Um Fotos von den Krähen zu machen,

die an jedem Morgen in den Wipfeln dort sitzen, bin ich am letzten der kalten Tage, der auch der kälteste der kalten Tage war, kurzentschlossen an der Haltestelle Krügerstraße ausgestiegen.

20160122_083404 20160122_08342720160122_083639

Krähen sind Tiere die dann misstrauisch werden, wenn der Beobachtende stehen bleibt und sich nicht bewegt. Dann fliegen sie auf von dem Platz, wo sie sich um das gefundene Fressen balgen und sitzen gleich wieder in den Bäumen. 20160122_083728 20160122_083812

Es war wirklich sehr kalt und ich zog, gleich nachdem ich für fünf Minuten die Sache mit den Fotos versucht hatte, wieder die Handschuhe an und besah mir die Menschen, die sich mit bleichen Gesichtern am gegenüber liegenden Bahnsteig unterhielten und ihnen die Kälte aber gute Laune zu machen schien.

im Regen

Clipboard01

Konzert im Magnetfeld, das Brummen
der Spulen, wie jedes Jahr, neu

die Saat der Krähen, jetzt ist sie
aufgegangen. Der Mond neigt sich ab
und zu fällt schweres Wasser vom
Herzen (nicht weit vom Stamm)
, Regen, Traufe, Gänsewein und

das Summen der Bienen,
der einzellnen Teile,
,
,

Das Foto, das ich nicht mache,

vom kalten Wind und davon, wie die Stadt von meinen Schultern fällt, an diesem merkwürdigen Ort, einer vergessenen Flucht auf die Weiden, Im kleinen Freien. auch nicht von der Krähe, die sich aus dem kahlen Baumwipfel steil hinunterfallen lässt, dem Bussard, der dahinter in Richtung der Heuwiesen fliegt. Die Stadt, die verschwindet und mit ihr die Amazonen auf Drohnen, die sie durch die Wolken steuern, die wir mit Worthülsen füllen, Trugbildern und Kuckuckseieruhren, die Zeitmesser uns zu schlitzen. Das Foto das ich nicht gemacht habe von der Wäscheklammer, die ich an den Weide-Stacheldraht geklemmt habe, im Sommer im Sommer, vor Wochen und Monaten. Sie ist noch dort. Am Abend gehe ich, den ungenutzten Schirm in der Hand, durch den Regen, fahre ich mit der U-Bahn in die Stadt hinein und lasse mir von einer Chinesin die Haare schneiden, die Ling heißt. Freitag soll es Schnee geben.

Jetzt blüht der Raps, die

 ganze Stadt riecht so am morgen, als ich aus der Tür trete, reibt sich der Ölbauer die schmierigen Hände in Unschuld, kann man Geld nicht Essen, aber wenigstens mit Essen Auto fahren. Heute am Morgen, als ich zur Bahnstation lief, einen Kohlelaster in einem rußig-grauen Ultramarinblau gesehen, der die Ladefläche voll hatte mit Kohlesäcken aus Jutestoff. Aus einer anderen Zeit ist der gefallen, aber es wundert mich garnicht, die große Straße ist nicht sehr zuverlässig, was ihre Begrenztheit und Verortung betrifft. Von drei Sorten Schnee geträumt. Der Schnee im Garten des Elternhauses, der trotz des Frühlings immer noch dort lag. Wir alle wissen was mit ihm ist. Der Schnee auf der Limmerstraße, den türkische jugendliche als Fussball nutzen statt Coladosen, der fallende Schnee (im kleinen Park beim Schwimmbad). Beim Systembäcker kaufe ich, wie jeden Morgen, zwei Schokocroissants, ziehe den Fünfer ungeschickt aus der Tasche so er einreißt, gleich sagen //Upps ich mache ja das Geld kaputt//, gleich denken //macht kaputt, was Euch kaputt macht//, die Systembäckereifachverkäuferin sagt //kein Problem ich reparier schnell// und schon hat sie den Tesa-Film gedreht. Etwas weiter weg von hier, ich radele dorthin in der Mittagspause, wie ich immer wegfahre, neben den Bahngleisen, ist das die Gegend, in der die Panzerknacker wohnen, in einem Wohnwagen neben einem großen Busch. Es fehlt ja nur noch der Schornstein an der Seite hinauskuckt, aber den denke ich mir mit Leichtigkeit dazu.

