Kong★lomerat

jetzt faengt das an: in der bahn sitzt einer und führt allen ernstes ein videotelefonat auf seinem tablet. naturallement auf englisch und jedes zweite wort sagt er bullshit. als ich aussteige seh ich eine tragetasche auf der camp david steht. das ist doch eigentlich die ranch von george w bush auf der er den krieg neu erfunden hat. ein anderer zaehlt erstmal seine pillen durch. Seid ihr auch alle da und wirklich vorhanden? Und wir? „Wir gehen zurück in die Blogs, sagen wir. Auch wenn uns keiner mehr liest. Das Nicht-Lesen war noch nie der Verlust.“  — Hinter vorgehaltener Hand, all diese texte, die immerzu geschrieben werden fast könnte man sagen: produziert, die während der zahlreichen transitzustände in die medien fallen, in die notizbücher, in die mobiltelefone, in die leeren, glatten zustände hinein, die kalenderblätter. die ungeordneten gedanken — der hausmeister ist heute der elektrosensenmann, die luft nicht gesalzen wie gestern. die asiatin die am morgen in der u-bahn sitzt, eingeschlafen, eine pinke tasche  fest umklammert. da kam mir die idee, eine figur zu haben wie vielleicht sie es sein koennte. die ist und bleibt nun zunächst andernorts beschrieben weil sie noch nicht fertig erdacht ist, liegt parat im setzkasten neben der Dora Emon figur, die ich in lissabon auf dem trödel gekauft hatte für einen euro. aufbewahrt ist sie in ihrer welt. dort wo alles unfertige steht, das nicht hier hineinpassen soll, in verzeichnissen auf festplatten, in zwischen 10 vollgeschriebenen notizbüchern. heute mitten in der nacht wachgelegen. sachen überlegt, unter anderem namen für radiosendungen, die ich gerne machen würde, und was deren inhalte sein sollten. auf alle fälle müsste es alles bisher dagewesene in den schatten stellen. das ist aber ja ein leichtes — es empfiehlt sich jedoch, immer einen kleinen vorrat synthetischer aminosäuren im hause zu haben. immer auf der suche nach der passenden parallelgesellschaft. so ist das leben hier im stadtteil huckepack, voll mit überraschungen und alle völker sind freunde.

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Es ist Absicht mit der Vernachlässigung der Groß/Kleinschreibung. Aber immerhin die japanischen Touristen sind eine feste Größe im hiesigen Tourismus. Unerschrocken trifft man sie sogar auf der Ex-Expo-Site an, wo sie die Ruine des Niederländischen Pavillons anschauen, bspw. Mutig kämpfen sie sich durch die Horten-Kacheln der Fußgänger Zone, die nicht wegzukriegen sind.

Während der Arbeit an dem Text, der sich, wie sich herausstellte, wieder einmal nicht festlegt auf eine Lösung, die wie auch immer aussehen könnte, jedoch unbeirrbar die Einsamkeit propagiert, die Kauzigkeit und all das, wurde das Papier knapp jedenfalls. Ich druckte am Abend die jeweils letzte Version aus, um sie dann im morgendlichen Taumel, den Bleistift gespitzt, in der Straßenbahn zu überarbeiten. So wurde, wie auch im Text beschrieben, die morgendliche Fahrt zur Arbeit im Glasbunker am Rande der Stadt, zum schleichenden, schwindelnden Übergang zwischen zwei Welten. Als jedenfalls das Papier knapp war, habe ich mich auf die alte Methode verlegt, alte Ausdrucke noch einmal zu verwerten. Ein paar Seiten waren auch auf grünem Papier gedruckt, was ich besonders schön fand. Bei dieser Gelegenheit dann diese Geschichte von Haruki Murakami wieder gefunden, in dem Ordner oben auf dem Regal, die vor Jahren mal im New Yorker abgedruckt wurde und online zu finden war. Auch dieser Ausdruck, erstellt am 26.2.2012 um 16:22h, enthält zwei Seiten aus einem Aufsatz mit dem Titel „Zukunft des globalen Lernens“, auf der Rückseite. Dann ist da auch noch die Rückseite einer Billy-Aufbauanleitung, auf welcher Seite 10 der 12seitigen Geschichte abgedruckt war. Nun ist fast Mittsommer und keine Rede davon, die Vögel alleine lassen sich nicht beeindrucken von all dem. Die vor meinem Fenster in einen Topf gepflanzte Zwiebel, die neulich in der Küche austrieb, hat sich ein Gestrüpp zurecht gewachsen und schön sind sie ja nicht gerade, was man so sagt.

