Regenbogen aus Holz

Müde. Treffen mit M. am Vormittag. Vor dem Bahnhof hat ein Kurator aus Hamburg einen Regenbogen aus Holz aufstellen lassen, durch einen ihm bekannten Künstler namens Darko Caramello Nikolic. Als wenn das der echte Name wäre! Zum ersten Mal(!) in der Ernst-August-Galerie gewesen, für ungefähr eine halbe Minute. Sogar bei Starbucks gewesen, aber weder etwas gekauft, noch auf der Toilette, sondern nur kurz in die Schlange gestellt, dann schnell wieder weg, weil Text von M. kam, sie wäre jetzt wieder drin. Oder draußen? Jedenfalls haben wir uns dann getroffen. Drinnen. Sind dann raus. Sind dann in das andere Kettencafé im Bahnhof, weil man dort in der Sonne sitzen konnte, zwischen den Wolken und mit Blick auf den Regenbogen aus Holz, der derweil für eine Photosession herhalten musste.

Der Presseladen ist zu und der andere Presseladen hatte die Edit nicht, aber Compact und Tichy’s Einblick ebenfalls schön zwischen den Satiremagazinen (Titanic, Eulenspiegel, Mad-Magazin) platziert. M. hat die Cosmo gekauft, die jetzt aussieht wie eine Puppenausgabe der Cosmo, für 1,- Euro. Ich habe sie dann noch in den Zug nach Salzgitter gesetzt.

Gestern war ein schöner Tag

Am Abend bis kurz nach 11 auf der Fête gewesen, zum Schluss am Leineufer, wo momentan, wie überall, vieles in einer Baustelle mündet. Der Fluss und das Sommerlicht und das Wissen, dass ein Foto hiervon zu machen sinnlos wäre. Calenberger Neustadt, zum Kiosk, weil der Bierstand nicht genug Limo für Alster eingeladen hatte. Calenberger Straße, am Ende ist der hohe Turm des Ihmezentrums, zu sehen Ihmeplatz 1. Das allerdings wäre über den zweiten Fluss. Wie nah hier doch alles beisammen liegt, letztenendes.

Gleich wird es dann vielleicht doch ein Gewitter geben.

Cortisol Kalenderwoche

Im Radio wurde neulich erzählt, wenn wir Stress haben, dann müssen wir uns eigentlich bewegen, weil unser Primatenhirn dann auf Kampf oder Flucht schaltet. Das Cortisol, welches dabei ausgeschüttet wird, wird durch Bewegung abgebaut. Heute also wieder gelaufen, statt das Cortisol wüten zu lassen. Hilft auch am Abend, dann nimmt man es nicht mit den Schlaf.

In der letzten Zeit denke ich weniger in Kalenderwochen, dieses Strukturierungselement der Zeitmessung verschwand zusammen mit den Tagen des nine-to-five. Nicht für immer, für eine unbestimmte Zeit, die langsam zuende zu gehen scheint, eine unbestimmte Zeit, die deshalb um so besser genutzt oder verschwendet werden möchte, vertrödelte Nachmittage voller Zeichentrickfilme nach Möglichkeit mit einbezogen, ebenso fieberhaftes Arbeiten an alternativlosen Zwecklosigkeiten. Dennoch (also trotz der Zähling in KW) finde ich sehr schön, was Mequito Woche für Woche aufschreibt, nämlich was schön war. Hier etwa KW 12&13.

Den Gürtel endlich enger schnallen

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Ich war auf der Suche nach kleinen Nägeln, mit denen ich kleine Bilderrahmen, die es für ungefähr drei Euros im Drogeriemarkt gibt, an die Wand hängen kann, denn ich habe festgestellt das es mir gefällt, Dinge in Bilderrahmen an der Wand hängen zu haben anstatt nur so mit der Nadel an die Tapete gepinnt. Ich hatte also schon den Werkzeugkasten durchsucht und den Leinenbeutel, in dem die Sachen zur Radreperatur sind und in verschiedene Schubladen hatte ich auch schon geschaut. Eine der letzten Möglichkeiten war die kleine Steingutschale auf dem Schreibtisch, in der allerlei Wichtiges für die Ewigkeit aufbewahrt wird (ein Türspion, Manschettenknöpfe, ein Fahrradknochen usw.). Auch hier fand ich keine Nägel, dafür aber eine 32MB große Speicherkarte, die in mein Nokia 6230i passt und darauf diese Fotos, allerdings nicht aus der Vorgeschichte der Smartphones, sondern aus dem Jahr 2015. Auch ein Video.

