Der Schwindel

Der Schwindel, wenn man, mit der Kaffeetasse in der Hand, die Treppe im Firmen-Foyer hochgeht.

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Der Schwindel an der Bahnsteigkante, wenn die U-Bahn einfährt.

Der Schwindel: Vor dem Pissoir stehend, die Wand anstarrend.

Der Schwindel beim Betreten des Druckerraums, wenn einem die Ozonwolke begierig entgegenschlägt.

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Der große Rock’n’Roll Schwindel.

Der Schwindel in der Einflugschneise.

Der Schwindel, wenn man einmal in der Woche nicht auf den Weg schauen möchte, auf dem Weg zur Bushaltestelle, nach Feierabend, und statt dessen in den Himmel.

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Der schöne Schwindel in der Bibliothek, wenn man ein Buch aus dem untersten Regalfach genommen hat, und dann wieder aufsteht.

Was einmal Holz gewesen

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Also eigentlich hätte ich heute über die verschiedenen Arten von Schwindel schreiben können und wollen und vielleicht sogar sollen, aber daraus wird einmal nichts. Morgen morgen nur nicht Heute usw., also. Dann muss ich diese kleinen Kritzeleien herhalten, die ich auf den Rücken der Korrekturtexte austrage, auf der Arbeit, das ist so eine kleine Freiheit die keinem weh tut, außer vielleicht mir. Anstatt sie direkt in den weißen Plastikmülleimer, der für das Papier ist, zu tun, lege ich sie in eine der Taschen meiner Tasche und dann auch noch dazu Zuhause auf den Scanner, als wenn es noch nicht schlimm genug gewesen wäre. Aber so ist das halt, mit dem dicksten Biber der Stadt, alles was einmal Holz gewesen ist, kann noch genutzt werden zum Dammbau, zur Kanalisierung, zur Fütterung der Papiertiger.

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Das Blühen, von dem ja eigentlich garnicht mehr die Rede sein kann

Als ich gestern Abend durch den kleinen Park laufe und meine Runden drehe, da ist der süße Duft der letzten Sommeraromen, die die Pflanzen jetzt noch absondern, aber es ist schon bemerkbar, wie die Anstrengung dabei überwiegt, wie jetzt eine Müdigkeit ist, die Wärme und das Blühen, von dem ja eigentlich garnicht mehr die Rede sein kann, anbetreffend. Wie jetzt das Jahr müde geworden ist und sich den grauen Herbst herbeiwünscht, anstattdessen.

Ich gehe Joggen, wo Alkoholiker ihre Kampfhunde Gassi führen. Auf dem Weg zu den Laufrunden überhole ich einen Mann in Jacket und Schottenrock. Auf den Steinstufen am Rande des Parks sitzten drei bekopftuchte Frauen und dampfen zwei Shishas weg.

Am Morgen sind in den Grasbüscheln auf der sumpfigen Wiese, die jetzt als Gewerbegebiet ausgeschrieben ist, ganz viele von Tau bedeckte Spinnennetze zu sehen.

Aber das Jahr jedenfalls ist müde und neigt sich auf unsicheren, fast schon trunkenen Beinen, dem sicheren Ende entgegen.

Die Stadt gibt sich Mühe mit der Traurigkeit

20170925_182708.jpg – Lister Platz

Auf der Lister Meile im leisen Regen versucht ein Bettler, sich ein paar Euros zusammen zu sammeln, auf dem Rücken trägt er einen Klapphocker mit sich herum. Gleich fängt ein Straßenmusiker an, »My Heart Will Go On« zu intonieren, der vor der Sparda-Bank unter einem knappen Vordach steht, die Stadt gibt sich Mühe mit der Traurigkeit und dem Grau. Wenig später steige ich in den Bus und bin froh darüber, einmal wieder mit diesem Bus zu fahren, durch diesen schönen Stadtteil, ich schaue aus dem Fenster. Schräg gegenüber auf der anderen Seite des Gangs sitzt ein alter Mann, der sich hustet und räuspert als wolle er auf sich aufmerksam machen, aus den Augenwinkeln habe ich vielleicht schon ein merkwürdiges Grinsen gesehen. Eine Frau steigt ein und fragt den Fahrer, ob er weiß, wo die Robertstraße wäre. Was soll da sein? … Eine Pizzeria. … Nein, tut mir leid, weiß ich nicht. … Ach sie fahren ja hier um die Ecke, uh, dann muss ich jetzt aussteigen … dreht sich um und der nach unten gehaltene Regenschirm spannt auf und verhakt sich mit umgedrehtem Schirm unter den Sitzschalen, dann klappt sie den schnell zu, woraufhin dem Mann auch einfällt, dass er hinaus muss und er geht ihr hinterher. Er hat einen mintfarbenen, mechanischen Schmutzaufnehmer dabei, ich sehe es jetzt erst, als er den Bus verlässt.