Revisionen: 19

 

Von Kantschen Indianern, träumenden Chinesen und schwarzen Bären

Die Kant’schen Indianer sagen: „Denken: die Sprache im Bauch“. Über 100 Jahre später, hier in der Stadt, treffen sich die „Kröpcke-Indianer“, unter ihnen auch Theodor Lessing, nachdem der Asta einmal die Uni nennen wollte: „Zu den Kröpcke-Indianern gehörten beispielsweise Alexander Dorner, der das Kabinett moderner Kunst im damaligen Provinzialmuseum einrichtete, die Maler Ernst Thoms, Carl Buchheister und natürlich Kurt Schwitters, der sich im Kröpcke aus Aschenbechern und Abfalleimern die Zutaten zu seinen Collagen herausangelte“, so ist’s geschrieben und wird behauptet. Das Eishockeyteam Hannover Indians hat jedoch nichts damit zu tun —  das Bauchgefühl in die Gedankenwelt zu tragen. Wortklauberei zu betreiben. Gestern sah ich beim Essen in der Mensa einen mit einer Basecap auf dem Kopf, darauf stand „Pray“ und in der Bahn saß einer, auf dessen Mütze stand „Killer Loop“. Zeichen des Untergangs. Die Zähne mit Heizkörperlack geweißt. So sind die Tage und das alles, wenn das verdammte Abendland nun endlich einmal mit Mann und Maus und Haut und Haar, aber nichts dergleichen. So bleibt nur, genau alles aufzuschreiben und sich um mangelnde Exaktheit zu bemühen, den verstiegenen Gedanken noch eine Halbleiter unter den Schemel zu stellen, neben das Licht der Sonne.

Morgens sah ich in der Bahn einen schlafenden Chinesen, der seinen Rucksack auf dem Schoß stehen hatte, locker mit beiden Händen umfasst, der fährt zur Messe mit all den anderen, eine andere Gruppe fotografiert sich selber, jeder einzelln, die fremde U-Bahn, die fremde Stadt, die fremden Zeichen auf den Bildschirmen, die von der Decke baumeln. So denke ich mir an diesem lichtgefluteten Tagesanfang, wie der halbe Traum des Chinesen jetzt ist, wie sich sein Kopf die (mir fremden) Worte vorhersagt, während der halbe Schlaf noch vor dem Fenster hockt, noch blitzen die Krähen in den Büschen, ich schließe selbst die Augen und dann ist es rot, die Schatten der vereinzellten Häuser ziehen schnell über die geschlossenen Lieder, das Rattern der Räder und die kleinen Äderchen in den Augenliedern, die sich abzeichnen im flackernden Sonnenlicht, Verästellungen, jetzt atmet der Morgen — ich überlege, wie ein Film gemacht werden könnte, der dieses nachzeichnet, dann fallen mir die chinesischen Worte wieder ein die ich auf der Kurzwelle gehört habe, ein paar Tage her, sie legen sich gleich über das Bild dieses Frühlingsmorgens, wie es fortwährend geht, immerzu immerzu kommt etwas neues dazu und stellt sich daneben, zu dem anderen allen. Nun muss also auch das notiert werden. Wie Karl May, von dem ich zugegebenermaßen nie etwas gelesen habe, bezog Kant sein wissen über die Indianer (die bei ihm tatsächlich Indien zu verorten sind, ungefähr), aus der Literatur und nicht durch eigenes Ansehen. Wie die Welt aus Worten zusammengesetzt werden kann. Es fällt mir das Kinderlied ein mit dem Bären, der sich die Haare kämmt, es wurde an eine Tafel geschrieben in einer Fernsehserie, die sich um sechs Freunde drehte, die (schon wieder in New York) in mehreren WGs wohnen und über mehrere Staffeln die Weichen Richtung Vorstadtfamilie stellen, dass es einem ganz übel werden kann. Dort standen die Worte:

