Die 0 und die 1 – Basis Zwei

b2-0

Sind die zwei Zeichen der Basis Zwei, des binären Zahlensystems. Natürlich könnte man auch α und ω verwenden, Äpfel oder Birnen und Ja und Nein – eben weil die beiden Zeichen nur die Basis bilden, auf der alle weiteren Zeichen im Digitalen aufbauen. „Basis Zwei“ lautet der Titel einer Veranstaltungsreihe, die seit dem Anfang Oktober in Hannover gestartet ist und noch bis zum 24.11. andauern wird. Die drei Gebiete Digitaltechnik – Kunst – Denken stehen im Zentrum der transdisziplinären Veranstaltungsreihe. In Workshops, Ausstellungen, Gesprächen, Vorträgen, Filmvorführungen und Konzerten soll also versucht werden, sich dem Verhältnis dieser Dinge zu nähern. Dies geschieht in der direkten Kommunikation, in der Beschäftigung mit dem digitalen Material (z.B. in einem Instrumentebaukurs und einem Programmierworkshop). Was nicht vorgesehen ist, ist – wenn ich es bei meiner schlampigen Recherche nicht übersehen habe – ein Geschehen im Stream, also im virtuellen Raum. Aber das muss ja auch nicht unbedingt. Das komplette Programm ist hier zu finden. Besonders spannend finde ich „Die Verflüssigung der Archive“, „Doing Live Coding“ und „Bugs Beats Music“

b2-b

Link + Info:

Basis Zwei
Digitaltechnik – Kunst – Denken
Eine transdisziplinäre Veranstaltungsreihe

Hannover, 1.10. – 24.11.2016
Verschiedene Orte

basiszwei.tumblr.com

b2-a

 

Radio Revolten

Empfangsbericht (5)

In Halle gibt es einen Glockenturm mit Westminster-Schlag, der noch verstimmter klingt als der wohl bekannteste vom Big Ben in London. Der Glockenschlag vom Südturm der Hausfrauen-Türme und das Quietschen der Straßenbahnen wird live im Radio übertragen. Auch Dohlen. Ich sitze auf der Arbeit und schreibe über vollkommen unwichtige Dinge, während ich dem Stream von Radio Revolten lausche. Das ist das Radiokunst-Festival, welches seit dem 1. Oktober in Halle stattfindet und noch bis zum %% andauert. Der Veranstaltungsfunk sendet via UKW (99,3 mHz), Livestream und tatsächlich auch auf der Mittelwelle. Dazu wurde ein 200-Watt-Sender im Turm des ehemaligen Physikalischen Instituts in der Hallenser Innenstadt eingerichtet, der natürlich nicht bis Hannover zu empfangen ist — zumindest nicht mit meinem schönen Radio. Zum Vergleich: Bei meinem letzten Aufenthalt auf Norderney habe ich recht sicher, aber gut verrauscht Radio Seagull empfangen können. Die senden mit 2KW (also 10x so viel Leistung wie der Transmitter in Halle) aus der Norderneyer Bucht. Wer es dennoch ausprobieren möchte: Die Frequenz ist die 1575 kHz.

20161007_212046

Radio Revolten also. Ich weiß nicht, wie ich mir so ein Festival „vor Ort“ vorstellen kann, weil ja die „Bühne“ der Sender ist, also das, was auf der Welle passiert. Gerade haben die Moderatoren von einem roten Knopf im Stadtmuseum erzählt. Von Kindern, die mit Kassettenrekordern im Museum unterwegs sind und ihre Aufnahmen über den roten Knopf, der mit einem Mikro verbunden ist, quasi direkt auf den Sender schicken können.

Ich finde so etwas sehr spannend und empfehle, dort einmal reinzuhören! Das Festival läuft noch bis zum 30.10.

Frequenzen:

UKW 99,3 mHz + MW 1575 kHz
http://radiorevolten.net/livestream/
Direktlink: http://radiorevolten.out.airtime.pro:8000/radiorevolten_a.m3u

Links:

radiorevolten.net
@RadioRevolten

Danke an Klagefall für den Hinweis!

 

Die Hundstage

sind kalendarisch überstanden, draußen hingegen ist das Thermometer, jetzt, um kurz vor 10 am Freitagabend, gerade so eben unter die 30 Grad gesunken. Wie auch alle übrigen Texte, habe ich den neuesten Eintrag auf ickinjapan.de heute am Morgen in der U-Bahn gelesen, auf dem Telefon-Bildschirm. Ich fand es schon die ganze Zeit über sehr passend, das so zu tun, und manchmal ergaben sich auch schöne Überlagerungen der Realitäten, wenn das kleine animierte Gif, welches oft zur Illustration vorangestellt wird, etwa eine U-Bahn-Situation zeigt. So auch heute, einfach weil sich schon auf dem Weg zur Arbeit ein anstrengender Tag jenseits der 30° andeutete. Ich hatte heute meinen Hut auf, der erstaunlicherweise, wie neulich entdeckt, aus Karton gefertigt ist und den ich in einem wirklich authentischen Laden in La Barcelonetta gekauft hatte. Aber was ist schon dagegen zu sagen? Eben.

delaunay-robert-woman-with-parasol

Robert Delaunay: Femme avec le parapluie. Le Parisien.