Heubüschel vom Himmel

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Heute auf der Arbeit schwebten minutenlang Heubüschel vom Himmel hinab, ich konnte garnicht aufhören, mir dieses merkwürdige Schauspiel anzuschauen und zu denken solang es keine Frösche sind. Die Stellfläche des Logistik-Unternehmens gegenüber war gesprenkelt von diesen unverhofften Schwebeteilchen.

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Die Mutter schickt per Textnachricht die Meldung hinüber, sie habe Bolognese und Huhn eingekocht.

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Einer dieser Tage also, an denen der Himmel so hell erleuchtet ist, dass sich das müde Herz überlegt, vielleicht doch gleich zu sterben, weil es besser nicht mehr werden kann. Wie in jedem Sommer mehrmals, je nach Sommer.

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Der Bussard, der noch nicht vertrieben ist im neu entstehenden Gewerbegebiet, umkreist die langsam abwärts gleitenden Fremdkörper.

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Am Abend endlich an der Noltemeyerbrücke gewesen; Das der Friseur mich nicht mehr vorlassen wollte, war nicht weiter schlimm, die Gegend war wie eine andere Stadt und der Mittellandkanal. Eine neue Filiale eines Pizza-Franchise feiert sich noch selbst mit bunten Ballonen und einem schönen Fettgeruch, der das Gefühl der Fremdheit nur verstärkt, dass ich hier habe und gut finde. Unverhoffterweise ergeben sich neue Zusammenhänge und Knotenpunkte allerorten.

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Fast wie Blasen im Raum erscheinen Déja-vus, als könnte ich mich innerhalb der wenigen Meter, die sie beinhalten, bewegen wie in einer anderen Welt, würde ich es nur wagen.

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Aus der Mieterzeitung habe ich einen Artikel ausgeschnitten, in welchem über ein 19-stöckiges Gebäude in einer dieser vollkommen unbekannten chinesischen Millionenstädte berichtet wird, in welchem im sechsten bis achten Stockwerk eine S-Bahn-Station eingebaut wurde.

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Ich glaube das war das letzte Fragment, nach dem ich noch suchte, bevor dies hier veröffentlicht werden konnte. Falls ich mich geirrt haben sollte, wird mir dies sicher im Morgengrauen einfallen. Dann wird es auch gut sein.

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Historische Bauten aus einem untergegangenen Land

Als ich gestern mit der Straßenbahn aus Altwarmbüchen zurück in die Innenstadt fuhr, auf der Noltemeyerbrücke, da kam gerade ein Schiff den Kanal hinaufgefahren in Richtung Anderten/Schleuse. Froh darüber gewesen, dass der Mittellandkanal durch die Stadt gebaut ist und ich aus der Straßenbahn hinaus die Schiffe sehen kann, wenn denn gerade einmal eines zu sehen ist. Das war so ein Moment wie wenn in Berlin eine Straßenbahn durch ein Haus hindurchfährt.

Während ich das hier schon schreibe, also nachdem ich den ersten Absatz geschrieben habe, die Schlafanzughose angezogen, zwei T-Shirts, 2 Paar Socken und eine Boxershorts auf den Heizkörper-Wäscheständer gehängt, denn auch wenn der Balkon durch den darüberhängenden Balkon überdacht ist, wird die Wäsche beim wiederum andauernden Regenfall einfach nicht richtig trocken draußen. Das Notizbuch gesucht, denn während der Fahrt habe ich gestern auch ein paar krickelige Notizen aufgeschrieben, die ich nachlesen möchte.

Wohnpark Altwarmbüchen. Besteht aus gleichförmigen Häusern mit Fassaden in Brauntönen. Es sind historische Bauten aus einem untergegangenen Land. In den umgebenden Einfamilienhaus-Clustern gibt es offenbar einen Trend, mit exotischen Baumgewächsen anzugeben.

