***

Am Morgen beim Systembäcker an der Ecke stehen Handwerker und unterhalten sich über rücksichtslose Politiker-Konvois im Straßenverkehr, //damals, da war Albrecht noch Ministerpräsident, mit drei Limos waren die da unterwegs, als würde die Straße ihnen gehören sachichdir//.

Neuer Leitspruch oben auf dieser Seite:
Die Zeit aus den Fugen zu schreiben.

WÄREND ich sie nämlich über die Rücksichtslosigkeit der Politiker reden höre (und beim Empfang zur großen Messe wird, so ist der Einladung zu entnehmen, wie in jedem Jahr im Kongresszentrum auch ein Fahrerimbiss angeboten, dass alleine genügte schon) fällt mein Blick auf die Schlagziele der heutigen Presse: „Rambo-Raub“ schreibt sie, denn in das Schaufenster des Uhrenladens, in dem ich an einem verregneten Sonntagnachmittag um ¼ vor 3 die Uhren photographierte, die hier als ein wiedererkennbares Zeichen ausgestellt sind, ist – so ist dem Foto zu entnehmen – ein VW-Bus hineingefahren, so wurde der Laden beraubt. So gelangen meine Gedanken, ohne dass ich mich weiter mit dieser Frevelei befasse, zu dem Spaziergang an diesem Sonntagnachmittag, Jahre schon entfernt, und hierhin, und zur Zeit zurück, deshalb.

A room is still a room, even if it smells funny

Als ich von der Straßenbahn-Haltestelle zur Arbeit gehe, fährt durch den Regen hindurch ein LKW die lange Brückenrampe hinunter mit Gischt, aus Helsingborg grüsst die Plane.

Und in den langen Zügen, die aus drei Wagen bestehen, fahre ich morgens zu meiner Arbeitsstelle durch die ½ Stadt und am Abend zurück. Wie eigentümlich das Grau der Tunnelwände ist, es ist kein Ruß, es sieht aus wie solcher, es könnten Gummipartikel sein oder abgelagerter Feinstaub, also doch Ruß, der durch die offenen Eingänge der Stationen von der Stadt hereinweht, zusammen mit den Tauben. Wie lange meine Augen meine Blicke nun schon über diese Wände gleiten, über die Kabelstränge, die sich parallel zu den Gleisen an ihnen entlangziehen und wie meine Augen meine Blicke an manchen Tagen auch ganz aufgerauht sind, abgerieben, vom hinausschauen in das Tunneldunkel, hier und da ein vorbeiziehender Zug in dieselbe Richtung, der sich in einer eleganten geraden Kurve nach links oben oder rechts unten verabschiedet – neulich, als wir im Theater waren, wurde mir berichtet, ich wäre von einer solchen nebenherfahrenden Bahn aus gesehen worden, die Richtung war aber nicht mehr zu erinnern, die Bewegung und die Tageszeit.

Über vergessene Milch soll man nicht jammern

Als ich den Weg über die Brücke gemacht habe, gestern, kurz verstanden wie das ist mit dem Wollen, dem Nichts-Wollen und dem nicht wollen und wie sich das zur Ewigkeit verhält, dann sofort wieder vergessen, aber es ist alles ein wenig besser jetzt. Die Straße weitergegangen zu den Häusern, das Hotel an der Ecke, ein wenig ferner das Pagodendach, hinter Bäumen und einem Industriebetrieb gelegen. Ich bin diese Straße oft gegangen, habe einmal hier in der Nähe arbeiten müssen, dazu gibt es auch eine Geschichte. Das ist sehr lange her und damals ist es mir nicht so aufgefallen, in welch einer Gegend der Stadt, die in großen Teilen von einer so berückenden Profanität ist, wir uns hier befinden. Am Mittag sehe ich im grauen Mittelfeld einen Mann auf Fahrrad, mit einem über den Kopf beladenen Anhänger, der ist bestückt mit einem Lampenschirmgestell, einem Vogelkäfig und ähnlich filigranen Metalldingen. Das frisch geschnittene Gesträuch steigt mir in die Nase, alles Erinnerung an die Zeit, welche blos. Das Ende der Straße liegt im Dunst und jeder zweite Laden sagt mir Toto Lotto. Am Nachmittag, zurück im Bureau, kurz dem Charme des ß erlegen. Gestern in der Nacht geträumt, ich würde in eine Zeitungsdruckerei schauen, die Laufbänder an denen die Zeitungen hängen und auf denen sie liegen, die Konfektioniermaschinen mit den von unten belüfteten Rollflächen, kleine Kugellager die durch Luftdruck nach oben gedrückt werden, dass alles kenne ich ja ebenfalls von einer anderen, früheren Arbeit, jetzt im Traum erwschien mit diese wie nur erträumt, so lange her ist es schon, diese Druckerei jedenfalls war sehr verrostet und nicht mehr in Betrieb, so weit ist es schon mit dem Zeitungssterben, ich wollte ein Foto machen, um es bei Rost hochzuladen, hatte jedoch die Kamera nicht dabei (häufig schon, im Traum, Fotos angefertigt und dann, manchmal noch während des Traumes, manchmal wenn wieder wach, ein wenig Traurigkeit das ich sie nicht auf der Speicherkarte finden würde). Ich blicke also aus dem Fenster, während über mir der große elektrische Rechenschieber immer mehr noch speichert, ich sehe wie die Gebäude so sind, mit ihren teergepappten Bedachungen und den Schornsteinen, den kleinen, aus denen sie weißen Dampf heizen in die noch kalten Himmel Ende Februar, die den Zügen zuwinken, gleich zwei Luftsprünge weiter, die hier vorbeifahren von der Stadt und zu der Stadt, (Und die Bahngleise, an denen ich langlief, der ICE mit dem Graffitti darauf, der das Zeichen durch das Land fährt, das Zeichen einer Anonyma, und leider ist die Industrie nicht mehr vorhanden und im Eisenwerk kein Eisen mehr,) denke ich an diese Zeile, 1998 ca., Der Zug, der Silber und Rot durch die graue Stadt fährt, wie ein Vorzeichen der Jahrtausendwende, dem Fluße hinzu fliegt aber der Kranich mit weiten Schwingen und langem Hals.

