20-Cent Stücke

Heute am Vormittag das letzten Freitag bestellte neue Buch von Paul Auster, „Winter Journal“, in der Buchhandlung abgeholt, was ein sehr guter Vormittag dafür war, Du hattest Deinen senfgelben Mantel an auf dem Hollandrad und das Licht war schön und die Luft roch nach Herbst. Vor mir kauft ein Polizist einen Geschenkgutschein und bezahlt mit ganz viel Kleingeld und der Ladenbesitzer erzählte mir, dass er alles Wechselgeld wieder loswerden würde und es gleicht sich aus, nur die 20-Cent-Stücke, die werden immer mehr.

Susie Asado

Gestern Abend auf einem Koncert von Susie Asado gewesen, das sehr schön gewesen ist. Gesang mit zwei Stimmen, Gitarre Ukulele Klarinette. Bin jetzt zu schwach um länger darüber zu schreiben, wollte es aber kurz hier notieren.

Das Projekt ist benannt nach einem Gedicht von Getrude Stein:

Susie Asado

Sweet sweet sweet sweet sweet tea.
     Susie Asado.
Sweet sweet sweet sweet sweet tea.
     Susie Asado.
Susie Asado which is a told tray sure.
A lean on the shoe this means slips slips hers.
When the ancient light grey is clean it is yellow, it is a
  silver seller.
This is a please this is a please there are the saids to
  jelly.
These are the wets these say the sets to leave a
  crown to Incy.
Incy is short for incubus.
A pot. A pot is a beginning of a rare bit of trees.
    Trees tremble, the old vats are in bobbles, bobbles
      which shade and shove and render clean, render
        clean must.
     Drink pups.
Drink pups drink pups lease a sash hold, see it shine and
  a bobolink has pins. It shows a nail.
What is a nail. A nail is unison.
Sweet sweet sweet sweet sweet tea.

Gertrude Stein, 1912

John Cleese über Kreativität

Hier wiederum lachen sie garnicht, im Publikum, weder an den richtigen noch an den falschen Stellen. Aber vielleicht waren nur die Saalmikros aus. Cleese jedenfalls bringt es präzise auf den Punkt.

Beim Schreiben hilft zur hier propagierten Abgrenzung auch ein Tool wie WriteMonkey, welches alle Ablenkungen vom Bildschirm verbannt und dort nur den Text stehen lässt.

in medias res

//Mitten in die Dinge// oder vielmehr noch inmitten der Dinge. die. Beständig am einstürmen und niederprasseln sind auf mich und während ich nämlich in einem angemessenen Abstand von einigen Monaten die Antrittsvorlesung des Rainald Goetz aus Anlass seiner Heiner Müller-Gastprofessur an der F U Berlin höre, sitze ich am Schreibttisch vor dem aufgeschraubten Laptop und sauge mit dem groben Stutzen des hepafiltrierenden Saugers feine Staubpartikelschwärme von der empfindsamen Elektronik herunter, damit, so die Hoffnung, das Gerät wieder ohne Murren und Knurren, Zucken und Rucken sich verhält und synchronisiert. So lässt es sich dann schön in die Systemtheorie abschweifen in einem Halbgedanken. Der poetische Modus derweil surrt auch stillvergnügt in den Synapsen und hinterlässt Spuren.

Sie lachen ja aber an den falschen Stellen, diese jungen Menschen, vielleicht auch aus Verlegenheit und wer will es ihnen verdenken. M. kommentiert das Video mit 1½ Sätzen so:

//Brillant, großartig, blitzgescheit, leidenschaftlich und hellwach auf den Punkt!!!
(und bei der ersten Studifrage sogleich entkräftet um Contenance ringen, weil sie rein NICHTS verstanden hat…!)//

Und dem ist nichts hinzuzufügen, außer vielleicht noch das eine: Beim Schreiben geht es darum, ein Bedürfnis danach zu verspüren, genau das zu tun, nach der Arbeit und wenn es sich einrichten lässt auch währenddessen auf alles was Papier ist oder ins Digitale und wenn es dann schlecht ist und keiner es lesen möchte, dann ist das halt so. Dieses Bedürfnis ist Vorraussetzung, kann nicht verschoben werden auf //später einmal wenn ich mir ein Haus in der Provence gekauft habe//, darauf hoffend nach guter alter Künstlersitte vom Mistral das Gehirn resettet zu bekommen. Das wäre wie das Leben auf //später einmal wenn// zu verschieben.