Have you ever seen a bear
combing his hair?

Have you ever seen a goose
kissing a moose?

Aus dem Lied „Down by the Bay“ — Schon als ich es das erste mal sah, musste ich an den Kammbär denken — ein unpassender Name für einen Käse. Die Bauchsprache; so in etwa funktionierten die Worte (sie tun es insgeheim ja immer noch so): Ausgehend vom bekannten wurde das Unbekannte hingenommen und zunächst in einen, der allgemeinen Meinung nach falschen, Bezug gesetzt zum bereits bestehenden und manifesten System der Irrtümer. Kopfsteinpflaster: Etwas allgegenwärtiges auf den Stadtstraßen meiner Kindheit, jedoch etwas, dass ich nur dann als vorhanden und unterschieden zu den anderen Straßen erlebte, wenn das Auto über das Kopfsteinpflaster fuhr und alles zu vibrieren begann, die ganze Welt zur Vibration wurde. Das kommt vom Kopfsteinpflaster. Nun besteht dieses Wort, welches also in Verbindung stand mit einem sensationellen, erschütternden Ereignis, aus den drei Worten Kopf und Stein und Pflaster. So hatte das Wort Kopfsteinpflaster meine ganze Kindheit hindurch und eigentlich bis heute einen dunklen, wunden Beiklang, eine Beule am Kopf, vom Stein mit Pflaster. Andere Bären waren Brauner Bär, das Eis auf dessen Verpackung bekanntermaßen ein reitender Indianerhäuptling abgebildet war, der Pfeil und Bogen schussbereit in der Hand hielt und der, ich erinner dunkel die schwache Erklärung dazu, offenbar „Brauner Bär“ hieß, weil die Indianer sich angeblich nach Tieren nannten, und der Schwarze Bär, ein Platz in der Stadt, den wir manchmal mit dem Auto überquerten auf dem Weg zur Schule, den ich in Verbindung brachte also mit erstens dem Braunen Bären (er war gewissermaßen nach dessen Bruder benannt) und zweitens wunderte ich mich, warum ein Platz in Hannover wie ein Indianer heißen sollte, wo doch alle anderen Plätze Kalle hießen oder Stephansplatz, z.B. — tatsächlich ist der Schwarze Bär, wie auch das Kröpcke, nach einem Gastronomiebetrieb, (hier einem Wirtshaus), benannt. Das wusste natürlich lange Zeit niemand, so dass ich großen Respekt vor dem Schwarzen Bären hatte, den ich mir riesenhaft und dunkel vorstellte. Er trägt den Namen noch heute, während die Brücke, die direkt auf den Platz führt, früher nur schlicht „Ihmebrücke“, jetzt Benno-Ohnesorg-Brücke heißt. Auch andere Orte bekamen neue Namen, wie etwa der von meinem Freund T. und mir nur „Kalle“ genannte Carl-Peters-Platz, (Jetzt Bertha-von-Suthner-Platz), weil man offenbar übersehen hatte, dass Carl Peters ein Rassist erster Güteklasse gewesen ist. Bisher hat die CDU noch nicht geäußert, dass sie den Platz gerne wieder umbenennen möchte. Ich erinner mich dunkel an das übliche Hickhack mit der bekannten „Ich sag weiter Negerkuss“– Rhetorik. Indianer jedoch heißen hierzulande immer noch Indianer, in Kanada hingegen Native Americans. In meinem Zimmer hängt ein Bild von einem Indianer, das einst meiner Großmutter gehörte und das Backcover der Zeitschrift Arizona Highways gewesen ist.

