Clevertor beim Beginenturm

Am Morgen eine Schauspielerin, auf dem Fahrrad an der Ampel gegenüber wartend, gesehen die ich sonst nur von der Internetseite kenne, die ich betreue. [Sehr merkwürdig, dieses Gesicht, sonst immer nur, gewissermaßen, Symbol für ein anderes Leben, hier und jetzt, während sie mich natürlich nicht erkennen kann]. Nachmittags ein Bansky-„Werk“ hier in der Stadt entdeckt. Am Abend die Sendung für komm. Freitag aufgezeichnet.

immer wenn

ich den soundtrack zum film „berlin babylon“ höre, von den „einstürzenden neubauten“ maßgeblich, muss ich an diesen einen tag denken, es waren schon wolken vor dem atem in den straßen, an dem wir euren umzug dorthin gemacht haben. und wie wir, ihr, die jetzt nicht mehr meine freunde, und ich und die damals noch ganz neu aber jetzt immer noch meine liebste ist, wie wir vor dieser kneipe standen und ich das plakat von dem stromverteilerkasten herunternahm.

berlin ist immer nur noch november für mich. seit dem.

alte texte

anfang der 90er jahre des letzten jahrhunderts. schreibmaschine, da mals noch keine andere mechanische schreib vor richtung handen. kontoauszugsordner. staub. stundenprotokolle eines schulkameraden, der um die ecke: proklamation. lenin. platz zu schaffen für einen größeren fernseher, der zwar vom sperrmüll ist.

Abgeheftet,

in einem Leitz-Ordner, vorher jedoch gebügelt, und nach Möglichkeit auf DIN A4 geschnitten, unter zuhilfename einer Schneidemaschine: Die Geschenkpapiere der vergangenen Feste: Ein Ordner für den Geburtstag, ein Ordner für Weihnachten. Sie stehen nebeneinander im Regal, zwei Male im Jahr werden sie zur Hand genommen.

negerkuss erkenntnisgewinn

will ich, trotz der fortgeschrittenen stunde (auf der suche nach der) versuchen, dass was auf dem zettel, den ich tagsüber mit mir herumtrage, direkt hinter den augen im kopf und oberhalb der nase, zu verschriftlichen. stellen sie sich vor: ein junkie frühstückt zwei wassereis, die gestern im fernsehen noch als besser für den bikini, als ein joghurt, veranschlagt wurden, seine bikinifigur ist dem wohl oder über aber egal. das treppenhaus zuvor, genauer die etagen drei und zwei, rochen nach bügelwäsche. heute in der fabrik #1, die der leibnitz universität angeschlossen ist, beim mittäglichen gruppengrillen tatsächlich das wort negerkuss benutzt, voller kindlicher einfaltslosigkeit. es ging um was in der mikrowelle am schönsten platzt, außerdem genannt wurden von mir, politisch unverfänglich aber, eier und CDs. auf die frage wie man auf so etwas sagte ich nur, ganz chaosforscher, erkenntnisgewinn. noch dazu arbeitet die dame im gleichstellungsbüro. da die hintere felge aufgrund einer falsch angelegten unterlegscheibe ihre stellung änderte, was den reifen an (den rand des wahnsinns) den rahmen drückte und ich gestern das fahrrad am steintor habe stehenlassen müssen (feierabends tatsächliche erfolgreiche verhandlung mit dem busfahrer, der mich beim einstieg über lautsprecher erst ab 19 uhr möglich hinwies und dem ich vorschlug, er möge darüber hinweg und wenn kinderwaagen oder aber es voll käme würde ich wieder aussteigen, worauf er einwilligte (und da dieser letzte zusatz nachrichten von gestern ist können sie ihn gerne ausdrucken und bspw. einen bückling dorthin hineinverwickel)), von daher (weht der wind) (vom kopfe her) musste ich also heutzutage die verschraubung korrigieren, was mir ebenfalls gelang. währenddem drang ein geruch an meine nüstern, von halbvergorenem pferdemist, eine ameise sah ich über die risse im asphalt krabbeln.

bei rewe, woraufhin ich mit meinem frisch beschlagenen drahtesel galoppierte, telefonierte ein muskelshirtgewandeter, stark tätowierter, lautstark mit einem geschäftspartner. es fielen mehrer worte und sätze, die auf die art (und auch die weise) der hier dringlichst zu besprechenden geschäfte hindeuteten. gegen ende des telephonates wurde er immer leiser, sagte immer öfter ja anstatt halber sätz. auf dem kassenband konnte ich ausmachen: 6 eier, 5 becher dany&sahne imitat, 4 kinderschokoladen. im treppenhaus roch es immer noch nach gebügelten hemden, und um ca. halb zehn kam die nachbarin von ihrer schicht bei ikea zurück. heute war der allerbeste sommertag

