Das war ein Winter

   ganz nach meinem Geschmack! Ein wenig zu warm an manchen Tagen. Das Land hat einen ganzen Wald in den Ofen geschoben und einen Kohlenberg noch dazu.

Es schneit ja immer noch! Und da stößt die Flexibilität der kapitalistischen Plansollerfüllung an ihre natürlichen Grenzen, es gibt kein Vogelfutter mehr zu kaufen, ein Saisonartikel, so bekommen die Gefiederten jetzt Papageienfutter gestreut, die ersten bunten Federn wachsen bereits und besonders den Meisen steht es sehr gut an, die kleinen Hirsekörner. Auch unsereiner schräger Vogel steht auf wackligeren Beinen in der kalten Luft und ist es erst langsam überdrüssig, auch wenn ich nun, heute morgen erst, das „Winter Journal“ von Auster zu lesen angefangen habe, in der Bahn zur Arbeit, dem langgezogenen Transit-Schlauch.

Eine Zeichnung von Menschen in der U-Bahn oder in einem anderen Nahverkehrszug

Zeichnung: gunopark.tumblr.com

Die Hälfte liest vielleicht Bücher oder eine Zeitschrift, oder 1/3 möglicherweise. Ein weiteres Drittel tatscht auf den Bildschirmen der Devices rum und macht ein blödes Gesicht wohlmöglich noch dazu. Leute, die Ihr Telefon Smarty nennen. Ein Mann spricht mit einem Freund über irgendwo herausgeholte Leichenteile, darüber wie er jetzt arbeitet und wo und schließlich das man sich wieder sehen könnte, demnächst einmal, in dieser Reihenfolge und ohne nennenswerte Nuancierung in der Stimmlage, es ist alles dasselbe für ihn an diesem Morgen. Mir kommt in den Sinn, wie Bildagenturen ihre Werke neutral und dennoch emotional beladen zu beschreiben versuchen, ich denke an Happy Caucasian Couple Enjoying Dream Vacation. Später am Tag dann, das Aushandeln der AGB mit den Schusterjungen und den Hurenkindern.

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