Das Telefon

meint seit Donnerstag nachmittag es wäre Döhren 11° sonnig. Die Grenzen des Machbaren, so sehen sie aus. Um sechs Uhren soll der Regen über das Land geweht sein, der Wind dann mit 4 Beaufort. Wir werden sehen und Sturm ernten. Im Merzen der Bauer. Manchmal in der Mittagspause fahre ich mit dem Bus über die Brücke fuhr, fast noch weiter bis hin nach Bemerode und nicht nur die eine Station zum hin verlassenen Wohnwagen am verlassenen Hotel, der Buddha grüßt von der Ferne im Industriegebiet, hinter der Tischlerei, zu den großen Parkplätzen hin die nun immer leerer sind zur Messezeiten, die Dohlen umkreisen bereits das Kongresszentrum und suchen die Nistplätze, die Bäume werden angeflogen kommen und auf den Dächern der Messehalle der Wald, wenn hier dann die Tribes wohnen werden, in der parallelen Zeit oder der nahen Zukunft bereits, nicht nur die eine Station, sondern bis zum Rathausplatz, dorthin wo der Penny war, von früher der Penny, ob der noch dort ist, dann weiter vielleicht noch oder aussteigen und eine Wurst zu essen an der Bude wo die große Pommestüte sich selber lecker findet und die Lippen leckt, ein keckes Häubchen Mayonaise auf den blonden Kartoffelfritten, der Wachbeton die eingelassenen Kieselsteine der Kindheit, ist hier eine Bank gewesen, war hier ein Restaurant, es war hier einmal ein zwischen Fall, ich weiß es dunkel. Sich treiben lassen in den Tag hinein (den lieben langen) den viel zu kurzen Tag und dann immer weiter fort, einmal solange noch wir dort, mit dem Bus den umständlicheren Heimweg nehme ich dann und wann.

Ende der Durchsage.

Nur um das Wort

Ich hier testweise unterzubringen, wurde doch gedacht, es würde häufig hier vorkommen und müsse nur ein neuer Beitrag entstehen der auf dem alternden Ego Weihrauch verstreut, deshalb also nur entsteht nun dieser Beitrag zur frühen Abendstunde. Viel nachgedacht über das entstehen einer eigenen Welt in einem eigenen Kopf, viel nachgedacht über das Hineindenken der wichtigen Sachen, Dinge, in diese Projektion, wie es geschafft werden kann, die Wesen dort hineinzusetzen in eine noch zu erbauende, noch nicht fertige, Welt, wie sie dann bestenfalls (und das Bedingung) zu Leben anfangen sollten und wie es bewerkstelligt werden kann, dieses Wort dabei zu vermeiden, gänzlich (noch ist es mir nicht gelungen, wird es?). Wer sich nun bis hierhin durch den Text geschlagen hat. Heute morgen im Verkehrsmittel (das Wort hätte auch benutzt werden können), der Asiate der neben mir gesessen und die ganze Fahrt über in einem Flyer von einem China-Bringdienst gelesen hat. Ist es erlaubt, Asiate zu schreiben oder ist das schon ein Urteil, welches mir nicht zusteht, mir fiele nicht ein warum dem so sein sollte. Bald werden wir alle jeden Tag Sushi essen müssen. Die Fotos hochladen, sie sinnvoll in ein Durcheinander bringen, das alles lesen was die anderen schreiben, dazu noch Einkaufen gehen an einem oder zwei Abenden, dass Fahrrad in die Werkstatt bringen, ein Telefonat führen, letztenendes dann den Fernseher anmachen und dieses Zeug schauen, dabei einschlafen und den ganzen Tag und das ganze bisherige Jahr vergessen.

Erinnere mich an das eine Mal, da kam der Schlaf während eine Reportage lief über die Erde vor 6.000 Jahren, als die Erdplatten jeden Tag woanders anzutreffen waren und die Meere aus Lava waren, das dunkle Zimmer, der Winter vor den geschlossenen Fenstern noch dazu, die dunklen Planeten (es war nicht nur die Erde alleine, auf der die Lava pulsierte in Gesteinsspalten), die sonore Stimme des bekannten Sprechers, der die flüssige Erde erklärte, wie das alles entstand vor ungefähr 7.ooo Jahren, dies alles führte zu einem Traum inmitten der Urzeit, in einem noch viel leereren Universum, als sie heutzutage anzutreffen sind, das alles leerte auch das Herz ganz aus und alle Worte verschwanden daraus und die, da hundertjährige Haus, in dem wir wohnen, verschwand und mit ihm ich.

Jetzt auf Seite 582

heute morgen gewesen in der U-Bahn (genaugenommen: eben die Zahl von 462 auf die aktuelle geändert, weil mein Schreiben hier das Wassertragen mit bloßen Händen ist). Die Verschachtelung der Körper nimmt langsam Formen an (womit ich um des Himmels dem Buch keinen Kubismus nachsagen möchte, dass können Andere dann meinetwegen zum wiederholten Mal). Auch die Fährte mit dem Joyce’schen Ulysses erweist sich als Kuh auf dünnem Glatteis. Möglicherweise, wo auch heute gerade noch die Medusa im Spiegel im Spiegel (!) auftrat, an anderen Stellen auch Verweise zu finden sind, ist ein Herumgestocher in der griechischen Mythologie vielversprechend, könnte sich aber als anstrengend erweisen. Es ist zwar immerzu bzw. immer wieder von Syracuse (New York) die Rede und auch von Ithaca (New York).