In der Bahn (und es ist ein regnerischer Morgen im April) beginne ich in der EDIT zu lesen, die ich neulich schnöselig im Bahnhofs-Pressehandel gekauft habe, noch dazu mit einer Leder-Umhängetasche über der Schulter, das nimmt Formen an. Zunächst etwas skeptisch, als ich Zuhause darin herumgeblättert habe und die Leipzig-Verbindung bemerkte (Zugegen! es ist das erste Mal, dass ich diese Zeitschrift lese!) und Schreibschulen-Formate zwischen Droge und Bausparvertrag witterte, aber da ist ein Gedicht von von Lowtzow, dem König von uns Schnöseln aus Nachlässigkeit und dann auch noch die erste Geschichte, in der die Krähen eine Hauptrolle spielen, dass hat mich gleich für das Blatt eingenommen. Zwischendrin die Albernheit, dass war nicht so meins, aber die tollen Gedichte //Noms de Guerre// von Vesna Lubina, //Es gibt keine bellenden Hunde mehr// von Maarten Inghels und //Die Drift// von Margarita Iov, ein Text der einen Gedanken formuliert, der gut dazu passt was hier gedacht wurde beim Einfall des Mottos, //Die Zeit aus den Fugen zu schreiben//, der Satz steht auf S. 85 unten und es geht um den Urknall, dass der noch nicht zuende ist und der Raum in der Zeit auseinanderdriftet und mit ihr auch. Zwar wird nicht ganz klar, ob und wer in der Geschichte verrückt ist.

Leute reden auf 3 verschiedene Arten mit sich selbst. Da ist der manische Rapper, in der Ecke der langen Bank sitzt er, hat ein verzerrtes Gesicht und bewegt auch ruckartig den Oberkörper vor- und zurück, vor- und zurück, ~, wobei er seinen Rap macht, dann ist da der sprittige Zischer, in derselben Bahn, der, ganz leise nur, böse Worte in vor sich hinmurmelt, beide in derselben Bahn und so gestellt vom Schicksal, dass sie sich wohl sehen und hören können, dies aber nicht tun. Am Abend dann der Weißhaarige mit der Plastiktüte, der sich mit sich selbst bespricht und die zweite Stimme klingt als würde ein Papagei ihm antworten, ich hoffe er hat nicht eine unserer Tauben vom Dach sich geangelt mit seinem Tür- und Angelschein aus der Zeichentrickkiste, was es erklären würde.

So schreibe ich am Abend mit fliegenden Fingern die Tage wieder ins Reine, die Schnellnotizen in die große Schreibmaschine hinein.

Am Abend als ich in die Küche komme, dort landet auf dem Balkon gerade eine Krähe im Streit mit ein anderer Vogel auf dem Korb in dem die Äpfel sind, ich mache schnell die Tür auf und der andere Vogel hinfort fliegt, die Krähe sie bleibt, ich fürchte sie hat den Flügel zerbrochen und stehe ganz still, mache die Tür ganz leise zu und stehe ganz still in der Küche, still, ~, nun weiß ich nicht und mir wird warm im Gesicht, schließlich überlege ich sie mit Sonnenblumenkernen zu bestechen und als ich aber die Tür ganz leise wieder öffne, fliegt sie schon hinfort und eine Elster mit der sie sich zankt in der Nachbarschaft. Ich mache dann den Reis warm, in einem Sieb über Wasserdampf, dazu Tomatensoße aus dem Glas.

