heute roch diese stadt nach jasmin, am morgen, oder einer ganz ähnlichen blume jedenfalls. das fahrrad fährt den berg hinauf und hinab am abend, der kein berg ist, aber merkbar. in der pause eine tonaufname von vögeln gemacht und dann von fröschen, die in einer überfluteten wiese in der leinemasch saßen. es ist schön dort gewesen, während auf der arbeit worte die erfunden sind und der baum weiter wächst aus dem dach der gummifabrik die noch nicht postindustrie doch kurz davor und ein großer teil des hauses ist ja bereits rechenzentrum usw., fahr ich an der alten schule vorbei, fahr ich den ganzen maschsee hinunter am morgen, fährt sich nicht von selbst die kilometer entlang, zwischen hier und dort. der geschnittenen rasen das hemd in dern ärmeln die enten auf dem see. die jetzt schon wieder ganz vergessenen worte, all das was fern ist und fern bleiben wird, jetzt für immer. in den büchern nur steht etwas über das wahre leben, die möglichkeit besteht immerhin, auch in den augen blicken dazwischen.
Schreiben
& um auch diesen Text einmal zu beginnen,
fange ich an, ihn zu schreiben. Darum geht es hier: Um das Schreiben von Texten, über das Schreiben von Texten, das Leben einzugravieren ins digitale oder in die Rinde alter Bäume. Manchmal, oft, es ist nicht genau auseinanderzuhalten was wozu gehört, stehen hier auch die Texte die aus diesem Prozeß heraus entstanden sind. Der Anlass ist genauso viel; Dieses stetig weiterwachsende Schriftstück ist nun seit 11 Jahren ununterbrochen im Netz, wobei ich auch die Woche mitzähle, in der ich den Stecker gezogen hatte: Auch dies gehörte dazu, auch die paar Tage (erstaunlich wenige, in Anbetracht), an denen hier abgeschlossen war von Speichervermieterseite aus, in stiller Vorfreude ob der demnächst dann doch bezahlten Rechnung. Auch die Abwesenheit der Zeichen: Sie gehört hier dazu. Es ist fortwährend Live gesendete Literatur. Die Anwesenheit der Stille. Und das laute Getöse. Ich habe in der letzten Zeit mehr und mehr das Gefühl, dass hier etwas entstanden ist, von dem ich nun weiß, was es ist und was es bedeutet — auch wenn ich es weder erklären, noch will. Zuviel gesagt wäre, das es froh macht; weniger traurig.
mequito
Schrieb mek gestern aus Anlass seiner 10jährigen Internet-Vollschreiberei. Da ist sicher was dran. Ich für meinen Teil hab allerdings zu viel Lampenfieber, um mich auf eine Bühne hinzusetzen und meine Texte zu lesen. Auch geht es mir eher ums Schreiben als solches und darum, dass es dann halt irgendwo gelesen werden könnte. Was ich hieran besonders schätze, ist zu machen was ich will. Die Abwesenheit von Genre und ist mir egal, ich lass das jetzt so. Das es kaum jmd. gefällt, das wiederum gefällt mir. Natürlich und das musste ja so kommen. Genau heute vor 11 Jahren fing das hier an, nach einigen Vorversuchen, die nur auf einer Sicherungs-CD zu finden wären. Der erste Eintrag im November 2000, aus einer anderen Zeit. Was dort steht, ist für meinen heutigen Horizont viel zu banal und gleichzeitig privat. Alles hart codiert und in einer merkwürdig eingerahmten Gestaltung, die eine horizontale Leiste oben als Zeitleiste nutzte und neben dem Text einen Rahem als „Bühne“ freihielt, um dort weitere Inhalte per Klick auf Links einzublenden. H y p e r t e x t. Auch ein wenig verspielt, so wurde z.B. erwartet das die Leser verstehen, dass sie die Rahmenbegrenzung nach rechts schieben sollen, um den Blick auf den darunterliegenden Inhakt freizumachen…

Screenshot vom ersten Eintrag im Synchron-Vorgänger, 14.11.2000
Eine thematische Konstante ist, bei aller Freude an der freien Form, bereits hier zu erkennen: Die Bewegung in der Stadt und in öffentlichem Verkehrsmittel. Von A nach B der Liebe wegen, oder aus noch profaneren Gründen, ob des schnöden Mammons willen, bspw. Wobei ich die Ansicht, dass Arbeit vom Schreiben abhält, nur bedingt teilen kann. Das liegt einmal daran, dass ich das Glück habe, bei meiner Arbeit seit 10 Jahren (auch) immer Texte produzieren zu können. Das hat sich im letzten halben Jahr eher noch intensiviert, so das ich, obschon es sich natürlich oft um werbende oder anleitende Gebrauchsprosa handelt, gewiszermaßen tagaus tagein Texte prozessiere — ich bin eine Schreibmaschine. Am Abend, wenn ich mir von der Müdigkeit und dem Ruf der schwarzen Glotze dann noch ein paar Absätze abringen kann, muss ich nicht erst im Kopf einen Hebel umschalten, ich mache einfach, unter ganz anderen Vorzeichen, weiter. Nur für den in Zukunft evtl. zu schreibenden längeren Text, der die inneren Schubladen mit unsortierten Zettelwirtschaften ausfüllt, wird es schwierig. Möglicherweise.
