Empfangsbericht (1)

radio03

29.3.’15 ca. 21:10 – 0:15 NPO (Niederlande) mit einem Wunschkonzert-Programm auf 747 kHz, danach eine recht sakral anmutende Sendung mit Orgelmusik und eienm Studiogespräch darüber. Mittelwelle jedenfalls heißt „Middengolf“ auf Niederländisch.

radio02

31.3. BBC 4, LW 198 kHz, 20:40 – 21.45 ca., nach den Nachrichten um 21:00h ein (wie mir scheint) differenziertes Feature über ein Programm, in dem Sexualstraftäter anderen beim Verständnis ihrer Schuld helfen.
1.4. BBC Radio 4, LW 198 kHz ca. 20:14-21:10: Abspann Letzte Sätze + Abspann der „Archers“, dann Wortsendung und ein Hörspiel. Zeiten notiere ich hier in Ortszeit.

Auf der Arbeit

 höre ich Deutschlandfunk über das Handy. Jemand hat ein irres Smiley auf den Verteilerkasten vor der Mensa gemalt, in Feuerwehrrot, was mich sehr freut. Ich höre so gerne Radio, was erzählt wird, Nachrichten und Reportagen auch. Am Montag schaltet Der NDR die Mittelwellensender ab, wie schade [*]. Auf dem Nachhauseweg lässt sich der Bahnfahrer in der Station Hauptbahnhof Zeit, die Türstörung zu beheben: Jetzt können Sie gleich alle wieder aussteigen … hab erst um ein uhr fümmenzwanzich feieramd mir ist egal wie lang wir hier stehen … muss da ja erstmal rankommen dann fahren wir gleich garnicht weiter weil die tür nicht zugeht … umdie störung zu beheben …. Am Vahrenwalder Platz aussteigen, tritt nicht in die weiße Junkiekotze da vor der Sparkasse, bei Rossmann liegen Fotos für mich.

Eine der schönsten Aufnahmen, gleich die erste auf dem Film, ist ein Foto vom Strand, vom Meer, schwarz-weiß, jedoch ein Fussel auf der Linse, der auch sehr gut zu sehen ist.

[*] Dies markiert eine Stelle, an die vielleicht später noch etwas hinzugefügt werden kann, darüber das wir dann ja jetzt die Mittelwelle kapern können, wenn niemand sie mehr braucht und darüber, dass es gefährlich sein könnte, sich nur auf ein Medium zu verlassen, denn das Internet muss auch nicht immer da sein, das Internet kann durchaus auch für längere Zeit ausfallen, so wie die Dinge stehen, usw.

[A]



[Aus dem Notizbuch v. 31.5.]
Bei den Stadtwerken gewesen und über das letzte Jahr verhandelt. Dann lasse ich das Rad weil es regnet dort stehen für die Nacht. Unter dem Vordach vom Café Kröpcke steht ein Berber und starrt fassungslos in den grauen Regen hinein, den sehe ich Morgens manchmal an der Stelle wo er schläft im Wald. Das ist gut und macht mir aber Angst. Er steht dann dort und zieht die Hose an den Schlaufen hoch. In der U-Bahn-Station immer noch die dystopische Konsumzone, Drahtzäune, Zeltplanen, offenliegende Kabel und flackerndes Neon.

Der Regen hatte dann die Menschen in die U-Bahn gespült. Das Zyklopenauge (vorwurfsvoll an die Decke geklebt), sie hingegen teilen freiwillig der ganzen Welt mit, wo sie sich befinden. Soft Skills und weiche Ziele — wer sie sind aber steht in den Sternen vom Himmel.Am Abend höre ich dann leise die Jazz-Sendung im Radio und freue mich, wenn der Sender kurz ein wenig rauscht und knistert.

[umbrüche]

nicht nur die weite welt befindet sich, auch hier und bei mir und um mich herum ist alles in bewegung begriffen. als wenn das was neues wäre. jedenfalls:

da die wohnungssuche in der zwischenzeit abgeschlossen ist und ich demnächst zwei bahnstationen weiter stadtauswärts, dafür aber mit der liebsten zusammen und ohne die krachmacher über mir wohnen werde, ist es wie bei jedem umzug, man stößt unweigerlich auf die friedhöfe in den kellerräumen und muss sich um den adäquaten umgang mit den altlasten kümmern. für die restauflage der literaturzeitschrift „versschwoerer“, die ich zusammen mit einem freund von 1996 bis 1999 über 15 ausgaben hinweg angefertigt habe, ist mir in den sinn gekommen, sie in den bücherschränken der stadt und sonstwo zu verteilen. ich kann das ja nicht einfach ins altpapier. da steckt zuviel herzblut ♥ drin, immer noch.  und das ist auch gut so.

