Haiku in der Zwischenablage

Ich hatte ein paar Zeilen geschrieben, die an eine andere Stelle kopiert werden sollten, bin dann aber einen Tee kochen gegangen und (irgendwie) spontan zum Einkauf — den ganzen Weg über musste ich dann an das Haiku in der Zwischenablage denken. Wie es an keinem wirklichen Ort ist, wie es sich zwischen den Dingen ereignet.

Abends stehe ich im Schlafanzug auf dem Balkon und hänge die Wäsche auf, gieße die Blumen. Die kühle Abendluft.

Sternenstaub, welch schwacher Trost.

[Anfänge]

Szenen, die ein Anfang sein könnten: Gestern in der U-Bahn, die Frau mit den kurzen Haaren und diversen Zeichenmappen sowie einem Rucksack, die an der Station Kröpcke hnaus möchte, es zu spät bemerkt und dann stehen auch noch Leute im Weg. Der Mann neben ihr versucht, ihr zu helfen, doch vor beider Augen schließt sich die Tür und geht nicht mehr auf, sie sagt zu ihm dann müsse sie halt an der nächsten Station aussteigen, beide setzen sich nebeneinander- Schweigen. Dann die Station Hauptbahnhof, diesmal öffnen sich beim Aufstehen eine oder zwei der Zeichenmappen, großformatige Bleistiftzeichnungen drohen herauszufallen, der junge Mann ist wieder zur Stelle, hilft ihr, alles zusammen zu halten und bietet auch an, kurz auszusteigen, sie sagt es würde schon gehen und dann ist sie auch schon draußen und die Türen schließen sich.

Wizard Who May Be Terrified Of men.

In unseren Mittagspausen stehen wir
auf den Parkplätzen in den Ex-Industrie-Gebieten
wo die Rechenzentren ihre Heimat fanden
telefonieren mit dem Versicherungsmakler
und canceln die Altersvorsorge

http://pastie.org/private/jzkde0w2lzevn9tq6vnfkw

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Heute an der gleichen Stelle mit 3 verschiedenen Apparaten 3 verschiedene Fotos gemacht.

Ein schöner lichter Morgen mit einer sonst nicht gefahrenen Strecke auf dem Fahrrad

Wie ich mit großen Touristenaugen alles im Vorbeifahren anschauen kann

~ Straße, Bürgermeister Fink Straße

Während ich am Maschsee vorbeifahre formuliere ich Fragmente von E-Mails

Es sind wilde Gänse am Ufer

http://pastie.org/private/qyiy5rkndkr1ody0nektlw

(Kurze Erinnerungsfetzen, die aus dem Getriebe der Maschine gerettet werden, ehe sie dort nur Schmiermittel werden, oder Sand. An entfernten Orten notierte Fragmente, zusammenhangslose Notizen, all so etwas. Dazu noch das Notizbuch, dazu noch, schon immer das Telefon, neuerdings sogar mit einem tatsächlichen Texteditor, hier noch auf dem alten Gerät diverse unbearbeitete Kürzesttexte, die alle je ein Puzzleteil sein könnten, publish.)

Unabhängig voneinander

wird in zwei Texten der Edit 63 Roland Barthes zitiert. Das bereits im Kopf, gleich auch noch in einem Artikel zum Haiku in der Wikipedia. Das ist so ein Name den ich immer wieder gehört habe in all den Jahren. Immerhin dann aber doch noch 17 Silben geschrieben. Der Arbeitszeit abgerungen. http://pastie.org/9085190. Ins pastie.org, diesem Quell nahezu der Poesie.

Ja, erst Ausgabe 63. Das hängt mit den Dicken Schinken zusammen und dieser Sache mit der Zeit.

ein lied mehr

 
 
 
 
 
 
 
am morgen die vögel
am abend die glocken
pendeln zwei tage

hin
und her
am großen platz

(wo die hochstraße
aus dem film)
stand ein mann
der zusehends
über die eigenen
füße stolpert (steht
auch nicht mehr)

am abend die glocken

kulturkreis – kulturkreis
kulturkreis – kulturkreis
kulturkreis – kulturkreis

fast entfernte ich
(auf dem fahrrad)
ein langstieliges mädchen
das von ihrem bildschirm
belagert im
großen und ganzen

bleichgesicht
 
 
 
 

LIKK

cover
Gestern auf einem Koncert von LIKK aka. Markus K. in der Galeria Lunar gewesen, Auftakt der Album Release Tour. Wie so oft an diesem Ort habe ich das Koncert größtenteils aus der Küche mit wenig freier Sicht auf das tatsächliche Musikmachen erlebt, wie so oft hat das die Musik selbst nicht wirklich geändert. Die ist spröde und leise und bricht sich zwischendurch Bahn in Verzerrung und Rückkopplung als Teil der Komposition. Die Lieder von LIKK handeln von intimen Innenansichten, die sich im experimentellen Pop mit großer Intensität entfalten. Die Fragilität wird dabei dann am deutlichsten, wenn der Sänger einmal die Distanz der englischen Sprache verlässt, dann ist das lyrische Ich ganz dicht dran und eine Spur Unsicherheit schwingt im Gesang mit, verstärkt aber nochmal die abgeklärte Traurigkeit, ein Grundthema der Songs. In einigen Liedern wurde dies durch das Geigenspiel von Stone nochmal auf einer anderen Ebene weiter verdichtet und erweitert, besonders im letzen Stück des Abends verstärkte die verstärkte und verzerrte Violine nochmals die sehr dichte Atmosphäre der intensiven Lieder zwischen Pop, Expriment und Folk.

soundcloud.com/likk
likk.bandcamp.com
facebook.com/likkmusic

 

Tourdaten

Sa. 22. Februar: Bremen, LOX (Bremerhavener Straße)
Sa. 22. März: Hannover, Galeria Lunar, Kötnerholzweg 51
Sa. 05. April: Karlsruhe-Waldstadt, Wohnzimmerkonzert, Mail an Gudrun@konzerttagebuch.de
Mo. 07. April: Essen, Kunsthaus
Do. 10. April: Dresden, Hole of fame
Fr. 11. April: Cottbus, Galerie Fango
Sa. 12. April: Jena, Kunsthof

[Morgens am 16.1.2014]

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Wir mussten dann alle an der Peiner Straße aussteigen, weil kurz vor der Bothmerstraße ein Unfall geschehen war, so lief ich an diesem schönen Morgen von dort aus zur Arbeit, nur zwei Stationen, dass ist leicht zu machen. Es hat mich nicht so sehr interessiert, was dort geschehen war, so sind die Fotos auch im vorbeigehen pasiert, wie die anderen auch. Diese Kamera hat zu viele Körner auf dem Chip, die andere habe ich glorreicherweise displaymäßig zerstört, sie war aber viel besser. Mit dem neuen Handy kann ich noch nicht wirklich gut Fotografieren und glaube auch nicht es je zu können, die Welt wird hier wackelig und unsicher, die Welt fällt mir entgegen.