den ich ich sagte es bereits ich vermissen werde wenn es in die stadtvilla geht also im bus sitzend und jonathan safran foers extremely loud & incredibly close lesend höre ich die vorstadt von lomov und der ja gebürtiger hannoveraner ist und von welchjenigem ich vermute aus einer ähnlichen stadtrandurbanität feld gleich nebenan und roter klinker zu stammen wie ich ich und und ich bin auf seite neun erst aber es ist ein tolles buch und und die musik passt so schön zum busfahren und ich höre die pneumatik stoßweise schnaufen wenn der bus anhält und eine neue verkehrsinsel damit die neuen bewohner des neuen neubaugebietes am rande von arnum sicher über die strasse zu gelangen imstande sind und der lärmschutzwall erschüttet mit der erde aus den baugruben nimmt mir ab sofort ein stück des blickes auf den deister die orte wuchern weiter aus sich heraus und in die felder hinein der lärmschutzwall zunehmend überwuchert ist er am anfang nur ganz wenig aber dort wo sie mit der aufschüttung begannen ist er schon ganz grün mit kraut von dem was dahinter geschieht werde ich nur eventuelle baukräne sehen und betonpumpen mit ihren langen rüsseln und dann wenn die ersten dachstühle ihre rippen entfalten aber dann ist es vielleicht zu spät bereits und ich fahre nicht mehr auf dieser strecke mit dazu passender musik aber ich empfehle ich ich diesen text vielleicht auszudrucken von wegen der augen und und dann stellt sich der fahrkartenentwerter ratternd und schnarrend auf eine neue uhrzeit ein im zwanzigminutentakt
Blumen
Ende August und Anfang September
der allererste Herbstgeruch, wie Apfelpfannkuchen. Hingegen die frühen Sommer, angefüllt mit dem Duft von Kamillenblüten am Bahndamm und ähnlich verschwiegenen Orten.
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Hab gerade dann die allerletzten, ürbiggebliebenen Weihnachtskarten, die hier in der Fabrik seit dem Jahreswechel im Karton auf dem PC liegen, entsorgt. Sie riechen nach Kiefernbäumen aus Plastik. Sofort Kopfschmerzen und Halskratzen. Dieses Jahr geruchsneutral.
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Seit ungefähr 2 Tagen versuche ich, mir einen grünen Tee zu kochen. Immer wieder: Ach ja, grüner Tee! (wenn bspw. ich den leeren Becher, mit dem Teesieb dort herinnen, auf der Waschmaschine stehen sah). Dann Wasserkocher an, Wasser kocht. Ein oder zweimal hab ich heißes Wasser in den Becher gegossen, ohne das sich jedoch Tee im Sieb befunden hätte. Nun ist es aber endlich gelungen.
5,500 Kinder

Währendessen
Heute um 12 am Steintor, ein dicker Polizist winkt die Autofahrer auf eine andere Spur, vor der Abzweigung eine Strassensperre der Polizei – Razzia im Rotlichtviertel. Vermutlich. Nicht einmal eine Kelle oder so einen weißen Winkestab haben sie ihm gegeben. Im Bus lese ich die „Amerikanischen Polaroids“ von Coupland, kleine Geschichten und Reportagen aus den 90er Jahren, aus meinem Jahrzehnt. Wie merkwürdig, dieses alles bereits Vergangenheit, bereits so weit weg, die Fotos schon leicht gelbstichig. Berührungspunkte, Nadelstiche. In Pattensen fährt mir der zweite Bus, den ich nach einem kurzen Einkauf nehmen wollte, direkt vor der Nase weg. So muss ich zu Fuß durch die Sonne gehen. Auf dem Parkplatz vom Walmart, der nun doch bald schließen wird, stehen Pflanzen die seit der Zeit der Dinosaurier genau so auf diesem Planeten wachsen.
Sommerfrische (2)

Inzwischen, anderswo
An meinem heutigen Tag, hätte die Arbeit bleiben lassen sollen, und die nächste Wiese oder Schwimmbad aufzusuchen. Es riecht nach Tannen und Kölnisch Wasser. Beim Café-Franchiser die mittlere Größe. Dem Busfahrer einen kritischen Blick auf den Becher zu entlocken. Deckel drauf. Frisch gechlorte Klimaanlage. (Jetzt: Vorgestern: Erinnerung: Chlorophyll) Schau ich mir die vom Internet ausgedruckten Urlaubsfotos an. Am Zentralen Omnibus Bahnhof in Pattensen treffen sich die Hobbytrinker um 11 Uhr Vormittags. „Alles Rotscher in Kambotscha?!“. Filterzigaretten und billiges Bier. Ich gehe zum Comet, einen Apfel, eine Banane, einen Waldfrucht-Joghurt und Wasser zu erwerben. Die Etiketten an der Waage sind alle. Auf den Ohren: R.E.M.: „It’s the End of the World as we know it (and I feel fine)“.
Der nächste Bus fährt weiter. Ich freue mich sehr über die kleine Steppe, die sich auf dem Brachland vor dem Kiessilo erwächst. Bereits mehrere kleine Bäume hier, und das ist ja was in diesen Breiten mit Land passiert, wenn man es in Ruhe lässt: Der Wald kommt zurück. Von dem Schild „Zu verkaufen“ steht auch nur noch das Gestell.
Postkarte von den Eltern: „Vor unserem Gartenbalkon steht ein filigraner Baum, auf dem sich ab und an ein paar Canarienvögel zum Konzert verabreden“
