Es gab ’ne Menge Shostakovich zum Weihnachtsfest. …

Es gab ’ne Menge Shostakovich zum Weihnachtsfest. Hier sitze ich nun in meiner kleinen Funkerkabine, und lausche in den Äther hinein. Das Radio, das Radio. Und um mich herum: Das weite Meer. Norddeich sendet ja nun auch bereits seit einigen Jahren nicht mehr, geht alles über den Satelliten. Heutzutage. Esse gerade ein Dessert aus dem Glas nebst Ostfriesentee aus Emden. Norddeutsche Stadt mit einem Buchstaben. Smutje war am Backschrank und hat Srrohfeuer gelegt, verbotenerweise. 80%. Kommt eben rein, schaut stier in der Luft herum, grunzt, reibt sich den Bauch, verschwindet wieder. Bananen aus Venezuela im Laderaum, da sollte man besser nicht ohne Ticket mitfahren, was sie dort versprühen ist nicht nur für Spinnen tödlich. Da haben wir einmal 3 Blinde gerade noch so eben retten können, die mussten in Rotterdam von Bord. Hätte sie schlimmer treffen können. Die Niederlande. Hatten da drei Wochen lang grüne Bananen gegessen in ihrem Container. Kommt ein Spruch rein, ist aber nur das übliche. Im Bordkino, wie wir das nennen, heute wieder irgendsoein Science-Fiction. Werd mich demnächst mal selber um die Videos kümmern müssen. Macht alles der Maschinenraum, dementsprechend. Nun ist das Jahr auch schon wieder vorbei, und ich sitze immer noch in der Kabine, ohne Fenster höre ich es nur Rauschen auf den Ohren, Botschaften von Wellen herangetragen. Wir werden sehen, sehen werden wir. Gesund kann das auch nicht sein, unsere Bananen mit dem Gift was da draufkommt, wenn die davon sogar sterben können. Vielleicht doch besser keine mehr kaufen. Orangen aus Valencia, die müssen nicht so lange fahren, und so fiese Viecher gibt es dort auch nicht. Kann man machen.

Die helle Nacht dort draußen, ich kann im Dunkeln sehen. Jetzt sitzt er wieder dort, in dem Schrank, sagt einer im Bordkino, sitzt dort im Dunkeln, merkwürdig, und hat die Kopfhörer auf und hört in die Nacht, komischer Typ. Dann lacht die Freiwache. Der Player muss auch an die Steckdose, der Akku ist bald alle. Der Akku, der Strom auf dem Schiff, der vom Diesel kommt, die Lichtmaschine, süßer Geruch von Schiffsdiesel. Shostakovitch, als MP3 im Player, angetrieben von Schiffsdiesel. Von Fossilien getragene Musik, und da fällt mir ein, wieder, diese große Symphonie der Fabrik-Sirenen, 1920, Roter Stern, Leningrad. Nichts zu hören, nur das Rauschen.

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