Gestern ist unser Toaster kaputtgegangen.
Katze – Blätter für Bild und Text #3
Neulich lag sie im Briefkasten, die Katze im Luftpolstersack. Die dritte Ausgabe der „Blätter für Bild und Text“ beschäftigt sich in der Hauptsache mit Architektur, und das tut sie gut, dies vorab:
Die tatsächlich realisierte Architektur offenbart ihren Eigensinn, zeigt anderes, neues und verabschiedet sich von der pedantischen Tüftelei ihres Schöpfers mit einem heiteren Lachen. Es ist paradox, ausgerechnet Träume bauen zu wollen. Der erste Spatenstich ist der Schnitt durch die Kehle der Träume.
(Aus dem einleitenden essayistischen Text zur Katze #3, „Rundgang/Aufgabe der Architektur“ von Simon Berger)
„Aufgabe“ ist hier, meine Vermutung, durchaus in der doppelten Deutung gemeint und „Architektur“ als eine organische, langsame Bewegung, nicht als gefügtes Monument. Enthalten in der Zeitschrift sind neben dem theoretischen Text zwei wunderbare Gedichte von Mitherausgeberin Clara Beten, dreimal zwischen Prosa und Lyrik oszilliernder Text von Andreas Hutt, ein protokolarischer Text von tocat über die Architektur der (und auf) Bildern, Fotos, ein in einzelne Passagen aufgeteiltes Prosastück von Jakob Lehn, ebenfalls herausgeber („Fallen“, vielleicht auch konotiert?) und last & least mein Text „Innenohr“, für den ich mir schwerlich eine bessere Nachbarschaft vorstellen kann. Dazu kommen schöne graphische Einwürfe oder Notizen zum Thema des Heftes, zwischen Strichzeichnung, Fotografie und geometrischer Computergrafik changierend und durch die Beschränkung der Fotokopie nichts von ihrer Wirkung einbüßend.
Der Mensch, der auf diesen Fotos zu sehen ist (der Fotograf / unsichtbar) muss als Reisender gedacht werden, stelle ich mir vor und ich stelle mir die Kamera vor, eine Kompaktkamera, immer zur Hand…
(Aus „BildMinuten“ von tocat)
„Katze #3“ war in den letzten Tagen ein Begleiter auf meinen Wegen durch diese Stadt, welchen besseren Ort könnte man sich vorstellen als der schaukelnde Bus zwischen den Häusern, dort wurde schon wieder eines entfernt, es wurde ein weiterer Zahn weggebrochen aus dem malenden Kiefer der Stadt, kosmetische Chirurgie, er war ein wenig grau zwar.
„Katze“ ist leider bisher nicht im Bahnhofszeitschriftenhandel erhältlich, aber in Berlin, und kann auch bestellt werden. Wo steht beides auf der Seite www.kbfbut.de, möglicherweise (wenn ich also die Zeit finde entsprechende Stellen anzusprechen) bald auch in Hannover.
Katze im Internet: www.kbfbut.de
Katze bei Myspace: www.myspace.com/katzeheft
Besprechung/Beschreibung Katze #2
Der 29. Februar Heute vor vier Jahren.