, und plötzlich wacht man auf, und hat eine vergangenheit.

eine ganz andere stadt,

die sich plötzlich auftut, nur ein paar wenige straßenzüge weiter. willentlich habe ich mich ein paar mal verfahren, immer nur soweit das die grobe richtung nicht aus den augen. die straßen nicht bekannt, oder nur von früher einmal, eine andere zeit, die stadt ein wenig mit fremden augen (zu betrachten imstande gewesen). gemerkt, das dass so ist und das es so echt ist und gut vielleicht sogar. in ein gewerbegebiet geraten, in dem es gebrannt haben muss am nachmittag, es roch nach verbranntem plastik. überhaupt all diese sommergerüche, immer mehr je näher ich dem kanal komme, der mein wendepunkt sein soll. drei schiffe und drei brücken hintereinander weg, da eines von zwei fotos auf diesem weg gemacht, wobei das zweite gerade eben entstand, am moltkeplatz, wo ich mich setze um dieses hier, bevor das wieder anfängt, aufzuschreiben, schnell und mit krakeliger schrift, die später zu entziffern ich meine liebe mühe haben werde; die häuser, die mir nahe stehen, als würden sie etwas mit mir zu tun haben, für deren bewohner ich mich nur soweit interessiere, als das ich mich frage, wie es sich anfühlt dort. jedes ein einzelnes und doch stehen sie dort gemeinsam, in den straßen und eines nach dem anderen. auf der ersten brücke, auf der ich den kanal quere, ein wagenplatz in den schatten der brücke geduckt (heute verkneife ich mir das fotografieren), hier wohnen auch menschen. dieses echt-sein der häuser ist etwas, beschäftigt mich sehr auf dieser gewollt orientierungslosen radtour in meiner unbekannten stadt. und wie weit die ebene ist, die sich von den kanalbrücken ergibt, mit dem blick über die kleingärten hinweg, die rechts und links vom mittellandkanal, sich erstrecken.

die häuser und gärten bestehen nicht aus pixeln, ich sehe sie nicht vermittelt. auch nicht die menschen zwischen ihnen, auf fahrrädern, zu fuß, in autos und bussen.

auf dem rückweg einen polizeizug in die kaserne am nordring einfahren gesehen, panzerräumwagen und wasserwerfer. (dies ist tw. eine abschrift aus dem notizbuch): nur durch zufall (coderwelsh! synchron!) und vor wochen bereits, aus spaß anstatt der seitenzahlen hier „polizei“ (s. 110) und „feuerwehr“ (s. 112) eingetragen.

demnächst spielt holland im viertelfinale der e.m.

***

Voll von dem Gefühl: Da ist so viel Zukunft und Möglichkeit.

***

Auf dem Rückweg dann, dem obigen Reisebericht eigentlich direkt angeschlossen,  der Kioskbesitzer ist sehr guter Laune und nennt mich Monsieur, „ein schönes Wochenende noch, Monsieur!“, freut sich weiter für seine Mannschaft, die türkische. Dies ist einer der besten Stadtteile der Stadt.

***

neulich, als ich auf der expo-plaza war und ein stechen in den augen, verspürte, dachte ich von ungefähr an london und die parks und london-platanen, und wie viel kleiner diese hier doch sind, vor dem deutschen pavillon, stehend, unkraut gewiszermaszen auf den schultern von riesen. die sich das abzukratzen zu versuchen versucht sind.

***

und dann, als mir so schwer ums herz gewesen, ward: „Die Platanen im Jardin du Champ de Mars in Montpellier“, allein das auszusprechen, sich das ausgesprochen zu denken: wie die worte klingen, wie die worte dann tatsächlich nicht zeichen sind, sondern für etwas anderes dort als buch staben geschrieben stehen, was (auch dort!) über sie hinausweist.

***

40% of German soldiers too fat.

***

und direkt danach dieses, wo ich, den text ausseracht lassend, im RSS-Reader nur runterscrollte, und diese traurigen, hoffnungsvollen bilder sah, in einem von zwei augenwinkeln festgehalten: paris in schwarz/weissen bildern, paris im regen. paris in graustufen. paris als ein ort, den es nicht mehr gibt, ich habe den text bis heute nicht gelesen, paris wie es einmal hätte sein können. welch tragischer verlust. eine junge frau in einem regenmantel; wie die stehenden bilder, die eigentlich nur zeichen sein können, nur index, über ihr fotographisches sein hinaus: mehr sind. der eine augenblick, der auf die zeit an sich gerichtet ist; wie auch die ortsbezeichnungen in stadtplänen mit bedeutung aufgeladen sind für denjenigen, der einmal dort gewesen ist, und