die Blätter aber auch größer in den Zeitschriften

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Vorgestern habe ich mich erinnert, wie wir früher Briefumschläge gefaltet haben und konnte das auch — mit ein wenig Hilfe aus dem Netz — wieder nachvollziehen. Wir haben dafür Seiten aus Illustrierten genommen, wie etwa den Stern oder die Tempo und haben sie so geknickt, dass sie mit nur einem Tesafilm-Streifen zugeklebt werden konnten. Entweder wir hatten ein helles Motiv, dann konnte man mit einem dicken Filzschreiber (wie einem Edding) die Adresse der Empängers draufschreiben, oder es musste noch ein Zettel mit der Adresse draufgeklebt werden. Ich habe dann mal nachgesehen, nachdem ich den Umschlag fertig hatte, mit dem Blatt aus der Spex hat er nicht die Mindestmaße, die die Post gerne hätte. Vielleicht waren die Blätter aber auch größer in den Zeitschriften, die wir benutzt haben, jedenfalls sind wohl alle Briefe immer angekommen. Wir haben viele Briefe geschrieben. Mit dieser Methode, Briefumschläge zu knicken, musste man einerseits nie einen Umschlag kaufen und daher eigentlich nur eine Briefmarke, weil das Blatt Papier zum Schreiben war natürlich auch immer greifbar. Die zweite gute Sache daran war, dass es immer einen einzigartigen Umschlag gab, erstaunlicherweise entstanden aus einem Massenprodukt. Das fanden wir toll, auch wenn wir es noch nicht alle wirklich verstanden hatten. Durch die besondere Knickweise entstand aus fast jedem Motiv — gewissermaßen in der Dekonstruktion — eine interessante neue Sache oder zumindest ein neuer Blick. Wir haben viele Briefe geschrieben, ich jedenfalls, es hat mir immer Spaß gemacht. Vielleicht suche ich aus dem Schuhkarton, der hier rumsteht, demnächst mal ein paar dieser Umschläge heraus …

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Produktionsstop

Ich habe zu viele Bilder, also Fotos, gemacht und jetzt quillt alles über. Ich mache jetzt erst einmal keine Fotos mehr, jedenfalls keine digitalen, bis hier in den Ordern zumindest einigermaßen eine Übersicht vorhanden ist und nicht mehr alles nur noch rumliegt und wartet, noch einmal betrachtet zu werden.

Auch der Text muss, ich schreibe es nicht zum ersten mal hier hin, einigermaßen fokussiert werden. Abends herrscht sehr viel Müdigkeit und das Zimmer sieht entsprechend aus, insbesondere nach dem Urlaub und der jetzt gerade zu ende gegangenen ersten Arbeitswoche. Aber hier wird zumindest noch etwas geschrieben. Ich muss mir dringend eine Liste machen, was ich für Sachen voranbringen möchte, dann konzentriert daran arbeiten. Es ist ja auch egal, was dabei heraus kommt und wie lange es dauert. Vielleicht fange ich an mit dem Abtippen der Notibücher, wo ich doch jetzt ein so schönes T-Shirt habe mit einer Schreibmaschine drauf.

Over and out.

Raufrunterkunst in Limmer

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Kunst im diffusen Licht, Kunst in der Dämmerung im Treppenhaus, Baustellenstrahler 100 Watt auf dem Dachboden. Geht gut, wie jetzt gerade in Limmer gezeigt wird. Da wird zur Zeit ein Wohnhaus zur temporären Galerie umgenutzt, und zwar noch bis zum 16. April. Im Treppenhaus, auf dem Dachboden und in drei Wohnungen hängen Werke von Ralf Bednar, Iris Schmitt, des Künstlerduos EX+, Nils Schumacher und Meike Zopf.

Die Straßenbahnhaltestelle ist die Wunstorfer Straße und fast direkt dort ist es dann auch. Am Mittwoch gibt es auf dem Dachboden eine Lesung mit u.a. Stefan Heuer und zur Finnisage am Samstag ein Hinterhofkonzert, Flohmarkt und alle Bilder ein letztes Mal in dieser Zusammenstellung zu sehen. Das ganze Programm usw. ausführlich auf der Facebookseite. Dort auch viele weitere Fotos von der Veranstaltung, dem Eröffnungskonzert und so.

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14 Jahre Internet umsonst!

War heute ostersamstag.

Dieses Blog sagte „hello world“, auf seine Weise. Hat seitdem die Sachen immer auf seine Weise gesagt. War nie etwas anderes und hat sich nie verkauft. Nicht an Google und nicht an’s Geld. Ist ein paar Metamorphosen durchgangen, was die äußere Gestalt betrifft, hat sich der Mode ein wenig angepasst. Fing damals auf blogger.com an, ohne Kommentarfunktion und tatsächlich mit Gästebuch, wenn ich mich recht entsinne, wohin von jedem Artikel aus verwiesen wurde, wenn ich mich recht entsinne. War selbst gehostet, auf coderwelsh.de, wie auch heute noch — damals im Unterverzeichnis /blog. Von der Blogplattform aus wurde die ebd. generierte Datei via ftp-Zugang zum Webspace transferiert. Hat manchmal ganz schön gedauert, insbesondere in der Zeit, in der ich zur Zwischenmiete im damals noch internetlosen Haus meiner Eltern wohnte und ebd. eine alte AOL-Test-CD („50 Stunden Internet Gratis!„) mit meinem alten 14.4er Modem runterspielte bis keine Minute mehr übrig blieb.

[Gesten] [2]

Der Vogel singt heute oben auf dem Stahlträger.

Ich sitze ganz vorne und kann aus dem Frontfenster der Fahrerkabine auf die Schienen schauen. In der scharfen Kurve zwischen Feldbuschwende und Brabeckstraße, in welcher die Waggons immer ein wenig ins Schaukeln geraten, sehe ich den Fahrer, er streicht bedächtig mit Zeigefinger und Daumen den Kinnbart, wieder, wieder, wieder.

Am Vahrenwalder Platz, ein dicker Mann, dessen Anorak auf halb acht über die Schultern hängt, führt den Zeigefinger zielstrebig an das untere Licht der Fahrradampel und berührt es mit Nachdruck. Glückliches Lächeln. Das wäre dann erledigt. Eine Frau fährt vorbei mit einem Kind auf dem Rücksitz des Rades, es spielt mit einer leeren Brötchentüte.

[10.3.2016]