Außerdem die Pappe eines Pfeil & Bogen — Spielzeugs und eine indianische Rabenzeichnung, welche die Schwester aus Vancouver mitgebracht hat. Als ich 1992 für drei Wochen in Chilliwack, ganz in der Nähe, war, haben wir in direkter Nachbarschaft zu einem kleineren Reservat gewohnt. Ich glaube, ich habe irgendwo noch ein Foto, auf dem ein Tipi zu sehen ist, über den Gartenzaun fotografiert. Vielleicht finde ich es, dann stelle ich es hier hinein und verweise darauf. Es ist aus derselben Serie wie das, auf welches ich oben beim Ortsnamen verlinke. Gefühlt habe ich damals aufgehört, Fotos zu machen, ich weiß wirklich nicht mehr warum. Vermutlich ist die Kamera kaputtgegangen. Die Bilder, die Jahre später entstanden sind, mit einer Plastikkamera aufgenommen, sind nicht der Rede wert und die sogenannte Liebe hat auch nicht länger gehalten als der Fotoapparat. Jetzt auf dem Umweg über das digitale auch zum analogen Film wiedergefunden, endlich keine Gedanken mehr daran, dass die Bilder größtmögliche Kunstwerke sein sollten. Oder das sie nur mit einer Spiegelreflex aufgenommen überhaupt die Möglichkeit dazu hätten. Das alles ist jetzt egal und ich mache mit allem etwas, was in die wackeligen Hände kommt. Old Shatterhand und das Halbblut Tamagotchi — auch die Verfilmungen der Karl May – Bücher sind an mir vorbeigegangen, was an der technophoben Reformpädagogik gelegen haben wird, die mir zuteil wurde, u.a., a.a.O. — aber dann Seelandschaft mit Pocahontas, vom großen Karl May – Verehrer Schmidt. Rechts neben dem Indianerbild über dem Schreibtisch hängt die Krähe oder der Rabe, der z.Zt. auf meinem Twitter-Profilfoto im Hintergrund zu sehen ist. Links daneben eine eingerahmte 7/Eleven-Tüte, die ist aus Stockholm, wo diese Läden an jeder 3. Straßenecke zu finden sind, wenn mich meine Erinnerung täuscht. Ich glaube es war Douglas Coupland, der gesagt hatte, 7/Eleven’s riechen überall auf der Welt gleich, aber wenn das so ist, dann müssten sie überall auf der Welt nach Zimt riechen, denn so ist das in der Stadt zwischen den Steinen und den Wassern. Unter dem vollkommen hintergedankenlos in einem IKEA-Holzrahmen gefassten Souvenir hängt ein Farbausdruck eines Katalogfotos einer Ölkanne. Das ist eine andere Geschichte. Daneben hängt eine Zufälligkeit, bei der der fehlerhafte Ausdruck den Inhalt hervorragend ergänzt. beobachter02

