Im Radio

Da fiel mir gerade ein als ich meine Zeit mit dem beantworten von Fragen vertrödelte, dass ich ja heute am Abende zusammen mit dem K. (ein Jahr lang Vollmond) eine Sendung anzufertigen gedenke. Und da heute so ein von Erinnerungen durchtränkter Tag (zu sein scheint), folgendes; Weezer, R.E.M., Tocotronic, Radiohead (Pablo Honey), Neil Young, Nirvana und Sonic Youth. So. Und jetzt kommst Du.

Tod im Netz

Und ich lese im Sender, eine Fotokopie einer Todesanzeige, angepinnt an das schwarze (hier: weiße) Brett. Und dann stirbt da einer, und ich möchte ja nun wissen, kannte ich ihn denn? Und dann google ich nach einem Toten, das klingt jetzt so ich weiß es nicht, und alles was im Netz bleibt, dass sind dann seine Fotos im Polizeiautoforum, und die Stayfriends-Seite mit dem Abiturjahrgang, die wird auch nicht mehr aktualisiert, und dann ist da noch die Abschlussarbeit die er ins Netz gestellt hat, und eine Notiz von den Kollegen in einem Blog, ein kleiner Nachruf, immerhin. Wie banal das alles ist, wie der stehengebliebene Abwasch und die Uhr auf 20 nach 11, und niemand weiß ist es Nacht gewesen oder am Tage.

Slowly fade away

Daran erinnert wie ich früher bei meinem Radio in meinem Zimmer immer bevor ich es verließ für längere Zeit den im Radio laufenden Song behutsam herunterregelte, ausblendete. Auch die Unart (die mit der CD aufkam, eigentlich erst, Fluch der digitalen Medien) die einzelnen Songs nicht zuende zu spielen sondern weiterzuskippen war mir sehr zuwieder.

radio flora droht der Lizenzverlust

(Entgegen der sonstigen Gepflogenheiten in diesem Blog, die sich wohlwollend mit minimalistischer Subversivität umschreiben ließen, ein kurzer Einwurf):

Am 05. März hat sich der Ausschuss für Bürgerrundfunk und Medienkompetenz der Niedersächsischen Landesmedienanstalt gegen eine Lizenzverlängerung für radio flora ausgesprochen. Das ist schlimm für Hannover, seine politische und kulturelle Szene und die ganze bekannte Welt. Auch für mich.

Weiterführende Links, mehr Informationen und was man dagegen machen kann steht hier. Mange Tak! (Where have all the Flowers gone..?)

radioballet am 19.6.2004, hannover

(ein erlebter bericht)

innenstadt, passerelle. wie auf ein unsichtbares kommando hin beginnen ca. 150 menschen ganz plötzlich, in verschiedenste richtungen zu rennen. schnell, sehr schnell. dann, wieder ganz im selben moment, STOP!

(REWIND, PLAYBACK:)

sehr gefreut habe ich mich in der letzten pop art radio – sendung, als ich in regie 2 eine CD liegen sah auf der stand „trailer radioballet“.

durch zufall bin ich im internet auf die gruppe LIGNA gestossen, und habe mir dann an einem denkwürdigen abend die sendung via stream vom ok bremen angehört. eine schöne sache, eine expedition in eine sterbende stadt.

in bremen nach geschäftschluss, hier an einem samstagnachmittag, eine expedition in eine stadt die sich verkauft hat. die sich gewaschen hat, drohte die ganze sache doch im regen zu verlaufen. ich entschloß mich also nicht zu radeln sondern die öffis zu gebrauchen – auf dem weg dorthin (ich war spät dran) hörte ich bereits die ersten minuten der sendung. merkwürdig….

ebenen

als ich die u-bahnstation werderstrasse (=oh synchronizita!!) betrat, verlor sich das signal des geschehens im bodenlosen. ich fuhr zum hauptbahnhof. zurück in der nullebene, in den heiligen hallen der bewegung in stillstand immer noch kein signal zurück. erst vor der tür, bahnhofsvorplatz, kamen die stimmen wieder. es regnete immer noch.


diese menschen hatten mit der ganzen sache nichts zu tun, sie übten nur tanzschritte
ich sah niemanden, der irgendwie dazugehören könnte. es regnete. ich ging den weg richtung kröpcke und sollte mich vor ein schaufenster stellen, reflexe der menschen beobachten. dort dann die ersten begegnungen mit den mitverschwörern, den menschen mit den ausgefahrenen antennen…

zur besseren augengefälligkeit auch hier ein roter kreis.
die stimmen erzählten weiterhin von ehemals offenen räumen, über verschiedene ebenen zu rezipieren und in ihren auswirkungen genauso vielschichtig. man versteht die sendung zuhause, auch ohne genaue kenntnis der stadt. man versteht sie in der stadt, passiv, und in der stadt, mitten im geschehen. man versteht sie auch, wenn einem -wie mir geschehen- immer wieder der kommerzsender dazwischenbratzt. es war teilweise sogar sehr passend (=„back in the summer of ’69“!!!) man versteht die sendung vielleicht nicht, wenn man menschen plötzlich merkwürdige dinge tuen sieht. aber vielleicht versteht man dann ja trotzdem irgendetwas..(=?)


nicht-normal
anspannung und auflösungdie sendung selber, und deshalb auch das ballet, war versehen mit einem ausgeklügelten spannungsbogen. bewegung und ruhe auf dem weg nach oben, zum schluß(.). der allerdings vollzog sich auf ebene -1…


willkommen in der konsumhölle.
hier durfte man sich wieder schaufenster anschauen. hier dann auch dagegenklopfen, dagegenlehnen. auf die schwellen der geschäfte setzen, hinlegen (was sagt die hausordnung dazu?(=!)). dann wurde gentanzt. dann kam die security (1 mann 1 hund) und redete was von anzeige. dann war die sendung zuende.(applaus und ab)

sehr schön war es. sehr schön auch, weil sich an diesem samstag wieder einige kreise schlossen, während neue sich öffneten. danke!

(ligna hat 2003 den alternativen medienpreis 2003 in der sparte radio gewonnen. eine viertel stunde aus dem siegerbeitrag befindet sich hier (mp3). ich werde wahrscheinlich einen mitschnitt von der sendung am samstag besorgen können, wer interesse hat melde sich bei fabe[klammeraffe]coderwelsh.de)