[Is bigger than your

[Gestern] Wort des Tages ist: ermöversionglichen

<Flap>, <Flap>, <Flap>,  so machten die Flügel der Krähe in meiner Vorstellung, der Krähe die ein wenig langsamer als die anderen hintendran flog, in der Winterluft, in kleinen Sprechblasen,

[Tags zuvor] In der alten Station, durch die ich jetzt wieder an jedem Tag fahre, die meine Schulstation gewesen und an der die Schüler aus 4 oder 5 Schulen einsteigen müsse, die alle ungefähr zur selben Zeit Unterrichtsschluss haben, kümmern sich jetzt Securitys um den Andrang auf die einfahrenden Züge. Ja wir sind doch noch nicht im Tokio hier! Im Kröpke, als Gegenbeweis, eine Jutetasche mit Aufdruck „Love Istanbul“.

Das Haus neben dem Theater am Aegi wurde großflächig abgerissen, ich fuhr heute daran vorbei, ich war heute mit C. verabredet, am Döhrener Turm tatsächlich, nur eine Station weiter, ich hab Fotos von dem abgerissenen Haus gemacht, seinem Schatten an der Wand, an die hatte es sich gelehnt noch bis,

Dann ein Stück gegangen, geredet, bis zum See und wieder zurück. Jetzt beginnen wieder die Texte auf der Arbeit, in eine kleine Datei geschrieben und mir selbst zugeschickt, der Teil dort oben fing so an, während hier nicht das entsteht was gedacht war, was aber nicht schlimm ist, entsteht anderes anstatt dessen und am See der war zugefroren die Enten und die Schwäne und eine Graugans und die Möwen in einem winzigen Wasserloch,

Auf dem Rückweg noch kurz in der Stadtbibliothek, nachschauen was noch an Summe offen ist (im Kopf der Haken bei „Januar“), alte Musiknoten werden im Erdgeschoss verkauft, was es nicht alles gibt, ein Mädchen mit Rastazöpfen raucht eine selbstgederehte Zigarette, vor der Tür, in der klirrenden Kälte, <Klirr>, <Klirr>, denn so ein Tag war heute. Über Godot werde ich dann später etwas schreiben.

Die Krähe, die im Januar

 einen halben Ton höher singt. Jetzt frage ich mich, nachdem ich den Satz neulich auf Umwegen wiederfand, wie die virtuelle Zettelkiste manchmal so einiges unverhofft, was ich damit notieren wollte. Aber es ist eine schöne Idee und nun steht sie erst einmal hier anstatt. Das Weiterwandern einer Flamme von der Zündquelle durch ein brennbares Gemisch nach außen. Anfang des vergangenen Monats: Auf dem Amt gewesen und im Schloss, selben Tags, allerdings in unterschiedlichen Angelegenheiten, am Abend dann noch in einem großen Garten mit Fabelwesen und Gänsemarsch.

***

Das Alles ist die reine Wahrheit und nichts wurde dazu erfunden.

***

[Gesten]

In letzter Zeit ganz besonderer Augenmerk auf Gesten: Der Busfahrer, der seiner Bekannten an der Fußgängerampel zuwinkt. Bevor der den Wagen schwerfällig um die Ecke fährt, und dann ins Busdepot, wo gebaut wird, eine schöne Mauer durch eine hässliche ersetzt wird. Wohnungen sollen hier sein, so hörte ich, die Entfokussierung des Viertels weiter zu bringen mit Wohnungen für Menschen, die sich in Ihnen, wenn überhaupt, nur am Wochenende aufhalten, sollte nicht einmal wieder eine Deadline die Zähne. Neben dem Discount-Markt in unserer Straße ist dies schon passiert; Und dann hält der Phaeton mit dem Berliner Kennzeichen vor dem Altglascontainer, Frau Manager stöckelt über die Straße und wirft mit angespitzen dreifingrigen Händen, auf einem Bein drei Flaschen in die kugeligen Container. Die Frisur kostet 120 Euro, da kann man dann doch nicht. Lachen mussten wir da, als ich Dir das noch einmal zeigte während wir gingen, und der Wagen fährt im Gangstertempo an uns vorbei.

Anderntags: Das Mädchen mit den schwarzen Leinenschuhen und weißem Rand an der Sohle, die sich, als sie ihre Haare zusammensteckt hoch oben in der Luft, leicht wippend ein wenig vom Fußboden abhebt mit den Fersen, den Rücken streckend damit sie oben anlangt, in der Luft. Da wäre noch so viel.