Darunter dann endlich ein kleines Bild der außerirdischen Katze Dora Emon, welches einmal Teil eines Tassenkartons gewesen ist. Auf Recycling wird verzichtet, es wird einfach alles immerzu aufgehoben. Auch im Kopfe, wo ich nächtens, wie mir in letzter Zeit mehr auffällt, mit den Jahren einige Orte erbaut habe, an die ich zurückkehre wieder und wieder. Natürlich ändern sie ihre Gestalt, wie im Traum alles immerzu unsicher und gestaltwandlerisch sich verhält, aber das architektonische Grundsetting, die Umgebung und oft auch die Atmosphäre, bleiben sich recht gleich. Dort ist die Endhaltestelle einer Straßenbahnlinie, die Bahn fährt hier einmal im Kreis, um sodann die Rückreise anzutreten ans andere Ende der Stadt. Hier gibt es einen kleinen Laden oder einen Kiosk, einmal hatte ich eine Wohnung in diesem Geschäft. Die Rückkehr zu vergangenen Wohnungen ist ein wiederkehrendes Motiv, irgendwo findet sich noch ein Schlüssel und die neuen Mieter sind Jahre später auch noch nicht eingezogen. Mit oder ohne Übernachtungsmöglichkeit — die Haltestelle ist häufig ganz in der Nähe (von was?) gelegen und es lohnt sich oft nicht, dort hinzugehen, weil man auch genauso gut zu Fuß laufen könnte. Ich meine, dass sich am selben Ort auch eine Bushaltestelle befindet. Der zweite Ort, der mir jetzt gerade einfällt, sind in einen Berg oder Hügel hineingebaute Gebäude, die von einem kleinen Wald umgeben sind, der manchmal auch über sie hinwächst. Hier kann man sich sehr leicht verlaufen und landet dann unversehens etwa in der Feuerwache. Auch ist hier oft etwas versteckt, hier finden Veranstaltungen statt oder es ist eine Kneipe oder in der art dort im Inneren der Örtlichkeit. Solche Orte existieren noch mehrere, bestimmt vielleicht 2 oder 3. An den einen Raum erinnere ich mich leider gerade nicht. Die Architekten sollen sich aber deshalb nicht einbilden, ihnen gehörte die Stadt. Dann schon eher den Vögeln, am Ende. Den Himmel eroberten sie bereits zurück von den Dampfflugzeugen! Jetzt möchten die Menschen simulierte Uhren kaufen

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Dampfflugzeug (schematische Darstellung)

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Tiger (maßstabsgetreue Abbildung in 3D) © Ribäck van Bergen

die nur noch weitere Abhängigkeit produzieren, die Kontrolle der Zeit auslagern an ein angebissenes Stück Obst. Die ihnen doch nur ein anderes, weitaus glamouröseres Leben vorgaukeln, mit dem imitierten Herzschlag, ein weiterer Versuch, von dem schwarzen Loch abzulenken, welches uns umtost: Es ist unmöglich, etwas von einem schwarzen Loch abzulenken, es sei denn. Als ich heute morgen aufhörte, im großen Buch über das Radio zu lesen, fiel mir dieser Song von Blümchen ein, eine Coverversion, Herz an Herz, hörst Du mich, SOS ich liebe Dich… weil ich erstens an Heinrich Hertz dachte und dann an Funk und die Titanic und S.O.S. und weil zweitens das Gehirn so funktioniert, was mich zum nächsten dicken Buch bringt, welches auf dem Stapel liegt, bereit zum auslaufen und ich neulich zumindest schon das Vorwort gelesen habe: Gehirn und Dickicht. So ist nicht der Titel, aber darauf steuert es dann hin, soviel steht vermutlich schon fest. Montags geschlossen (außer Feiertage).

beim friseur ins elektrische geschrieben (tw.)

am abend gehe ich durch den april, im schaufenster  vom pavillon hängt ein plakat des theaters, dessen webseite ich betreue. seit jahren nicht mehr selber in einem der stücke gewesen. das liegt an mir und der zeit und ist nicht gut. es ist eine coproduktion einer vorlage von capote. fest vorgenommen, dieses mal dort hin zu gehen.

zuvor mit a. telefoniert (geburtstag), es weht unter der betonbrücke. am raschplatz, neben der treppe zur unteren ebene, dort wo das palo usw sind, eine tote ratte.

während ich auf die schere warte blättere ich in die neue edit, die ich im bahnhof gekauft. wo man nicht überall und zwar hintereinander philosophie studieren kann, usw., london rio tokyo oder so, diese biographien die für sich genommen schon eine aussage sind, die den biographierten so vielleicht nicht gefiele. ich stelle mir meine kleine vita in diesem illustren kreis vor (hannover ferner liefen) und verziehe den mund ein wenig, warum bleibt offen.

am morgen die beiden in der bahn: „wenn ich nachher nachhause komme drucke ich alles aus was ich lernen muss, das sag ich dir aber!“

