am morgen raus aus dem seiteneingang hauptbahnhof hinten an der bahnhofsmission, in einer ecke sind die menschen aufgewacht, die dort geschlafen haben, derweil werden einige meter weiter lieferwagen entladen. bus verpasst und wieder rein in den bahnhof, in zwei presseläden nach der edit fragen, die ich so lange nicht gekauft habe und also auch garnicht mehr weiß ob sie überhaupt noch verkauft wird. ob es sie überhaupt noch gibt. vor dem grand hotel stehen sieben streifenwagen und ein militärjeep, hier hat dann die nato geschlafen oder teile von ihr, wohlmöglich. später in der kantine wird mir ein kollege ein foto von einem sniper auf dem dach gegenüber seiner wohnung zeigen. im bus lese ich eine postkarte von n. aus antwerpen, der mit ein gedicht geschrieben hat. die hatte ich gestern in das buch gelegt, das ich gerade lese. der papiertiger, der ein lesezeichen ist, hat nur noch ein ohr (jetzt keine ohren mehr).
Gedichte
nun wird bald hellichter loher frühling
nun wird bald hellichter loher frühling
die uhr tickt die sekunde stellt eine neue frage mit jeder
zeit die antwort lässt auf sich warten. der hohle stein
singt ein lied mit dem wind, die leeren flaschen in
den kästen auf den balkonen, ringsum im hinterhof,
befreien die meisen den kuckuck aus seiner uhr.
elektroheizung
gesichterleuchten flackernde schirme,
klamme nässe zwischen gedeih und verderb.
grünschimmern ringe im halben dunkel des
morgens kriecht sanftmütig strom von rändern:
summt niedervoltig verzweiflung.
hauchfein sediert im gut geheizten bus im späten
winter durchs viertel der erfüllten Träume.
satellitenschüsseln auf den dächern
schöpfen neue hoffnung von den sternen.
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Vier Vierzehntel
Lass es noch schlafen es liegen
Holz und stiller Tau am losen Ende
der Nacht, verloren ein zu vier
Vierzehntel neuer Mond am früh
erblauten Himmel
Wie es wäre, einfach wieder alles ins Blog zu schreiben anstatt in die Timelines im Nirgendwo,
fragte ich mich. Auf dem Heimweg mit der U-Bahn gestern am Abend, zurück vom Stadtrand, wo wir im Garten saßen, auf einem Plakat in der Station Hauptbahnhof gesehen, dass Mirko Bonné, von dem ich immer die Gedichte im Goldenen Fisch lese, etwa morgens im Bus auf dem Handy, für eine Lesung in der Stadt gewesen ist, am 31.
Das also auch erfolgreich verpasst, seisdrum.
Autopapaya
Die Vögel wissen nicht, sie sind jetzt Tropen~,
manchertage Steppenvögel. Ringeltauben,
kopfüber in noch unreifen Kirschen 🍒;
Schwarzweiße Papageien, die wie Elstern singen,
die Autos duften nach Papaya, dieses Jahr.
In Nachtschatten ziehen Fledermäuse Kreise,
die Stunde hat schon längst geschlagen. Nur
Blaulicht geistert straßenabwärts, Sehnsucht
an den Zipfeln gepackt und aufgeschüttelt,
die Federn fliegen.
Stiller Schnee
Kürzlich, mit langem Riss, zersprang
die Zeit: Versuche sie wieder zu fügen
mit Sekundenkleber. Es sind kleine
Splitter, die an den Kuppen der
Finger kleben bleiben, dann alle
Blicke, von Finsternis umrandet.
Ein Rinnsal aus Sand, unumwundene
Stunde, ein (ganz leise nur, als
gelte es, das zu vermeiden) im
Takt der Eieruhr gesummtes Lied –
eine Katze wird, in der Plastiktüte,
zum Bahnhof getragen, durch
stillen Schnee im späten Februar.
Lesung „Es gibt kein abstraktes Schweigen“ | 15. Oktober (mit Nils Schumacher und mir)
Alle 15 Jahre ungefähr wage ich es und lese in der Öffentlichkeit. Jetzt bald in einem Atelier in einem Lindener Hinterhof.
Die beiden Autoren Fabian Kösters und Nils Schumacher beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit dem Schreiben an der Grenze zum Unsichtbaren. Kösters versucht seit 20 Jahren in seinem Blog coderwelsh.de mit seinen Alltagsbeobachtungen das Internet voll zu schreiben und hat es auch bald geschafft. Schumacher dagegen wird seinen neuen Gedichtband „Blinklichter“ vorstellen, in dem er nach wie vor der Gegenwart auf der Spur ist, die ihm aber im Strudel der Zeit stets entwischt. Kurzum: für Unterhaltung ist gesorgt.
Das komplette Programm gibt es hier:
www.wortlaut-hannover.com
Ein Tatsachenbericht
aus dem Mai des Jahres,
herbeitelegraphiert mit
dem Telefon aus Blech
dose und Bindfaden:
Sternschnuppen, Satelliten,
nur am Abend Katharsis
maschine, Lack und Blumen
draht. Taschen voller Zellstoff,
Murmeln die Knochenaugen
Schwarz auf Weiß ins Ohr.
Sitze am Schreibtisch und
sieh den Fingernägeln beim
Wachsen zu. Entschuldigung
das ich Ihnen auf den Gold
zahn fühlen musste.
dies ist eine liegewiese
im kreuzworträtsel schöne worte gefunden.
AlePPo – ePikuR – eRholt
FeRneR – PePitA – RetouR
auch die wäsche muss drinnen trocknen in diesen tagen. sie steht neben dem schreibtisch.
AFghAne – eRitReA – exPRess
giRlitz – keRAmik – kintoPP
der nachbar kommt nachhause, er ist klempner.
okARinA – hyAzinth – tAkelAge
meine oma hat milchreis unter der bettdecke quellen lassen. sie wohnte im 7. stock.