Und warum steht mein Blog auf Winterzeit? Ich sehe es zufällig. Weil es bald wieder so weit sein wird, kann ich es jetzt auch gleich so stehen lassen und darauf warten das der Regen kommt, der uns wohl auch in diesem skandinavischen Sommer wieder ausführlich begleitet hat. Es sind jetzt kleine Mücken, die in der Sonne aufblitzen am Morgen im //gleißenden Licht//, es ist jetzt diese Zeit des Jahres, in der ich mich darauf einrichte Abschied zu nehmen von meinem Sommer mit den Spatzen auf den Dächern. Ein paar gute Tage gab es schon, mit Dir bei den Mäusen, da wo sie wohnen, am Abend, mit Dir im Zug und auf dem Kanalschiff, an der Gracht in dieser Stadt, überhaupt. Das geht nun vorrüber und kommt wieder und wieder und noch einmal, wenn alles gut geht. Hoffen wir, dass alles gut geht.

Das Notizbuch jedoch hat nun wieder ein Jahr gehalten und muss ja aber pünktlich geschlossen werden. Kürzlich begonnen, zu diesen Kladden eine Stichwortsammlung anzulegen und so weiter. Wir werden da nicht drumherum kommen. Hoffen wir, dass alles gut geht.

Verbucht unter "Récherche"

Auch ist das mit der Langeweile ja eine höchst subjektive Sache und ich kann mir durchaus vorstellen, diesen sehr langen Text von Proust langweilig zu finden, er fordert einen ja zur Geduld heraus. Und beständig die Angst, seine Zeit zu verlieren. Aber das wird so oder so geschehen. Also kann man ihn auch lesen.

So hab ich es vor und bereits begonnen. Und befinde mich nun also Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Hier erscheint an der Seite dann auch, folgerichtig weil alles ins Netz gebraten werden muss, ein neues Etikett das wichtig tut. Es ist mehr zur Erinnerung und für mich gedacht, damit es einfacher wird. Vielleicht falsch; Was ja auch immer gedacht wird, das ein Foto zum Beispiel das Erinnern vereinfacht. Ich hab so viele Fotos gemacht, es tut das nicht, soviel steht fest. Das sind nur Auslöser, das sind Schalter die man sich selber in die Kabelage baut, dann kann es gelingen,

Kein Anspruch auf Vollständigkeit oder sogar auf Richtigkeit, eine kleine Reihe von Fragmenten, vielleicht, so etwas. Mehr nicht. Pro Buch ein Eintrag, sollte sich nicht zu viel vornehmen. Andere haben es bereits ausführlich beschrieben, hier zum Beispiel (Der Anfang der Aufzeichnungen von Schmidt.)

Gestern fiel mir (unter anderem!) ein, als ich von 2:13h in der Nacht bis ungefähr 4 Uhr wach gelegen, das dieser Swann ja ein Hirngespinnst sein könnte. Das wird sich jedenfalls auch zeigen. Auch saß ich bereits im Wartezimmer mit dem gefledderten Suhrkamp Paperback, während die Rede war von den Ärzten. Und Gestern erst (oder war es schon Vorgestern) im Park, während die Sonne schien und eine Taube fünf mal niesen musste. In der Welt draußen, sofern es sich nicht gerade um die U-Bahn oder den Bus handelt, ziehe ich es mehr und mehr vor, unverkabelt umherzulaufen und die Musik nur von den Dingen zu hören. Es ist natürlich eine ganz andere Welt in der Zwischenzeit entstanden, deren Anklänge jedoch auch bereits beim Monsieur erwähnt sind mit Telefon und Fotografie, auch hier schon Gedanken darüber, was sie tun, diese angefertigten Augenblicke, es findet sich zumindest ein Beispiel dafür auf den ersten 327 Seiten.

Soweit bin ich schon oder noch nicht, sollte es besser heißten. Das folgende Lied darf natürlich auf keinen Fall fehlen,

und so wäre auch diese Referenz gleich schon von vornherein gemacht.

[Gesten]

In letzter Zeit ganz besonderer Augenmerk auf Gesten: Der Busfahrer, der seiner Bekannten an der Fußgängerampel zuwinkt. Bevor der den Wagen schwerfällig um die Ecke fährt, und dann ins Busdepot, wo gebaut wird, eine schöne Mauer durch eine hässliche ersetzt wird. Wohnungen sollen hier sein, so hörte ich, die Entfokussierung des Viertels weiter zu bringen mit Wohnungen für Menschen, die sich in Ihnen, wenn überhaupt, nur am Wochenende aufhalten, sollte nicht einmal wieder eine Deadline die Zähne. Neben dem Discount-Markt in unserer Straße ist dies schon passiert; Und dann hält der Phaeton mit dem Berliner Kennzeichen vor dem Altglascontainer, Frau Manager stöckelt über die Straße und wirft mit angespitzen dreifingrigen Händen, auf einem Bein drei Flaschen in die kugeligen Container. Die Frisur kostet 120 Euro, da kann man dann doch nicht. Lachen mussten wir da, als ich Dir das noch einmal zeigte während wir gingen, und der Wagen fährt im Gangstertempo an uns vorbei.