[Wir kennen uns schon lange]

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Ich habe jetzt — zu allem Unglück — auch noch das alte Handy wiederentdeckt, als Weltentransformator, als Bildergenerator. Denn, seien wir ehrlich, mit der sog. Realität hat das alles noch wenig zu tun, viel weniger aber noch die neuerdings unter dem Makeup sichtbaren Hautunreinheiten der Nachrichtensprecher und -innen, HD sei nein danke. Das führt jetzt aber zu weit und ist ein anderes, unbeschriebenes Blatt. Was mich jetzt gerade froh macht ist, dass ich hier, nach einer langen Weile der Orientierungslosigkeit, wieder so etwas wie einen Rhythmus erkenne und eine Richtung, in die es gehen könnte. Es klärt sich alles. Es wird alles überstanden werden. Davon wird zu sehen sein. Zunächst aber: um 24 Uhr ist Trollfütterung — sie dürfen wieder ohne Ticket rein!

es soll heute schnee geben

Die beiden Männer, die mir gegenüber in der Bahn sitzen, unterhalten sich, auf Englisch, mit einem weichen, afrikanischen Akzent, über Fussball. Ich weiß nicht, ob es an meiner Ignoranz liegt, dass ich nicht ganz folgen kann. Tue so, als würde ich lesen, schaffe während der Fahrt tatsächlich auch 10 Seiten, während sie die Spieler und das Potential durchgehen. Der eine berichtet, dass es deshalb ein paar unpopuläre Spielerentscheidungen gab, weil der Trainer eine Quote hat und die Religionen berücksichtigen will — oder soll — er sagt, 40% seines Landes, my country sagt er, wäre muslimisch und der Trainer möchte, dass sich das in der Mannschaft widerspiegelt. In dem Gespräch tauchen deutsche Worte auf wie „Mannschaft“ und „zweiter Torwart“, Hamburg und Hannover, plötzlich sind sie bei Boko Haram und, der eine wieder, erzählt, dass sie Boko Haram bekämpfen müssten, dass die nicht ins Land kommen dürften, we have to fight them back, dass der Trainer das deshalb genau richtig machen würde. Wie nah alles beieinander liegt. Der andere leiht sich schnell noch fünf Euro und steigt dann aus, in der Kronsberg Area, wo alles für mich tatsächlich etws schwedisch aussieht, die Häuser haben eine ganz ähnliche Architektur wie in diesem Viertel, das wir gesehen haben, als wir auf dem Kanal entlang gefahren sind, in Stockholm. Ganz ähnliche Architektur wie der Wohnblock, in dem der Kommissar Wallander wohnt, in der einen Verfilmung, der hellgelbe Putz und sich am Abend, auf dem Balkon stehend, mit seinem gelbhaarigen Nachbarn unterhält, der eine Halskrause trägt.

