dass die lungenflügel flattern, im sommerwind,

& weil weiterhin überall geschrieben wird, aufgeschrieben was passiert, während die Zeit um uns herum verstreicht, leere ich einmal die Texte hier aus und lasse sie liegen wie salziges Treibholz am Strand, das vielleicht noch jemand braucht um sich ein eigenes Feuer anzuzünden, unter den bedeckten Himmeln im August, unter den bedeckten Himmeln der freien Welt.

*

der mann gestern abend erzählt er habe einen guten schutzengel als er ein wenig stolpert in der u-bahn in den außenbereich meines sichtfeldes hält er eine ţüte weißwein. erzählt er fährt jetzt nachhause da können wir noch schön fernsehen (ein älteres ehepaar soll zuhören und tut es)  erzählt vor dem schlafengehen denkt er an seine sünden erzählt was er alles gemacht hat im leben erzählt totgeschlagen hab ich noch keinen habe ich auch nicht vor erzählt nachbarn ärgern kleines schnäppschen goodbye mister.

* hey sister soul sister *

Reklame: Finden Sie die Stärken ihres Kindes heraus und das passende Berufsprofil.

Schlagzeile: Touristen im Selfie-Wahn lassen Babydelfin sterben.

Kollege (am Telefon): Das Stück Kuchen wird größer je größer der Betrieb wird …

*

30.12.’15: Der „Arbeitslose Musiker“ (Selbstbeschreibung), der immer vor dem Penny in der Nordstadt stand und nach Wechselgeld fragte, mit dem ich irgendwann später zufällig am Tresen in der Schaufelder nach einem Konzert zwei Bier trank, singt am Lister Platz, dort am Eingang zur U-Bahn, wo sie immer sitzen, „Junge komm bald wieder“. Natürlich kann er mich nicht erkennen und das ist auch gut so. Es gibt rare Momente, in denen die Unterschiede egal sind.

*

 In der Kneipe an der Bödeker, in die wir manchmal gehen, erzählte ein Mann an der Bar, das George Lucas einmal hätte einen Film drehen sollen mit improvisierter Musik, Miles Davis, nicht Sting. Er mochte Sting nicht.

* Eine Reihe von Fotos *

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licht gespenstert
vogelsand
kupferdraht
duftreis
am ende des tages

*

 

dieser text aber will alles sich die ewigkeit einverleiben. tage sind durchsetzt mit ausgedehnten déja-vus. die nächte auf verschlungenen traumpfaden. der vorstand bei der heilpraktikerin in klausur-tagung. wir haben uns gegenseitig unsere notizbücher gezeigt. an dem tag an dem ich zum letzten mal dort arbeite, wenn ich dann allen die hand gegeben und mein „man sieht sich immer zwei mal im leben“ aufgesagt habe, dann werde ich rennen, so schnell wie ich nur kann, raus aus der tür und fort von dem ort, so schnell ich nur kann.

* dass das unbeugsame herz schlägt *

das unausgeschlafene zittern das vibrieren überall. am abend ein loch in der scheibe [der bank, die 3 monate später, nach einem überfall, schließen wird. die gegend wird nicht besser] — fahrradfahrt in der nacht, am  wohnheim vorbei, auf dem rückweg, an der hannomacke vorbei, dass das unbeugsame herz schlägt, immer noch und immer noch und immer noch, dass diese orte da sind, immer noch, jetzt von fremden besetzt, dass die lungenflügel flattern, im sommerwind,

[Gesten] [2]

Der Vogel singt heute oben auf dem Stahlträger.

Ich sitze ganz vorne und kann aus dem Frontfenster der Fahrerkabine auf die Schienen schauen. In der scharfen Kurve zwischen Feldbuschwende und Brabeckstraße, in welcher die Waggons immer ein wenig ins Schaukeln geraten, sehe ich den Fahrer, er streicht bedächtig mit Zeigefinger und Daumen den Kinnbart, wieder, wieder, wieder.