Anderntags: Das Mädchen mit den schwarzen Leinenschuhen und weißem Rand an der Sohle, die sich, als sie ihre Haare zusammensteckt hoch oben in der Luft, leicht wippend ein wenig vom Fußboden abhebt mit den Fersen, den Rücken streckend damit sie oben anlangt, in der Luft. Da wäre noch so viel.

Bei der Ärztin die Menschen mit den unsicheren Körpern, während ich nachdenke über die Jagd nach den Gespenstern, der Junge mit den ungelenkten Händen die ineinander greifen und sich nicht fassen können, vollständig, das es ihm sicher wäre dabei, begleitet von der Mutter. Und unten vor der Apotheke, wo die Chinesen gerne Fahrräder klauen würden, sehe eine andere, die den Vater bei sich hat, in einem prächtigen Trachtenanzug der jedoch Arme und Beine um so mehr noch schlenkern lässt als wäre an seinem Kopfe eine Stange und er scheuchte die Vögel noch über das Feld mit den Armen und Beinen mit Stroh gestopft, die Krähen und Raben. Die Versehrten mit den Schwimmhäuten zwischen den Fingern (die zur Kralle werden) und des weiteren mehr, die Kafka in seinen Text hineinschrieb, die durch ihre Ungewohntheit selbst schon eine Bedeutung sind. Über sie und die Interpretation des Textes als „Komplex von Gesten“ schrieb Walter Benjamin:

„Eine der bedeutsamsten Funktionen dieses Naturtheaters [von Oklahoma, „Der Verschollene“] ist die Auflösung des Geschehens in das Gestische. Ja man darf weitergehen und sagen, eine ganze Anzahl der kleineren Studien und Geschichten Kafkas treten erst in ihr volles Licht, indem man sie gleichsam als Akte auf das Naturtheater von Oklahoma versetzt. Dann erst wird man mit Sicherheit erkennen, daß Kafkas ganzes Werk einen Kodex von Gesten darstellt, die keineswegs von Hause aus für den Verfasser eine sichere symbolische Bedeutung haben, vielmehr in immer wieder anderen Zusammenhängen und Versuchsanordnungen um eine solche angegangen werden. Das Theater ist der gegebene Ort solcher Versuchsanordnungen.“

Walter Benjamin: Gesammelte Schriften II· I.
Herausgegeben von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser, Seite 418.

Da haben auch zwei die Verwendung von Gesten bei Raben erforscht, die auch schwarze Vögel sind.

„Sie beobachteten, dass Raben ihre Schnäbel ähnlich wie Hände einsetzen, um Objekte wie zum Beispiel Moos, kleine Steine und Zweige hochzuhalten und einander zu zeigen. Diese Verhaltensweisen waren vorwiegend an Individuen des anderen Geschlechts gerichtet und führten dazu, dass sich die Empfänger des Signals zu den signalisierenden Individuen hin orientierten. Anschließend interagierten die Raben miteinander, zum Beispiel durch Schnäbeln oder gemeinsames Bearbeiten des Objektes.“

Max-Planck-Gesellschaft [Simone Pika & Thomas Bugnyar]:
„Schau Dir das an!“ – Auch Raben verwenden Gesten

Und dann noch: Die große Geste der Stadt, die sie macht wenn ein Zug einen anderen überholt und die Autos unten drunter hindurch. Wenn derjenige auf dem Fahrrad unter der Brücke hindurchfährt und der Verkehr drönt seitlich in seine Ohren und ein S-Bahn von oben und der Lärm ist die Musik, die überall zu hören wäre. Und alles ballt sich zusammen und deutet auf das Herz aus Beton unter der Erde, und die berühmte Filmszene, der Hausdurchbruch und die Dampflock fährt mitten hinein in das Haus und dann an der anderen Seite wieder hinaus, wie die Menschen dann in den Wohnungen sitzen. Und Abends wenn sie alle strömen, aus den U-Bahnen in der Dämmerung in die Straßen hinein, einige warten noch auf den Bus und andere gehen schon so zu Fuß weiter dann. Ist dort das Café, in dem wir uns das letzte mal getroffen haben, die Lichter gehen an hinter den Fenstern der Wohnhäuser und jedes ist ganz für sich. Blickt hinein in das gewohnte, das Leben, zieht dann den Vorhang zu vielleicht.