in der zwischenzeit

ich bemerke, wie ich mich beständig verändere, jeden tag und wieder und wieder. dies ist von aussen also überhaupt nicht zu sehen. stand am tag der dt. einheit bei rossmann vor dem deo-regal und überlegte, CD duftneutral zu kaufen. um noch ein wenig mehr zu verschwinden. schreibe jedoch tagtäglich in mein notizbuch; sehr interessante dinge im übrigen. ich lege zeugnis ab: vor dem penny am steintor am abend, die malergesellen in dreierreihe, jeder eine flasche bier vor sich hertragend. ich glaube das war an dem abend an dem ich coupland im bus nachhause gesehen habe. wie dem auch sei. heute in der bibliothek gewesen, es ist studienbeginn, hätte ich es vorher gewusst, ein anderer tag wäre meiner wahl gewesen. an der einfahrt zum conticampus, wo mikroklimatisch veranlasst immer ein beträchtlicher wind ist, beratschlagen von der großen stadt noch nicht abgeschliffene dialekte aus den südlichen bundesländern, in welchem stockwerk sich wohl raum 003 befinden möge. junge akademiker, die mit freudigen gesichtern vor dem großen hörsaal stehen und auf den beginn des lebens warten. das werden sie euch schon austreiben. erinnere ich mich wie ich selbst, in der zweiten hälfte der 90er jahre, dort anfing? zu ungefähr gleichen teile: mitleid über den irrtum, in welchem sie sich befinden und neid über die schier unendlich zählenden möglichkeiten, die dort gewissermaßen von den bäumen herunterhängen. mitneid im garten von gut und böse.

im eingangsbereich der bibliothek, der mann von „wach & schließ“ in seiner polyesther-uniform, dem das hier beständig ein- und -aus und insbes. nach oben strebende vitale elend seine ganze würde doch nicht hat nehmen können. ein wenig fadenscheinig ist sie nur geworden, über die jahre. die würde, nicht die uniform.

[Aus dem Notizbuch]

31.1. Der Mann der in den Bus einsteigt hat eine Brille so blau wie das Gelb in den schwedischen Filmen. Das Lumpenpaar hat den Weinkeller mitgebracht jedenfalls riechen sie so sie zeigt ihm das Geschwür an der Lippe

„Kuck mal das ist ganz schwarz“
„Wo denn“

ich steige am Steintor aus einen halben Liter Listerine kaufen.

***
Später am Tag: Während ich mich über die Hilfiger-Jacke die er trägt beschäme, irgendwie, geht sein Handy an, Klingelton „Barbara Ann“ und ich denke wie es mich nerven würde, immer nur den Anfang eines Liedes zu hören. Draußen an der Haltestelle sehe ich den Mann mit der blauen Brille wieder. Im Hauptbahnhof ein Typ mit Trainingshose, der die Leine seines Kampfhundes um seinen Armstumpf geschlungen hat.

[Vgl. hierzu Notizbuch #4, Eintrag v. 31.1.2008, S. 80ff]

Nachdem

ich mit dem heutigen Tage nun, neben der größten Verkehrskreuzung Niedersachsens sitzend, das neue Buch von Auster, Travels in the Scriptorium, zu lesen begonnen habe. Fiel mir vorhin ein, dass die Frau der die Zeit verloren ging ja wie aus einem seiner Romane gefallen scheint. Beispielsweise Stadt aus Glas, insbesondere diese Stelle, wo es um die Wege durch die Stadt geht. Wie ich sie dort stehen sehe, abseits der Parkwege, still verharrend, tatsächlich wie festgezurrt durch unsichtbare Fäden (der Zeit), mit einem Gesichtsausdruck, zugleich in sich versunken und wie ein erschrockenes Tier. Zehn Minuten später, wenn ich vom nächtlichen Einkauf bei der Tankstelle zurückkehre, steht sie auf der gegenüberliegenden Hundewiese. Beispielsweise kommt dort die Frage auf, ob sie vielleicht wirklich herunterzählt, einem geheimen, nur ihr bekannten Code folgend. Sie ist von relativ unbestimmbarem Alter, um die 40 Winter, schätzungsweise, knapp einen Meter und Fünfzig Centimeter an Größe, mit einer struppigen Frisur angetan. Dazu würde ich, auch wenn es offensichtlich nichts damit zu tun hat, dieses Notizbuch zählen, mit den darein geschriebenen Zahlenkolonnen und Stenographie, welches ich einige Zeit hier im Altpapier vorfand, und bis heute nicht zu entziffern imstande.

