werkzeugen

versammelt, geheftet auf
die seiten, wände, ein
langgezogenes eselsohr
zur erinnerung & das
merkwürdige gerät um
wasser abzuwägen, um
wieviel dünner es ist —
im vergleich

ungezählter abwesenheiten
in den dingen, die noch dort.

stumme diener //  offenbar
zwischen nut und federkiel.

——————————————————

Dies ist ein Rezensions-Gedicht zu Stefan Heuers Gedichtband „werkstatt“, erschienen bei Parasitenpresse.

20150414_155828

kartoffelkatze

noch schläft das
dicke katzentier
am seidenen, faden,
morgen.

schnitz dir ein
kartoffelherz
leg es in die suppe
(neben das salz)

& der rosenkohl duftet
wie der kaninchenstall
im garten der freundin +

endlose von innen
leuchtende nachmittage
(mit bugs bunny auf dem
sofa) sitzend (bezogen
mit grünem cord)

im wohnzimmer der oma,

die tulpen riechen noch
nach packpapier.

Wann ist das passiert,

Wann ist das passiert, dass dieses andere Wesen, dieser andere Mensch, der jetzt ganz Du geworden ist, in Dich hineingekrochen ist und dann, von Innen heraus, in Deinen Körper hineinwuchs? Und mit Deiner Zunge spricht und mit Deinen Händen die Dinge berührt und die Menschen, mit Deinem Kopf denkt, während Du nur noch ganz wenig Raum hast, in Dir selbst.

Wann genau war das in der Zeit, in der wir uns noch kannten und bis wir uns mal wieder getroffen haben. Die bange Frage dabei, ob es Dir mit mir genauso gehen könnte.

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 Mit geblümtem Papier
ausgeschlagene Schublade
Küchentischs. Gummibänder,
Flaschenöffner, Schulhefte
vollgeschrieben mit
vergossener
Milch

Heizungsentlüfter, Strohhalme
mit einem Knick wie das Ofenrohr
bevor es in den Schornstein ragt.


(Version 1)

a deep

deep fried in the
hinterland of your best
wishes, safe harbour
everyone, left alone.
gallopping fragments of
time. take a deep.

 

Nun schreibe ich Gedichte auch auf English, nachdem vor Jahren/Zehnten bereits ein paar Songtexte entstanden, die hier nicht weiter behandelt werden werden. Warum das gemacht wird ist, dass es diese neue Anwendung für das Smartphone namens plague gibt, auf welcher z.Zt. noch hauptsächlich international getextet wird. Nun handelt es sich leider um die üblichen Bonmots und Albert Einsteins, die man gleich nach unten wischt, nicht etwa weil sie unwahr wären, sondern weil sie zu einfach sind und ganz abgenutzt. Hier Poesie in die Welt zu schicken bedeutet, den Raum des Scheiterns der eigenen Kunst ungeahnt vergrößern zu können. Auch sind die Einschränkungen, die das Medium sich auferlegt hat (140 Zeichen, keine harten Zeilenumbrüche, keine Absätze) eine schöne Formvorgabe. Das Gedicht oben ist eines davon. Eines ist leider schon im digitalen Vergessen verlorengegangen. Das war die englische 140-Z. Version dieses Textes:

 

die butterdose, verkleidete tasse
hinterm haus kaninchen
von der farbe

brauner nasser strandsand
auf der kahlen grünen wiese
dahinter der deich, dahinter
die schöne graue wolke
des ganzen tages

Der an einem Morgen der Winterreise vor Weihnachten entstanden ist.

Weitere poetische Praxis ist es ja bereits seit eine Weile, das Tool Pastie zu nutzen um unverhoffte Texte zu deplatzieren. Hier was ich gerade dazu gefunden habe:

 


Novemberhitze

Lass die Katzentür blos offen
das bärtige Herz
klebt Dir Prilblumen
an die Therme

Oder dieses Haiku o.ä.:



train in the distance
dog barking in the moonlight
bark copyright by dog

Die sind entweder privat markiert und nur über den Link zu verbreiten, oder sie erscheinen auch in der Timeline zwischen all den Codefragmenten und Wegweisern zu den Hintertüren und ins Darknet. So gelangt das Blog an dieser Stelle auch wieder ein wenig zurück zu der Namensgebenden Idee, die genau auf diese Schnittmengen von Sprache und Code anspielte. Das hiermit, also mit dieser Seite coderwelsh.de, einmal etwas ganz anderes und doch recht betrachtet ziemlich ähnliches geplant war. Dazu schreib ich vielleicht, wenn mir also danach sein sollte und ich die Zeit dazu finde in einem Schuhkarton unten im Regal,

Was allerdings mit dem Haufen Disketten, der hier liegt, noch passieren wird, weiß ich heute noch nicht zu sagen. Dies alles sind Versuche, auch die Sache mit den Disketten, die der „Verhinderten Kunst“ zuzuordnen sein könnten. Was das genau ist weiß ich auch noch nicht, es ist nun erstmal ein ausgedachtes Wort. Dinge, die zu vervollständigen wären, die zuende gedacht werden müssten, was aber nicht gelingen kann, weil die neue bescheuerte Idee schon an der nächsten Straßenecke auf der Lauer liegt und die Zähne fletscht. Weil die Zeit wie immer in Mangelhaft sitzt, neben der Chinesischen Wäscherei. Weil der Alltag zersetzt wird durch die Lohnarbeit für den Hypercommerce, ihm die ganze Rechenleistung zuzuschlagen. So könnte also ein noch zu beschreibender, zu verortender Ausweg gefunden werden und die Hoffnung stirbt zuletzt. 2015 ist übrigens garkein Schaltjahr.