[eine von zwei]

eine waschküchennacht im dunkleren teil der stadt, wo die häuser dieser leute stehen, man geht dazu einmal an der reifenfabrik vorbei und geht einmal unter den bahnschienen hindurch, oder fährt, mit dem fahrrad oder bus, an der brache entlang und den laternenmasten aus den filmen, die so leuchten von hoch oben in den nebligen dunst hinab. Wie verschollen liegt der Stadtteil ebd., aber mittendrin doch, das gelbe Licht, leckt über die weißgetünchten Wände, in der einen Straße, hier ist ein anderer Ort, wie ich neulich bereits ~ in einer vorangegangenen verwirbelung der nacht (stechapfelstrudel der dunkelheit) schrieb. ich habe ein kurzes video angefertigt von dem koncert auf dem ich war. vielmehr: vor dem koncert, auf dem ich war, sozusagen, während jemand vorbeischaut und nach dem weg fragt. und nach dem grund.
————————————————————————————————————————————-

————————————————————————————————————————————-
auf meiner arbeit unter dem riesenhaften rechenschieber, auch die dicken kabel, auf dem fabrikgebäude der baum wächst ist ein gutes zeichen das hoffnung macht für die zeit die kommt, der wald wird uns wieder über die köpfe wachsen, vor lauter bäumen. und es wird musik dort sein.

Die Laternen

ich züchte weiter an mein Monster. mein Monster schaut stundenlang in abgründe hinein. die augen ganz viereckig geraten. the sun always shines.
    und es ist wieder eine beschreibung eines weges gerworden, wie ich immer wege beschreibe, mit kleinen stücken kreide, die fingerkuppen über den schotter, den sand fahren sie, in der nacht und bei tag, mit geschichten die der regen wegwäscht, die der schnee zudeckt, über die bald bald gras wachsen wird.

Als ich am Nachmittag

noch einmal mit dem Fahrrad zur Post fahre, an der Vahrenwalder entlang, denke ich dass es nach Schnee riecht und gleich weht der kalte Ostwind ein Filmzitat über die Bahngleise und über die Straße, leerer gelber Sack und der kalte Wind aus Osten, der Himmel ist ganz ergraut, nachdem er am Vormittag dieses Licht hatte, das weiß schimmert in der Frostluft, sind wir zum Copyshop gefahren, hier wird auch Wäsche und werden die Pakete angenommen, es riecht nach Ozon und Waschmittel, die schöne Mischung, Softcover, sind wir den Weg gefahren, sind wir danach im Café an der Lutherkirche gewesen, Wintertraum warmer Apfel Chai Latte, „Ich als Gerhard Schröder bin eine Lasagne“ sitzt dort (ein Gesandter aus der Vergangenheit) und ist nach all den Jahren endlich gut eingestellt, hoch leben die forschenden Farmer, Schmeiß es hin und werde / die Verbesserung der Erde.

Am Busdepot, auf der weiten Fläche, wo noch die alten Schienen des Straßenbahnbetriebshofs (im gleißenden Abendlicht, an manchen Tagen), dort haben sich die Krähen versammelt, es sind weit über einhundert schwarze Vögel und all das kümmert sie nicht, nicht im Geringsten, unter ihnen. Das am Abend der Wind auffrischt und es noch kälter wird. Es ist möglich.