ja, wir haben damals™ fanzine gemacht, wir haben das für uns gemacht, wir haben damit direkt im ersten studiensemester angefangen, denn keiner wollte unsere sachen drucken, also mussten wir das selber machen. windows 3.1 war damals™ das betriebssysten unserer wahl, die festplatte hatte ca. 250MB speicherplatz. und wir haben uns über zusendungen auf diskette gefreut, die mussten wir nicht abtippen. das layout haben wir mit word angefertigt, (danke, kai!), dann entsprechend ausgedruckt, sind dann damit in den copyshop gelaufen. papier. geduldig!


heute hätten wir vermutlich ein blog aufgemacht. mir ist seit 1999 allerdings in dieser stadt weder auf papier noch auf dem bildschirm etwas vergleichbares untergekommen – die bachelor-studentinnen und -en sammeln halt lieber ihre creditpoints.

allerdings waren wir auch dreist. wir haben den untertitel „zeitschrift für neuliteratur“ über 15 ausgaben geführt. der satz war am bauhaus angelehnt (so schräg dran), „arial rounded MT bold“ die verfügbare schrift, die diesem anspruch am nächsten kam. zwar waren auch viele gute sachen dabei, u.a. auch möglicherweise „neuliteratur“: viele texte waren so gerade eben aus nettigkeit druckbar, zuviele auch der besseren texte drehten und wendeten sich um das thema „bushaltestelle im regen“.

was sich auch noch im keller fand war ein ca. 3 meter langer schlauch, derjenige (welcher) heute (gestern) (2.4.*) mit dem sperrmüll abgeholt wurde. den hatte ich mitgenommen, als wir das abbruchhaus der polygram ausgeräumt haben, um für das erste flora-funkhaus verwertbares zu sammeln. 1997. ich kann mich an petja erinnern, der die sirenen abbaute, um sie für eine gorleben-castor-aktion zu verwenden. den sender, für den ich das alles gemacht habe, diesen sender gibt es seit dem 31.3. nicht mehr. und vielleicht gab es dieses radio eigentlich niemals. es war vermutlich nur eine schöne idee, die dann von den ewigen 68ern bewusst an ihr ende gebracht worden ist. sie wollten den mehrtürertod so unbedingt, um sich ja nicht mit der zeit nach ca. 1970 anfreunden zu müssen. meine kleine welt soll nichts erschüttern.. T.S. hat bei der letzten moderation, die über UKW auf den sender ging, geweint. ich hatte auch einen kloß. aber wir machen jetzt was neues, besseres.

ich habe allerdings 12 jahre an, in und mit diesem sender verbracht. ich hatte mit 14 jahren einen funktionsfähigen ukw-sender, den man in einem rucksack herumtragen konnte. ich und mein freund t. haben probeweise einen aircheck von bfbs dort durchlaufen lassen, danach war uns die sache zu heiss. was wir nicht wussten war, dass unser nerd-kumpel, der den sender zusammengeschraubt hatte, unsere kassetten dann trotzdem auf sendung gebracht hatte. (radio yellowsubmarine, es lebe hoch!) bis die post vor der tür stand, die eltern…

so sind die zeit und die brüche in ihrem fadenscheinigen gewand, so ist es bestellt und geliefert. vieles auf einmal, alles gleichzeitig, leben, baustelle.

wer nun gerne per post einige restauflagen-exemplare des „versschwoerer“ bekommen mag, diejenige sende doch bitte einen selbstadressierten und frankierten umschlag an die adresse, die impressum steht. als porto genügen 85 cent (büchersendung groß), dafür suche ich ½ Kg texte aus, solange der vorrat reicht. büchersendungen müssen in einem wiederverschließbarem umschlag versendet werden, dafür gibt es diese metallenen klammern. notfalls müsst ihr nachporto zahlen.

ein paar fragmente der ehem. website sind bei archive.org, viel spass beim stöbern.

*ich habe diesen beitrag gestern (vorgestern) nacht angefangen zu schreiben, wie es so ist, manchmal kommt man nicht zu einem ende. daher diese zeitangaben.

(…)

(auf den ausdruck des vigilien-artikels (schon wieder), den ich gerade in der badewanne las, wozu passenderweise das einemillionste stockhausen-feature im deutschlandfunk lief und zu dem ich gleich noch kommentieren werde (link später angefügt!), ließ ich heute in der mittagspause eine hummel krabbeln, die noch ganz winterstarr auf dem rissigen bürgersteig herumkroch, um sie dann im laub unter den bäumen auf der gegenüberliegenden seite der wilhelm-busch-straße abzusetzen.)