Boulevard der EU, 30.4.07

Heute am Vormittag. Mit der 6 zur Messe/Ost, vormals Expo/Ost. Auf den Ohren mithilfe des mobilen Telefons und seines integrierten mp3-Players: Sonic Youth: Washing Mashine. Vor den Augen: Amerikanische Polaroids von Coupland, immer noch. Eine vortreffliche Musik- wie auch Literaturauswahl für eine derartige Reise in die Vergangenheit/Zukunft. Dieser Text geht woanders hin. Ich hingegen wollte zu IKEA. Kaufen einfach alles.

Der Holländische Pavillon stimmt mit seinem fortwährenden Verfall, dem stets aufs neue zersplitterten Sicherheitsglas, den demontierten Treppenstufen, die mich davon abhalten dennoch trotz geschweigedenn der Absperrungen hinaufzusteigen, seiner immer noch dort prangenden Besucherzahl 2.800.000 – traurig. Der Wald im 3. Stock hingegen, und inzwischen auch auf dem Dach, der Wald!

Gegenüber eine schwarze Wand. Es sieht tatsächlich genau so aus dort. Trümmer über Trümmer. Und wie mich das daran erinnert, an Vancouver, 1992, als ich dort am ehemaligen Expogelände vorbeifuhr, und später dann dachte ich, bei uns da wird das nicht, es ist genauso gekommen. Die Expo-Plaza ist noch einigermaßen populär, dort sind Hochschulen und Fernsehsender angesessen, ein wenig weiter noch der Peppermint Pavillon. Des weiteren: Nichts weiter. Und weil Coupland ja in Vancouver wohnt. Dort heisst es:

Scott, Amy. Todd und Cheyenne nähern sich dem Konzert. Der versengte Berg hinter ihnen ist bereits vergessen, ebenso die anderen Nachrichten des Tages – schwache Beben in Watsonville und Loma Prieta und die Kontroverse über die Lagerung vasektomierter Atomwaffen in Richmond, ein Stück weiter die Bay hoch. Doch etwas von dem, was sie heute gesehen haben, wird hängenbleiben. Und so werden sie zum x-ten mal seit dem Kindergarten [since Kindergarten] vor fünfzehn Jahren in ihrer Art und Weise, die Welt zu betrachten, bestärkt.

Und das hat er als erstes gemacht, nämlich die Clearnames der Unternehmen die unsere Welt beherschen in die Fiction einzubinden, und sie dadurch Realität werden zu lassen, „Bis später, Alter“ sagt Fötus und macht ein Peace-Zeichen, während er sich von Dennis entfernt. Er stolpert über ein dickliches Baby, das einem blauen Citibank-Ballon hinterherkrabbelt, und sein Orangendrink schwappt über.

Und bei IKEA, im sog. Schwedenshop die zwei Ureinwohner, wie sie sich wundern das es alles hier zu kaufen gibt, fern der Heimat. Über die Regale hinweg rufen sie sich Namen, Bedeutungen zu, ich kaufe nur eine kleiner Tüte Fliederblütensaft, und meine Festplatten heißen „Bullerbu“ und „Saltkrokan“.

(Nach Diktat verreist).

Algorythmen die der Komprimisation von Musiken dienen kommen oftmals mit Applaus wenig gut zurecht. Ist das Klavier noch gut zu hören und das Wesentliche, wenn der Applaus einsetzt mit der Stakkatoartigen Abfolge von Höhe und Tiefe beginnt ein Wispern und Knistern, Zirpen, ein gurgelndes ich weiß es garnicht in Worte, und die Narzissen die ich gerade auf dem Markt am Moltkeplatz kaufte, die duften.

und froh

unzulänglichkeiten bereitgestellt dankenswerterweise. hier und jetzt. die skala der erträglichkeiten (=mailänder. richter?). besprochenheiten verschwiegenst. aus eigener kraft nachhause (ohne eigenes dazutun immernur treten) und dann. vorbei an jenen lichtern. noch dies und das (insbesondere) gekauft und. von opernsängerinnen und strassenbeleuchtung. fallen nun die finger hinab (von oben herunter auf die tasten). sich vor. bedeutung über die hinauserlangend befreiung von der. tigerfellmuster. und so, du willst dir also deinen traum erfüllen roman südfrankreich. die beste aller welten schaukel stuhl. sagst du dir. das wird nichts, so lieb ich dich auch, aber daraus wird nichts cara mia. dafür musst du leiden, hörst du? leiden musst du dafür, bis du nicht mehr kannst, weiter weisst und den preis bist du nicht bereit zu zahlen. das hast du oft genug bewiesen, oktoberfest. mal die wand an bunt und kraut jeten im neu rosen garten.

das macht mich so traurig. und froh.

Von Glashäusern, Bretterbuden, Geröllheimen.

Mit Freuden den ersten Stein werfen. Einer muss ja mal den Anfang machen. Und wer wohnt schon in einem Haus aus Glas? Nachtschattengewächse. Muss ganz dringend eine Million Fotos hochladen. Jetzt pappt wieder jeder CeBIT-Hansel den Hannover-Tag an das Foto von seiner überteuerten Bretterbude. Seisdrum, Schlimmerenden, Hoffnung. Drei benachbarte Dörfer im Marschland. Die Vorratskammer (der untersten Etage) aufgeräumt, Waschmaschinenschläuche, dazu Schlauchschellen, Gaffa-Tape, Glühbirnen. Dringend etwas für Die Dinge tun. Tun. Überhaupt. Zwei Hämmer aussortiert. Jemand anderem an die Türklinke zu hängen bittesehr. Ein Glas Leitungswasser mit Natron getrunken. Schmeckt wie gemalene Fischknochen. Den Bonsai heute mit dem Gedanken „Im Zwergenwald regnet’s auch nicht alle Tage“ nicht gegossen. Mich düngt er gedeiht vortrefflich. Höre japanische Musik aus den 30er Jahren beim Heimatsender. Werde mich gleich dem Schweigewettbewerb mit meinem Textverarbeitungsprogramm stellen (=müssen). Wer zuerst zwinkert hat verloren. Der werfe den ersten. I deny the holy Spirit. (Link folgt) (via).