Auf der Arbeit

 höre ich Deutschlandfunk über das Handy. Jemand hat ein irres Smiley auf den Verteilerkasten vor der Mensa gemalt, in Feuerwehrrot, was mich sehr freut. Ich höre so gerne Radio, was erzählt wird, Nachrichten und Reportagen auch. Am Montag schaltet Der NDR die Mittelwellensender ab, wie schade [*]. Auf dem Nachhauseweg lässt sich der Bahnfahrer in der Station Hauptbahnhof Zeit, die Türstörung zu beheben: Jetzt können Sie gleich alle wieder aussteigen … hab erst um ein uhr fümmenzwanzich feieramd mir ist egal wie lang wir hier stehen … muss da ja erstmal rankommen dann fahren wir gleich garnicht weiter weil die tür nicht zugeht … umdie störung zu beheben …. Am Vahrenwalder Platz aussteigen, tritt nicht in die weiße Junkiekotze da vor der Sparkasse, bei Rossmann liegen Fotos für mich.

Eine der schönsten Aufnahmen, gleich die erste auf dem Film, ist ein Foto vom Strand, vom Meer, schwarz-weiß, jedoch ein Fussel auf der Linse, der auch sehr gut zu sehen ist.

[*] Dies markiert eine Stelle, an die vielleicht später noch etwas hinzugefügt werden kann, darüber das wir dann ja jetzt die Mittelwelle kapern können, wenn niemand sie mehr braucht und darüber, dass es gefährlich sein könnte, sich nur auf ein Medium zu verlassen, denn das Internet muss auch nicht immer da sein, das Internet kann durchaus auch für längere Zeit ausfallen, so wie die Dinge stehen, usw.

seit dem gelange ich immer

wieder (an diesen ort), fahre ich mit der linie 6, nachdem umzug, dort hin in diese andere welt, die es nun noch einmal geworden ist: lebendiger, inzwischen wieder, doch nicht weniger außerhalb des eigentlichen stadt. ein team der stadtreinigung ist nur damit beschäftigt, so scheint es mir, die plaza sauber zu halten. jeden tag shuffle shuffle häusle baue. sie stehen zur lagebesprechung, auf ihre besenstile gestützt, auf dem boden biegt sich die frisur des bekannten internetexperten und ein pferd mit lila flecken wird hier auch spazieren geführt. dann

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die stockholmer allee, die mich immer wieder, ich frage mich wie lange es noch andauern kann, noch einmal ganz aus der welt herauslöst und woanders hinsetzt, während natürlich die schatten auf den innenwänden der straßenbahn wandern, drehen sich draußen auf dem kronsberg die windmühlen.

Die Schweizer Minze blühte bald auf dem Balkon.

und bis fast ganz an den anfang dieser verzettelten aufzeichnungen geht mein eindruck von diesem ort. ich war hier ein einzelner unter gleichen, musste mir einen bart wachsen, die zusammengebissenen zähne zu verbergen, die stunden oft ein einziges gutemienenfeld.

heute fiel mir dann ein stück des weges wieder zu, denn es soll ja mit dem fahrrad gefahren werden. bis bischofshol kommt man eigentlich in der eilenriede. das weiß ich deshalb, weil einer meiner ersten jobs sich in der druckerei der hiesigen zeitung ereignete, wo ich (ich meine für 10,25 DM die stunde) werbekataloge in die bildzeitung legte an der großen maschine. viel hat sich dann ja nicht geändert, so gesehen. auch an diesem haus fährt die linie 6 (damals noch nicht) vorbei.

[zwei wochen später dann]

man fährt einen neuen weg immer nur zwei mal. einmal hin und einmal zurück. so geschehen am letzten freitag, in jedem fall. ausgedehnetes gefühl out-of-city auch jetzt, als ich plötzlich am schlachthof die verwunschene straße entlangfahre, mich hierher verfahren habe, doch die riesenmaschine kennt den weg auch nicht genau denn die durchfahrt zum bischofsholer damm ist mit schranke und kamera gesichert. hoffnungslose bürotürme werden wacker weiter beworben, wer hier einzieht und die hoffnung. die hunde auf dem kronsberg, die deutschland-flaggen an den fahnenmasten in der straße, die mich so sehr an ein traumbild erinnert, in dem es ansonsten von gartnezwergen und model-windmühlen nur so wimmelte. es sind grillen, denke ich auf dem rückweg, als ich an den wiesen entlangfahre, die an 3 wochen im jahr der messeparkplatz sind und weiß sofort, was dies bedeutet.

Haiku in der Zwischenablage

Ich hatte ein paar Zeilen geschrieben, die an eine andere Stelle kopiert werden sollten, bin dann aber einen Tee kochen gegangen und (irgendwie) spontan zum Einkauf — den ganzen Weg über musste ich dann an das Haiku in der Zwischenablage denken. Wie es an keinem wirklichen Ort ist, wie es sich zwischen den Dingen ereignet.

Abends stehe ich im Schlafanzug auf dem Balkon und hänge die Wäsche auf, gieße die Blumen. Die kühle Abendluft.

Sternenstaub, welch schwacher Trost.