meiner wohnung in der dunkelheit
in der nacht und es sollen fotos
sein mit weit geöffneten augen und
vor den augen kein teesieb und
man soll die wohnung meine
wohnung bei nacht darauf
entdecken können mit dem
scheinen des mondes von aussen
herab und ansonsten in
ermangelung von mond und schein
die beleuchtung der strassen durch
die fenster dringt und
möglicherweise die vorhänge
geschlossen wie auch an diesen
tagen in der letzten zeit um mich
herum und heute hat jemand
danach gesucht nach dem was wir
taten es gibt ein wort noch unter
den tausenden das kündet davon
und schreiben möchte ich kurz
daran gedacht das zu lesen was du
schriebst aber es ist es nicht mehr
was du schriebst und schreiben
möchte ich können wie die möwe
die fliegt und eine muschel sich
fängt mit dem krummen
geschnabel und ich erinnerte mich
und heute an die nacht vor dem
vorletzten geburtstag der
großmutter als die drei jahre aus
mir heraus und bei dir landeten gibt
es dort nun mehr möwen wo du
jetzt bist und was wird es dann
helfen rein garnichts rein garnichts
und in (gewisser weise) hast du
mich gerettet in dieser nacht denn
ohne rücksicht auf die verluste ließ
ich das alles auf sich bewenden
und in der küche zwischen den
leeren flaschen und danach war es
dann gut denn zumindest für mich
wider man trifft sich immer zweimal
im leben das haben wir hinter uns
ich zumindest kann das behaupten
einfach so und mit fug und recht
zwar
Gedichte
die synchronstimme #97
eigentlich, es hätte, vielleicht, sein sollen: die nummer einhundert. da jedoch (die speicherkarte voll) und ich (nicht willens) zweierlei belanglosigkeiten, um zumindest die kabalistische 99 (tonight i’m gonna party like it’s), noch heraufzuladen, es ist so wie es sein soll:
aus zufälligkeiten entstanden, (aus versehen), hintereinander gehört und dann zusammengewachst: kombinatorische lyrik, ein altes rabengedicht, wobei die herrschaften „the nylon standard“ dann ihr scherflein dazu beigetragen. ihren senf. gewissermaszen: ins trockene gebracht, eingehüllt in seidene tücher. unter den höcker gestellt.
(anhören) (RSS) (0931 – 663927159)
Gedichte schreiben
Für mich eigentlich nur einmal der Versuch zu erklären und zu klären was ich für Ideen zu dem schwierigen Thema Lyrik habe, was Gedichte für mich sein können und so weiter.
Was ist ein Gedicht und was ist kein Gedicht? Ein Gedicht ist ein literarischer Text bei dem der Zeilenumbruch nicht durch den Satzspiegel, den Druck vorgegeben wird. Das ist die in diesen Zeiten für mich „wahrste“ Form einer Definition von Lyrik. Eine andere Frage ist natürlich die, ob es überhaupt eine Aufsplittung von Prosa und Lyrik braucht – das ist aber jeweils eine andere Geschichte.
Ein weitverbreiteter Irrtum ist es, dass Gedichte aufgrund ihrer kürzeren Form einfache zu bewerkstellligen sind als Prosatexte. Was ja Quatsch ist. Ein Gedicht das in einer Viertelstunde entstanden ist ist – meine Vermutung – eher schlechter als ein Prosatext mit der gleichen „Produktionszeit“. Bei Prosa kann ich schwafeln und Erklären, ein Gedicht muss ohne das auskommen. Das was vielleicht auch auf 5 Seiten hätte gesagt werden können kristallisiert sich in wenigen Worten. Lyrik ist transluzent. Sie lebt von der Chiffrage, von dem Ungesagten das man vielleicht nur als Lichtreflex auf der Wand wahrnimmt, und jeder Leser sieht eine andere Farbe, kuckt er ja aus seinen eigenen Augen. In einem Gedicht schwingen immer noch die Seiten der Lyra mit, auch wenn sie inzwischen an einem Marshall hängen mag.
Aber das ist ja nur blabla. Muss jeder selber wissen. Für mich muss sich in Lyrik etwas „verdichten“, es muss etwas mitschwingen was halt eben nicht unbedingt. Wuchernde Wortwelt, Irritationen. Auch gerne. Ob nun gereimt wird oder nicht, Sonett geschrieben oder welches Versmaß auch immer, völlig egal. Wenn gereimt werden muss, muss es eben so sein, und wenn es Sinn macht meinetwegen –mit Zahnknirsch- auch zentriert gesetzt.
Ach ja, das Zentrieren, mit dem Word geht das so einfach und überhaupt kann noch nicht genau gesagt werden ob die elektronische Textverarbeitung der Schriftstellung klassischer Prägung überhaupt zuträglich ist. Beim „VersSchwoerer“ jedenfalls ist es so gewesen das wir eigentlich alle zentriert gesetzten sogenannten Gedichte am besten gleich an die „Bravo Girl“ hätten weiterleiten können. Naja. Fast alle. Aber darüber sollen andere Leute ihr Buch schreiben. Wir haben zumindest eines immer trotzdem gedruckt, weil wir die Leute nicht so brüskieren wollten. Vielleicht war das ein Fehler, egalomat.
Ich bin glaub ich kein großer Lyriker, was weiß ich, dass sollen bitte wiederum andere entscheiden. Ich versuche immer, alles für die Aussage die ich haben möchte wichtige stehen zu lassen und alles weitere wegzunehmen. Oder einen besonderen kontrapunktischen Rhythmus zu benutzen, oder Brechungen zu setzen und es würde aber auch so gehen, vielleicht macht es dann auch eher Sinn? Auch das herauszufinden mute ich dem Leser zu – die Mehrarbeit die ich beim schreiben hatte sollte doch Zeigefinger erhoben bitteschön durch zumindest zweimaliges Lesen gewürdigt werden danke.
Blut
leer pulsierendes
herzelos, schlaflos
gelassene Seelen
not im Kopf
fieber des urbanen
Stadtgekröse, Pest
wurmfortsatz im Untergrund
steinbetongewölbe
meiner Heimat.
Und dann das:
Blut Blutleer leer pulsierendes Herz herzelos schlaflos losgelassen gelassene Seelen Seelennot im Kopf Kopffieber des urbanen Stadtgekröse Pest Pestwurm Wurmfortsatz im Untergrund Grundstein Stein Beton Steinbetongewölbe meiner Heimat
Das sind fast doppelt so viele Worte. Nun ja. Vielleicht ist es kein gutes Gedicht (siehe oben) aber es zeigt doch ein wenig was ich meine. Was wollte ich nun eigentlich sagen? Gedichte sind schwierig, zu lesen und zu schreiben. Mit dem reinen Empfinden kommt man oft nicht weit. Ähnlich der Philosophie haben Gedichte erst mal weniger mit Sonnenuntergängen zu tun. Und nur auf Postkarten sind diese zentriert.
Wie wenn man sich entscheidet die Rose in Schwarz/Weiß zu fotographieren, vielleicht.

sonntag abend
den grünen drachen reiten, durch ausgestreckte brachländer. die welt, gepackt in eisglaswolle, und eine kette gelber perlen wird sichtbar. die größte lampe der stadt geht an, und scheint über den leerstehenden büroneubauten einen fahlen schein, den abglanz besserer zeiten. vor der wäscherei, in meiner strasse, steht ein mann und redet mit der wand.