*** Riding on Timelines ***

Der Pappkarton, in dem das vergoldete
Sparschwein eingepackt war
das ich dann letztenendes kaufte
(das kleine, das große war aus)

riecht nach jasmin

und ich sammele darin klopapier-innenrollen
(auf die es aufgewickelt ist)
zum kerzengießen

in einer fernen, besseren zukunft
ohne elektrisches licht

wohlmöglich

***

Stories & Places finde ich schön, obschon ich mir eine Möglichkeit wünschte, auch einen Weg dort abbilden zu können. Denn es ist der Entstehung dieser merkwürdigen Texte, die ich hier schreibe und die sich keinem Genre geben, geschuldet, das sie unterwegs entstehen, zumindest in ihren Ursprüngen, und vom transitenen Dasein handeln, zumindest im kleinen, zumeist, also in der U-Bahn dieser Stadt (über die ich, wie richtig bemerkt wurde, sehr viel schreibe in letzter Zeit, aber auch dies, man nimmt was man kriegt und schreibt auf alles was aus Papier ist oder ein Eingabefeld hat) und in letzter Zeit denke ich auch oft darüber nach, wie dieser Zustand ist und wie auch Städte fragmenten sind, wenn sie unter der oberen Schicht durchquert werden, so wird aber doch eigentlich (und das ist genau richtig so) die U-Bahn auch zum Gesicht einer Stadt, das sich mir zeigt, mit der gleichen Bemalung bei Tag und bei Nacht)

[<-Sonntag][Dienstag->] Nun ist der Regen wieder und die schöne Kälte ist vorbeigezogen, auch diesmal ist leider nicht alles festgefroren wie es zu erhoffen wäre, Salz und Pflug tun es. [Donnerstag->] Gestern am Feierabend noch aus Mandarinenkisten ein Vogelhäuschen gebaut. Es sieht aus wie eine Vogelbushaltestelle, in etwa. Aber die Ringeltauben mögen es nicht sehr gerne, es nimmt ihnen zu sehr die Sicht. Auf dem Weg nachhause neben dem Eingang der Buchhandlung, die früher einmal Schmorl uv Seefeld war (und die zur Hintertür hin, ich habe ein Foto gemacht während daneben ein Punk aus Scheißegalien saß und inbrünstig den „Goldenen Reiter“ gegeben hat, damals jedenfalls noch diesen vertrauten Schriftzug an der Fassade lug und trug) einen Mantel auf dem Boden liegen gesehen aus Kunsteichhörnchen, mit dem jmd. seine Habe abgedeckt vor dem Schnee. Im ersten Stock jedenfalls hat sich jetzt auch einer der Caféläden breitgemacht, dieser amerikanischen Kette. So sind die Leute. In der Bahn sitzt eine Frau, die hat eine Jutetasche dabei, ein Denkmal abgebildet auf einer Düne, ich kenne es und habe gleich wieder das Fernweh, unvermittelt und für das Fernweh ist immer Zeit, zwischen zwei Stationen und einem Absatz im Korrektorat.

welches gehört nicht in die reihe?
beige | beistrich | beischlaf | abstrich

[<-Dienstag] Der Mann der mit einem kaputten Gesicht in der U-Bahn sitzt, der ganz traurig schaut, dabei gleichzeitig ein wenig fürchterlich, dass man sich nicht traut in seine Richtung zu sehen. Wie schlimm das ist, ich weiß ja wo er jetzt hinfährt, in dieser Linie in dieser Richtung, [~]. Zuvor weil immer alles so eng beieinander gedrängt passieren muss in den Flaschenhälsen, die man Tage nennt, der Mann der mir die Haare schneidet mit der neu geschliffenen Schere dicht an dicht, den Fön hält er an den Kopf das der ganz heiz wird, und ich kam raus aus dem Laden und bin in den Plattenladen neben an gegangen und habe mir die Platte einer uralten Boygroup gekauft mit grauen Haaren so wie selbst, sie auf das Telefon aufzpielen und auf der Arbeit zu hören während ich am GIT rüttel und mir also überlege ob ich so leben will. [<-a.a.O., Montag] gerade blitzt es draußen und gleich kommt also das erste gewitter des jahres, sturm ist.

***

Mann in Jeans mit hellem Hemd und Bart meets
pretty woman browsing on laptop. Hot <3.

So sind die Texte zZt denn sie sind abgespart von den Minuten, den Zwischenzeiten, weithin. Wir legen gemeinsam einen großen Schalter um, es ist sehr anstrengend, doch wir sitzen am längeren Hebel am Ufer des Flusses.

das gedeihen in der täglichen müdigkeit,
der schatten der nacht die unsere geschichten bedeutet.
nothing to commit (working directory clean)