[Aus dem Notizbuch]

(Nachgetragen vom 12.10.2009) Es ist wieder dieser Tage, der Himmel angefüllt, der Hinterhof mit Schatten, die Büroarbeit ein seltenes Vergnügen (auch: und das ist merkwürdig: im bohnenwächsernen Raum 201 Conti zu sitzen, von einer Säule halb verdeckt und dort zu sein, im Seminar) wo ich nicht mehr hin gehöre. Zu viel Vergangenheit für dieses kurze Leben. Die Mädchen zeigen sich ordentlich geführte Hefte indifinen Inhalts und „kuck ma wie orntlich“ sagt die niedersächsische Kartoffelschnute + die eine erzählt „Da gibt es so eine Theorie mit 23 das die immer wieder überall vorkommt das ist tatsächlich so wenn man darauf achtet“ + dann fürchten sie sich kollektiv vor dem Dozenten „weil der so streng ist“. Heute wird ein andalusischer Hund Gassi gegangen zum 1500387sten mal und ich freue mich im Geheimen schon auf einige Einstellungen, so ist es dann auch gekommen.

In der Caféteria, wo ich mir in der Pause einen Milchkaffee hole, hingegen N24 auf Beamer und auf dem Pappbecher Werbung für PriceWaterhouseCoopers.

Am 30.9. während der Arbeit auf ein Stück Schmierpapier:

[Nachtrag aus dem Notizbuch vom 1.10.2009] Gestern vor der Sparkasse der Mann, gut sitzender Anzug, von der Stange zwar, einen Arm angewinkelt vor der Brust vor sich hertragend, eine Hand und Unterarm leicht nach hinten abgespreizt (wie etwa ein Dienstbote im Frack, den Flügel im Ansatz zum Bückling gleich nach hinten wegwedelnd), dazu ein Gesicht zu Markte tragend wie eben eine Mischung aus Schwiegersohn und Berlin, Alexanderplatz (ungelesen!), Zeige- und Mittelfinger jedoch streichen beständig über die Seite des Ringfingers und zur Handinnenfläche hin,: ein angerissener Nagel im besten Falle, ein neurotischer Tick oder gar die Geldzählerkrankheit.

[wenn hier einer…]

5-Hydroxytryptamin, Acetaldehyd, Aceton, Acrylsäure, Alanin, Alpha-Linolensäure, Alpha-Terpineol, Alpha-Tocopherol, Apfelsäure, Arginin, Asche, Ascorbinsäure, Asparagin, Asparaginsäure, Beta-Caroten, Beta-Sitosterol, Bor, Bromelain, Calcium, Campesterol, Cellulose, Chlor, Citronensäure, Cyanin, Cystin, Einfach ungesättigte Fettsäuren, Eisen, Elainsäure, Essigsäure, Ester, Ethanol, Ethylacetat, Fasern, Ferulsäure, Fette, Flavonoide, Fruchtzucker, Gamma-Amino-Buttersäure, Gerbsäure, Gesättigte Fettsäuren, Glutamin, Glutaminsäure, Glycin, Glycoside, Histidin, Iod, Isoleucin, Kaffeesäure, Kalium, Kohlenhydrate, Kupfer, Leucin, Linalool, Linolsäure, Lysin, Magnesium, Mangan, Mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Methanol, Methionin, Myristinsäure, Natrium, Nitrate, Oxalsäure, Palmitinsäure, Palmitolsäure, Pantotensäure, P-Coumarsäure, Pektin, Pentosan, Peptidase, Peroxidase, Phenylalanin, Phosphor, Phylloquinon, Phytosterin, Prolin, Propanol, Protein, Saccharide, Saccharose, Salicylate, Saponin, Schleim, Schwefel, Serin, Serotonin, Silicium, Stearinsäure, Stickstoff, Stigmasterol, Stärke, Threonin, Traubenzucker, Triterpen, Tyrosin, Valin, Vanillin, Vitamin-b1, Vitamin-b2, Vitamin-b6, Vitamin-c, Vitamin-pp, Wasser, Zink

Hier könnte ein längerer Text folgen, jedoch die Zeit die Zeit wird auch dies zu verhindern imstande sein (das alte Biest)