Nachträgliches

[14.7.]

Sommer. Aus geöffneten Fenstern riecht es nach Buletten. Auf einem Balkon stehen drei zitronengelbe Sonnenschirme. Das Knistern der Grillen, im Weizen, im Wind. Buntes Wassereis am Kiosk.

***

Drei Restaurants an der Hildesheimer Straße, auf dem Weg nach Laatzen: Crystal Jade / Donaugrill / Ouzerie Griechische Botschaft.

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Bestimmt 7 Minuten auf dem Balkon gestanden und gehorcht was passiert gerade. Nebenan wurde gesägt oder ähnliches. Die Vögel. Vor dem „Berliner Eck“ werden Tische und Stühle aufgestellt. Am Ende der Straße fährt die Bahn um die Kurve. Eine Sirene. Ein Schmetterling schlägt mit den Flügeln.

[20.7.]

Als ich dort so am Herd stand, und Nudeln kochte, und der Regensommer durch das Fenster wehte, da hab ich mich gefühlt, auch mit dieser spanisch anmutenden Zweckarchitektur die Straße hinunter, zu zwei Seiten, wie in Mexiko, beispielsweise, mit diesem Verkehr und allem.

***

Diese transistorische Nüchternheit gefällt mir gut.

***

Science Fiction bei Lem: Diese sehr mechanische Utopie, die Ingenieure in ölfleckigen Overals, Kurzwellenfunksignale (Solaris).

[Vergl. hierzu Notizbuch #4, S. 3-7, 9, 11 + 13]

Beitrag #4419

heute vor einer woche abends krank. dienstag mittwoch sehr. alles absagen. dosensuppe medizin dosensuppe fernsehen schlafen dosensuppe leberwursttoastbrot. am donnerstag dann zu ikea. einem (herzenswunsch) folgend. noch krank. das in sich zusammensinkende expo-gelände. einen bonsai gekauft. nachhause gekommen, ins bett gefallen, eingeschlafen. dosensuppe fernsehen. wochenende dosensuppe fernsehen. bis freitag beständig des nächtens traumsequenzen in datenbanken einsortiert, die ganzen nächte lang. freitag abend rasiert.
(Vgl. Notizbuch #3 S. 107-114)

Das alte Land

das alte land, die alte welt, die vorstellung das sie immer noch unter der schicht liegt, hier und dort durchscheint wie unter pergament. eine welt mit gelben telefonzellen. unter dieser neuen schicht welt, die alles bedeckt mit vielfältigen zeichen über zeichen (die oftmals irgendwo drauf zeigen, selten aber selbst etwas).

manchmal bricht es hervor, in einem ding das nicht passen will, (= nicht dazu, aber seit ein paar tagen, und ich bin dem jetzt auf der spur, ich trainiere, wenn man so will, beschleicht, oder vielmehr (es überfällt mich) so eine merkwürdige stimmung die zu tun hat mit der harmonie von geschehen, raum und zeit (um mal den kleinen setzkasten zu rate zu ziehen an diese stelle) und vielleicht bekomme ich das ja noch zu fassen). es wäre doch wünschenswert, denn es würde

[Vgl. hierzu Notizbuch #3, Eintrag v. 14.2.2007, S. 99]

[Aus dem Notizbuch]

25.1. Heute lag der Brief im Kasten. Es hat lange gedauert. Hab ihn in die Innentasche gesteckt und bin schnell, durch die kalte Luft hindurch, zum 200er Bus gegangen. Dann die Kopfhörer und die Sonnenbrille (Lobpreisung der Sonnenbrille). Den Brief öffnen, lesen, merken wie die Last der letzten Monate sich auflöst, schlucken, […]. Aus dem Fenster schauen. Sonnenbrille. Ausgestiegen am Lindener Markt. Nach Luft schnappen (kalte Luft) und […] herunterschlucken. Ein Angestellter der Sparkasse, wo ich Geld vom Sparbuch abehebe um den Laser bei der Zahnärztin zu bezahlen, trägt obenrum rosa. Nach der Behandlung fährt noch die Strahlenkanone einmal um meinen Schädel. Schwindel. Ein wenig benommen wieder an der Kälte. Nehme den Bus 300 Richtung Pattensen.