Bei der Ärztin die Menschen mit den unsicheren Körpern, während ich nachdenke über die Jagd nach den Gespenstern, der Junge mit den ungelenkten Händen die ineinander greifen und sich nicht fassen können, vollständig, das es ihm sicher wäre dabei, begleitet von der Mutter. Und unten vor der Apotheke, wo die Chinesen gerne Fahrräder klauen würden, sehe eine andere, die den Vater bei sich hat, in einem prächtigen Trachtenanzug der jedoch Arme und Beine um so mehr noch schlenkern lässt als wäre an seinem Kopfe eine Stange und er scheuchte die Vögel noch über das Feld mit den Armen und Beinen mit Stroh gestopft, die Krähen und Raben. Die Versehrten mit den Schwimmhäuten zwischen den Fingern (die zur Kralle werden) und des weiteren mehr, die Kafka in seinen Text hineinschrieb, die durch ihre Ungewohntheit selbst schon eine Bedeutung sind. Über sie und die Interpretation des Textes als „Komplex von Gesten“ schrieb Walter Benjamin:

„Eine der bedeutsamsten Funktionen dieses Naturtheaters [von Oklahoma, „Der Verschollene“] ist die Auflösung des Geschehens in das Gestische. Ja man darf weitergehen und sagen, eine ganze Anzahl der kleineren Studien und Geschichten Kafkas treten erst in ihr volles Licht, indem man sie gleichsam als Akte auf das Naturtheater von Oklahoma versetzt. Dann erst wird man mit Sicherheit erkennen, daß Kafkas ganzes Werk einen Kodex von Gesten darstellt, die keineswegs von Hause aus für den Verfasser eine sichere symbolische Bedeutung haben, vielmehr in immer wieder anderen Zusammenhängen und Versuchsanordnungen um eine solche angegangen werden. Das Theater ist der gegebene Ort solcher Versuchsanordnungen.“

Walter Benjamin: Gesammelte Schriften II· I.
Herausgegeben von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser, Seite 418.

Da haben auch zwei die Verwendung von Gesten bei Raben erforscht, die auch schwarze Vögel sind.

„Sie beobachteten, dass Raben ihre Schnäbel ähnlich wie Hände einsetzen, um Objekte wie zum Beispiel Moos, kleine Steine und Zweige hochzuhalten und einander zu zeigen. Diese Verhaltensweisen waren vorwiegend an Individuen des anderen Geschlechts gerichtet und führten dazu, dass sich die Empfänger des Signals zu den signalisierenden Individuen hin orientierten. Anschließend interagierten die Raben miteinander, zum Beispiel durch Schnäbeln oder gemeinsames Bearbeiten des Objektes.“

Max-Planck-Gesellschaft [Simone Pika & Thomas Bugnyar]:
„Schau Dir das an!“ – Auch Raben verwenden Gesten

Und dann noch: Die große Geste der Stadt, die sie macht wenn ein Zug einen anderen überholt und die Autos unten drunter hindurch. Wenn derjenige auf dem Fahrrad unter der Brücke hindurchfährt und der Verkehr drönt seitlich in seine Ohren und ein S-Bahn von oben und der Lärm ist die Musik, die überall zu hören wäre. Und alles ballt sich zusammen und deutet auf das Herz aus Beton unter der Erde, und die berühmte Filmszene, der Hausdurchbruch und die Dampflock fährt mitten hinein in das Haus und dann an der anderen Seite wieder hinaus, wie die Menschen dann in den Wohnungen sitzen. Und Abends wenn sie alle strömen, aus den U-Bahnen in der Dämmerung in die Straßen hinein, einige warten noch auf den Bus und andere gehen schon so zu Fuß weiter dann. Ist dort das Café, in dem wir uns das letzte mal getroffen haben, die Lichter gehen an hinter den Fenstern der Wohnhäuser und jedes ist ganz für sich. Blickt hinein in das gewohnte, das Leben, zieht dann den Vorhang zu vielleicht.