Am Vahrenwalder Platz, ein dicker Mann, dessen Anorak auf halb acht über die Schultern hängt, führt den Zeigefinger zielstrebig an das untere Licht der Fahrradampel und berührt es mit Nachdruck. Glückliches Lächeln. Das wäre dann erledigt. Eine Frau fährt vorbei mit einem Kind auf dem Rücksitz des Rades, es spielt mit einer leeren Brötchentüte.

[10.3.2016]

Ereignet sich auch dies in der Pendelbewegung

des tgl. hin-und wieder zurückfahren von der Stadtmitte an den Stadtrand, das hier ausführlicst beschrieben steht, über das hier Fotos und Filme gezeigt sind und auf manchen von ihnen sind Geister zu sehen, und auf manchen von Ihnen sind Geister zusehen, doch das ist was bleibt vom Tag, oft nur die Menschen die ich in der Bahn sehe, die ich manchmal zulasse und oft ausblende, weißes Rauschen oder die Musik, wenn ich mit dem geheimen Buch, sie müssen denken es wäre geheim, oft ist nur schwer auszumachen sie dächten überhaupt etwas, jemals, es ist eingeschlagen (wie eine Bombe) in Packpapier und ist doch keine Bombenbauanleitung (Ach die schönen Blumen!), jedenfalls habe ich es noch nicht herausgefunden, die Sache mit dem Fahrstuhl, obschon ich erst gestern wieder dort im Krankenhaus war, denn es befindet sich ein Geldautomat der Evangelischen Bank ebd., wobei die Konfession der Bank mir herzlich egal, jedenfalls. Worte Schreibmaschine. In der Besuchertoilette ist UV-Licht gehängt, damit die Substanzenthusiasten es sich dort nicht gemütlich machen für ihren Rückfall von der Methadonpraxis ein paar Häuser weiter. Die kurze Strecke Marienstraße Kreuzung Sallstraße Hamburger Allee hin zum Aegi ist mir sehr bekannt geworden, wieder einmal, die schönen Wohnungsfenster mit den anderen Leben dahinter, veröffentlichen.

Aufgescheucht geht's dann in den neuen grauen Tag, fast noch das Gefieder der Nacht in Gedanken.

An der Feldbuschwende fängt es eigentlich an mit der Steppe am Stadtrand, durch die ich am Morgen des 29. fuhr, ich dachte , ich könnte jetzt noch stundenlang durch dieses Messeparkplatz/Industriegebiets-Ödland fahren,

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während die Füße ein wenig kalt sind, weil ich schon Sneakers anhatte, fahren und aus dem Fenster schauen.

Am Morgen gehen die Türen der Straßenbahn auf

an der Haltestelle Zuschlagstraße, bei den Parzellen, gleich ist ein Geruch von Holzfeuer im Waggon, an diesem grauen Anfang des Tages. Wie gut ich diesen kenne. Müsste nur wollen, dann ginge es vielleicht. Ein paar Meter weiter wären auch Schafe, da hat sich jemand einen Stall in den Garten gestellt. Im Frühjahr und Sommer stehen sie am Zaun und schauen der Straßenbahn zu, wie sie vorbei fährt und mir auf dem Fahrrad. Gegenüber allerdings dann, gleich hinter der Haltestelle, das gegen Widerstand errichtete Tierversuchslabor.

Um Fotos von den Krähen zu machen,

die an jedem Morgen in den Wipfeln dort sitzen, bin ich am letzten der kalten Tage, der auch der kälteste der kalten Tage war, kurzentschlossen an der Haltestelle Krügerstraße ausgestiegen.

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Krähen sind Tiere die dann misstrauisch werden, wenn der Beobachtende stehen bleibt und sich nicht bewegt. Dann fliegen sie auf von dem Platz, wo sie sich um das gefundene Fressen balgen und sitzen gleich wieder in den Bäumen. 20160122_083728 20160122_083812

Es war wirklich sehr kalt und ich zog, gleich nachdem ich für fünf Minuten die Sache mit den Fotos versucht hatte, wieder die Handschuhe an und besah mir die Menschen, die sich mit bleichen Gesichtern am gegenüber liegenden Bahnsteig unterhielten und ihnen die Kälte aber gute Laune zu machen schien.