Nach den Öffnungszeiten der Museen gesehen, denn wir und unsere Bildungsbürgerbezugsgruppe planen einen Ausflug in die Kunst, A. jedoch kann in der Woche nicht und wir wollten uns eigentlich nicht mit den Kaffeefahrten in die Schlange stellen am Freitag und Samstag immerhin hat das Museum bis 22 Uhren die Pforten geöffnet in zwischen. Heute Nacht ein Gedicht geträumt, welches ich dem L. überantwortet hatte verfasst zu haben und dessen ich mich natürlich nicht entsinne, was mich jedesmal wieder ärgert, einzig zwei Zeilen weiß ich noch, „Zum täglichen Anspuckritual“ und „schläfst Du dem Koma entgegen“, es war jedoch ein Liebesgedicht, dessen bin ich mir ganz sicher. Befremdlich. Vorhin als ich kurz vor die Tür getreten war Lust gehabt loszulaufen, wir werden sehen was der Tag noch bringt. Gestern eine Massenmail an alle mir Emailadressenmäßig bekannten Freunde und Sonstige aus der Klasse geschrieben, wir wollen einmal versuchen ein paar Daten zu aktualisieren und vielleicht gibt es im nächsten Jahr ein Treffen im Mai, wir werden sehen. Immer diese unverbindliche Tonart die ich hier anschlage.

Ein idealer Morgen würde vielleicht so aussehen das ich im Bett liege und ein Fensterflügel ist leicht geöffnet (ich könnte mir einmal einen Tee kochen) von Draußen klingt der verregnete Verkehr durch die gezogenen Vorhänge, der Fernseher läuft und ich sehe mir „Scrubs“ an, schlafe jedoch vielmehr immer wieder für einen Moment ein während Du in der Küche mit einer Freudin telefonierst. Ich bin offiziel mit einem gelben Schein unterwegs, dass also der Tag weit vor mir liegt und ich mich entschließen könnte.

Gestern Nacht auf einem Zaun am Rosenbergplatz gesessen und ein letztes Bier getrunken.

Ein wenig abseits außerhalb des Geschehens fühle ich mich wohl in diesen Tagen, merke doch wie das Schreiben hier dazu beiträgt die Zustände zu klären, auch weil ich ungeordnet alles in den digitalen Kasten fallen lassen kann und dabei nur vorgebe, mich mit den fremden Federn der Chiffrage zu schmücken, dass ist alles nur Angabe, denn in Wahrheit ist es tatsächlich so konfus wie es erscheint. Die Milch ist fast alle und ich werde nachher im Supermarkt welche kaufen. Gestern, fällt mir gerade wieder ein, bemerkt, dass zumindest wenn man nicht sehen kann Supermärkte ganz und garnicht barrierefrei sind, weder kann man wisssen was sich in den Packungen verbirgt (Schnapps oder Haushaltsreiniger?) noch was es kostet.

In unserem Hinterhof nistet ein Päärchen Dohlen, dass finde ich sehr schön. Hier kann man sie hören.

Die Wogen glätten sich, (nur sehr sehr langsam jedoch: Es war ein großer Stein der vom Himmel fiel). Noch komme ich zu nichts weiter als der lieben Arbeit (tagein, tagaus) und dem Stückweisen entleeren der Behältnisse. Gestern auf der Suche nach meinem (oder: einem meiner (oder besser noch: dem mit dem eine Reihe von ebensolchen begann)) Lieblingsbuch fast alle Bücher ausgepackt und unsortiert in das Regal sortiert. Ich sollte lesenderweise mit ebd. fotografiert werden, was dann auch genau so passierte. (Ach ach ach, ach ach, ach ach), in der Zwischenzeit, nun auch bereits mehr als eine Woche her wieder, in Stockholm gewesen, wozu auch noch einiges zu sagen wäre. Stadt auf und in Granit. Außerdem wäre herauszufinden, ob man von unserem Badezimmer aus in die Unendlichkeit blicken kann. Später dann. Heute wendet sich der Blick zunächst nach Innen, nur zur Kontrolle.

[umbrüche]

nicht nur die weite welt befindet sich, auch hier und bei mir und um mich herum ist alles in bewegung begriffen. als wenn das was neues wäre. jedenfalls:

da die wohnungssuche in der zwischenzeit abgeschlossen ist und ich demnächst zwei bahnstationen weiter stadtauswärts, dafür aber mit der liebsten zusammen und ohne die krachmacher über mir wohnen werde, ist es wie bei jedem umzug, man stößt unweigerlich auf die friedhöfe in den kellerräumen und muss sich um den adäquaten umgang mit den altlasten kümmern. für die restauflage der literaturzeitschrift „versschwoerer“, die ich zusammen mit einem freund von 1996 bis 1999 über 15 ausgaben hinweg angefertigt habe, ist mir in den sinn gekommen, sie in den bücherschränken der stadt und sonstwo zu verteilen. ich kann das ja nicht einfach ins altpapier. da steckt zuviel herzblut ♥ drin, immer noch. und das ist auch gut so.

