Mit geblümtem Papier
ausgeschlagene Schublade
Küchentischs. Gummibänder,
Flaschenöffner, Schulhefte
vollgeschrieben mit
vergossener
Milch

Heizungsentlüfter, Strohhalme
mit einem Knick wie das Ofenrohr
bevor es in den Schornstein ragt.


(Version 1)

a deep

deep fried in the
hinterland of your best
wishes, safe harbour
everyone, left alone.
gallopping fragments of
time. take a deep.

 

Nun schreibe ich Gedichte auch auf English, nachdem vor Jahren/Zehnten bereits ein paar Songtexte entstanden, die hier nicht weiter behandelt werden werden. Warum das gemacht wird ist, dass es diese neue Anwendung für das Smartphone namens plague gibt, auf welcher z.Zt. noch hauptsächlich international getextet wird. Nun handelt es sich leider um die üblichen Bonmots und Albert Einsteins, die man gleich nach unten wischt, nicht etwa weil sie unwahr wären, sondern weil sie zu einfach sind und ganz abgenutzt. Hier Poesie in die Welt zu schicken bedeutet, den Raum des Scheiterns der eigenen Kunst ungeahnt vergrößern zu können. Auch sind die Einschränkungen, die das Medium sich auferlegt hat (140 Zeichen, keine harten Zeilenumbrüche, keine Absätze) eine schöne Formvorgabe. Das Gedicht oben ist eines davon. Eines ist leider schon im digitalen Vergessen verlorengegangen. Das war die englische 140-Z. Version dieses Textes:

 

die butterdose, verkleidete tasse
hinterm haus kaninchen
von der farbe

brauner nasser strandsand
auf der kahlen grünen wiese
dahinter der deich, dahinter
die schöne graue wolke
des ganzen tages

Der an einem Morgen der Winterreise vor Weihnachten entstanden ist.

Weitere poetische Praxis ist es ja bereits seit eine Weile, das Tool Pastie zu nutzen um unverhoffte Texte zu deplatzieren. Hier was ich gerade dazu gefunden habe:

 


Novemberhitze

Lass die Katzentür blos offen
das bärtige Herz
klebt Dir Prilblumen
an die Therme

Oder dieses Haiku o.ä.:



train in the distance
dog barking in the moonlight
bark copyright by dog

Die sind entweder privat markiert und nur über den Link zu verbreiten, oder sie erscheinen auch in der Timeline zwischen all den Codefragmenten und Wegweisern zu den Hintertüren und ins Darknet. So gelangt das Blog an dieser Stelle auch wieder ein wenig zurück zu der Namensgebenden Idee, die genau auf diese Schnittmengen von Sprache und Code anspielte. Das hiermit, also mit dieser Seite coderwelsh.de, einmal etwas ganz anderes und doch recht betrachtet ziemlich ähnliches geplant war. Dazu schreib ich vielleicht, wenn mir also danach sein sollte und ich die Zeit dazu finde in einem Schuhkarton unten im Regal,

Was allerdings mit dem Haufen Disketten, der hier liegt, noch passieren wird, weiß ich heute noch nicht zu sagen. Dies alles sind Versuche, auch die Sache mit den Disketten, die der „Verhinderten Kunst“ zuzuordnen sein könnten. Was das genau ist weiß ich auch noch nicht, es ist nun erstmal ein ausgedachtes Wort. Dinge, die zu vervollständigen wären, die zuende gedacht werden müssten, was aber nicht gelingen kann, weil die neue bescheuerte Idee schon an der nächsten Straßenecke auf der Lauer liegt und die Zähne fletscht. Weil die Zeit wie immer in Mangelhaft sitzt, neben der Chinesischen Wäscherei. Weil der Alltag zersetzt wird durch die Lohnarbeit für den Hypercommerce, ihm die ganze Rechenleistung zuzuschlagen. So könnte also ein noch zu beschreibender, zu verortender Ausweg gefunden werden und die Hoffnung stirbt zuletzt. 2015 ist übrigens garkein Schaltjahr.

Unabhängig voneinander

wird in zwei Texten der Edit 63 Roland Barthes zitiert. Das bereits im Kopf, gleich auch noch in einem Artikel zum Haiku in der Wikipedia. Das ist so ein Name den ich immer wieder gehört habe in all den Jahren. Immerhin dann aber doch noch 17 Silben geschrieben. Der Arbeitszeit abgerungen. http://pastie.org/9085190. Ins pastie.org, diesem Quell nahezu der Poesie.

