[jetzt bereits nachgetragen]

[gestern während der bahnfahrt geschrieben]: am freitag im bahnhof gewesen. presse: wirtschaft und philosophie. hirnforschung. nationalismus (das übliche blut-und-boden gesabber, dem jetzt wieder alle hinterherrennen). die lettre wieder nicht gekauft, edit (toll) und bellatriste (enttäuscht) sind bereits lange gelesen. jinglejangle die münzen in der manteltasche, aber niemand will sie haben. 2001. refugee camp. auf der meile im elysėe, hören die u-bahn unter dem haus fahren.

als ich am 5.1. zur station komme ist das neue jahr schon auf hochtouren, die uhren allerdings um 6 vor 1 stehen still. die ellenbogen noch kuschelweich von den feiertagen — die ersten drei stationen lang. der automat verweigert die herausgabe sowie vorab zahlung. im kröpcke funktioniert.

Komm ins Schreiben,

lass die Scherben liegen, kannst sie morgen auch noch aufkehren, mit dem neuen Eisenbesen. Die letzten Tage an die Ordnung gegeben, auch der kleinen Dinge. Jetzt ist es beinahe wieder zu spät. Jetzt ist es wieder ein Text der von der Verhinderung spricht, so ist der Anfang. In jedem Fall wird er heute noch in die Welt gelassen, es kann sein er wächst noch, in den nächsten Tagen, Stunden. Morgen mit dem Rad eine Besorgungstour. Friseur und Baumarkt, mit Zwischenstopp nur über den Tassenladen, ob das wohl gut gehen kann und weiß eigentlich jemand wieviel Uhr es jetzt Indien ist? Auf zum großen Platz in der noch größeren Stadt, dort steht die große Uhr die nur aus Atomen konstruiert wurde und und und und und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . und . geht der Kern wenn er zerfällt in tausend Stücke, sie besteht seit vielen Jahren schon nur noch aus verworrenen Ideen, die zu nichts geführt haben, Gedanken über den Mond in einer Winternacht.

Wir beginnen zu enden, verlassen uns auf alle guten Geister, die schon vorausgegangen, die Lage zu erkundschaften, vorwärts rüclwärts seitwärts gewandt, die Füße gegen den dunklen Himmel gestreckt, so kann es kommen. Das nächste wird ein Schaltjahr, die Hand schon am Knüppel.

Der Weg ist nun Gewöhnung geworden und ich kenne ihn, kenne die Schlenker die zu fahren sind, etwa an der Stelle im Wald,

er geht so. Nach der Isernhagener fahre ich in Richtung Moltkeplatz, am Bäcker vorbei und an der Sparkasse, die die aktuelle Temperatur anzeigt in roten Digitalziffern und die Uhrzeit. Dann fahre ich in die Waldstraße, dann fahre ich am Lister Stadthotel in die Rühmkorffstraße hinein, kreuze ich kurz darauf die Podbielskistraße. Dann kreuze ich die Walderseestraße und fahre am Lister Turm in die Bernadotteallee hinein, bis ganz zum Zoo fahre ich hier entlang, wo es am Morgen manchmal nach Elefantendung riecht, heute stand ein Traktor mit zwei hoch mit Heu beladenen Anhängern kurz hinter dem Kreisel an der Stadthalle, alle Autos mussten drumherum fahren.