„Wir grüßten uns lächelnd aus der Ferne, indem wir unsere Schirme ein zwei Mal leicht hoben und senkten.“

An dieses Bild musste ich jedenfalls gleich denken, als ich heute morgen von dieser Sonnenschirm-Begegnung las. Es ist eines meiner Lieblingsbilder. Ich finde, der Sommer ist hier so deutlich zu sehen, und die Bewegung der Frau unter dem Sonnenschirm (lt. Titel ja auch hier ein zweckentfremdeter Regenschirm) ist so wunderschön unbestimmt und trotzdem so elegant. Schaut sie dort gerade in ein Notizbuch? Oder ist alles ganz anders gemeint? Für einen Moment dachte ich auch an eine anderswo beschriebene, großstädtische Begegnung, und wie es einmal so war, dass unser Netz ganz anders organisiert war, wenn überhaupt organisiert, und wir uns in unseren eigenen Texten begegnen konnten, fast wie zufällig.

Seit langem schon ist es ein Vorsatz, so wie jetzt hier versucht, wieder mehr, sozusagen im Vorbeigehen, auf andere Seiten hinzuweisen, damit das große Rauschen wieder leiser wird, damit wir uns wieder mehr auf uns selbst besinnen können – „und als der Moment vorbei war, ging sie zum Aufzug und ich zur Treppe.“

 

Raufrunterkunst in Limmer

plakat_raufrunterkunst

Kunst im diffusen Licht, Kunst in der Dämmerung im Treppenhaus, Baustellenstrahler 100 Watt auf dem Dachboden. Geht gut, wie jetzt gerade in Limmer gezeigt wird. Da wird zur Zeit ein Wohnhaus zur temporären Galerie umgenutzt, und zwar noch bis zum 16. April. Im Treppenhaus, auf dem Dachboden und in drei Wohnungen hängen Werke von Ralf Bednar, Iris Schmitt, des Künstlerduos EX+, Nils Schumacher und Meike Zopf.

Die Straßenbahnhaltestelle ist die Wunstorfer Straße und fast direkt dort ist es dann auch. Am Mittwoch gibt es auf dem Dachboden eine Lesung mit u.a. Stefan Heuer und zur Finnisage am Samstag ein Hinterhofkonzert, Flohmarkt und alle Bilder ein letztes Mal in dieser Zusammenstellung zu sehen. Das ganze Programm usw. ausführlich auf der Facebookseite. Dort auch viele weitere Fotos von der Veranstaltung sowie dem Eröffnungskonzert.

20160408_203948

 

Aus den Briefen – 6 –

mir ist das zu klein, diese Briefmarkengröße, da kann man überhaupt nichts erkennen ehrlich gesagt. Ich habe trotzdem vorgespult bis zu der stelle, an der das capitol-hochhaus ins bild gerückt wurde, aber ich würde mir eigentlich wünschen diesen film zb einmal in akzeptabler größe schauen zu können.

das ist immer noch eine sache, die ich für ein weitaus größeres wunder halte als das internet in gänze: das ich hier einen sender aus schleswig-holstein empfangen kann, aus wales, aus frankreich, den niederlanden usw. usf.,

***

ich werde einmal zusehen mir den termin für eure treppenhauskunstaktion frei zu machen, versprechen kann ich wie immer nichts leider, aber ich nehms mir feste vor.

so ich habe heute meinen schönen freitagabend und meine schreiberei für heute auch bereits erledigt. deshalb habe ich zeit mails zu schreiben und mich den schönen dingen zu widmen. höre steve reichs music for 18 musicians, nachdem bereits pierre favre und sun-ra hier liefen. […] auf die mittelwelle geht es heute wohl nicht mehr. der neue pc stört den empfang leider oder auch zum glück sehr. zum glück deshalb, weil dies dann schon öfter der grund war, die kiste auszuschalten und radio zu hören.

Kein Bernstein weit und breit

Heiße Luft (cont.) Dann auf dem Weg das Plakat gesehen | Pierre Huyghe | Orphan Patterns | Sprengel Museum | Spontan nach dem Frühstück dort reingeraten | Die Durchdringung von Kunst und Leben, die zentral war für Schwitters‘ Merzkunst, findet sich wieder in Huyghes dynamischem Geflecht von heterogenen Elementen, denen man, je nach der Zeit, in der man die Ausstellung besucht, verschieden begegnet. | Nichts dergleichen, Dschungelcamp light für Doctores & Bildungsbürger | Im Vorraum Free-Jazz-Getute, das selbst schon so erwartungsgemäß dort stattfindet, dass es auch Klischée ist | Der Erweiterungsbau des Museums: ein teurer Kunst-Sarkophag, der nur der Konservierung dienlich ist | Kein Bernstein weit und breit | Auch die Fliegen bald alle tot.