Ja, erst Ausgabe 63. Das hängt mit den Dicken Schinken zusammen und dieser Sache mit der Zeit.

ein lied mehr

 
 
 
 
 
 
 
am morgen die vögel
am abend die glocken
pendeln zwei tage

hin
und her
am großen platz

(wo die hochstraße
aus dem film)
stand ein mann
der zusehends
über die eigenen
füße stolpert (steht
auch nicht mehr)

am abend die glocken

kulturkreis – kulturkreis
kulturkreis – kulturkreis
kulturkreis – kulturkreis

fast entfernte ich
(auf dem fahrrad)
ein langstieliges mädchen
das von ihrem bildschirm
belagert im
großen und ganzen

bleichgesicht
 
 
 
 

Jetzt auf Seite 582

heute morgen gewesen in der U-Bahn (genaugenommen: eben die Zahl von 462 auf die aktuelle geändert, weil mein Schreiben hier das Wassertragen mit bloßen Händen ist). Die Verschachtelung der Körper nimmt langsam Formen an (womit ich um des Himmels dem Buch keinen Kubismus nachsagen möchte, dass können Andere dann meinetwegen zum wiederholten Mal). Auch die Fährte mit dem Joyce’schen Ulysses erweist sich als Kuh auf dünnem Glatteis. Möglicherweise, wo auch heute gerade noch die Medusa im Spiegel im Spiegel (!) auftrat, an anderen Stellen auch Verweise zu finden sind, ist ein Herumgestocher in der griechischen Mythologie vielversprechend, könnte sich aber als anstrengend erweisen. Es ist zwar immerzu bzw. immer wieder von Syracuse (New York) die Rede und auch von Ithaca (New York).

Es gibt eine Seinfeld-Folge, in der Jerry ein Gastspiel in Ithaca (New York) hat, welches ziemlich in die Binsen geht. Infolgedessen muss er auf Irrwegen mit einem Mietwagen Nachhause zurückfahren, strandet mitten in der Walachhei (der Umgangssprachlichen, nicht der in Rumänien) in einem Swiming Pool und gelangt nur unter Überwindung vieler Hindernisse zurück nach New York (New York), wo seine Freundin in der Flughafen-Lounge auf ihn wartet. Ob sie zum Zeitvertreib ein Leichentuch gewoben hat, wird in der Folge nicht erwähnt: „Dass David Foster Wallace nicht mehr lebt, kann ich immer noch nicht fassen. Seine Texte, seine Art zu schreiben mochte ich wirklich sehr [nun gut, das Kreuzfahrtbuch vielleicht nicht ganz so sehr. Und die Fußnote als Stilmittel konnte einem manchmal schon auch auf die Nerven gehen. Aber trotzdem]“. Auch in Unendlicher Spaß sind die Fußnoten weit ausgebreitet und enthalten tatsächlich wichtige Schlüsselszenen. Zumindest Hinweise auf.

Dann die Körperlichkeit, die der Text sich aneignet, bis hin zur Deformation des großen Körpers der amerikanischen Nation (bei gleichzeitiger Aufblähung):

Die Stadt mit dem Kopf aus dem die Antenne ragt, über welche die Einflüsterungen der nächtlichen Kult-Radiosendung überertragen werden, mit der als eine Lunge beschriebenen Tennis-Court-Überdachung, mit dem unterirdischen Labyrinth von Gängen zwischen den Tennisanlagen und der Lunge, mit dem allerersten Satz, der gleich Körper sagt, mit dem (auch innerhalb des erzählten Zeit stark abgesetzten) eingeschobenen Monolog des Vaters, 1960 v. SZ., der den Körper des Sohnes zu manipulieren versucht. Mit all dem. Mit den explodierenden und missgestalteten und totgeborenen Körpern. Das ist tatsächlich bisweilen harte Kost. Das ist immer ein Grund, gleich noch die nächste Seite aufzuschlagen.  Alles ist verstiegen und verdreht, gleichzeitig erscheint es aber alltäglich und normal. Das abgespaltene Paralleluniversum. Dies ist der dritte Freitag an diesem Text. Im nichteuklidschen System offenbaren sich die Personen merkwürdig erstarrt gekrümmt oder deformiert. Konvex und konkav sind sowohl Landschaften als auch ein äußerer Bereich des Großhirns. Namen und Bezeichnungen treiben ein mehrfach hierarchisches Spiel von Referenz und Bedeutung und die Analyse als Methode versagt: Man kann auch versuchen, eine Textmauer darum herum zu errichten, wenn sich das Ding nun einmal der Festlegung entzieht. Das ist allgemeine literaturwissenschaftliche Praxis, das Wesen, das Gespenst in einen Käfig zu sperren, das Forschungsgebiet abzugrenzen. Damit es bewältigt und ggf. überweltigt werden kann, vermessen, etikettiert und dann taxidermiert zum glücklichen Ende.

