architekturwettbewerb »dystopisches bauen«, 1. platz

ein verbogener, rostiger zaun, dahinter steht ein vermutlich unbewohntes haus. der boden ist schlammig. die morgensonne scheint ein wenig durch ein gelbes schild hindurch, auf dem steht

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wir bauen an unserem schönsten dystopia im verlorenen land zwischen müllverbrennung und moor. die punks sind fort und mittlerweile auch der eine hoffnungsvolle bauwagen, der stehen geblieben war. an seiner stelle stapeln sich nun zweistöckig ausrangierte wohncontainer. an einem steht „container 1 2300 c“, an einem anderen „not an entry“. einige paare schuhe sind in den zweigen der bäume hängen geblieben und einige dämonen wohl auch. neue sind hinzugekommen, davon ist auszugehen

Blick über ein Zaun und einige Büsche, Wollgras vielleicht. Diffuses Gegenlicht. Unordentlich übereinandergestapelte Wohncontainer, die aus einer Flüchtlingsunterkunft oder von einer Baustelle stammen und jetzt ausgedient haben, sind hinter dem Zaun zu sehen.

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EIn verbogener, niedergedrückter Zaun aus einer Bewehrungsmatte im Vordergrund. Stachelig anmutendes Gestrüpp. Ausgediente Baucontainer oder Flüchtlingsheimcontainer im Zentrum des Bildes. Im Hintergrund ein Baumwqipfel in der frühen Morgensonne. Frische Frühlingsluft und Vogelzwitschern, ein Rotkehlchen wohlmöglich.

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EIne schlammige Fläche. Fahrspuren von schwerem Gerät, Bagger oder Traktor. Der Boden ist feucht. Am Ende der Schlammfläche stehen verwahrlost wirkende, nicht mehr bewohnte Container, die von rechts von der Morgensonne beschienen werden. Dünne Leitungen einer Hochspannungstrasse am blassblauen Himmel. Rechts und links der Container ragen die Zweige von Bäumen in die frische Luft, noch unbelaubt und feingliedrig.

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in dieser woche tatsächlich dazu gekommen, zwei briefe zu schreiben, gegenbewegung. dann das blatt zusammenzufalten, den umschlag zukleben, die adresse darauf schreiben. dann eine briefmarke mit einem clownfisch darauf (80 c), eine briefmarke mit einer rosanen blume (10 c) , eine briefmarke mit einer blauen blume (5 c). gerinnende zeit, langsam auskristallisierend an den rändern, während dieses kurzen vorgangs. das porto ist wieder teurer geworden seit dem letzten brief, so verschenke ich der post nun 3 c mit jedem brief, aber seisdrum, ein anderer weg würde nur zu einer vergrößerung der sammlung von zusatzmarken führen. der eine brief war für k. und lange schon notwendig, das papier mit einem ausdruck dieses beitrags (den geist kannten wir beide einmal) auf der rückseite lag schon mehrere wochen hier bereit und wurde auch nicht besser in der zeit. der andere brief für n. und resultierte aus einer zufälligen begegnung an einem morgen, im bahnhof, er auf dem weg nach antwerpen und in der schlange eines bäckerstandes stehend, ich schnellen schrittes unterwegs, meinen bus zu erreichen. sehr kurze unterhaltung daher nur, während um uns herum die züge angesagt wurden und abgesagt wurden, dass es eine freude war und gegenüber die unermüdlichen zeugen auf seelenrettung aus waren. [13.2.26]