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Kurz hinter der Stadthalle das Congress Hotel am Stadtpark, ein Beton-Quader mit drei Flügeln, dort steht es schon die ganze Zeit über, ich beginne langsam es zu verstehen, in seiner ganzen Zukunftszuversicht. Dahinter dann der Stadtpark. Dort bin ich nie. Hier trifft sich oft eine CDU-Anwälte-Clique aus dem nahen Zooviertel (Hindenburgstraße! Kaiser-Wilhelm-Gymnasium my ass! ) zu zweifelhaften Veranstaltungen im Sinne der Begabtenförderung. Dahinter dann eine Bahnunterführung, rechts dahinter ein ganz wunderbares Brachland, gegenüber auch, der einsame Turm. Ich fahre dann nach rechts über die Ampel, an der Kali Chemie vorbei (die für die grauen Hügel bei Ronnenberg sorgte, so ging die Familienlegende, ich aber konnte nicht glauben das es Salz wäre, denn Salz war schließlich weiß und man kann das Essen damit würzen, warum also sollte jemand eine solche Riesenmenge leckeres Salz auf ein Feld schütten und liegenlassen, ebd.) und dann in die Freundallee. Hier auf der gegenüberliegenden Seite: BKSP oder auch Bahlo Köhnke Stoßberg, Partner inzwischen, Architekten in einem aus den 80er Jahren herausgefallenen Gebäude mit rotem Klinker, weiße großformatige Hausnummer und weiße Stückelfenster mit Fenstergiebel), hinein geht es dann bald in die Bemeroder Straße. Die Brücke über den Schnellweg: Zunächst über die Fußgängerampel und Bahnschienen, dann aus dem Stand die Brücke hochfahren, um den Schwung dann am unteren, hinteren Ende (von hier aus betrachtet) vermutlich an die rote Ampel verschenken zu müssen. Schnellwegausfahrt: Wieder über die Straßenbahn: Links die Kleingärten: Dann unter der Eisenbahn drunterdurch, unter der Autobahn drunterdurch, rechterseits das verwunschene Haus mit den vier Rottweilern, links die TiHo mit der Pferdeskulptur auf der Rasenfläche: Links dann: bald darauf: das Pressehaus, Hannoversche Allgemeine, Neue Presse und die Bildzeitung mit den Redaktionen, Wochenblätter und Sonntagsblättchen, ganze Regenwälder wurden und werden hier bedruckt, immer ausreichend Verpackung für den Fisch von Morgen zu haben. Hier wo ich anfing zu Arbeiten mit 16 Jahren, hier hab ich mir das Geld verdient für einen Flug nach Kanada und später dann einen Teil des Führerscheins. Auch damals mit dem Rad gefahren, dann und wann, es war eine lange Strecke, hinaus nach Davenstedt. (Am Bischofshol die düstere Unterführung, hinter der Bult entlang durch die Eilenriede, dann an der Tiefenriede in die Südstadt hinein, bei dem Edeka Markt Wucherpfennig, wo wir immer in den Schulpausen aufgereiht auf der kleinen Gartenmauer gegenüber saßen, auf den Boden spucken übten und leere Getränkedosen in den Vorgarten warfen, zur Freude aller Anwohner).

 

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Diesen Weg fahre ich heute nicht mehr, sondern kurz nach dem Pressehaus, die nächste Bahnhaltestelle heißt Seelhorster Allee, die es damals noch nicht gab, Bahn und Allee und zum Seelhort führt (genau, ein großer Friedhof ist direkt nebenan), die fahre ich hinunter dann und am Wald entlang, dann an den Hintergärten der Reihenhäuser vorbei, auf der rechten Seite am Morgen das große, graue Hochhaus und die verlassen wirkenden einstöckigen Gebäude davor, an manchen Tagen spielen sie hier Fußball und die Leute in den Rollstühlen spielen am Rande mit. Danach geht es über die Wülfeler Straße, hier ein fährt der Bus 123 und 124 (Haltestelle Lerchenfeldstraße). K19: Der Blick über die an 300 Tagen im Jahr den Vögeln gehörenden Messeparkplätze zum Messegelände: Hier waren Grillen, noch immer in den letzten Tagen: Fußweg ohne Namen neben dem Feuerlöschteich, dem eingezäunten, den sie eines Tages abpumpten: Polizei: War auch dort: Weltausstellungsallee: Dann auf Höhe der Fußgängerbrücke einbiegen: Expo Plaza.

Die Straßenfeger machen gerade Pause.

Deutscher Pavillon mit drei Eichen im Innenhof, als wenn es nicht schon schlimm genug wäre.

3.6., ab 17:56

Als ich an diesem Abend am Jahnplatz aus dem Bus steige, kurvt ein kleines Mädchen auf einem Einrad hin und her auf dem Platz, eine ca. 15-jährige kommt mit zwei ungefähr gleichaltrigen Jungs vom Kiosk an der Ecke, an jeder Hand hat sie einen von Ihnen. Später dann zwei Frauen die sich gegenseitig an Händen halten und in der jeweils anderen jeweils eine Flasche Bier, wie wir auch, auf der langen Bank sitzend, mit 9 auf den Boden rotzenden spanischen Kerlen in Feinripp-Shirts am langen Ende entfernt, in einem Elektro-Rolli fährt ein einziger großer Kopf vorbei an dem Allen.