So schweifen die Gedanken weit dahin, ich gelange an die Idee von den Städten, die für uns so lange virtuelle Orte sind, bis wir eine Beziehung zu ihnen haben, entweder weil wir Menschen dort kennen, oder weil wir selbst dort gewesen sind. Neulich schrieb ich in einem Brief darüber, den ich vielleicht noch einmal, in Teilen jedenfalls, hier zitieren könnte. Letztes ist also stärker, am besten funktioniert beides. Das die Beziehung, ich komme zum Beispiel New York, weil mir immer dann New York einfällt, ich kenne sehr flüchtig einen Menschen aus Rochester, Rochester im Staat New York, nicht das Rochester wo Dickens geboren wurde und der „Piano Man“, eines schönen Tages, am Strand lag, jedenfalls. Existiert dieser Ort, soweit ich es weiß, nur dadurch, dass ich von ihm berichtet bekommen habe — sehr viel wurde und wird darüber ständig in allen möglichen Medien gesagt, da weiß man immer nicht so genau, wie es mit dieser sog. Realität bestellt ist. Meine Schwester und einige andere aus der Familie, Freundes- und Bekanntenkreis waren schon dort, aber ich bin mir recht sicher, dass es sich dabei um einen anderen Ort handelt. Ich denke an einen weiteren Ort, von dem ich insbesondere durch meine Abschlussarbeit, die u.a. über einen Dokumentarfilm geschrieben wurde, der in Teilen dort spielt, genauso muss es gesagt werden, einen erzählten Ausschnitt kenne, neben den Bahngleisen und die Rolläden, die am morgen die Augen aufmachen, so ist Mumbai ein großer Slum, was es sicherlich auch ist, aber nicht nur, in welchem Menschen mit geschulterten Bioskopen über die Pipeline-Rohre laufen und eine ganze Kinderschar hinter ihnen her, solche Dinge denkend trat ich aus der U-Bahn, gehe über die Fußgängerbrücke auf die Expo-Plaza — es roch bereits ein wenig nach Schnee — und mir fiel dann der zweite Dokumentarfilm desselben Regisseurs ein, es war Michael Glawogger, (eigentlichfiel mir nicht der Film ein, ich dachte zunächst an meine Erinnerung an diesen Ort, ich erinnerte mich an einen großen Platz, der mit Steinplatten ausgelegt war), erinnerte mich an die chinesischen Wasser-Kaligraphen, die dort zu sehen sind, vor einem monumentalen Denkmal, an welches ich wiederum auch auf der Placa de Tetuán in Barcelona denken musste, so geht alles durcheinander und ist in schöner Unordnung, in Barcelona, in diesem Viertel, wohnen auch viele Asiaten, wozu später auch noch etwas gesagt werden soll, aber nicht heute und nicht hier, hier jedenfalls (in dieser Filmszene) sind sie zu sehen, wie sie mit einem breiten Pinsel Schriftzeichen auf den Boden schreiben, die sofort wieder verschwinden, gleich folgt aber das nächste hinterher. Mehr noch als alles andere ist dies ein Zeichen für die Vergänglichkeit und dafür, wie schön es ist, etwas nur um der Handlung willen zu machen, mitnichten folgenlos. An diesem Morgen, kurz nachdem ich aus der Bahn gestiegen war fiel mir noch ein, dass ich Dir noch nichts vom erwarteten Schnee geschrieben hatte und wie es wäre, wenn das die letzten Worte wären, an jemanden, geschrieben z.B. als eine WhatsApp-Nachricht, „Im Radio haben sie gesagt es soll heute schnee geben“.

Komm ins Schreiben,

lass die Scherben liegen, kannst sie morgen auch noch aufkehren, mit dem neuen Eisenbesen. Die letzten Tage an die Ordnung gegeben, auch der kleinen Dinge. Jetzt ist es beinahe wieder zu spät. Jetzt ist es wieder ein Text der von der Verhinderung spricht, so ist der Anfang. In jedem Fall wird er heute noch in die Welt gelassen, es kann sein er wächst noch, in den nächsten Tagen, Stunden. Morgen mit dem Rad eine Besorgungstour. Friseur und Baumarkt, mit Zwischenstopp nur über den Tassenladen, ob das wohl gut gehen kann und weiß eigentlich jemand wieviel Uhr es jetzt Indien ist? Auf zum großen Platz in der noch größeren Stadt, dort steht die große Uhr die nur aus Atomen konstruiert wurde und und und und und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . geht der Kern wenn er zerfällt in tausend Stücke, sie besteht seit vielen Jahren schon nur noch aus verworrenen Ideen, die zu nichts geführt haben, Gedanken über den Mond in einer Winternacht.

Wir beginnen zu enden, verlassen uns auf alle guten Geister, die schon vorausgegangen, die Lage zu erkundschaften, vorwärts rüclwärts seitwärts gewandt, die Füße gegen den dunklen Himmel gestreckt, so kann es kommen. Das nächste wird ein Schaltjahr, die Hand schon am Knüppel.

