Nachgetragen vom 30.9. / Arbeit / A4

[Aus dem Notizbuch abgeschriebener Eintrag vom 5.10.] „Nur heute Sonderverkauf Mark Schantal Lederwaren kaufen Sie eine Handtasche für 10 oder für 15 Euro eine Geldbörse bekommen Sie für 5 €uro nur heute der Lederwaren-Sonderverkauf in Ihrer WULLWORT-Filiale“ (Per Lautsprecher nach draußen übertragen in die Fußgänger-Zone, vor der Tür wartet ein Rüttel-Auto (Rot + Aufschrift „Fire Dept.“) sehnsüchtig auf Publikum und Münzen).

Verkaufsoffener Sonntag…

… [Nachtrag aus dem Notizbuch, 4.10.2009] Bei Lidl im HBF eine viel zu teure weil falsch ausgezeichnete Glühbirne gekauft. Station HBF, das Mädchen mit dem stumpfen, fuseligen Haar, ½ Liter Starbucks Pappbecher vor sich tragend und eine Tüte Aufschrift „I ♥ FOREVER 18“, mit ihrer fetten und ihrer hübschen Freundin sich über das gemeinschaftliche Shopping-Erlebnis austauschend, die Stumme ist auch dabei, sagt aber nichts. In der vollen U-Bahn transportiert ein Paar einen Bürodrehstuhl mit gepunktetem Muster an welchem ein Zettel klebt: „Nimm mich mit!“: Beim Ausstieg Vahrenwalder Platz verheddern sie sich in der Tür. Dragonerstraße: Vor der Änderungsschneiderei, in der auch Heute gearbeitet wird, wie ebenfalls am gestrigen Abend, steht ein Fahrrad, auf dem Gepäckträger mittels Gummistrippen befestigt verschiedene Dokumentemappen. Eine Straßenecke weiter sind die beiden Schlafsäcke, die beim Sperrmüll lagen, verschwunden. Gestern Abend dachte ich bereits so etwas, es ist der Fußweg zum Männerwohnheim.

Sperrmüll auf dem Friedhof

Neulich war ich auf dem Gartenfriedhof, auf welchem eine Künstlergruppe mit Namen „Sport“ eine Ausstellung organisiert hat. Im Pressetext heißt es vielversprechend „Der Umgang und die künstlerische Auseinandersetzung damit lassen eine spannende und abwechslungsreiche Kunstbegegnung zu.“ Das hätte passieren können, mein Eindruck war jedoch das hier Sperrmüll zwischen alte Grabmale gestellt wurde und soweit so gut. Das kann ästhetisch reizvoll sein und bietet Raum für Gedanken. Über den Vergang der Dinge und ihr weiterbestehen nach dem Tod ihrer Besitzer, ihre Geschichte und all solche Sachen. Man könnte sich die Chaiselongue („Liebessofa“, Martina Vollmer) in einem klischéehaften Pariser Bordell imaginieren, beispielswiese. Gut gefallen hat mir aber z.B. die Neubeschilderung der Friedhofsabfallbehälter („Wandlung“, Anja Steckling), die sinnbildlich das Entsorgen (oder auch das Bewahren?) von mit dem Sterben verbundenen Empfindungen ermöglichen, die übrigbleiben, die nun nicht mehr geklärt werden können: Einer trägt das Schild „Nur Schuldgefühl“, ein anderer „Nur Zorn, Groll“, jeweils gegenübergestellt ein Behältnis mit den „originalen“ Auszeichnungen (Nur Glas, Plastik, Blech – Nur Pflanzenabfälle).

Weitere Werke stammen von Helen Acosta Iglesias, Vera Burmester, Andrea Eifler, Vrank Hühnerbein, Maja Nuttelmann und Ilka Theurich. Aufschreiben sollte ich ausserdem, dass am Abend vor meinem Besuch ein kurzer Sturm über die Stadt ging, so das vermutlich einige der Exponate ein wenig in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Vielleicht war also am Abend zuvor noch alles um einiges anders.

Alle Fotos die ich gemacht habe kann man sich hier ansehen. Die Ausstellung ist Teil der Veranstaltungsreihe Gartenregion Hannover, von der vermutlich später noch zu reden sein wird.

Neulich in Oberricklingen

[21.4.] Die Jungen spielen in der Abendsonne Killerspiele nach, nur mit Händen, Geräusch und Ansage; "Das war der linke Arm, jetzt kommt das rechte Bein und jetzt der andere Arm".

Die Klinke der Kellertür wird genutzt, die Eingangstür des Hauses am zufallen zu hindern. Mit den Jahren hat sich an der Stelle, an welcher sie auf dem Holz aufsetzt, eine exakte Mulde gebildet, die dem Provisorium zusätzlichen Halt bietet.

Direkt um die Ecke befindet sich die „Schießanlage der Schützengesellschaft Oberricklingen von 1953 e.V.“

(Wie wenig hier möglich ist.)

Rosenberg, Rosenbaum, Goldschmidt

Ernst-August von Braunschweig-Lüneburg verkaufte die 82 Einzelstücke des Welfenschatzes deshalb schließlich im Januar 1930 für acht Millionen Reichsmark an ein Konsortium aus vier namhaften jüdischen Frankfurter Kunsthändlern: an Zacharias Max Hackenbroch, Isaak Rosenbaum und Saemy Rosenberg in der Firma J. Rosenbaum und an Julius Falk Goldschmidt in der Firma I. & S. Goldschmidt.

(via Schabat Schalom)