U-Bahn-Station Kröpcke, Ebene -1 (Verteilebene)

Den halben Tag in Bankgeschäften unterwegs gewesen, gezwungenermaßen. Mit dem neuerworbenen Monatsticket etwa zum Kröpcke gefahren, dort die Türen der Filiale verschlossen vorgefunden, dann wieder nachhause, um später noch einmal den gleichen Weg zu nehmen. Auf dem Rückweg über Niedersachsenring und mit Bier für ca. 5 Euro, Schuhen für ca. 150 Euro sowie Medikamenten für ca. 3.600 Euro bepackt nachhause gelaufen. Das Bier wird z. Zt. getrunken und was davon ausgedacht ist, kann sich jeder selber ausdenken.

Die Geschwindigkeit von Schall

Heute in der Nacht, als ich das zu Schreibende soweit vorangebracht hatte, dass ich zufrieden war, obwohl ich nicht im Geringsten weiß, ob es so funktionieren kann, da hatte ich noch einen anderen Text auf den Fingerspitzen. Der jedoch ist nun verschwunden, weil ich ihn nicht gleich in einen Artikelentwurf hineinschrieb. Aber das macht nichts. (8. Juli)

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Luftröhre, Sonne, Knollenblätterpilz,
Glaube Liebe Hoffnung,
fünf gefaltete Adressaufkleber und eine Meerschaumpfeife:
1 Fach, in welchem 2 finger­lange Engel hausen.

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Immerzu wollen Verbindungen herstellen, dabei können auch Dinge einfach so beeinander stehen und müssen nicht das Geringste miteinander zu tun.

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Was es für Bilder sind, die einen in den frühen Schlaf begleiten, wenn im Fernsehen noch eine Sendung über z.B. Supernovae läuft.

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Das Bild habe ich mit Textmarker und Edding auf den Umschlag gemalt, in dem der Steuerbescheid für das Jahr 2016 mich kürzlich erreichte. Es ist für den Preis von 519,- € zu erwerben (Rahmen von Rossmann inkl.)

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In einem weiteren Traum, letzte Nacht, folgende vertrackte Raumsituation: Wir waren umgezogen in eine neue Wohnung und ich ging, nachdem wir bereits eingezogen waren, zum ersten mal in den Keller. Der stellte sich als sehr geräumig heraus und aus einem großen Giebelfenster hatte man einen schönen Blick auf den Maschsee. Das erklärte sich daraus, dass das Haus kompliziert an den Hang gebaut war. Jedenfalls war hier alles sehr wohnlich, vor dem Fenster befand sich ein Bett und es stand auch ein Bücherregal an einer Wand, welches diverse großformatige Fantasy-Chicken enthielt. Das alles waren Dinge, die wir vom Vormieter überlassen bekommen hatten. Leider stellte sich heraus, das in einem über Eck mit dem anderen Raum verbundenen Teil des Kellers statt einer Wand ein Absperrband zu finden war, welches den Keller von einem benachbarten Markt abtrennte. Zuerst war nur ein Angestellter dort, der etwas verwundert war, mich zu sehen und dem ich noch erklären konnte, dass wir jetzt die Wohnung inkl. Keller gemietet hätten. Der Vormieter hatte nämlich diesen Teil des Raums dem Markt überlassen, der ihn als Verkaufsfläche oder Lagerraum nutzte. Jedoch gehörten auch alle sich hier in den Regalen befindlichen Bücher desselben Formats wie in unserem Regal nun uns, dessen war ich mir sehr sicher. Ich weiß, dass ich auch hier wieder mehrere der Titel las, aber ich kann mich nach dem Erwachen wiederum an keinen einzigen erinnern.

Ich überlegte noch, wie ich es anstellen könnte, diese unschöne Situation mit der offenen Wand bspw. mit Rigips-Platten zu beheben. Der Markt hatte aber inzwischen geöffnet und bald kamen die Kunden auch in unseren Teil des Raums gestapft, so dass ich meine liebe Not hatte, ihnen begreiflich zu machen, dass dieser Teil ab sofort nicht mehr zu dem Laden gehörte. Zum Schluss schrie ich einige an, sie sollten jetzt hier verschwinden, kam dann aber auf die Idee, schnell ein paar Schilder aufzuhängen, die ich z.B. mit einem dicken Filzstift schreiben wollte — ab sofort gesperrt, Privat, bitte nicht betreten usw. – es fand sich aber auf die Schnelle weder der passende Stift und statt Papier lag auch nur ein Stapel alter Tageszeitungen in einer Ecke auf dem Boden, auf denen ich diese Hinweise wohl nicht glaubwürdig würde notieren können.

Aber der Ausblick auf den See war wirklich sehr schön. (23. Juli)

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Mit dem Finger so Linien nachzeichnen wie bei ganz nebenbei angefertigten Telefonkritzeleien.