regen, der gerne schnee wäre

als wir am frühen abend des 22. mit dem zug im hauptbahnhof ankommen, fällt ein wenig sanfter, kalter regen, der gerne schnee wäre. in der nacht vom 23. zum hl. abend bereits nächtliche gespenstervisite — in einem wilden traum, der unter anderem in einem tagungszentrum oder hotel auf dem berggipfel verortet war. wir waren auf einer radtour und hatten etwas liegengelassen. wie und warum wir in dieses hotel gerieten, weiß ich nicht mehr. aufzugfahrt ungefähr zehn stockwerke, großartige aussicht durch die gläsernen wände, der aufzug fährt entlang des steilen berghanges, neigte sich oben ein wenig zur seite, bevor die tür sich öffnete, was aber so vorgesehen war, dennoch ein wenig misstrauen in diesem augenblich („so ein aufzug könnte auch in einem traum vorkommen“). dann, später, die unverhoffte begegnung in einem zimmer, das bereits beim eintreten angefüllt ist mit einer großen, niemals jemals wieder endenden traurigkeit. ich fühle mich unerwünscht (was nicht immer so ist, wir haben uns auch bereits unterhalten) und verlasse den raum schnell wieder. irgendwann [aufgew.].

Aus den Briefen – 23.2 –

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Mit großer Freude habe ich Springweg brennt gelesen, insbesondere auch deshalb, weil wir erst kurz davor in U. waren, wie Du ja weißt. An das Hotel wo früher das Duitse Huis war und den Mariaplaats kann ich mich sehr gut erinnern. Ich hatte aber auch das Gefühl, die Menschen, die Du beschreibst, ein wenig zu kennen, von früher, aus einem anderen Leben, vielleicht. Die Art von Menschen. Diese Leute, die einfach in keine Schublade passen. Beim Bürgerradio hier in meiner Stadt habe ich ein paar davon kennengelernt, aber auch anderswo, auf dem Weg. Auch die Sache mit den Gespenstern kann ich gut verstehen. Hier auf meinem Arbeitsweg wurde ja kürzlich ein gruseliges Haus im Moor neben der Müllkippe von Punks bezogen, da musste ich auch an alte und neue Dämonen denklen. ich schrieb einen kurzen Text darüber. Ich glaube aber, sie sind nicht mehr dort, obschon der Bauwagen immer noch auf dem Grundstück steht.

[Markus Pfeifer (besser bekannt als mequito): Springweg brennt — edition schelf, 2025]

Nachts leuchten die grellen Lichter der Verbrennungsanlage herüber

Im gruseligen Haus, im Moor neben der Müllkippe, wohnen jetzt die Punks. Die alten Dämonen sind noch da und jedes bringt ein oder zwei Neue mit in den gemeinsamen Haushalt. Derweil verwandelt sich das Grundstück langsam in einen Außenposten der Kippe, zwischen dem sich ansammelnden Schrott und Müll stehen ein oder zwei Bauwagen. In die Zweige eines Baumes haben sie Schuhe gehängt und Sonntags reiten sie mit ihren Pferden aus. Am Zaun zur Straße hin noch ein Schild mit einem Hinweis auf Videoüberwachung.

Aufgeschriebenes aus den Monaten (3)

(4.1.) Mein Hörniederländisch wird besser: Heute im Radio ging es um dänische Nerze, bei denen eine neue Corona-Variante entdeckt worden war, welche auf den Menschen übertragbar ist. Deshalb wurden 15 Millionen Nerze getötet. Da es nicht genug Öfen gibt, um die Kadaver zu verbrennen, wurden sie teilweise begraben – wohl nicht tief genug, denn die Karkassen erschienen wieder an der Oberfläche und es gab auch Probleme mit dem Grundwasser. Sie wurden Zombie-Nerze genannt.

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Habe mir jetzt die Öffnungszeiten von vier Schwimmbädern und dem Wertstoffhof in den Kalender notiert. Das sind so die wichtigen Sachen.

Phantombild

Zwischen all der Werbung auf einem der großen Monitore im Bahnhof am Morgen plötzlich ein computergeneriertes Kinderbild: FAHNDUNGSAUFRUF UNBEKANNTE KINDERLEICHE.

In der Dämmerung sitze ich wieder im Bus und sehe, auf einer großen LED-Werbetafel, etwas entfernt und in einer Stichstraße, wieder das berechnete Kinderbild. Ein Geist, der an verschiedenen Orten der Stadt erscheint, manchmal gleichzeitig. [4.1.23]