
Film
Real-sur-Seine
(Eine Wand von Radios, eine armlose Schaufensterpuppe vor urbaner Kulisse nebst Grammophon-Trichter, eine Wohnzimmer-Lampe in einem Baum aufgehängt)
Da fuhr
ich dann am Gestern mit dem Fahrrad zur Arbeit und am Moltkeplatz: Ist ein Markt aufgebaut, (eine Obstverkäuferin beißt in einen Apfel hinein), neben der Leierkastenfrau sitz ein dicker, lieber Hund, zuvor die Blätter, von den Bäumen, im dunstigen Sonnenlicht, fallen, ein Kindergarten macht einen Ausflug und eine Nonne, die ist auf dem Weg ins Krankenhaus vom roten Kreuz.
Die Luft ist genau richtig kalt für den Überzieher, die Sonne blitzt hinter den Gardinen hervor. So war es.
Dann heute am Morgen: Das schwärzeste Schwarz sah ich, als ich die Espressokanne aufschraubte um den feuchten Kaffeesatz herauszuklopfen. Schwarz und schimmernd, zieht es Materie an.
An der großen Straße, das Hotel wechselt täglich seinen Namen, Hot Is oder Hotel I oder Ho Ib. Ich habe dort die Möbel hinein getragen, in jedes Zimmer: Einen Schrank und ein Bett und eine Wandverkleidung mit angebauten Nachttischen, erinner ich mich, manchmal, wenn ich nun daran vorbei fahre, wie ich auf dem Parkplatz stand und eine Zigarette geraucht habe. Manchmal denke ich, dort hinein zu gehen und mich an die Bar zu setzen, für einen Abend lang, zur Messe wohlmöglich auch noch, eine Geschichte zu erfinden.
Wenn ich eine halbe Stunde vor Schichtbeginn hier losfahre, wir produzieren dort tatsächlich in vier Schichten, die sich teilweise überschneiden, dann also habe ich noch genug Zeit, auf der Streusandkiste sitzend, ca. auf dem halben Weg von der U-Bahn dorthin, ein Gedicht zu improvisieren,
Im Moment schreibe ich auf allem was Papier ist, es ist furchtbar.
[…]
*[Dies sind ja bereits schon Romanfragmente (Ich schreibe dies auf, während ich hier sitze: Im Wohnzimmer des Hauses in dem ich groß geworden bin: Weit weg von all dem, was doch hier so präsent ist: Und im Radio läuft ein französischer Satelliten-Sender Jazz Radio, just to remember) und der Roman wird genau davon handeln, von dem Leben in diesem Haus [Nicht dem Haus in dem ich jetzt bin], dem englischen Haus mit dem Hinterhof in Paris und der großen Straße, die siehe oben auch in New York sein könnte, die Geschichte wird von unserem Leben dort handeln und wie wir einmal, als wir vom Wochenmarkt kamen, eine golden angemalte Lampe gekauft haben, in dem Trödelladen an der Ecke, auf dem Rückweg, und ich die Lampe in der Hand hatte, während ich mein Fahrrad schob mit der anderen Hand und Du Dein Fahrrad mit Deinen beiden Händen, (Das Fahrrad stand mein ganzes Leben vor Dir in der Garage zu diesem Haus) und ich und Du und wir uns fühlten als würden wir durch einen dieser französischen Filme laufen mit den jungen Paaren und den Sorgen die sie haben, nur das es in Farbe ist und Frühling und man alles riechen kann, auch die staubige goldene Farbe auf der Lampe, für die wir 10 Euro bezahlt haben obwohl wir sie nicht hatten. Davon wird diese Geschichte handeln.
[…]
Happy Birthday Sesamstraße!
[Aus dem Notizbuch]
(Nachgetragen vom 12.10.2009) Es ist wieder dieser Tage, der Himmel angefüllt, der Hinterhof mit Schatten, die Büroarbeit ein seltenes Vergnügen (auch: und das ist merkwürdig: im bohnenwächsernen Raum 201 Conti zu sitzen, von einer Säule halb verdeckt und dort zu sein, im Seminar) wo ich nicht mehr hin gehöre. Zu viel Vergangenheit für dieses kurze Leben. Die Mädchen zeigen sich ordentlich geführte Hefte indifinen Inhalts und „kuck ma wie orntlich“ sagt die niedersächsische Kartoffelschnute + die eine erzählt „Da gibt es so eine Theorie mit 23 das die immer wieder überall vorkommt das ist tatsächlich so wenn man darauf achtet“ + dann fürchten sie sich kollektiv vor dem Dozenten „weil der so streng ist“. Heute wird ein andalusischer Hund Gassi gegangen zum 1500387sten mal und ich freue mich im Geheimen schon auf einige Einstellungen, so ist es dann auch gekommen.
