als wir am frühen abend des 22. mit dem zug im hauptbahnhof ankommen, fällt ein wenig sanfter, kalter regen, der gerne schnee wäre. in der nacht vom 23. zum hl. abend bereits nächtliche gespenstervisite — in einem wilden traum, der unter anderem in einem tagungszentrum oder hotel auf dem berggipfel verortet war. wir waren auf einer radtour und hatten etwas liegengelassen. wie und warum wir in dieses hotel gerieten, weiß ich nicht mehr. aufzugfahrt ungefähr zehn stockwerke, großartige aussicht durch die gläsernen wände, der aufzug fährt entlang des steilen berghanges, neigte sich oben ein wenig zur seite, bevor die tür sich öffnete, was aber so vorgesehen war, dennoch ein wenig misstrauen in diesem augenblich („so ein aufzug könnte auch in einem traum vorkommen“). dann, später, die unverhoffte begegnung in einem zimmer, das bereits beim eintreten angefüllt ist mit einer großen, niemals jemals wieder endenden traurigkeit. ich fühle mich unerwünscht (was nicht immer so ist, wir haben uns auch bereits unterhalten) und verlasse den raum schnell wieder. irgendwann [aufgew.].
Geister
Dunkel Erinnertes
Aus den Briefen – 23.2 –
Mit großer Freude habe ich Springweg brennt gelesen, insbesondere auch deshalb, weil wir erst kurz davor in U. waren, wie Du ja weißt. An das Hotel wo früher das Duitse Huis war und den Mariaplaats kann ich mich sehr gut erinnern. Ich hatte aber auch das Gefühl, die Menschen, die Du beschreibst, ein wenig zu kennen, von früher, aus einem anderen Leben, vielleicht. Die Art von Menschen. Diese Leute, die einfach in keine Schublade passen. Beim Bürgerradio hier in meiner Stadt habe ich ein paar davon kennengelernt, aber auch anderswo, auf dem Weg. Auch die Sache mit den Gespenstern kann ich gut verstehen. Hier auf meinem Arbeitsweg wurde ja kürzlich ein gruseliges Haus im Moor neben der Müllkippe von Punks bezogen, da musste ich auch an alte und neue Dämonen denklen. ich schrieb einen kurzen Text darüber. Ich glaube aber, sie sind nicht mehr dort, obschon der Bauwagen immer noch auf dem Grundstück steht.
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[Markus Pfeifer (besser bekannt als mequito): Springweg brennt — edition schelf, 2025]
Nachts leuchten die grellen Lichter der Verbrennungsanlage herüber
Im gruseligen Haus, im Moor neben der Müllkippe, wohnen jetzt die Punks. Die alten Dämonen sind noch da und jedes bringt ein oder zwei Neue mit in den gemeinsamen Haushalt. Derweil verwandelt sich das Grundstück langsam in einen Außenposten der Kippe, zwischen dem sich ansammelnden Schrott und Müll stehen ein oder zwei Bauwagen. In die Zweige eines Baumes haben sie Schuhe gehängt und Sonntags reiten sie mit ihren Pferden aus. Am Zaun zur Straße hin noch ein Schild mit einem Hinweis auf Videoüberwachung.
Aufgeschriebenes aus den Monaten (3)
(4.1.) Mein Hörniederländisch wird besser: Heute im Radio ging es um dänische Nerze, bei denen eine neue Corona-Variante entdeckt worden war, welche auf den Menschen übertragbar ist. Deshalb wurden 15 Millionen Nerze getötet. Da es nicht genug Öfen gibt, um die Kadaver zu verbrennen, wurden sie teilweise begraben – wohl nicht tief genug, denn die Karkassen erschienen wieder an der Oberfläche und es gab auch Probleme mit dem Grundwasser. Sie wurden Zombie-Nerze genannt.
Habe mir jetzt die Öffnungszeiten von vier Schwimmbädern und dem Wertstoffhof in den Kalender notiert. Das sind so die wichtigen Sachen.
Phantombild
Zwischen all der Werbung auf einem der großen Monitore im Bahnhof am Morgen plötzlich ein computergeneriertes Kinderbild: FAHNDUNGSAUFRUF UNBEKANNTE KINDERLEICHE.
In der Dämmerung sitze ich wieder im Bus und sehe, auf einer großen LED-Werbetafel, etwas entfernt und in einer Stichstraße, wieder das berechnete Kinderbild. Ein Geist, der an verschiedenen Orten der Stadt erscheint, manchmal gleichzeitig. [4.1.23]