Es gibt eine Seinfeld-Folge, in der Jerry ein Gastspiel in Ithaca (New York) hat, welches ziemlich in die Binsen geht. Infolgedessen muss er auf Irrwegen mit einem Mietwagen Nachhause zurückfahren, strandet mitten in der Walachhei (der Umgangssprachlichen, nicht der in Rumänien) in einem Swiming Pool und gelangt nur unter Überwindung vieler Hindernisse zurück nach New York (New York), wo seine Freundin in der Flughafen-Lounge auf ihn wartet. Ob sie zum Zeitvertreib ein Leichentuch gewoben hat, wird in der Folge nicht erwähnt: „Dass David Foster Wallace nicht mehr lebt, kann ich immer noch nicht fassen. Seine Texte, seine Art zu schreiben mochte ich wirklich sehr [nun gut, das Kreuzfahrtbuch vielleicht nicht ganz so sehr. Und die Fußnote als Stilmittel konnte einem manchmal schon auch auf die Nerven gehen. Aber trotzdem]“. Auch in Unendlicher Spaß sind die Fußnoten weit ausgebreitet und enthalten tatsächlich wichtige Schlüsselszenen. Zumindest Hinweise auf.

Dann die Körperlichkeit, die der Text sich aneignet, bis hin zur Deformation des großen Körpers der amerikanischen Nation (bei gleichzeitiger Aufblähung):

Die Stadt mit dem Kopf aus dem die Antenne ragt, über welche die Einflüsterungen der nächtlichen Kult-Radiosendung überertragen werden, mit der als eine Lunge beschriebenen Tennis-Court-Überdachung, mit dem unterirdischen Labyrinth von Gängen zwischen den Tennisanlagen und der Lunge, mit dem allerersten Satz, der gleich Körper sagt, mit dem (auch innerhalb des erzählten Zeit stark abgesetzten) eingeschobenen Monolog des Vaters, 1960 v. SZ., der den Körper des Sohnes zu manipulieren versucht. Mit all dem. Mit den explodierenden und missgestalteten und totgeborenen Körpern. Das ist tatsächlich bisweilen harte Kost. Das ist immer ein Grund, gleich noch die nächste Seite aufzuschlagen.  Alles ist verstiegen und verdreht, gleichzeitig erscheint es aber alltäglich und normal. Das abgespaltene Paralleluniversum. Dies ist der dritte Freitag an diesem Text. Im nichteuklidschen System offenbaren sich die Personen merkwürdig erstarrt gekrümmt oder deformiert. Konvex und konkav sind sowohl Landschaften als auch ein äußerer Bereich des Großhirns. Namen und Bezeichnungen treiben ein mehrfach hierarchisches Spiel von Referenz und Bedeutung und die Analyse als Methode versagt: Man kann auch versuchen, eine Textmauer darum herum zu errichten, wenn sich das Ding nun einmal der Festlegung entzieht. Das ist allgemeine literaturwissenschaftliche Praxis, das Wesen, das Gespenst in einen Käfig zu sperren, das Forschungsgebiet abzugrenzen. Damit es bewältigt und ggf. überweltigt werden kann, vermessen, etikettiert und dann taxidermiert zum glücklichen Ende.

Jetzt auf Seite 630. Und ich lese nur am Morgen und am Abend in der Bahn, während die anderen zumeist auf ihren Devices touchen und wenn Du schon schläfst und ich die Seinfeld-Folge noch einmal auf Anfang stelle, damit Du vom Seiten-Umblättern nicht aufwachst.

Am Freitag-Morgen sind

 zwei der ÜSTRA-Musiker wieder in der Bahn. Der eine hat die Jawoll-Tasche wieder mit sich, er hält sie auf dem Schoß umfasst. Beide sind, dass sehe ich jetzt, schon ganz ergraut. Einer redet mit einem schönen sanften holländischen Akzent. Ich stelle mir vor, wie sie den Bus oder die Straßenbahn gefahren haben. Wie der mit dem holländischen Akzent dann vielleicht so die Stationen angesagt hat, als die Stimme dazu noch nicht aus der Maschine kam.

In der Pause bläst Sturmwind trockenes Laub und Müll in großem Wirbel.

_

Geräusche der Küche: Die Gastherme, beständig im Zwist; Die Spülmaschine, „Universal Plus 65°“; Der Wasserkocher (lauter werdend weißes Rauschen): Die Waschmaschine ist still. Der Toaster summt elektrisch und Rauch steigt von ihm auf.