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In dieser Nacht gab es glaube ich auch ein Gewitter. Mir kommt das widersinnige an dem Wort „Blitzlichtgewitter“ in den Sinn, denn warum sollte an einem Gewitter betont werden, dass es blitzt? Es ist wohl vielmehr ein Wort, in dem das Phänomens der Blitze deshalb betont wird, um zu behaupten, dass es sich, trotz des fehlenden Donners, doch um ein Gewitter handele.

Ich zähle, 21 — 22 — 23 –, wie weit entfernt der jeweilige Blitz niederging, während ich inmitten des Spektakels liege. Die Mutter hatte mir einmal erzählt, dass jede Sekunde einen Kilometer Entfernung vom Blitz bedeuten würde. Der Schall hat aber ja eine Geschwindigkeit von ungefähr 340 m/s, was bedeutet, dass der Kilometer mit drei Sekunden gezählt werden müsste. Auch daran habe ich gedacht.

Die Schallgeschwindigkeit in trockener Luft von 20 °C beträgt 343,2 m/s (1236 km/h).

Der merkwürdige Gegensatz zwischen dem so plötzlich sich ereignenden Blitz und dem dann später, also je nachdem, aufgrollenden Donner, bei dem ich bestimmt hören konnte, wie er sich von einem Horizont zum anderen ausbreitet und dabei nach allen Seiten ausdehnt, sich gleichzeitig aber verändert und dann, zum Schluss, fast unmerklich langsam wieder verschwindet.

 

 

 

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Heute am Morgen, auf dem Weg zur Bahn, rollt mir am Hochbahnsteig ein Mann im Rollstuhl entgegen, der offenbar aufgrund seiner Körperfülle nicht laufen kann. Er spricht mich an, Entschuldigung, wissen Sie ob hier ein Optiker in der Nähe ist? Ich habe nur eine Vage Ahnung, deute in eine Richtung und sage ihm das so. Seine Brille ist aus hellbraunem Glas. In der Bahn einer mit einem ROllator, am Hauptbahnhof auf dem Bahnsteig, wo ich zehn Minuten warten muss, weil ich wieder viel zu früh dran bin, steht einer mit einem sehr großen Elektroscooter in dunklem Rot. Alles kann ein Zeichen sein, etwas bedeuten.

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Gerade, beim fertigstellen der Blitz-Illustration im Grafikprogramm, starkes Déja-Vu über mehrere Sekunden. 21 — 22 — 23 —

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Geburtstagseinladung von T. via WhatsApp-Gruppe / Bei Doctor Who tatsächlich in dem Augenblick weggenickt, als gerade alle aus vollen Rohren auf den Dalek schießen / Nach dem Termin geschaut, wie weit es mit dem Fahrrad wäre und wie man gut dahin kommen würde. Es wären 15 Kilometer, einen guten Teil der Strecke (bis kurz nach der Noltemeyerbrücke) könnte ich am Kanal langfahren.

Der Bär

Der Traum mit dem Bären, da saß ich glaube ich im Bus und an der Straßenkreuzung Kopernikus / Weidendamm saß oder stand ein brauner Bär auf dem Bürgersteig. Ich fragte mich, ob das denn wohl bei der Stadt bekannt wäre, dass hier jetzt Bären frei herumlaufen, da sah ich erst, dass der Bär angeleint war und es jemanden gab, der ihn hielt. Da tat der Bär mir leid.

In dem anderen Traum war es jedenfalls so, dass ich mit N. in Paris studierte. Die Universität in Paris ist bekanntermaßen ein sehr langes Gebäude, welches unterirdisch über mehrere hintereinanderliegende Métrostationen erreicht werden kann. Wenn ein Seminar sehr weit von dem anderen entfernt ist, nimmt man in der Pause die Métro, die also parallel unterhalb des Gebäudes verläuft. Ich war jetzt aber schon an der falschen Ecke und musste dringend zu der Veranstaltung, da entschloss ich mich, weil ich der Meinung war, es würde dann schneller gehen, zu Fuß zu laufen. N. hatte mit dem weiteren Verlauf nichts weiter zu tun, es war nur zu Anfang wohl so, dass klar war, dass sie auch hier studierte. Der Weg führte zunächst an einer recht viel befahrenen, wohl dreispurigen Straße entlang. Hier stand auch ein Haus mit einer großen Wandbemalung vom Erdgeschoss bis hinauf zum Giebel, ich meine, das Bild zeigte ein Portrait in einer an Comics erinnernden Ausführung. Am unteren Ende der Wand befand sich allerdings eine Klappe, oder es standen schwarze Müllcontainer davor, die großen mit den Rollen, und die Klappe war an diesen Containern. Darauf waren jedenfalls Gedichte geschrieben, die auf meinen Twitternamen verwiesen auf irgendeine Art, das Pseudonym war entweder in der Überschrift enthalten oder in einer Widmung oder ähnlichem.