Ein dicker Hauptschüler sagt zu seinen dummen Freunden etwas über mich, als ich mich setze (bilde ich mir ein?). Ich schaue ihn böse an aus dem Winkel meines rechten Auges, da ist er dann ruhig, das dicke dicke Kind.

* Am „Grünen Hagen“ kurzes Innehalten, Bericht. Jetzt ist nicht mehr alles so grau noch, es wird besser, wieder mutiger.*

In Pattensen beim Walmart gewesen. Gekauft: 1 Packung Darjeeling Tee, 1 Flasche stilles Vulkanwasser, 1 rostrotes Cordhemd (Gr. M, 5€) sowie 1 belegtes Brötchen, einen Schoko-Muffin beim vorgelagerten Einzelhandel, einen Hamburger (1€). Alles gegessen im Laufe, bis auf das Hemd.

Ggn. 14h dann endlich in der Fabrik. 4½ Stunden gearbeitet. Zwischendrin die Kollegin „Buchhaltung“, als sie merkte das der Drucker endlich druckt und ausrief „jetzt passiert endlich was“, mit den Worten „passieren tut immer was, genau genommen“ erfreut. Auf dem Rückweg in die Ecke der Feierhalle (=“Narrhalla“) der „Ricklinger Narren“ gepisst. Zuhause tiefgekühlte Pizza Scampi: 16 sind auf dem Foto a.d. Packung, 11 tatsächlich auf der Pizza. Dazu eine Dokumentation: „Paul Auster – Mein Leben“ gesehen, welche ich am Tage mittels DVB-T-Stick auf den Computer aufgenommen hatte. Es ist alles so wie ich es mir vorgestellt hätte, ich es mir vorgestellt, in diesem Film. Auster ist grauer als auf dem Foto, welches in einem meiner Notizbücher klebt. Ein schöner, interessanter Mann. Brooklyn. Viele Fragmente aus den Büchern in diesen 50 Minuten entdeckt. Gestört hat mich nur das diese Filmleute die Musik aus „Dead Man“ von Neil Young verwendet haben. Wenigstens nicht „American Beauty“, für dieses mal. Sein letzte Buch, die „Brooklyn Follies„, gerade gestern Nacht ausgelesen. Danach (wieder Heute!) ohne Sorge einen Brief an die Uni geschrieben und eingetütet. Konnte es mir nicht verkneifen, das zweiseitige Gutachten mit einer pinken Büroklammer zusammen zu heften. Als Briefmarke das Motiv „Klatschmohn“. Als geheimes Zeichen meiner Ergebenheit.

Aus dem ..

.. Notizbuch, nachgetragen.

[2.9.] Der Klang, den der Wind in den Alu-Jalousien macht.

[6.9.] In der Marketingabteilung von Bushido: Bucht nur Flächen in der Nähe von Berufsschulen… Und ganz viel MySpace!

[7.9.] 11:00h. Aufnahme der Strassengeräusche mit Elstern. „Knuspermüsli“ (viel Zucker) mit „Magic Squares“ (noch mehr Zucker) (hip to be) gefrühstückt. Mehrere Male nießen müssen. Die Sonnenstimmung in der Straße, das Licht und die unsichtbare Baustelle erinnern mich an Spanien im letzten Jahr.

Eine Stunde später: Klaviertöne wehen durch den Straßenlärm hindurch zu mir an den Schreibtisch.

***

COQ DE FRANCE: Stelle ich mir vor, wie eine Horde pupertierender US-Teenager vor dem Kühlregal bei Aldi steht, und sehr zotige Witze über diesen Franz. Weichkäse macht.

***

[8.9.] Herbstgeruch. Am Schreibtisch sitzend, durch das angekippte Fenster. Auf den Balkon. Überprüft. Eine Träne weggedrückt.

***

Als ich das allererste Mal in Paris war, bin ich auf den Champs Elysées in ein Kino gegangen und hab mir den „Terminator“ angesehen.