Ich wünschte, ich würde mich für Tennis interessieren

Im Bad das Radio war auf MW gestellt, was ich nicht wusste. Ich drehte über Kopf an der Skala und bekam einen italienischen Sender rein, in schönster Mittelwelle. Gleich war das Radiogefühl da.

Während ich, später den Abend, die Big Bang Theory schaue, versuche ich, herauszufinden, was wohl die angepriesenen Produktplatzierungen sein mögen. Stattdessen fällt mir auf, dass in den Werbeblöcken für drei verschiedene Wodkasorten im High Quality Segment geworben wird. Man kann nicht bedeuten.

Einen langen Text, sagen wir ein Buch, von david-foster-wallaceschen Ausmaßen zu schreiben, würde vor allem auch bedeuten, ständig dem Impuls zu widerstehen, alles gleich ins Netz hineinzuhauen was gerade mal von den Fingertips fällt, wo ja auch diese ganze Informationssauce dranklebt. Beim Lesen von „Unendlicher Spaß“, inzwischen ca. Seite 240 oder so, oft an ein auch recht umfangreiches Buch denken gemusst, nämlich den Ulysses vom Joyce. Hier wie dort ein vielstimmiger Text, der erste große Unterschied (aber vielleicht ist das etwas, wo die beiden Werke letztenendes eine Verbindung herstellen können) ist, dass bei Joyce einer spricht, an einem Tag (von der sehr späten Nacht einmal abgesehen), bei Foster-Wallace hingegen sprechen wirklich sehr viele über mehrere merkwürdig bezeichnete Jahre hinweg. Aber ist es nicht so, dass auch (Wallace macht es ja so) beim Ulysses die Stimmen der Protagonisten in ihrer eigenen Sprache in den inneren Mono- und dann also Dialog hineinreflektieren?

Mit beiden Texten verhält es sich jedenfalls so, dass sie am besten dann zu lesen sind, wenn von vornherein garnicht erst versucht wird, sie durchschauen zu wollen. So wie mit der Bibel.

Nachdem also den lieben langen ~ die Klicktiefe gemessen wurde, bleibt aus o.g. Gründen nun hier übrig was vom Tage. Aktiviertes Profil: Arbeit. Während der Typ etwas von einem Sichtbarkeitsindex erzählt, versuche ich also, die eigene Sichtbarkeit möglichst gering zu halten und lese Blogartikel in purem RSS. Aktiviertes Profil: Lautlos. Aktiviertes Profil: Abend. Am Morgen in der U-Bahn die Gesichte, wie sie auch auf einer einen Bleistiftstrich imitierenden (eine Verneigung vor der Historie des Phantombildes), unter Zuhilfenahme von Grafiksoftware erstellten (Nicht)-Zeichnung zu sehen sein könnten, die an den Eingangstüren von bspw. Discountsupermärkten angebracht wären. Belohnung 1.000 Euro. Die Alkoholfahne der jungen Dame, die neben mir steht, ist wohl doch zu viel billiges Parfum, dessen Grundsubstanz den gewünschten Duft überlagert. Gegenüber sitzen zwei Angestellte der Verkehrsbetriebe, sie haben Instrumentenkoffer dabei, ein Waldhorn vielleicht (der Eine) und eine Querflöte wohlmöglich (oder eine Klarinette) der Andere. Am Aegi steigen zwei weitere Kollegen dazu, eine scheinbare Trompete und eine weitere Querflöte/Klarinette. Da ich auf den Ohren die eigene Musik und vor den Augen den unendlichen Spaß habe, höre ich nicht, worüber sie sich bedächtig unterhalten mit den Schnauzbärten. Sie stehen dort und nehmen jede Bewegung der Straßenbahn gelassen mit den Beinen wahr; die Instrumententasche des einen ist von der Marke „Jawoll“.

Es ist endlich Schnee gefallen.

12 Tage alt das Jahr,

oder 13, oder 14. Die ungelesen Texte stapeln sich auf den Tischen im Zimmer verteilt sind, im Kopf das noch mehr. Die Kohlsuppe dampft die Luft an auf dem Herd der Küche, draußen zart eine Deutung von Winter in der Luft. Keine Hunde im Park und 3 Fächer frei Packstation, die Sonntage umrunden den geschlossenen Supermarkt (zwei und ebenfalls zwei) und die Tankstelle immer offen ist. Eine Taube sitzt auf dem Schorn~. Wenigstens im Fernsehen gibt es Schnee und ein Anfang wird.

Am 1. gleich in einem Hotel aufgewacht, später mit dem Zug Nachhause in das helle neue noch ganz flache Jahr, an diesem Nachmittag zumindest, RE 4419, die schöne Strecke, noch sind die Fotos auf der Kamera, in diesem Rhythmus geht es weiter wieder, wie zuletzt noch.

Wenn die Menschen bitte aufhören würden, neben mir in der U-Bahn auf Tablets Jump’n’Run spiele zu spielen, das bewegt sich genau am Grenzbereich meines Sichtfeldes, da wo die Reflexe den Lichtschalter haben, junger Mann mit der Wellensteynjacke. Du Teerklumpen am Nordseestrand.