Zitronenhühnchen | Oma Hans & Oma Emil | Vietnam

Im Unendlicher Spaß verschmäht der junge Held auf S. 1142 (Zitronenhühnchen mit Kartoffelkroketten), um wichtigeren Dingen nachzukommen: landet dann aber wiederum ganz woanders. Auch in der Mensa gab es heute dieses Essen. Am Abend dann, in der Apotheke, die mit bunten Flickentüchern verschleierte Frau, die ein Medikament bestellt und dazu eine Kennnummer auswendig kann, auch hier Assoziation: N.v.D. — Ganz bunt sind die Lumpen mal gewesen, die sie trägt, vermute hier ein bewusstes Verhängnis des eigenen Gesichts, dass nicht zu tun haben muss mit einer Religion, die es erforderlich machen würde. Andere Religionen beispielsweise verlangen das tragen von Perücken. In manchen Ausprägungen. In der Bahn: Die Frau, die mit spitzen Fingern die Längsfäden am Loch in ihrer Jeans ordnet. Immer wieder zupft es und zupft wieder daran herum. Sie hat ganz glatte Haare, ganzb glatter Schnitt am Rand, ist ganz dünn. Die Studentin, die auf Ihrem Handy über abfotografierte wissenschaftliche Texte wischt, es geht ganz schnell, blättert sie 10, 20 Bilder vor bis sie die Seite gefunden hat; Mit spitzen Fingern zieht sie dann den Text auf: Pattern recognition. Der (doch wohl rote?) Luftballon von Oma Emil ist mir noch garnicht aufgefallen. Die beiden Herren (nicht im Bild zu sehen) unterhalten sich derweil über die Häuser drumherum.

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Fahre ich mit Oma Hans und K. Getränke kaufen, K. fährt und Oma Hans singt vom kalten Mammut, dass es eine Freude ist. Die Fenster des Passat lassen sich per Hand runterkurbeln und er ist auch sonst genau so, wie ein Auto sein sollte — Draußen sind es 30° und drinnen sicherlich noch mehr, während all die Fahrten in klimaanlagenlosen Autos in diesen wenigen Augenblicken kondensieren, am Tag der Feier zum 40. (es war der 19.7., genau zu sein). Kann ich hier einen Punkt machen?

Am Sonntag darauf ist es ein heißer und schwüler Tag mit Regen in der Luft gehängt, wir fahren dorthin und räumen drei Dinge auf, dann gehen wir in’s Street Kitchen auf der Limmer. Die Luft (und so weiter, Essen, insbesondere auch der weiße Ventilator auf dem Tresen, neben dem bunten Kassenbildschirm, ein weltweit verkauftes Modell) konstuieren aus Instant-Kristallen ein Bild von Vietnam, überbrücken für wenige Augenblicke die 10.000 Km zw. hier und ebd. Ein Fernseher zeigt ein Musikvideo mit Pixelstörungen.

(Die theoretische Erreichbarkeit Vietnams mit dem Fahrrad)
(Muss ich jetzt an „Saigon Stories“ denken)

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Als wir neulich, nach einer langen Pause, wieder im Schwimmbad waren und ich in Wasser, Chlor und gleißendem Sonnenlicht schwamm, daran erinnern, wie wir hier das erste mal waren und es schneite draußen und war dunkel, vom Schwimmbecken konnte man die wirbelnden Schneeflocken und gelben Straßenlaternen sehen.

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Das Buch ist inzwischen auch abgeschlossen. Das jedenfalls war der Sommer in der Stadt, in das Fass mit Herbst gefallen inzwischen auf dem oben die Blätte liegen und abgesoffen, das Wasser ein wenig merkwürdig riecht. Gänsewein. Was für ein Ende und was für ein furioses Werk, dieser unendliche Spaß und wie schade. Aus purem Egoismus: wie schade! Das Telefon zeigt mir an ich soll Ohrstöpsel kaufen. Kann ich einfach noch einmal von Vorne?

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