kneipengeschichte

als ich (gestern) am morgen unterwegs war zum training rettungswageneinsatz in dem haus, in dem der vater und die oma früher gewohnt haben. die straße ist bei uns um die ecke. wörtlich zu verstehen. große straße. sie haben mindestens zwei mal an großen straßen gewohnt. der rtw steht vor der kneipe, die unten im erdgeschoss sich befindet (»old inn«). erinnere mich, dass vater mir einmal erzählt hat, als wir im auto an dem haus vorbeifuhren, dass dort auch schon eine kneipe drin gewesen ist, als er noch dort gewohnt hat. aber die hieß damals anders. rotierendes blaulicht. es ist kurz nach 9 uhr.

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beim wertstofhof und trainieren gewesen, einkaufen. hatte ja die pappkiste mit den kabeln und netzteilen bereinigt und die kiste ist jetzt altpapier. »skrivbordslampa« war darauf gedruckt. die hatte ich 2009 in stockholm gekauft und sie steht noch auf dem schreibtisch. die letzten sonnenstrahlen liegen auf dem giebel des hauses hinterhof gegenüber. noch stehen tomatenreste mit zwei verwaisten früchten in der ecke nordbalkon. das war der vorletzte tag, soweit. [30.12.25]

alles was ist ist manisches texteschreiben

 auf dem handy im bus. zwei unterhalten sich weil einer den einfall hat sich ein tattoo stechen zu lassen, er wird von seinem freund irgendwie da reingequatscht und hat auch keine rechte idee für ein motiv, dann mach doch so das geburtsdatum von deiner mutter und dann noch was mit familie und christentum oder so, das sieht dann richtig fett aus. der freund ruft dann direkt im studio beim tatöwierer an. wie lange dauert es einen schriftzug, zum beispiel family, zu machen, auf dem oberarm, so in schreibschrift. so schön geschwungen. im briefkasten liegt dann ein jämmerlicher werbebrief von der bank, die adresse angeblich mit der hand geschrieben. du also ich bekomme ja schon fernweh nur weil die haltestelle gorch-fock-straße heißt. der schnee der kommenden nacht hängt schon im schweren himmel, der kanal führt eis, so sagt man wohl. [4.2.26/5.2.26]

wird sich noch zeigen

Rasieren vor beschlagenem Spiegel und wie sehen die Schuhe aus, nimm eben das Küchentuch aus dem Papierkorb, mit dem Du gestern das Croissant gegessen hast und wisch das Leder ab. Sagst Du dann auf dem Fahrrad den Krähen guten Morgen einer nach der anderen und wie es sich gehört. Was der Tag bringt, das wird sich noch zeigen. [17.9.25]

Wo hatte ich den Gedanken verloren?

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Über den Bahnhofsvorplatz wehen Nebelschwaden. Von Laternenpfählen aus schielen Faschisten hohläugig auf die Macht. Die Feinde der Menschheit bündeln ihre Kräfte. David Lynch ist gestorben. Hat er’s auch hinter sich, bevor alles noch viel schlimmer wird. Das Wetter ist ganz nett, von der Witterung her gesehen. [17.1.25, ca.]

Nachtragungen aus den Tagen

Aufschrift auf einem Transparent an einem Zaun in Altwarmbüchen: »Gans to go: GAN„S“ EINFACH ZUHAUSE GENIEßEN“«. Schneeregen. [19.11.24]

Am Abend leichte Hoffnung, selbstverständlich vollkommen unbegründet, aber wie ein kleines Summen in der Luft, welches zwischen den einzelnen Regentropfen schwebt. Die Lichter in den Fenstern immer und immer. [28.10.24]

Heute erster Bodenfrost, Nebel über dem Kanal und See. Keine Handschuhe, dünne Schuhe, aber nicht schlimm gefroren. [15.10.24]

»Schon in ihrer frühen Schaffensperiode hatte sie sich auf das Fotografieren von Regenbögen mit Schwarzweiß-Filmen spezialisiert«. [11.10.24]

Heute drei Enten im Schwimmbad, die unbeeindruckt am Rand des Schwimmerbeckens schwammen. Die Leute vom Schwimmbad haben sie dann mit Futter aus dem Wasser und in Richtung Wiese gelockt. [4.9.24]

Aus den Briefen – 19 –

Ich habe einen Etikettendrucker und ein T-Shirt, auf dem ein Skalenblatt mit den Namen der Mittelwellensender aufgedruckt ist.

Der Schlangenkaktus auf der Fensterbank bekommt immer die Pfütze kalten schwarzen Tee, die ich stehen lasse, so hat es die Oma schon gemacht und es ist dieselbe Pflanze.

Als ich gestern bei Lidl einkaufen war, pfiff ich fröhlich den Song Lithium von Nirvana vor mich hin, „I want it I’m not gonna crack, I like it I’m not gonna crack“. Das stimmte so nicht, wie sich später herausgestellt hat.

Lithium ist als Metall besonders für zwei Einsatzbereiche bekannt: Einerseits wird es als Medikament — etwa als Lithiumcarbonat — bei u. A. bipolaren Störungen gegeben, andererseits findet es Verwendung in Akkus, (»Lithium-Ionen-Akku«), wie sie etwa in Telephonen, Elektro-Rollstühlen und -Autos verbaut werden. Protofaschistische Milliadärsmogule der Qualität James-Bond-Bösewicht haben einen großen Bedarf an Lithium, welches allerdings in Brandenburg eher nicht in besonders großen Mengen im Boden zu finden ist.

Kleiner Wald, vorsichtig noch

Um das Flüchtlingsheim herum an der Straße, rein oder aus der Stadt raus, wächst ein kleiner Wald, vorsichtig noch, denn wie lange lässt man den dort stehen? Die Container wirken, aus dem Busfenster betrachtet, ruhig und gelassen. Türen stehen offen, Stühle, die aussehen wie von Behörden ausgemustert, auf dem Weg zwischen den Wohnstätten, eben trägt einer ein Netz mit Einkäufen nachhause. Schon ist der Blick vorüber geglitten, der Kopf hängt noch Worte hintenan wie etwa Flüchtling, Liebling, Schmetterling singt ein Lied vom Frühling, vom letzten Sommer vor dem Faschismus.

hieroglyphen und algorithmen

 leichter drangsal auf den billigen plätzen – es werden cocktails mit peroxid gereicht und alle lösen auf einmal ihre coupons ein, weil es kein morgen gibt, jedenfalls heute nicht. hieroglyphen und algorithmen bestimmen unser handeln, heute noch mehr als wie gestern. bunter niederschlag allerorten, handschlag handschlag umschlagplatz, wer wenn nicht jetzt, wann wenn nicht hier. wo wenn nicht woanders.

Fotofix

»Guten Tag, die Polizei« sagt der eine von den vier Polizisten zu dem, der in einer der Fotoautomaten-Kammern eingeschlafen war, die am Seitenausgang des Hbf sich befinden, Fotofix oder so, da ist es kurz vor halb acht und ich denke nur dazu, dass sie eigentlich hätten »Guten Morgen« sagen müssen, korrekterweise. [26.1.24]