Aus dem schwarz-roten Notizbuch, nachgetragen

 

9.12./MORGENS

Die Krähen essen sich satt auf dem Feld. Die Rübenberge die mich erinnern an Bilder kambodschanischer Schädelhaufen.

9.12./AM ABEND

Die feingespannte Haut, die schon das kleine Schädelchen zeigt unter den schönen bunten Farben

IM ZUG

Ich sitze im Zug nach Bremen und die Stadt zieht draußen vorbei, gelbe Laternen brechen sich drei mal, vier mal, fünf mal in den Reflektionen des Zugfensters. Eine Weile verläuft die nahe Autobahn parallel zum Zug, ein LKW wird zum Trabanten. Eine Laufschrift tickert wichtige Botschaften in den geschlossenen Raum, Uhrzeit, nächster Halt Dörverden, Zielort und ob das Klo gerade besetzt ist. David Bowies „Ziggy Stardust“, das Telefon bucht sich in eine neue Funkzelle ein, ich könnte heute noch das Meer sehen.

[]
11.12.“I love you I love you I love you“ singt der Beatle und französisch. Gerade über die Aller gefahren. Großes Kino. (Windräder!). Gestern mitten in der Nacht noch auf die Queer-Party gegangen mit C. und einer handvoll hölländischer Hausbesetzer. Kampfzone al Dente. (halbpornographische Botschaften wurden an die Wand des „Marktes der Möglichkeiten“ geworfen) Mein Ekel vor der Fleischbeschau wurde mir natürlich missverstanden. Wie doof, das ist mir doch sowas von égal.

Nun sitze ich hier in meinem Kneipendunst im Zug und fahre durch das schöne graue Winterland. Nienburg/Weser – im Wartebereich auf dem Bahnsteig die Sprüche „Band die sich Pferd nannten“ und darunter „arte-Fans gegen rechts“. Dazu ein Ensemble von einer leeren halbliterflasche Graskovskaja und 4,5 Underberg (o.ä.). Better run for your life if you can little girl.

*
Ausgerechnet bei K. die nicht raucht, nicht trinkt, kein Fleisch ißt, im Wohnwagen lebt und demnächst mit der einjährigen Tochter nach Indien fliegt (das ganze Programm, ja) so etwas wie Verständnis verspürt für das was ich mache (das es gut ist), obwohl ich Ihr nichts erzählt habe. Als ich ihr sagte das ich das Kribbeln in den Händen gerne mag (beim hereinkommen) und die Kalte Luft draußen.Was für eine Zugfahrt (Tøg). Gespräch: „Pass mal auf, direkt am Bahnhof, hinterm Bahnhof, da ist ’ne Disko, ne, dann ist da Bar, Hocker und so da kannste die Musik hören, da kann man sich unterhalten, ne!?. Das ist voll da gehen dreihundert Leute in den Laden dann sind 50 Leute drin ist der Laden voll“ und dann später derselbe mit derselben Wochenendausflugsstimme „Paranoide Psychose, ne, Verfolgungswahn, paranoide Psychose hat der“ daraufhin sein Reisegefährte „Ja ich hab auch ’nen Freund der hatte mal Größenwahn ab und zu“

Neustadt (a. Rbg.). With a little Help from my Friends.

Das Notizbuch abarbeiten und dann ins Raunen und Rauschen gelangen.

* / 7.10.05

Das Liebespaar an der Haltestelle, am ersten Abend an dem der Atem Wolken macht. Ich weiß es nicht ob es zwei Mädchen waren ich denke schon, ich. Wie sie sich einhüllen in die eignen Wolken. Hier geht es ja garnicht um Sex, hier geht es ja um Wärme.

* / 2.11.05

She’s such a Bitch, she’ll never die (Element of Crime, „Basically sad“)

Unterschwellig-aggressive Haltung die man einnimmt wenn man leicht fröstelnd an der Haltestelle steht

Der Idiot der sich natürlich hinter mich stellen muss mit der abgewetzten Jacke & stinkiger Kippe und anfängt Grimassen zu schneiden indem er mit der Zunge in den Zähnen herumzutscht.

* / 3.11.05

Donnerstag ca. 19:50 Klaviermusik aus der Ricarda-Huch-Schule.

Vor der Waschmaschine stehend (die gerade am schleudern ist) höer ich mir an wie der Topfdeckel dort Töne macht, verschiedene.