In der Caféteria, wo ich mir in der Pause einen Milchkaffee hole, hingegen N24 auf Beamer und auf dem Pappbecher Werbung für PriceWaterhouseCoopers.
+

List of Seinfeld fictional films
T.J.
Nach dem täglichen Wetterbericht ein neues Projekt von David Lynch, welches ich nicht weiter recherchiert habe (es geht um Interviews), da ich das nie mache. Ich konsumiere das alles nur und hoffe das sich ein Sinn ohne Hintergrundwissen einstellen mag. Vielleicht sollte ich einmal die Bibel lesen.
Filmwoche 2009 (10)
Der Gewinnerfilm der diesjährigen Berlinale steht fest, es ist der peruanische Streifen La Teta Asustada von Claudia Llosa.
Zeit, auch bei der synchronen Filmwoche einen Schlussstrich zu ziehen. Meine drei Lieblingsfilme (Bronze, Silber, Gold) sind: The Legend of the Scarecrow von Carlos Lascano, Ostkreuz von Edition Impasto and the Winner is A Thousand Words von Ted Chung. Sozusagen ausser Wertung läuft der Abschlussfilm….
Ein wenig Freakshow, ein wenig Metropolis (Fritz Lang, nicht Superman, obwohl…), so würden die Kritiker wahrscheinlich Jojo In The Stars von Marc Craste (Produktion: Studio Aka) beschreiben. Es ist eine traurige, romantische Geschichte, die den kleinen Monstern mit den leuchtenden Augen in dieser Weltuntergangsszenerie wiederfährt, in welcher der Zerfall der Zeit augenscheinlich bereits weit vorangeschritten ist. Aber auch hier wieder eine Geschichte von der großen Liebe, die der Dunkelheit widersteht. Hochverehrtes und hochversehrtes Publikum, bitte Manege frei für Jojo, die große kleine Trapezkünstlerin!
Einige Anmerkungen zum Abschluss des Projektes Filmwoche 2009, welches sich hier spontan selbst entzündete. Ich habe wieder einmal gemerkt, dass es für eine dem Sujet angemessene Betrachtungsweise nicht genügt, sich den Film einmal anzusehen und das war’s dann. Trotzdem war dies allermeisstens die Vorgehensweise hier, vielleicht mache ich das demnächst irgendwann mal besser. Aber ich habe mir auch einiges zusammengereimt zu dieser Flut an Audiovisuellem, die im Internet zunehmend Raum beansprucht, oder sollte es besser Zeit heissen:
Der Kurzfilm ist möglicherweise die ideale Form für diese flüchtige, glatte Oberfläche, die sich auf unseren Monitoren materialisiert. Und selbst bei den zeitlich meist sehr beschränkten Werken, die ich hier bunt zusammengewürfelt habe, habe ich bemerkt, wie der Blick immer auf den Balken am unteren Rand des Filmblocks fällt, nur um auszuloten, wie lange ich mich noch würde mit dieser Sache beschäftigen müssen, bevor ich anfangen könnte zu schreiben, Links zusammenzutragen, die Musik wieder anzumachen (die ja immer da ist), den nächsten Link, die nächste Versuchung anzusteuern. Weil, oder hinzu kommt, der Wegfall des dunklen Raumes um die Leinwand herum: Plötzlich ist auch die Leinwand (ja selbst die fernsehmäßige Illusion ders.) nicht mehr da; der dunkle, reale Raum rund um die Projektion, welcher die Illusion so vortrefflich beförderte. Filme tauchen auf zwischen den Schrift-Stücken, tunnelartig; Nach den Texten verlieren nun offenbar auch die bewegten Bilder ihren Rand, zumindest wird er marginalisiert. Die Pixelsuppe weicht notgedrungen dorthin aus, wohin ihr die sie umgebenden Links und Textfragmente nicht folgen können, hinter den Bildschirm (im Auge des Betrachters).
So ist das nämlich, und im Supermarkt habe ich heute die ersten Osterhasen gesehen.
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(Filmwoche 2009: #1 | #2 | #3 | #4 | #5 | #6 | #7 | #8 | #9 | #10)