Jetzt auf Seite 630. Und ich lese nur am Morgen und am Abend in der Bahn, während die anderen zumeist auf ihren Devices touchen und wenn Du schon schläfst und ich die Seinfeld-Folge noch einmal auf Anfang stelle, damit Du vom Seiten-Umblättern nicht aufwachst.

Ich wünschte, ich würde mich für Tennis interessieren

Im Bad das Radio war auf MW gestellt, was ich nicht wusste. Ich drehte über Kopf an der Skala und bekam einen italienischen Sender rein, in schönster Mittelwelle. Gleich war das Radiogefühl da.

Während ich, später den Abend, die Big Bang Theory schaue, versuche ich, herauszufinden, was wohl die angepriesenen Produktplatzierungen sein mögen. Stattdessen fällt mir auf, dass in den Werbeblöcken für drei verschiedene Wodkasorten im High Quality Segment geworben wird. Man kann nicht bedeuten.

Einen langen Text, sagen wir ein Buch, von david-foster-wallaceschen Ausmaßen zu schreiben, würde vor allem auch bedeuten, ständig dem Impuls zu widerstehen, alles gleich ins Netz hineinzuhauen was gerade mal von den Fingertips fällt, wo ja auch diese ganze Informationssauce dranklebt. Beim Lesen von „Unendlicher Spaß“, inzwischen ca. Seite 240 oder so, oft an ein auch recht umfangreiches Buch denken gemusst, nämlich den Ulysses vom Joyce. Hier wie dort ein vielstimmiger Text, der erste große Unterschied (aber vielleicht ist das etwas, wo die beiden Werke letztenendes eine Verbindung herstellen können) ist, dass bei Joyce einer spricht, an einem Tag (von der sehr späten Nacht einmal abgesehen), bei Foster-Wallace hingegen sprechen wirklich sehr viele über mehrere merkwürdig bezeichnete Jahre hinweg. Aber ist es nicht so, dass auch (Wallace macht es ja so) beim Ulysses die Stimmen der Protagonisten in ihrer eigenen Sprache in den inneren Mono- und dann also Dialog hineinreflektieren?

Mit beiden Texten verhält es sich jedenfalls so, dass sie am besten dann zu lesen sind, wenn von vornherein garnicht erst versucht wird, sie durchschauen zu wollen. So wie mit der Bibel.

Nachdem also den lieben langen ~ die Klicktiefe gemessen wurde, bleibt aus o.g. Gründen nun hier übrig was vom Tage. Aktiviertes Profil: Arbeit. Während der Typ etwas von einem Sichtbarkeitsindex erzählt, versuche ich also, die eigene Sichtbarkeit möglichst gering zu halten und lese Blogartikel in purem RSS. Aktiviertes Profil: Lautlos. Aktiviertes Profil: Abend. Am Morgen in der U-Bahn die Gesichte, wie sie auch auf einer einen Bleistiftstrich imitierenden (eine Verneigung vor der Historie des Phantombildes), unter Zuhilfenahme von Grafiksoftware erstellten (Nicht)-Zeichnung zu sehen sein könnten, die an den Eingangstüren von bspw. Discountsupermärkten angebracht wären. Belohnung 1.000 Euro. Die Alkoholfahne der jungen Dame, die neben mir steht, ist wohl doch zu viel billiges Parfum, dessen Grundsubstanz den gewünschten Duft überlagert. Gegenüber sitzen zwei Angestellte der Verkehrsbetriebe, sie haben Instrumentenkoffer dabei, ein Waldhorn vielleicht (der Eine) und eine Querflöte wohlmöglich (oder eine Klarinette) der Andere. Am Aegi steigen zwei weitere Kollegen dazu, eine scheinbare Trompete und eine weitere Querflöte/Klarinette. Da ich auf den Ohren die eigene Musik und vor den Augen den unendlichen Spaß habe, höre ich nicht, worüber sie sich bedächtig unterhalten mit den Schnauzbärten. Sie stehen dort und nehmen jede Bewegung der Straßenbahn gelassen mit den Beinen wahr; die Instrumententasche des einen ist von der Marke „Jawoll“.