ja, wir haben damals™ fanzine gemacht, wir haben das für uns gemacht, wir haben damit direkt im ersten studiensemester angefangen, denn keiner wollte unsere sachen drucken, also mussten wir das selber machen. windows 3.1 war damals™ das betriebssysten unserer wahl, die festplatte hatte ca. 250MB speicherplatz. und wir haben uns über zusendungen auf diskette gefreut, die mussten wir nicht abtippen. das layout haben wir mit word angefertigt, (danke, kai!), dann entsprechend ausgedruckt, sind dann damit in den copyshop gelaufen. papier. geduldig!


heute hätten wir vermutlich ein blog aufgemacht. mir ist seit 1999 allerdings in dieser stadt weder auf papier noch auf dem bildschirm etwas vergleichbares untergekommen – die bachelor-studentinnen und -en sammeln halt lieber ihre creditpoints.

allerdings waren wir auch dreist. wir haben den untertitel „zeitschrift für neuliteratur“ über 15 ausgaben geführt. der satz war am bauhaus angelehnt (so schräg dran), „arial rounded MT bold“ die verfügbare schrift, die diesem anspruch am nächsten kam. zwar waren auch viele gute sachen dabei, u.a. auch möglicherweise „neuliteratur“: viele texte waren so gerade eben aus nettigkeit druckbar, zuviele auch der besseren texte drehten und wendeten sich um das thema „bushaltestelle im regen“.

was sich auch noch im keller fand war ein ca. 3 meter langer schlauch, derjenige (welcher) heute (gestern) (2.4.*) mit dem sperrmüll abgeholt wurde. den hatte ich mitgenommen, als wir das abbruchhaus der polygram ausgeräumt haben, um für das erste flora-funkhaus verwertbares zu sammeln. 1997. ich kann mich an petja erinnern, der die sirenen abbaute, um sie für eine gorleben-castor-aktion zu verwenden. den sender, für den ich das alles gemacht habe, diesen sender gibt es seit dem 31.3. nicht mehr. und vielleicht gab es dieses radio eigentlich niemals. es war vermutlich nur eine schöne idee, die dann von den ewigen 68ern bewusst an ihr ende gebracht worden ist. sie wollten den mehrtürertod so unbedingt, um sich ja nicht mit der zeit nach ca. 1970 anfreunden zu müssen. meine kleine welt soll nichts erschüttern.. T.S. hat bei der letzten moderation, die über UKW auf den sender ging, geweint. ich hatte auch einen kloß. aber wir machen jetzt was neues, besseres.

ich habe allerdings 12 jahre an, in und mit diesem sender verbracht. ich hatte mit 14 jahren einen funktionsfähigen ukw-sender, den man in einem rucksack herumtragen konnte. ich und mein freund t. haben probeweise einen aircheck von bfbs dort durchlaufen lassen, danach war uns die sache zu heiss. was wir nicht wussten war, dass unser nerd-kumpel, der den sender zusammengeschraubt hatte, unsere kassetten dann trotzdem auf sendung gebracht hatte. (radio yellowsubmarine, es lebe hoch!) bis die post vor der tür stand, die eltern…

so sind die zeit und die brüche in ihrem fadenscheinigen gewand, so ist es bestellt und geliefert. vieles auf einmal, alles gleichzeitig, leben, baustelle.

wer nun gerne per post einige restauflagen-exemplare des „versschwoerer“ bekommen mag, diejenige sende doch bitte einen selbstadressierten und frankierten umschlag an die adresse, die impressum steht. als porto genügen 85 cent (büchersendung groß), dafür suche ich ½ Kg texte aus, solange der vorrat reicht. büchersendungen müssen in einem wiederverschließbarem umschlag versendet werden, dafür gibt es diese metallenen klammern. notfalls müsst ihr nachporto zahlen.

ein paar fragmente der ehem. website sind bei archive.org, viel spass beim stöbern.

*ich habe diesen beitrag gestern (vorgestern) nacht angefangen zu schreiben, wie es so ist, manchmal kommt man nicht zu einem ende. daher diese zeitangaben.

Sinnbild des heut. Tages

Eine Konservendose „Westfälischer Linseneintopf“ öffnen. Den dreckigen Topf vom Herd nehmen, ihn nur leidlich säubern, dann den Inhalt der Dose dort hineingeben. Auf die letzte noch funktionierende Herdplatte stellen (die kleine vorne rechts), warmmachen. Aus sich im Kühlschrank befindlichen Dose etwas Pfirsichsirup in ein Glas tun, ein paar Spritzer Zitrone dazu, mit Leitungswasser auffüllen. Während das Essen warm wird dies hier schreiben.