Natürlich waren diese Gedichte Text und ich konnte sie auch lesen, aber ebenso natürlich, das ist leider immer so, konnte ich mich nach dem Erwachen nicht mehr an den Inhalt erinnern, nur an das Detail mit dem Twitter-Namen.

Ich lief dann ein Stück weiter und verlies die große Straße, indem ich nach rechts in eine viel kleinere Nebenstraße, die sich schräg von der Hauptstraße entfernte, einbog. Mir war klar, dass ich dadurch das eigentliche Ziel, nämlich rechtzeitig (oder überhaupt) zu der Vorlesung zu gelangen, aus den Augen verlor, aber ich musste jetzt diesen Weg gehen, das war genauso klar. Es war ein wenig düster hier, die Häuser waren dunkelbraun gestrichen und aus gelben Butzenfenstern drang dunkles, gelbes Licht. Busch und Baum überragten Mauern und hingen in die Straße herein. Ich ging dann in einen Friseursalon, um mir die Haare schneiden zu lassen, als ich aber auf dem Stuhl saß, überkamen mich Zweifel, ob meine Französischkenntnisse ausreichen würden, um hier zu einem für mich guten Ergebnis zu kommen, so verließ ich den Laden wieder. Wir gingen weiter durch Montmartre, denn natürlich war es dieser Stadtteil und wie zur Bestätigung ergab sich eine kleine Treppe in einer Seitengasse der kopfsteingepflasterten Straße. B. war inzwischen auch mit dabei, der eigentliche Zweck des Gehens vollkommen vergessen. Wir wunderten uns, dass überhaupt keine Touristen unterwegs waren, ich war aber auch erstaunt, denn im großen und ganzen erinnerte mich das alles eher an eine Kleinstadt im Harz. Am Ende der Straße sah ich die Flügel einer Windmühle, dass musste dann wohl das ‚Le Moulin Rouge‘ sein, dort jedenfalls würde es ja von Touristen nur so wimmeln, dachte ich.

[Aufgew.]

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Übernächtigt heute in die Zone 2 gefahren. Am Stadtrand erschien mir alles provisorisch. Ich erinnere mich, dass ich mich fragte, warum an dieser Stelle die Buslinie 124 endet. Gegenüber hat jemand einen Düsenjäger an einer im Boden steckenden Stange befestigt. Lauert hier endlich eine weitere Depandance des Instituts für Angewandten Surrealismus? Ganz in der Nähe auch wo die Panzerknacker wohnen. Dann zwar mit Bus und Bahn zurück gefahren.

Am Nachmittag dann von 13 Uhr bis wohl 13:45 Uhr, also ungefähr, geschlafen.

Regenbogen aus Holz

Müde. Treffen mit M. am Vormittag. Vor dem Bahnhof hat ein Kurator aus Hamburg einen Regenbogen aus Holz aufstellen lassen, durch einen ihm bekannten Künstler namens Darko Caramello Nikolic. Als wenn das der echte Name wäre! Zum ersten Mal(!) in der Ernst-August-Galerie gewesen, für ungefähr eine halbe Minute. Sogar bei Starbucks gewesen, aber weder etwas gekauft, noch auf der Toilette, sondern nur kurz in die Schlange gestellt, dann schnell wieder weg, weil Text von M. kam, sie wäre jetzt wieder drin. Oder draußen? Jedenfalls haben wir uns dann getroffen. Drinnen. Sind dann raus. Sind dann in das andere Kettencafé im Bahnhof, weil man dort in der Sonne sitzen konnte, zwischen den Wolken und mit Blick auf den Regenbogen aus Holz, der derweil für eine Photosession herhalten musste.

Der Presseladen ist zu und der andere Presseladen hatte die Edit nicht, aber Compact und Tichy’s Einblick ebenfalls schön zwischen den Satiremagazinen (Titanic, Eulenspiegel, Mad-Magazin) platziert. M. hat die Cosmo gekauft, die jetzt aussieht wie eine Puppenausgabe der Cosmo, für 1,- Euro. Ich habe sie dann noch in den Zug nach Salzgitter gesetzt.