Es ist endlich Schnee gefallen.

//Der Großteil der Handlung spielt im Jahr der Inkontinenz-Unterwäsche//

Dieses Buch von Foster Wallace zu lesen begonnen, auf der Zugfahrt an die Nordsee, immer abwechselnd mit LTB 441 „Der einsame Wächter“. Jetzt ca. auf Seite 80, Lustiges Taschenbuch ist ausgelesen allerdings. Heute morgen die fiktive Filmographie durchgelesen, enthalten in den ca. 50 Seiten Anmerkungen am Ende des Buches.

Hier ein paar Links die vielleicht. Auch hier. Jetzt gleich den Bus nehmen zum Stadtrand.

[Der Baum am kleinen Platz]

 
 
 
 
Der Baum am kleinen Platz
in unserer Straße die Kinder dürfen nicht
Fußball die Hunde dürfen hat einen gelben
Laubspiegel gelegt sich vor die Füße und so
sind die Wege alle, die Allee heute an der
Nienburger entlanggefahren mit dem (scheppernden)
Fahrrad nach zehn vor halb elf also noch
dann einmal hinterm Rathaus am Maschsee
auch hier gelb das Laub Licht die
karamellisierte Luft
 
 
 

7.9. „Der Wutbürger wartet schon an der Wahlurne“ steht jedenfalls nicht in den Wahlprogramm-Poesien der Zeitschrift, die ich gerade gelesen, steht tatsächlich auf einem überklebten Plakat der Grünen. Dazu Gegreine über die D-Linie von den beleidigten Geldsäcken. Auf dem Weg nach Davenstedt, Bus 120, früher mal 59er. Das gespannte Geflecht der Oberleitungen an der Glocksee-Kreuzung. Die Kette sprang ab, auch der Rahmen gerissen wie gesehen. Der fliegende Holländer ~.

10.9. Der kupferne Regengeruch. Der Wind, der kommt heute auch vom Meer und nach Brötchen riecht. Herbstferien auf der Insel. Hauptsaison Nebensaison Nachsaison.

Das traurige Mädchen in der U-Bahn mit dem bunten Gesicht, steht vor mir in der Tür und muss auch raus an der nächsten Station, sie so viel erwachsener in der Kleidung als ihr Freund in Jogginganzug und Rastas neben ihr steht. Als sie nur drei, vier Schritte nach draußen gemacht haben, greift sie seine Hand und dreht sich nach vorne unter seinem Arm, so dass sie im Endeffekt, seine Hand auf der Schuler, ihn hinter sich herzieht, weg von den Menschen, die an der Fußgängerampel sinnlos warten, die ihre Traurigkeit nicht sehen sollen.

Am Nachmittag lese ich in der Bahn gierig die neue EDIT, die, so ist es immer zu solchen Gelegenheiten, die Textproduktion ankurbelt und die Stimmen lauter werden lässt. Im Drehgelenk steht einer, der hält das dicke Buch „Krabat“ in der Hand, (muss ich an das kleine Theaterstück denken, dass wir auf dem Hohen Meißner aufführten vor langer langer Zeit), die Geschichte mit den Raben und der Kantorka. Auch ist ganz das Auge mit der Musik im Ohr verschmolzen und spielt einen Film ohne Worte (für sich selbst), mit vom Septemberregen beschlagenen Scheiben und einem schmächtigen jungen Mann, der auf wackelnden Beinen den gefalteten Rollstuhl neben sich herschiebt und in die Bahn hinein, in der ihn niemand sehen kann. Der Lesende trägt ein Oberteil unter seinem senfgelben Parka, der den „Rittern vom Nie“ huldigt, da denke ich an ein leider geschlossenes Blog (wieder zurück zum inneren Film), welches eine Kategorie enthielt: „when she was a camera“. Heute am Morgen auch: Der Mann mit der Schirmmütze auf der Steht „Kinderforscher Stadt Laatzen“, vielleicht ja ein Geschenk der Enkel, in der ganzen Merkwürdigkeit. Später, als ich bei den neuen Goncourt einen Bericht über eine Italienreise lese, muss ich an diese Mann denken, dort wird über ein T-Shirt berichtet, über die mögliche Herkunft des T-Shirts, wie es den Besitzer wechselt ein oder zwei oder mehrere Male, vielleicht. Die Tage sind nun deutlich kälter und der Himmel wolkig, seit zwei Tagen regnet es wieder, immer wieder, zwischendurch.

[Unkorrigiert veröffentlicht]