SEV

Belegen mit Brief & Siegel, Wolkendunst
Zeilen im halben Schlafen verloren im Licht
des grellen Morgentau ziehen die Vögel
fort die Silberstreifen die Wertgeschätzten
————-———————————–
Am Abend Schienenersatzverkehr vom Endpunkt der Linie 6 aus, was auch so ein deutsches Wort ist wie es leider viel zu viele gibt und man sie doch irgendwie gerne haben muss mit Ihrer tölpelhaften preussischen Korrektheit, die Sicherheit und Autorität vermitteln soll aber doch nur ein Gehampel ist. Schienenersatzverkehr (SEV) also, dreisprachig auf der Anzeigetafel angezeigt tatsächlich, am Bahnsteig, die Menschen stehen daher in Trauben oder einzeln im gefrorenen Schnee am Rande des leicht abschüssigen Wendekreises, an dem sonst die Linie 341 sich dreht zur Pause. Unzwar bleiben sie stehen, gehen statt dessen, als der Ersatzbus ankommt, über den gefrorenen Platz und steigen ein. Der Bus fährt sich daraufhin fest, als er die Schleife macht und zwei Schritte vor, einen zurück, als er um den davor stehenden 341er herumzufahren versucht, 10 Minuten geht das so und verschiedene spontane Freundschaften werden geschlossen, unter der dünnen Decke der Zivilisation, neben mir hingegen zückt jemand sein Notizbuch und schreibt mit schwarzem Stift die Worte auf. Ich kontere das elegant mit hundert Jahren Einsamkeit in der Taschenbuchausgabe. Dann fährt der volle Bus doch los und drei Stationen weit (Stockholmer Allee, Krügerskamp, Kronsberg wo alle aussteigen) und wieder in die Bahn hinein die auch gleich kommt und zwar vom Endpunkt der Linie 6.

Als es letzten Samstag wieder zu schneien

anfing und die Stadt den Kragen hochschlug während der Besorgungen für das Wochenende usw. usf.

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Heute allerdings in der Mittagspause meiner Arbeit in der Aktiengesellschaft über die verschneite Plaza gestapft und im Schneelicht gebadet, so dass es mir garnicht kalt wurde an den Fingern die die Kamera und das Handy hielten. Die anderen Fotos sind auf Film und der ist noch nicht voll.

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Am Abend trafen wir uns, um in das Möbelhaus zu fahren und Frieden zu finden. Die Expo-Brache hinter der Plaza verwandelte sich zusehends in einen Kaurismäki-Film mit einem blauen, violetten Sonnenuntergang und ganz merkwürdigen Gebäuden um uns herum (keine Fotos davon, es war auch bereits zu dunkel) und dann das blaue Licht durch die großen Fenster, der Blick in die Abenddämmerung. Der Rundgang durch die feilgebotenen Utopien, Köttbullar im Restaurant, einer hockt, meterweit von seiner Familie, in einer der Wohnkulissen und sieht einsam aus. Er könnte eine der Buchatrappen aus dem Regal nehmen und sie aufschlagen, nur um festzustellen, die Seiten sind noch alle leer.

Im Bus, den wir zurück nehmen, sitzt ein Mann mit Down-Syndrom in der letzten Reihe. Er trägt eine blau-rot gestreifte Pudelmütze und steht bei den Stationsansagen immer auf und hält das Handy mit dem ganz hell leuchtenden Display an den Lautsprecher, wohl um eine Aufnahme der Ansage zu machen.

Chicago Lane
Boulevard de Montréal
Messe-Ost, Expo Plaza

Zwischen den Aufnahmen hält er das Display ganz dicht vor seine Augen, vielleicht sieht er nicht gut. Wir steigen aus.