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Das war einer der Abende im Atelier in Linden, an denen wir zusammensitzen, Bier trinken und uns unterhalten. Dabei hören wir Musik, häufig von Kassetten. In letzter Zeit hatte ich oft den Digitalrecorder dabei und wir haben die Demotapes von EX+ digitalisiert. Manchmal reden wir auch ein wenig über Kunst.

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Ich mag die unfertige, nichtperfekte Ästhetik dieser Fotos wirklich sehr. Auch das ist so lange schon vorbei, aber, ich schrieb es bereits irgendwohin und werde es wahrscheinlich auch noch einmal schreiben, es war vorbei, bevor wir auch nur annähernd alles damit ausprobiert hatten, was möglich ist.

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In einer der Schubladen hatte ich am Morgen das Werkzeug gefunden, eine Art Zange, mit der ich ein weiteres Loch in den Gürtel stanzen konnte, anstatt etwa einen Nagel zu benutzen (in dieser größe wären welche vorhanden) und dann ein schlimm ausgeleiertes Gürtelloch hinter all den schön sauber gestanzten, aber für mich nicht gut nutzbaren, Gürtellöchern zu haben. Nun kann ich also den Gürtel endlich enger schnallen, wie es von allerhöchster Stelle verkündet & gefordert wird.

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Nuss-Nougat-Creme drauf

Heute für ein Gespräch ausgerechnet zur Stockholmer Allee gefahren. Auf dem Hinweg eine Rezension des Buches „Futur II“ von Ja, Panik in der Zeitschrift Volltext gelesen. Ein Philologe schreibt hier schlaue Dinge dazu, die ich vermutlich auch richtig finde (nur dass der E-Mail-Roman auch nichts wirklich Neues mehr ist, seisdrum), nutzt aber auch gleichzeitig, ganz ungezwungen seiner Natur folgend, die Gelegenheit sein vielfältiges Wissen schön glänzen zu lassen. Wie es schön funkelt. Alles in allem, dafür hat sich der Kauf neulich jedenfalls gelohnt, Heiner Müller nochmal!

Zu zu früh da gewesen, daher noch Fotos gemacht. Wie die Schnurverschlüsse an die Fahnenmasten anschlugen. Später der Regen auf dem Feld.


Seitdem ich nicht mehr dort arbeite, lese ich leider viel weniger, dafür waren die langen Bahnfahrten immerhin zu gebrauchen. Auf dem Rückweg noch ein paar Stationen weiter Stadteinwärts ausgestiegen, um auch hier einige Aufnahmen zu machen. Ein Text dreht sich um diese Gegend, dafür brauchte ich noch ein Bild. Die Namen der Straßen heißen etwa Goldrutenweg oder Ehrenpreisweg! Ich habe in den 10 Minuten zwischen zwei Bahnen 13 Fotografien angefertigt.

Am Aegi in der öffentlichen Toilette wiederholtes Klicken eines Elektrofeuerzeugs in einer der Kabinen.

Als ich bei uns aussteige, gehe ich noch zum Bäcker. Ganz in Gedanken erscheint mir der Weg plötzlich sehr lang, dann fällt mir ein, dass ich sonst ein paar Meter weniger laufe, wenn ich am Morgen aus der Haustür komme. Kaufe dann Croissant statt Kuchen und schmiere am Küchentisch Nuss-Nougat-Creme drauf.

Dann hab ich vor ein paar Tagen dem Eieruhr-Huhn noch den Schnabel wieder angeklebt und es hat auch neue Augen bekommen. Seitdem tickt es zwar nicht mehr richtig, aber das kann sich auch wieder ändern.

