Stiller Schnee

Kürzlich, mit langem Riss, zersprang
die Zeit: Versuche sie wieder zu fügen
mit Sekundenkleber. Es sind kleine

Splitter, die an den Kuppen der
Finger kleben bleiben, dann alle
Blicke, von Finsternis umrandet.
Ein Rinnsal aus Sand, unumwundene
Stunde, ein (ganz leise nur, als
gelte es, das zu vermeiden) im
Takt der Eieruhr gesummtes Lied
eine Katze wird, in der Plastiktüte,
zum Bahnhof getragen, durch
stillen Schnee im späten Februar.

 

 

Aus den Briefen – 14 –

 

Letzte Nacht habe ich geträumt, neben anderen Dingen, dass ich in einem Dönerladen einen Döner Vladimir gekauft hätte, Special Edition für V. Klitschko. In einem der ersten Träume, in denen die Pandemie eine Rolle spielte, gab es auch einen Döner-außer-Haus-Verkauf. Es sind die letzten kalten Wintermorgen, und auf dem Küchentisch stehen die ersten Tulpen vom Markt.

 

 

 

Aus den Briefen – 13 –

Der Zustand der Welt wird immer schlimmer und macht mir Sorgen. Die anhaltende Pandemie ist dabei eigentlich das kleinste Übel. Das geht vorbei, da bin ich mir ziemlich sicher. Davon abgesehen ist es weiter viel Aufräumen und Putzen, aber an den Wochenenden gibt es Wein und Musik in der Küche. Habe zwar den Türbeschlag noch nicht gefunden, aber es geht voran, klein und klein. Gleich fahren wir mit den Rädern an den Kanal und nächste Woche sieht es damit auch gut aus, erstmal keine Stürme.

Wo oben ist

Neujahrsspaziergang durch den Park und dann hinten am Supermarktparkplatz vorbei. Auf eine Bank steht eine geschlossene Dose Rindergulasch. Es ist weiter zu warm, fast könnte man im T-Shirt spazieren gehen. Die Berliner gegessen zu einer Tasse auf nach ostfriesischer Art zubereiteten Tees. Wir hatten sie in der Silvesternacht vergessen. Gestern noch entschieden, wo bei einem fertigen Bild oben ist. Heute gerahmt. Ein anderes Bild ein wenig weitergemalt.

Und so geht das Jahr nun zuende,

 
es sind vielleicht 13 °C und also zu warm. Windig. Am Vormittag eine Postkarte an K. in den blauen Briefkasten getan, der vor der Änderungsschneiderei steht. Auf der Briefmarke ein bunter Papagei. Der Schneider arbeitet an der Nähmaschine. Noch zwei Pakete weggebracht und eines abgeholt. Darin war eine Glühbirne für die orangene Lampe, sie steht nun auf dem Bücherregal und das Zimmer ist sehr orange. Beim Kiosk an der Ecke drei Bier gekauft. Ein Packen mit zu verteilenden Prospekten ist aufgegangen und sie wurden über die Straße verteilt, dann sind sie nassgeregnet. Dazu neben den Baum am Ende der Straße abgestellter Möbelschrott, so sieht es nun aus. Beim Nachbarn kommen zwei oder drei Gitarrentöne aus dem gekippten Fenster. Ich male nicht an dem Bild weiter, das wird auch heute wieder nichts und das fasst es ganz gut zusammen.