Lügen und Propaganda

Anstatt mir gegen den Hunger ein Fleischkäse-Brötchen mit armem Schwein drin zu kaufen, bin ich auf dem Rückweg von Seelze im Hauptbahnhof in den Presseladen gegangen. Die Reichsbürgerpresse wittert eine Verschwörung der Lügenpresse hinter den Bestrebungen, sog. „Fake-News“ zu erkennen und zu enttarnen, entnehme ich einer Überschrift. „Fake-News“ ist mal wieder ein sehr unglücklicher Begriff, denn es sind einfach nur Lügen und Propaganda. Frage mich, warum diese Blätter zwischen Kunst, Kultur und Literatur einsortiert werden, vielleicht Aufgrund ihrer größtenteils fiktiven Inhalte? Habe dann das Philosophie-Magazin, eine mir unbekannte Zeitschrift namens Volltext, die t3n sowie die EDIT mitgenommen und da wär mich ein Fleischkäsebrötchen billiger gekommen. Douglas Coupland hat einmal seine Bücher gegessen, aber das war nicht gesund. Das ist wahr.

Verschollene Freunde und amerikanische Präsidenten

Eine längere Strecke mit einer der neuen Bahnen gefahren, am gestrigen Tag. Lektüre: „Das Schloß“, Kafka, traumhaftes Erzählen, unklare Verhältnisse, aus der Situation heraus entsteht die Handlung, Bier und Wirtshäuser und Schnee. Auch hier hat der Wetterbericht für heute nacht Schneefall angekündigt.

Pfarrstraße Stammestraße, wo ich lange Zeit nicht gewesen bin und auch garnicht mehr weiß, warum ich das letzte Mal dort war. Wenige Häuserreihen vor dem Deich zur Leinemasch. An einem Haus ein Schild, das den Wasserstand 1946 anzeigt, knapp auf Kopfhöhe. Ein paar verregnete Fotos gemacht, die hier nicht gezeigt werden. Eine schöne, bescheidene Gegend die sich nichts weiter einbildet. Kurz bevor die Stammestraße in den alten Dorfkern mündet, muss ich dann abbiegen zu K. und L.

Wolkenhimmel im Küchenfenster, immer wieder Regen. Katzen und Spinnen, die Spinnen haben keinen Hunger, die Katzen haben immer Hunger. Die Katzen essen auch das Spinnenfutter, aber die Spinnen essen kein Katzenfutter. Reden über all die Umstände, die privaten und die weltpolitischen. Verschollene Freunde und amerikanische Präsidenten. Haken in der Decke und wie ich jetzt endlich das alles einmal zu erledigen beginnen kann. Was als nächstes kommt, Käsebrötchen Kartoffeln mit Spinat und Spiegelei. K. „Rauten001“ nachträglich zum Geburtstag geschenkt.

Später hören wir Radio Niedersachsen im Küchenradio, noch später dann Albert Ayler, wie er so etwas wie „Oh Tannenbaum“ spielt auf Free Jazz. K. erzählt, er wurde 34-jährig tot aus dem East River gefischt, die genauen Umstände wären nicht weiter ermittelt worden, er war ja nur ein schwarzer, drogensüchtiger Jazzmusiker. Wunderschöne Musik. Dann noch The Fugs: Nothing. Jetzt ist es auch schon dunkel.

Schneeregen

Als ich heute am Vormittag, tatsächlich mit einer lila Krawatte angezogen, aus dem Hause kam war ein Schneeregen im Gange. Es plätscherte und gluckste im Gulli und vor dem Änderungsschneider an der einen Straßenecke, dort wo das der Fußweg unter Säulen entlanggeht, standen zwei und warteten darauf, dass die Ampel grün würde. Ich ging dann aber ein paar Schritte weiter und stellte mich beim Kiosk unter, um sie nicht weiter zu stören. Als ich dann an der Haltestelle stand und eine Fahrkarte aus dem Automaten zog, hielten sie mir die Tür der eingefahrenen Bahn auf und riefen, ob ich denn einsteigen wolle, ich bedankte mich, nein Danke!, ich nahm dann die nächste Bahn. Hier saß mir ein leibhaftiger Nachfolger Dschingis Khans gegenüber und schaute sich die Fleischangebote in einer Discounter-Zeitungsbeilage an.